Klassiker der modernen Unterhaltungsmusik: Judas Priest – Defenders of the Faith

 

Anfang der ’80er war die große Zeit der New Wave of British Heavy Metal. Und obwohl Judas Priest strenggenommen nicht dazu zählten, da sie bereits seit 1970 am Start waren und 1974 ihr Debütalbum veröffentlicht hatten, galten sie zusammen mit Iron Maiden und Saxon als Speerspitze der NWoBHM. Während Maiden unaufhörlich weitermarschierten und Saxon ihr Pulver zu schnell verschossen und sich dem US-amerikanischen Markt anbiederten, schwächelten Priest nach ihrem Genre-definierenden 1980er British Steel plötzlich (Point of Entry, 1981), fingen sich jedoch sofort wieder (Screaming for Vengeance, 1982) und schafften dann, was kaum einer gehofft hatte: Mit Defenders of the Faith legten die Briten 1984 ihren vielleicht stärksten Longplayer der Dekade vor.

Die Platte zeigt Priest mit der vom Vorgängeralbum vorgegebenen Härte und auf dem Zenit ihres Songwritings. Neben herausragend hookigen Metal-Vocals ist es gerade die Gitarrenfraktion, die brilliert: K.K. Downing und Glenn Tipton ergänzen sich makellos und spielen wie aus einem Guss – und beweisen, dass sie eines der besten Gitarrenduos der Metal-Historie sind. Anspieltipp hierfür: das geschwindigkeitsreduzierte „Rock Hard Ride Free“ ab etwa 2:30. Die Soli – erst K.K., dann Glenn – münden in eine betörende zweistimmige Passage. Geschmackvoller geht’s einfach nicht …

Auf den Opener-Kracher „Freewheel Burning“ folgt ein Hit nach dem anderen, der härteste Rohdiamant steht am Ende: Das von einem Überriff dominierte „Heavy Duty“, untermalt von einem kräftig wummernden Schlagzeug und mit Divebomb an der entscheidenden Stelle, feiert die Band ebenso wie die Metal-Gemeinde ab: „Let’s all join forces, rule with an iron hand and prove to all the world: metal rules the land.“ Und als sei das noch nicht genug, geht das Stück ohne Bruch über ins hymnische Titelstück, dessen Gesang sich auf die Textzeile „We are defenders of the faith“ beschränkt. Pathetisch? Ja, durchaus, aber eben auch geil.

Kurzum: Defenders lässt heute noch das ein halbes Jahr zuvor erschienene Metallica-Debüt Kill ’Em All wie einen Proberaummitschnitt pickliger Punks wirken.

Mit rund einem Jahr Verspätung erscheint am 6. März 2015 die „Special 30th Anniversary Deluxe Edition“ von Defenders of the Faith als Dreifach-CD. Silberling 1 enthält das komplette Album mit hervorragend remastertem Sound. Auf den beiden weiteren Scheiben ist ein Auftritt vom 5. Mai 1984 in der kalifornischen Long Beach Arena verewigt. Der Gig zeigt die Metalhelden in Spiellaune; die Setlist enthält bis auf einen Song („Eat Me Alive“) das vollständige Defenders-Album plus zwölf Priest-Klassiker. Dazu gibt’s noch ein Booklet mit ansehnlichen Fotos, in dem lediglich die Texte fehlen.

Jürgen Ehneß

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