Schecter Hellraiser Hybrid C-1 FR – Bitterböse oder Butterweich

 

Die Serien Hellraiser und Black Jack SLS zählen zu den Topsellern bei Schecter. Ausgehend von zahlreichen Kundenwünschen hat man nun die beliebtesten Features beider Modelle kombiniert.

Auffälligster Augenschmaus ist die wunderschön gemaserte Ahorndecke auf dem Korpus aus Mahagoni. Während sie beim anderen erhältlichen Farbton (Ultra Violet) nicht zu bewundern ist, kommt sie durch die Transparent-Black-Lackierung beim Testmodell wunderbar zur Geltung. Die Decke ist deutlich gewölbt und mit Abschrägungen versehen, die allerdings keinen spieltechnischen Vorteil mitbringen.

Damit hört der Hingucker-Faktor jedoch keineswegs auf, denn Schecter hat sich viel Mühe beim Design gegeben. So ist der Korpus, ebenso wie der eingeleimte Mahagonihals, mit einem Kohlefaser-Binding versehen. Zusätzlich ist an Korpus und Kopfplatte ein fünfschichtiges Standard-Binding zu finden. Das Ebenholzgriffbrett wiederum ist mit einem einschichtigen Binding verziert – eine tolle Kombination mit den Abalone-Inlays und dem aufwendigen Kreuz am zwölften Bund.

Auch bei der Hardware hat sich Schecter nicht lumpen lassen, denn hier sind Zutaten wie EMG-Pickups mit Kappen aus gebürstetem Metall, Grover-Stimmmechaniken und ein originales Floyd Rose 1500 dabei.


Aktiv und doch klassisch

Bei den beiden aktiven Humbuckern handelt es sich um die Modelle 57 (Bridge) und 66 (Neck), die wir euch bereits in Heft 5/13 vorgestellt haben. Diese Pickups liefern die üblichen Vorteile anderer EMG-Modelle (beispielsweise keine Nebengeräusche), sind aber klanglich eher klassisch orientiert, klingen somit etwas zahmer und vielseitiger als beispielsweise die populären Modelle 81 und 85.

Gesteuert werden die Humbucker über ein individuelles Volume-Poti und einen Tone-Regler. Die für den Betrieb benötigte 9V-Batterie ist in einem separaten Fach untergebracht, das über einen Schnappverschluss geöffnet wird. Praktisch, denn so benötigt man für den Batteriewechsel weder Werkzeug noch sonderlich viel Zeit. Insgesamt wurde die Hellraiser – die auf Wunsch auch mit Fixed Bridge und mit Floyd Rose samt Sustainer-Pickup am Hals (C-1 FR S) erhältlich ist – makellos verarbeitet und eingestellt.

Das Instrument liegt sehr gut am Körper, erweist sich jedoch als etwas kopflastig. Mit einem passenden Gurt, beispielsweise aus Leder, sollte sich das erübrigen; bei der Positionierung auf dem Bein ist es jedoch auffällig.

Abgesehen davon ist der Spielkomfort der C-1 enorm hoch. Der ultraschlanke Hals spielt sich bequem und ermüdungsfrei. Das flache C-Profil ist ideal für gepflegtes Shredden, genau wie die ab Werk eingestellte flache Saitenlage und die Jumbobünde.


Der freche 57er

Akustisch klingt die Hellraiser Hybrid C-1 schön knackig, mit Betonung auf prägnanten Höhen, seidig-dezenten Mitten und knackigen Bässen. Auch das Sustain weiß zu überzeugen, was für den Betrieb am Amp auf tolle Ergebnisse hoffen lässt.

Hier zeigt sich, dass die beiden EMGs tatsächlich weniger brutal zu Werke gehen als ihre populären Geschwister (81 und 85 beziehungsweise 81 und 60, die klassische „Metallica-Kombi“), was sich positiv auf cleane Sounds auswirkt. Hier steht jede Note wie die sprichwörtliche Eins. Auch sanfteres Strumming oder warme Picking-Sounds sind mit Leichtigkeit abrufbar, speziell wenn man die drei Potis nutzt.

So ist es möglich, mit den beiden Volume-Potis beide Humbucker stufenlos miteinander zu mischen, um feinfühlig die Wärme des 66er mit dem etwas frecheren 57er an der Bridge zu kombinieren. Genau das lohnt sich dann auch bei verzerrten Sounds, denn hier lässt sich mit der Konfiguration der C-1 jede Menge Vielseitigkeit abrufen. Klassische Blues- und Rock-Sounds gehören zum Standard, denn vor dem crunchenden Amp bewegt die C-1 jede Menge Luft und sorgt für AC/DC-tauglichen Druck.

Das Schwingverhalten der Gitarre ist großartig, so dass gepflegtes Bluesen zur wahren Freude wird, speziell wenn der butterweich und warm klingende 66er im Einsatz ist. Auch mit mehr Gain (egal ob Eighties oder moderne Zerrgrade) kommen die Pickups mühelos klar und wissen zu überzeugen. Mit Leadsounds sind fett rotzende Sounds von Eddie van Halen bis Joe „Satch“ Satriani drin. Mit den entsprechenden Settings am Amp auch Knochenbrecher-Klänge à la Annihilator, Avenged Sevenfold oder Megadeth.

Das Halsprofil und der ultrabequeme Zugang zu den hohen Lagen erlauben fixe Riffs ebenso wie filigrane Solo-Orgien ganz oben auf dem Hals, und je nachdem welcher Sound gewünscht wird, sind feurig-bissige Ergebnisse genauso abrufbar wie die Extrakelle Sahne für Melodiebögen nach Art von Gary Moore.

Wer gerne den Hebel einsetzt, wird das Floyd Rose 1500 lieben, denn obwohl es beim Testinstrument etwas stramm eingestellt war, sind von bösen Divebombs bis zur schnurrenden Katze alle Whammy-Tricks mühelos aus dem Hebel zu schütteln. Die Unterfräsung erlaubt auf der G-Saite Upbendings bis zum C (fünf Halbtöne – yeah!).


Das bleibt hängen

Trotz der gewissen Kopflastigkeit ist die Hellraiser Hybrid ein aufwendig, mit viel Liebe zum Detail designtes Instrument, das tadellos verarbeitet wurde und jede Menge klanglicher Abwechslung bietet. Der Preis geht bei so viel Gitarre mehr als in Ordnung.

Marc Rolf

www.schecter.com

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