Providence Overdrive-Pedale: Stampede OD SOV-2, Red Rock OD ROD-1, Sonic Drive SDR-5, Silky Drive SLD-1F
3.08.15

Clevere Kisten

 

Boutique-Effekte aus Japan? Normalerweise schauen wir ja eher gen Westen, wenn es um hochwertige Treter jenseits der Massenproduktion geht. Providence will das ändern. Wir haben uns vier ihrer Overdrives vorgenommen. Ein Chorus war zwar auch dabei, aber Overdrives sind schließlich unsere Leidenschaft …

 

 

Providence ist eine Marke der 1996 in Japan gegründeten Firma Pacifix Ltd., also eines noch vergleichsweise jungen Labels. Dennoch ist es vor allem im Land der aufgehenden Sonne bereits voll etabliert. Zum Programm zählen neben Effektgeräten auch Kabel, Router und Controller. Bei den Effekten liegt der Schwerpunkt auf Verzerrern – von insgesamt 14 Bodentretern sind fünf Overdrives, dazu kommen zwei Distortion-Pedale. Das Sortiment komplettieren je ein Booster, Compressor, Chorus, Phaser und Digital-Delay sowie zwei Effekte für Bassisten.

 

Entsprechend dieser Gewichtung wollen wir uns zunächst mit den Overdrives beschäftigen. Vier davon liegen uns zum Test vor: der Stampede OD SOV-2, der Red Rock OD ROD-1, der Sonic Drive SDR-5 sowie der Silky Drive SLD-1F. Die ersten drei liegen im Preisbereich von 200 Euro, das vierte um einiges darüber. Klar, das ist nicht gerade billig, im Segment der Edeltreter aber auch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

 

Zudem können sich die Macher von Providence mit illustren Usern schmücken: Zu den Anwendern zählen gitarristische Größen wie Carl Verheyen, Larry Carlton, Michael Landau, Steve Lukather, Robben Ford oder Scott Henderson – allesamt gestandene Profis, denen niemand in Sachen Sound auch nur das Leiseste vormachen kann.

 

Kommen wir damit zu unseren Testgeräten. Ihre Größe hält sich an kompakte Standards und liegt etwas unter Boss-Niveau, die Gehäuse und Potis machen einen durchweg hochwertigen und roadtauglichen Eindruck. Ein erster Hingucker sind die Fußschalter, die durch eine spezielle Konstruktion vor Beschädigungen geschützt sind. Das habe ich in dieser Form auch noch nicht gesehen. Eine weitere clevere Idee ist die Funktion der Power-LED. Sinkt der Batteriepegel unter einen bestimmten Wert – angegeben sind je nach Modell fünf bis sieben Volt –, leuchtet sie schwächer und deutet so das nahende Ende der Versorgung an.

 

Außerdem haben die Japaner ihren Kisten weitere Features mit klingenden Namen mitgegeben, etwa „Double Contact Grounding“ (D.C.G.) oder „Single Contact True Bypass“ (S.C.T). Ersteres steht für einen zweifachen Kontakt des Instrumentenkabels zur Erdung des Geräts, was Wacklern und Nebengeräuschen weniger Chancen geben soll, das Zweite ist eine True-Bypass-Schaltung, deren Signal nur einen einzelnen Schaltkontakt passiert. Ins Deutsche übersetzt: besserer Sound bei weniger Anfälligkeit. Neben den Gemeinsamkeiten besitzt jedes Pedal individuelle Ausstattungsmerkmale.

 

Stampede OD SOV-2

Der Stampede ist in Sachen Bedienung das übersichtlichste Pedal unseres Quartetts. Mit Reglern für Level, Tone und Drive ist alles Nötige an Bord. Auf zusätzliche Schalter oder Boost-Funktionen wurde hier verzichtet – unter der Haube liegt allerdings ein weiteres, nicht unwesentliches Feature. Im Inneren wird die Spannung von neun Volt auf einen vom Hersteller nicht näher bestimmten Wert angehoben, was der Dynamik und damit dem Sound zugute kommen soll. Mit seinem mittigen Ton eignet sich das SOV-2 sehr gut für Blues- und Fusion-Leads. Nutzernamen wie Robben Ford oder Carl Verheyen sprechen hier eine klare Sprache. Aber auch Classic-Rock steht durchaus auf dem Spielplan dieses Treters. Auch als Clean-Boost macht der Stampede seine Sache sehr gut. Die Gitarre bleibt stets erkennbar, der Ton wirkt dabei sehr natürlich.

 

Red Rock OD ROD-1

Der rote Bruder des Stampede ist üppiger bestückt, wurde jedoch ebenfalls mit der internen Spannungserhöhung ausgestattet – in diesem Fall konkret angegeben mit 9 auf 18 Volt. Neben Master, Gain und Tone steht ein Miniregler mit der Bezeichnung Volume zur Verfügung, der wie bei einem Gitarrenverstärker den Eingangspegel steuert und damit Gitarren unterschiedlicher Pegel angleichen oder als Boost dienen soll. Mit dem Fat Switch steht eine weitere Boost-Funktion für die unteren Frequenzen zur Verfügung. Providence empfiehlt den roten Rocker speziell für Singlecoils, doch auch mit Humbuckern hinterließ er im Test einen guten Eindruck. Mit seiner Ausstattung bietet er mehr Optionen als der Stampede und sorgt außerdem für höheren Schub.

 

Sonic Drive SDR-5

Ordentlich Punch hat auch der Sonic Drive. Der Gain-Meister unseres Quartetts besitzt neben Reglern für Level, Tone und Drive ebenfalls einen Fat Switch. Mit seinem schnellen Attack weiß er auch bei härteren Stilrichtungen zu gefallen. Aber das natürlich in Grenzen, denn es handelt es sich noch immer um ein Overdrive-Pedal. Von den vier Kandidaten gefiel der SDR-5 mir persönlich am besten, aber das hat in diesem Fall ausschließlich mit den präferierten Sounds und nichts mit Qualität zu tun. Die ist bei allen Testteilen hoch.

 

Silky Drive SLD-1F

Passend zum Namen liefert der Silky Drive einen eher weichen und samtigen Ton, der laut Hersteller an einen aufgerissenen alten Röhrenamp erinnern soll. Er ist damit zahmer als der Red Rock, klingt aber durchweg hervorragend. Der Gain-Boost-Schalter erhöht zwar den Zerranteil, trotzdem bleibt der Silky Drive stets auf der sanften Seite. Passend zum Konzept arbeitet der Tonregler passiv.

 

Im Vergleich zu den anderen drei Tretern wartet der SLD-1F mit einer Besonderheit auf – einem sogenannten Vitalizer, der auch im abgeschalteten Zustand aktiv ist und einem Signalabfall auf längeren Wegen entgegenwirkt. Es ist wohl dieses Feature, das ihn deutlich teurer macht als seine Kollegen. Hinzu kommt außerdem eine Funktion namens „Vitalized Noise Switching“, die Schaltgeräusche eliminieren und optimale Soundqualität gewährleisten soll.

 

Das bleibt hängen

Professionelle Helfer mit cleveren Ausstattungsdetails und hochwertigen Sounds: Die vier Pedale decken eine breite Overdrive-Palette für jede Geschmacksrichtung im Zerrerkosmos ab, in der jeder Gitarrist zwischen Blues und Hardrock fündig werden dürfte.

 

Keiner der Treter verbiegt dabei den Sound im Übermaß, Gitarre und Gitarrist scheinen stets durch. Im Test machten alle sowohl vor einem cleanen als auch vor einem angezerrten Amp eine gute Figur. Boutique-Effekte müssen also nicht zwangsläufig aus westlichen Ländern kommen. Itadakimasu!

 

Chris Hauke








 
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