Fleischwolf im Schafspelz: Jacques Electric Sheep
11.07.16

Schon ein erstes Detail lässt darauf schließen, dass es sich bei Jacques Charbit um einen ganz speziellen Charakter handelt: Seine Homepage erreicht man unter der Adresse www.jacquespedals.com, was zumindest eines schnell klar macht: Der Mann hat wenig anderes im Sinn, als sich um seine Pedalentwicklungen zu kümmern. Das steht im Vordergrund, gerne mit einigen Besonderheiten innen wie außen.


Mehr als Standard


Das Electric Sheep ist ein Verzerrer, für den sich Jacques Charbit einige Spezialitäten hat einfallen lassen. Er entwickelte dafür ein neues, eigenes Design, das komplett auf ICs verzichtet und stattdessen auf eine diskret aufgebaute Schaltung setzt. Wem das zu viel Technik ist: mehr Aufwand und Kosten bei der Signalverarbeitung, die in einen besonders natürlichen Overdrive-Ton münden soll. Hinzu kommen hochwertige Transistoren, ausgesuchte und geprüfte Komponenten sowie eine speziell konzipierte Platine.
Doch nicht nur das Innenleben wartet mit einigen Feinheiten auf, auch die Regelmöglichkeiten auf dem Pedal selbst gehen über das Standardmaß hinaus. Neben bekannten Reglern für Tone, Gain und Volume sitzen auf der Gehäuseoberseite zwei Potis mit den Bezeichnungen „70/80“ und „HB/SC“, die eine spezielle Anpassung erlauben.
Ersterer verschiebt den Ton stufenlos zwischen den Polen „’70er-Sound mit der natürlichen Verzerrung eines Röhrenamps“ hin zu „’80er Jahre mit dem Sound eines Zerrpedals“. Hierbei handelt es sich nicht um ein Gain-
Poti. Durch die Konzeption der Schaltung ändert sich je nach Stellung vielmehr das Verhalten der Elektronik. Mit diesem Regler lässt sich der Grundcharakter des Pedals justieren – und das weit über Nuancen hinaus.

 

 

Ritchie & Jimmy

„HB/SC“ passt die Eingangsimpedanz an die Tonabnehmer der verwendeten Gitarre an. Der Linksanschlag ist für Output-starke Humbucker vorgesehen, auf der rechten Seite werden Singlecoils in Empfang genommen.
In Verbindung mit dem Gain-Poti lässt sich mit diesen beiden Reglern eine Vielzahl von Sounds detailliert erstellen. Das kleine, handgemachte Manual liefert einige Beispiele mit prägnanten Bezeichnungen wie „Ritchie“, „Jimmy“ oder „Dover“. Sehr gut getroffen ist auch der Regelweg des Tone-Potis, das in der ersten Hälfte weiche Zerrsounds liefert, und dann nach und nach durchschneidend zupackt.


Satter Ton

Der Zerrgrad des Pedals reicht vom Clean-Boost bis hin zum fetten Overdrive, auch
Volume trägt je nach Stellung seinen Anteil zum Sound bei. Ob mit Singlecoils oder Humbuckern, ob ’70er-Ton oder ’80er-Hardrock – das Electric Sheep liefert einen satten Ton, der sich vielfältig auf die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt. Soundgourmet Joe Bonamassa hat die Vorzüge des Pedals schnell entdeckt und sich sogleich das erste Endorsement für das elektrische Schaf erspielt.
Kleinserie, hochwertige Bauteile, Handarbeit – das heißt auch, dass der Verzerrer kein Schnäppchen ist. Der Preis liegt bei 250 Euro, dadurch ist das Electric Sheep alles andere als ein Mitnahmeartikel. Wer jedoch über genügend finanzielle Reserven verfügt und ein flexibles Zerrpedal abseits des Mainstreams sucht, sollte sich die Kreation von Jacques
Charbit einmal näher anschauen.


Das bleibt hängen

Jacques Charbit bietet mit dem Electric Sheep ein Zerrpedal der ganz besonderen Art. Mit seinen Reglern „70/80“ und „HB/SC“ reichen die Zugriffsmöglichkeiten über gängige Standards hinaus. Dank der breiten Palette an Sounds auf hohem Niveau eignet sich das Pedal optimal für Stile von Blues bis Hardrock. Wer in der Lage ist, die 250 Euro für ein Verzerrerpedal auszugeben, sollte es auf seine Anspielliste setzen.

 

Und so klingt das Schäfchen:

 

Text: Chris Hauke


Foto
: Christoph Przybilla

 

Diesen und weitere Tests sowie Interviews, eine Song-CD, Notenmaterial und Workshops findest du in der Ausgabe 06/2016.  Heft am Kiosk verpasst? Kein Problem, hier könnt ihr euch die Ausgabe jederzeit bestellen.



 
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