Pushen, tönen, fegen - Effekte von Walrus Audio
8.01.16

Alle drei Walrus-Pedale sind solide verarbeitet und mit den von der Firma bereits bekannten individuellen Zeichnungen geschmückt, die von einem Freund der Gründer speziell entworfen wurden. Die Potis sind nicht versenkt montiert, also ist etwas Vorsicht geboten, wenn man allzu brachial auf dem Pedalboard her-umstampft – denn die Pedale sind speziell für den Einsatz auf dem Board vorgesehen. Die Stromversorgung erfolgt via Netzteil;  Batteriebetrieb ist ebenfalls möglich, dafür müssen aber die vier Schrauben der Bodenplatte abgenommen werden. Die Unterseite der Pedale ist komplett flach und glatt gehalten, was der Montage auf einem Brett entgegenkommt. Wer die Pedale dennoch einzeln und nicht montiert betreiben möchte, kann die beiliegenden selbstklebenden Gummifüße anbringen. Die Buchse für den Anschluss der Stromversorgung befindet sich auf der Rückseite und ist versenkt montiert. Ein gerader Stecker ist also notwendig.

Messner




Das Messner ist das neueste Pedal im Walrus-Audio-Katalog. Passend zum Namen prangt auf der Oberseite eine Zeichnung von Bergsteigerlegende Reinhold Messner.
Das Messner ist als Overdrive mit geringem Zerrgrad konzipiert. Zielsetzung war, ein möglichst neutrales Overdrive zu liefern, das den Sound der Gitarre so wenig wie möglich verfälscht. Regelbar sind Output, Color (ähnlich Tone) und der Zerrgrad. Über den Zweiwegschalter lassen sich die Voicings „Open“ und „Closed“ abrufen.
Letzterer schaltet zusätzliche Clipping-Dioden in den Signalweg, so dass man pauschal sagen kann: Open – weniger Verzerrung und Kompression –, Closed – mehr davon.
In der Open-Position erinnert der Sound an einen guten und neutralen Booster. Der Klang wird lebendiger, dynamischer und lauter, ohne dass er verfälscht oder gar abgewertet wird. Im Gegenteil: Es ist fast so, als würde der Sound der eigenen Gitarre und des eigenen Spiels unter die Lupe gelegt. Details kommen mehr zum Vorschein, und das Gesamtergebnis klingt schlicht lebendiger. Selbst bei voll aufgedrehtem Gain hält sich die Zerre stark zurück; lediglich leichter Crunch ist vor dem cleanen Amp vernehmbar. Dafür ist deutlich hörbar, dass die Vorstufe härter „angetreten“ wird, und über das Color-Poti lassen sich geschmackvoll die Höhen betonen. Auch hier findet kein unnötiges Färben statt. Es regieren knackige Höhen, mit denen sich beispielsweise eher matte Humbucker brillanter zaubern lassen oder Cleansounds plötzlich spürbar nach Nashville und Country tönen.
Der Closed-Modus geht etwas kräftiger zu Werke, ist jedoch kein brachialer Gain-Boost oder ähnliches. Stattdessen wird der Klang etwas stärker komprimiert, und ange-crunchte Amps lassen sich damit gut in höhere Zerrgefilde pushen.
Immer wieder beeindruckend ist, wie subtil das Pedal eingreift und das Allerwichtigste zum Vorschein bringt: den Grundklang des Instruments und des Amps sowie das eigene Spiel, ohne alles mit zu viel Verzerrung oder Kompression „weichzukochen“. Somit ist das Messner-Pedal mit einem sehr guten neutralen Booster vergleichbar. Es eignet sich hervorragend zum Auffrischen und Verfeinern des Sounds (wie es beispielsweise Brian May stets bei seinen Vöxen macht) oder auch, um den angecrunchten Amp stärker zu befeuern – stets geschmackvoll, musikalisch und dynamisch.

Mayflower

Etwas kräftiger geht das Mayflower ans
Werk. Es liegt zerrgradtechnisch oberhalb des Messners und auch des Voyagers (siehe guitar 5/2015).
Es arbeitet ähnlich wie das Messner: sehr klar und neutral, wobei es mehr Zerre in Reserve hat. Statt eines Mode-Schalters verfügt das Mayflower über je einen Regler für Bässe und Höhen. Mit diesen lässt sich der Sound präzise und feinfühlig justieren. Diese Lösung ist beispielsweise ideal, wenn man von einer eher höhenreichen Gitarre zu einer wechselt, die über weitaus mehr Bässe verfügt – ein Dreh an den Potis, und der Sound ist angepasst. Sind beide Regler und das Gain-Poti am Anschlag, entsteht ein lebendiger, solotauglicher Crunch, der vor einem cleanen Röhrenamp an Texas-Blues à la Stevie Ray Vaughan erinnert: kraftvoll, warm, dynamisch. Stets ist der individuelle Grundsound der Gitarre hörbar, wird hier jedoch verfeinert und verstärkt. Ob singend-warm oder knochig-spitz: Das Mayflower ist nicht nur ein Zerr- sondern auch ein Tone-Booster; geschmackvoll und wie seine Geschwister wunderbar neutral und dynamisch.




Iron Horse



Hier geht die Post ab. Das Iron Horse ist ein heißblütiges Distortion-Pedal und schon
optisch überaus cool, denn im eingeschalteten Zustand leuchtet das rote Auge des aufgemalten Pferdes bedrohlich.
Zu Recht, denn das Iron Horse beginnt direkt in vollem Galopp. Schon bei geringen Gain-Settings ist satter Crunch zu hören, und bei Vollanschlag ist der Sound
problemlos für ausgiebiges Abrocken und Solieren geeignet – moderates High-Gain, aber geschmackvoll.
Der Dreiwegschalter ändert Voicing und Output. Die Mittelstellung ist enorm laut, und es sind satte Bässe und gut bemessene Mitten hörbar. Die linke Position geht sanfter ran. Hier wird der Output etwas abgesenkt, die Bässe sind weniger dicht, und auch die Mitten werden beschnitten. Für Soli bietet sich speziell die rechte Position an. Hier wird der Sound noch sanfter und cremig singend. Diese Stellung liefert den geringsten Output.
Ein Umschalten während des Songs ist nur dann sinnvoll, wenn man das Output-Level zusätzlich nachregelt oder am Amp nachhilft. Wahrscheinlich wird der zukünftige Nutzer eher zwischen den Songs umschalten und dann beim jeweiligen Setting bleiben. Das Iron Horse beeindruckt durch sattes, warmes und dennoch dynamisches Verzerren. Kein „Über-Metal-Pedal“, das klanglich alles verwäscht, sondern ein höchst musikalisches Zerraggregat mit jeder Menge Druck unter dem Pony.

Das bleibt hängen

Alle drei Walrus-Audio-Pedale verfügen über einen höchst individuellen Sound und ein durchdachtes Konzept. Das Messner agiert fast wie ein kräftiger Boost, das Mayflower wie ein höchst dynamisches Overdrive mit Klangregelung, und das Iron Horse hat beim High-Gain die Nüstern vorn. Ausgiebiges Antesten aller drei Kandidaten ist empfohlen!

 

Text: Marc Rolf

 

Diesen Artikel, weitere coole Tests rund um Gitarren und Equipment sowie Workshops inklusive CD, Soundfiles und Notenmaterial findet ihr in der guitar 01/2016. Die liegt aktuell an jedem Kiosk aus, ihr könnt sie aber auch bequem hier im Internet bestellen.

 

 



 
zurück zur Übersicht






guitar für iPad


















Aktuelle Ausgabe


Aktuelle Ausgabe guitar acoustic