Finhol Accutronics Spring Reverb & Natural Tube Series Reverb
21.02.16

Hallfahnen satt

 

 

Die baden-württembergische Firma Finhol zeichnet sich durch ihren Hang zur Problemlösung und Tüftelei aus: Es gibt keine Federhalleffekte im Bodentreterformat? Okay, dann baut man eben einen. Zum Test liegen uns sowohl die Ursprungsvariante, der Finhol Accutronics Spring Reverb, als auch die um eine Röhrenschaltung ergänzte Variante aus der Natural Tube Series vor: der – wer hätte es geahnt – Natural Tube Series Reverb. Beide gleichen sich im mechanischen Aufbau bis auf wenige Unterschiede wie ein Ei dem anderen: cremeweißes Gehäuse, schwarze Front, weiße Beschriftung, cremeweißes Poti mit Alu-Topping und schwarzer Markierung. Beiden gemein sind auch die drei Buchsen – Eingang, Ausgang und Anschluss für einen Fußschalter – sowie das Format.



Fahnenschwenker deluxe


Unterschiede findet man in der Positionierung der Anschlussbuchsen, des Stromanschlusses und des Potis auf der Frontseite. Aktiviert werden beide mit dem Einstecken des obligatorischen Netzteils. Der Hallanteil am Signal wird über den einzigen Regler – Level – eingepegelt. Die Variante mit ECC82-Röhrenschaltung leuchtet einem dank der Hilfe einer roten LED und dreier Sichtschlitze auf den Glaskolben freudig entgegen.
Schaltet man die beiden zwischen Gitarre und Amp, so zeigt sich gleich zu Beginn, dass beide in der Lage sind, einem allzu trockenen Gitarrensignal zu mehr Wärme, Fülle und Räumlichkeit zu verhelfen. Der Kollege mit der Röhre tönt um Nuancen wärmer; hier muss allein der persönliche Geschmack entscheiden. An dieser Stelle seien alle Liebhaber wunderbar differenzierter und allzu steriler Klanglandschaften gewarnt, denn beide Finhols sind echte Federhallvertreter: Man kann die Federn scheppern hören, und es klingt allgemein eher retro als modern.




Die Hallzeit von drei Sekunden ist ausreichend. Beide Reverbs liefern mehr Fahne als genug. Letztlich handelt es sich beim Reverb, zumal einem mit derart spartanischen Regelmöglichkeiten, nicht um Atomphysik: Regler auf neun Uhr, und es wird dezent fülliger. Regler irgendwo zwischen zehn und elf dickt die Leadlines angenehm an. Ab drei Uhr wird es deutlich wilder, allerdings nehmen ab hier auch die Nebengeräusche deutlich zu. Ein leichtes Brummen ist in Spielpausen bereits in niedrigen Potistellungen zu vernehmen. Im Spielbetrieb fiel dies hingegen kaum ins Gewicht. Erst extreme Einstellungen fordern in dieser Hinsicht ihren Tribut.

Das bleibt hängen

Und wieder mal gilt: Die besten Dinge sind oft erschreckend simpel. Einen Federhall im Pedalformat gab es bisher nicht, jetzt gibt es deren zwo. Wer Hallfetischist ist, der legt die knapp 300 Euro für die Röhrenvariante sicher hin, alle anderen fahren mit der schlichteren Variante für einen Hunni weniger genauso gut. Alle Finhol-Produkte sind exklusiv beim Musikhaus Thomann erhältlich und Made in Germany. Daumen hoch!

 

Text: Stephan Hildebrand

 

Diesen und weitere Tests, Interviews, Song-CD, Notenmaterial und Workshops findest du in der Ausgabe 02/2016.  Heft am Kiosk verpasst? Kein Problem, hier könnt ihr euch die Ausgabe jederzeit bestellen.

 

 



 
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