Hagstrom Swede Bass – Mahagoni satt
10.02.17

Hagstrom aus Schweden gehört zu den Pionieren im Bassbau. Beispielsweise ist der achtseitige Bass hier in Serie gegangen – James Jamerson besaß ebenso einen wie Jimi Hendrix. Der Swede Bass lehnt sich jedoch eng an den Les Paul Bass von Gibson an und wurde gar nicht so lange hergestellt: von 1971 bis 1976. Nun wird er neu aufgelegt.

Der moderne Swede Bass orientiert sich erfreulich dicht an dem Modell aus den 1970ern und ist nur an ein paar wenigen Stellen modifiziert und modernisiert worden. Er besteht praktisch ausschließlich aus Mahagoni. Lediglich das Griffbrett wird aus dem Hagstrom-eigenen, Ebenholz-ähnlichen Holzverbundstoff Resinator gefertigt.

Die Mensur des Griffbretts beträgt 30¾ Zoll, der Swede Bass zählt also zu den Short-Scale-Bässen. Daher ist er inklusive der Korpusform mit dem wenig erfolgreichen Gibson Les Paul Bass vergleichbar, der allerdings mit niederohmigen Pickups ausgestattet ist und damit eine völlig anderes Publikum anspricht. Wenn man jedoch an die EB-Modelle denkt, kommt man der Sache schon näher.

Der Single-Cut-Korpus aus Mahagoni ist etwa vier Zentimeter dick. Er besitzt ein Binding um die ganz leicht gewölbte Decke her-um und eine angedeutete Bauchfräsung auf der Rückseite. Auch das Griffbrett und die Kopfplatte weisen dieses Binding auf. Zeitkorrekte, geschmackvolle Blockinlays markieren die Positionen auf dem Griffbrett – schaut euch mal die beiden dezenten Streifen im 12. Bund an. Der Hals mündet am 16. Bund in den Korpus, in den er im Gegensatz zum ’70er-Jahre-Vorbild eingeleimt ist. Die Kopfplatte erscheint ein wenig groß für den Korpus, aber das war damals eben so. Die Mechanikflügel sind allerdings eine Entwicklung der Neuzeit; das Original war mit kleineren Flügeln und wesentlich weicheren Kanten ausgestattet.

Auf der Korpusseite sorgt eine Tune-o-Matic-Bridge für die Führung der Saiten. Im Vergleich zur früheren Konstruktion ist der Einstellweg pro Saite wesentlich größer, weshalb sie im Hagstrom-Sprech auch „Long Travel“ genannt wird. Auch der separate Saitenhalter ist eine Neuentwicklung. Jede Saite besitzt einen eigenen Block, der sie hält und der separat durch eine Plexiglasplatte in den Korpus geschraubt wird. Eine schicke Chromabdeckung verbirgt das Ganze.


Eine Menge Holz

Zwei Humbucker, scheinbar in Standardgröße, tatsächlich jedoch ein paar Millimeter größer, sorgen für die Übertragung der Saitenschwingungen. Dazu kommen die üblichen Regler – zweimal Volume, zweimal Tone – sowie eine Menge Schalter für die Kontrolle und die Feinabstimmung des Sounds. So können via Push-Pull-Poti die Humbucker separat gesplittet werden. Außerdem gibt es zusätzlich zu den Tone-Potis eine schaltbare Höhenabsenkung, die jedoch wesentlich höher ansetzt als die der Tone-Potis.

Der Swede Bass besteht aus einer Menge Holz; dafür ist er mit nicht einmal vier Kilogramm jedoch erfreulich leicht. Das ist zwar mehr als bei einem EB, auf der anderen Seite ist er dadurch aber kaum kopflastig und kann an einem rauhen, breiten Gurt sehr bequem getragen werden. Auch der Hals liegt toll in der Hand; er ist relativ schmal, aber ausreichend dick, und dank der kurzen Mensur müssen sich die Finger nicht ganz so weit strecken. Der patentierte H-Expander (eine speziell geformte Aluminiumschiene zur Stabilisierung des Halses) sorgt dafür, dass der Hals bei aller Bequemlichkeit gerade bleibt.

Der erste Eindruck, noch ohne Verstärkung, zeigt ein langes Sustain, wie man es von einer solchen Konstruktion auch erwarten kann. Der Ton ist offen und überraschend brillant, das Attack unterscheidet sich deutlich von dem eines Long-Scale-Basses. Es knackt mehr im Anschlag, gleichzeitig schwingt die Saite etwas langsamer ein. Dieses Verhalten ist typisch für einen Short-Scale-Bass.

Am Verstärker überwiegt der überwältigende Eindruck von viel Mahagoni. Schon dafür lohnt es sich, mit diesem Bass zu liebäugeln, denn der von Ahorn, Esche und Erle geprägte Mainstream tönt deutlich anders. Der Ton drückt in einer ganz eigenen Art direkt aus der Mitte.

Der Hagstrom liefert im Wesentlichen zwei Grundsounds, nämlich Stegpickup alleine oder eine der beiden anderen Stellungen des Pickup-Wahlschalters – zwischen „Hals-Pickup“ und „beide zusammen“ passiert nämlich nicht mehr viel. Und natürlich kann man die Höhen wegregeln, um einen noch dumpferen, Dub-tauglichen Sound zu erhalten. Der Stegpickup alleine liefert einen mittigen Ton, der sich hervorragend durchsetzen, jedoch einen kleinen Schub Bässe vom Verstärker brauchen, um sich un-eingeschränkt durchsetzen zu können. Toller Sound! Der Halspickup alleine tönt druckvoller, schiebt aber deutlich weniger, während beide Tonabnehmer zusammen einen offenen, slap-tauglichen Ton bieten. Wenn nur der Halspickup nicht immer im Weg wäre ...


Das bleibt hängen

Mit dem Swede ist Hagstrom ein moderner Short-Scale-Bass abseits des Mainstreams gelungen, der durch seinen eigenständigen, druckvollen Sound und die makellose Verarbeitung auf der ganzen Linie überzeugen kann. Für den einen oder anderen besitzt er möglicherweise zu viele Schalter, jedoch ist er dadurch flexibel an verschiedene Anforderungen anpassbar. Diese Anforderungen können durchaus auch in jazzigen oder metallischen Gefilden liegen – der Swede Bass schultert bei entsprechender Saitenbestückung auch diese Spielarten. Toller Bass!

Jürgen Richter

www.hagstromguitars.com



 
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