Fender Sandblasted Ash Telecaster & Sandblasted Ash Stratocaster
18.02.16

Potentielle Sammlerstücke

 

Brennend heißer Wüstensand. Die Karawane zieht weiter. Im Gepäck: Esche-Bodys für Fenders brandneue, limitierte Sandstrahlerserie.

 

 

 

Relicing mal ganz anders: Direkt beim Schälen der Instrumente aus dem Gigbag werden die Augen ganz groß, denn die Bodys wirken fast wie prähistorische Relikte, mit einer Struktur, die an versteinertes Holz erinnert. Faszinierend. Das ist kein rein optischer Effekt, wie beispielsweise eine Lackierung oder Maserung: Die „Gruben“ sind teils fast einen Millimeter tief und dementsprechend gut zu spüren. Jedoch keine Sorge: Verletzungsgefahr besteht keine (außer vielleicht für den Dispokredit), denn scharfe Kanten sind nicht vorhanden.

 

Der Sandblasted-Effekt entsteht dadurch, dass die Bodys nach dem Lackieren ausgiebig mit dem Sandstrahler bearbeitet wurden. Dadurch ergibt sich bei jedem einzelnen Instrument eine gänzlich einzigartige Optik. Die Furchen sind jedes Mal anders gewinkelt und positioniert, so dass man fast wie bei verschiedenen Maserungen sein Exemplar nach persönlichem Geschmack auswählen kann. Die verfügbaren Farben Sapphire Blue und Crimson Red, also jeweils sehr dunkle Blau- und Rottöne, passen ausgezeichnet zur Sandstrahloptik.

 

Auch haptisch sind beide Gitarren interessant, denn sie sind lediglich mit einem leichten Satinlack aus Urethan überzogen, und schon beim ersten Anspielen fühlen sich die Teile nicht nur bereits eingespielt an, sondern man spürt auch das hervorragende Schwingungsverhalten, das bei zu vielen Lackschichten so oft leiden muss. Die optisch auffälligen Bodys sind mit voll funktionsfähigen und nicht modifizierten Bauteilen bestückt. Zeit, einen Blick darauf zu werfen, denn die Teile gehören nicht in die Vitrine, sondern in gierige Gitarristenhände!

 

Sandblasted Ash Telecaster

Der Eschekorpus in sattem Dunkelblau ist mit einem Hals aus Ahorn verschraubt. Dieser verfügt über ein sattes, jedoch nicht klobiges C-Profil mittlerer Stärke und einen Radius von 9,5 Zoll. Die Saiten werden durch den Korpus geführt und laufen auf dem Weg zum Hals über insgesamt drei Saitenreiter – die klassische Konfiguration.

 

Die Pickups sind American-Standard-Singlecoils, deren Impedanz beim Testmodell bei 6,6 kOhm (Bridge) beziehungsweise 7,3 kOhm am Hals liegt, sich also im gehobenen Vintage-Bereich bewegt. Geschaltet werden die Teile über den klassischen Dreiwegschalter, allerdings hat Fender der Tele die Greasebucket-Schaltung gegönnt, die erstmals im Custom Shop und bei den Highway-One-Modellen eingesetzt wurde.

 

Hier sind mehrere Widerstände und Kondensatoren im Einsatz, die dafür sorgen, dass beim Herunterregeln des Tone-Potis zwar Höhen beschnitten, aber keine Bässe addiert werden. Wem also der Sound normalerweise zu dumpf wird, wenn man das Tone-Poti nutzt, der findet hier eine praxistaugliche Alternative. Die Sandblasted Ash Telecaster kombiniert diese Schaltung mit klassischen Tele-Zutaten und scheint für alles zwischen Country, Blues und klassischem Rock prädestiniert, auch wenn sie optisch sogar in eine Metalband passen würde …

 

Sandblasted Ash Stratocaster

Dies ist bei der Strat-Schwester ganz ähnlich. Sie würde sich selbst in einer Gothic-Düsterkapelle gut machen.

 

Auch hier ist ein Ahornhals mit 9,5-Zoll-Radius im Einsatz. Die große Kopfplatte erinnert stark an die Siebzigermodelle, wie Ritchie Blackmore sie gern in die Hand genommen hat, und auch Yngwie Malmsteen schwört auf diese Kopfplattenform.

 

Auch hier sind American-Standard-Singlecoils im Spiel, und auch bei der Schaltung der Strat gibt es eine Besonderheit: no load, baby ! Wird das hintere Tone-Poti ganz aufgedreht, spürt man eine Rastfunktion. An diesem Punkt ist der gesamte Tone-Schaltkreis aus dem Signalweg geschaltet. Dies ist eine beliebte Modifikation, denn wenn das Poti ohnehin ganz aufgedreht ist, warum sollte es überhaupt noch im Signalweg sein?

 

Das altbekannte Vintagestyle-Vibratosystem erlaubt feinfühliges Vibrieren und leichte Dips, bei härterem Einsatz à la Jimi und Eddie ist natürlich mit Verstimmungen zu rechnen, wobei man mit den üblichen Tricks (Schmiermittel im Sattel und so weiter) für höhere Stabilität sorgen kann.

 

So wie ihre blaue Schwester erzielt die rote Stratocaster Bestpunkte für Verarbeitung und Werkseinstellung, denn von der Saitenlage über die Intonation bis zum Vibrato-Setup passt alles, so dass man direkt loslegen kann.

 

Praxis

Beide Instrumente beweisen optimale Schwingungseigenschaften und ausgeglichenes Sustain. Schon im Unplugged-Test hört man die klassischen Zutaten: schnelle, knackig-bissige Ansprache bei der Tele, ein etwas sanfterer und dennoch brillanter Klang bei der Strat. Über den Amp werden diese Trockendockeindrücke noch verstärkt. Die Tele twangt los, dass es eine wahre Freude ist, mit einer kräftigen Dosis Brillanz und Höhen. Dabei klingt sie nicht blutarm oder nervig, sondern sendet einfach einen sehr lebendigen, bissigen Ton zum Amp, ideal geeignet fürs gepflegte Cowboy-Picking oder präzise Rock-Rhythmusarbeit.

 

Mega-High-Gain ist nicht ihr Metier, aber das ist auch nicht nötig oder das Ziel, denn klanglich liegt die Ausrichtung im angestammten Tele-Gebiet. Wer bisher noch nicht viel mit dem Tone-Poti gearbeitet hat, könnte sich von der Greasebucket-Schaltung genau dafür gewinnen lassen. Das Poti arbeitet sehr schnell und dennoch feinfühlig, und beim Herunterregeln bleibt der Klang dynamisch und lebendig, ohne dass er im Matsch untergeht – ideal für etwas zurückhaltendere Passagen, denn die kräftigen Höhen werden abgesenkt, ohne dass die Gitarre „rumtopft“.

 

Der Spaßfaktor ist enorm, denn auch wenn einem die Optik eine lange Lebensdauer und aufgrund der Furchen irgendwo auch ein hohes Alter vorgaukelt, ist die Sandblasted Tele eine moderne Variante des klassischen Arbeitstiers, das sich in verschiedenen Genres genauso wohlfühlt wie mit verschiedenen Kanälen am Amp, wobei die Stärken zwischen Clean und gemäßigter Solozerre liegen.

 

Ähnlich verhält es sich mit der Strat, die klanglich aber deutlich runder zu Werke geht und durch den Fünfwegschalter noch mehr Abwechslung ins Spiel bringt. Keine Sorge, auch sie kann frech rotzen und verfügt über hohe Reserven an Höhen, aber insgesamt klingt sie etwas manierlicher und wärmer. Der beliebte „Strat-Schmatz“ ist selbstredend machbar, speziell über den mittleren Pickup oder eine der Zwischenstellungen. Über den Hals-Pickup entstehen wunderbar perlende Blues-Sounds oder, mit etwas mehr Zerre, auch das beliebte Malmsteen-Blubbern bei schnellem Picking.

 

Der Klangunterschied beim „No Load“ ist deutlich hörbar, denn hier kommt ein Hauch mehr Druck und Lebendigkeit hinzu. Gleichzeitig kann man bei der Arbeit mit dem Tone-Poti sehr feinfühlig den Sound anwärmen und sanftere, fast jazztaugliche Sounds abrufen.

 

Wie schon bei der Tele zeigt sich auch hier, dass der „Nackte-Body-Effekt“ dem Sustain sehr zuträglich ist ... man spürt deutlich am eigenen Körper, wie die Instrumente resonieren. Auch der hohe Spielkomfort ist bei beiden Teilen vorhanden, denn der 9,5-Zoll-Radius macht in Kombination mit den Jumbobünden kräftige Bendings, Legatospiel und energisches Vibrato zum Vergnügen.

 

Die Pickups sind geschmackvoll gewählt und erlauben eine breite Palette an Sounds zwischen verträumt-schwebendem cleanen Picking und drückend-drahtigen Rocksounds – und allem dazwischen, egal, ob es um Country, Blues oder gar Punk geht.

 

Das bleibt hängen

Klassisches US-Strat- und Tele-Design meets coole Optik. Die Sandblasted-Modelle sind nicht nur Hingucker und potentielle Sammlerstücke (Achtung, limitiert!), sondern profitieren auch klanglich von der Sandstrahlertechnik. Zwei individuelle und hübsche Instrumente mit den bekannten klanglichen Stärken der Familie!

 

Marc Rolf







 
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