Ibanez Joe Satriani JS-Serie
3.08.15

Mo’ Joe durch alle Klassen

 

Joe Satrianis Endorsement-Ehe mit Ibanez hält nun schon fast dreißig Jahre und erweist sich nach wie vor als fruchtbare Verbindung. Parallel zu Mr. Satchs musikalischem Output sorgenseine japanischen Instrumenten-Provider für frische Ideen und innovative Signature-Modelle. Taufrisch aus Ibanez’ japanischer Prestige-Werkstatt ist mit der JS2450 das allerneueste JS-Modell bei uns eingetroffen.

 

 

Standesgemäß kommt das neue JS-Topmodell im hochwertigen Luxushartschalenkoffer angereist und hat etliche Zubehörteile im Handgepäck: Unter anderem zählt ein höchst praktisches Multiwerkzeug zum Lieferumfang, das im Taschenmesserformat sämtliche zur Justierung nötigen Schraubendreher und Inbusschlüssel enthält. Allerhand zu schrauben hatten auch schon Joes Nachbarn: Der Proberaum seiner Allstar-Band Chickenfoot lag direkt gegenüber einer Autowerkstatt, in der an PS-starken US-Boliden à la Ford, Chrysler und Chevrolet geschraubt wurde.

 

Muscle-Car in Lila

Von den schnittigen Designs der Automobil-klassiker ließ sich Joe dazu inspirieren, einige optische Elemente auf seine neuen Gitarren zu übernehmen. So stand bereits für die Lackierung des Vorgängermodells JS2410 ein 1973er Chevrolet Camaro Pate, dessen Farbe sich als MCO-Finish (muscle car orange) auf der Gitarre und sogar den Pickups wiederfindet. Auch das dunkellila schimmernde MCP (muscle car purple) der JS2450 verdankt seinen Ursprung den oftmals extravaganten Autolacken, mit denen Tuningfreaks ihre Hot-Rods ins rechte Licht rücken.

 

Die kurvenreiche Formgebung der JS-Modelle ist durch und durch auf sportliches Flitzen ausgelegt. Der schlanke, rundum zu den Zargen hin abgeflachte Korpus ist ergonomisch optimal gestaltet und gewährleistet im Sitzen wie am Gurt stets ausgezeichnete Spielposition und freie Beweglichkeit über alle Lagen.

 

Ihrer Güte entsprechend ist die Japan-JS allerdings auch in einer höheren Gewichtsklasse angesiedelt als die günstigeren indonesischen Modelle, denn für den Korpus wurde zu hochwertiger Erle gegriffen. Mit dreieinhalb Kilogramm Gesamtmasse ist die JS2450 aber immer noch angenehm leicht und dankt ihre 200 bis 300 Gramm Gewichtsplus gegenüber den Schwestermodellen auch mit einem pfundigeren Trockensound.

 

Vergleichsweise schlank ist dagegen der Hals ausgefallen, der mit seinem angenehm griffigen C-Profil allerdings weit entfernt von den unsäglichen Papierhälsen der achtziger Jahre ist. Mehr Hals ergibt schließlich auch mehr Ton, besonders wenn er aus ausgesuchtem Material wie der dreiteiligen Ahorn-Bubinga-Kombination gefertigt ist.

 

Das erst am 22. von 24 Bünden angesetzte Cutaway garantiert barrierefreien Zugang bis zum Ende des Griffbretts, das aus gleichmäßig gemasertem Palisander hergestellt und mit 24 präzise eingesetzten und perfekt abgerichteten Bünden bestückt ist. „Prestige Fret Edge Treatment“ heißt das bei Ibanez dabei angewandte Verfahren, das blitzsauber abgeschliffene Bundkanten und dementsprechend ungestörten Spielfluss sicherstellt.

 

Dem kann man sich dann schon im unverstärkten Testspiel hingeben, denn dank der kräftigen Bundstäbchen gehen sämtliche spielerischen Kapriolen locker und kraftsparend von der linken Hand und werden von dem satten, ausgewogenen Trockenton dynamisch und präzise wiedergegeben. Selbst hohe Einzeltöne wirken dabei noch kräftig und rund und besitzen eine ausdrucksstarke, warme Obertonfärbung. Auch in Sachen Sustain erweist sich die JS2450 als serienmäßig „Prestige“-trächtig, denn die exzellente Klangholzkonstruktion produziert ein ebenmäßiges, lang anhaltendes Schwingungsverhalten, so dass die Töne auch bei sanfterem Anschlag und Fingerpicking schön lange nach- und ausklingen. Die erstklassige Hardware tut ihr Übriges, und das exzellente Edge-Tremolo hält die Stimmung sogar bei extremem Gebrauch. Es kann jeweils fast eine Quinte nach unten gedrückt oder nach oben gezogen werden. Da Joe Satriani nicht nur für seine technische Brillanz, sondern auch für seinen ausdrucksstarken, eigenständigen Ton gerühmt wird, wurde die Pickupbestückung ganz nach seinen Vorgaben gestaltet. So tragen die eigens für ihn entwickelten DiMarzio-Tonabnehmer „Mo’ Joe“ und „Satch Track“ seinen Vor- und Spitznamen und besitzen entsprechende Spitzenklasse. Beide Pickups sind über sämtliche Klangeinstellungen hinweg darauf ausgelegt, jede noch so feine Spielnuance präzise wiederzugeben und produzieren von glasklaren Klängen bis hin zu brachial verzerrten High-Gain-Settings stets blitzsaubere Resultate.

 

Dabei ist für das breite Spektrum an Satriani-Stilistiken eine Vielzahl an Einstellungen möglich. Sowohl der Mo’-Joe-Humbucker am Steg als auch der Satch-Track im Singlecoil-Format am Hals lassen sich mit der Push/Pull-Funktion des Tone-Potis in den Singlecoil-betrieb schalten und per Dreiweg-Toggle einzeln oder gemeinsam betreiben. Mit dieser Coiltap-Schaltung ist zudem ein deutlicher Unterschied in puncto Lautstärke und Gain-entwicklung verbunden, so dass man diese Funktion auch zum Umschalten zwischen Rhythmus- und Solosound verwenden kann. Da Mr. Satch neben den Saiten stets auch seine Elektroniksteuerung mit viel Finger-spitzengefühl kontrolliert, steht im Volume-Poti noch eine Zusatzfunktion parat: Zieht man den Regler nach oben, kommt ein High-Pass-Filter zum Einsatz, der gewährleistet, dass beim Zurückregeln der Lautstärke kein Höhenverlust in Kauf genommen werden muss.

 

Wie man sieht und hört, hat man für die Prestige-Satriani also auf jedes noch so feine, klangrelevante Detail geachtet. Das muss auch so sein, schließlich haben Klang und Bespielbarkeit den hehren Ansprüchen eines der technisch brillantesten und maßgeblichsten E-Gitarristen aller Zeiten zu genügen. Von einem, der auch „The Extremist“ genannt wird, sind da keine Kompromisse zu erwarten …

 

Feuerrot & ergonomisch

Wer nun angesichts des gebührenden Kaufpreises der Prestige leider doch zu Kompromissen gezwungen ist, muss sich allerdings nicht grämen. Neben den japanischen Topmodellen bietet Ibanez auch eine deutlich günstiger gestaltete Produktionsreihe aus Indonesien an, die „Premium“ heißt und dementsprechende Ausstattungs- und Fertigungsstandards einhält.

 

Der dreiteilige Ahorn-Bubinga-Hals entspricht exakt der Prestige-Variante, das Griffbrett besteht gleichfalls aus Palisander und umfasst die vollen vier Oktaven, wobei die 24 Bünde im etwas schlankeren Mediumformat gehalten sind. Anstelle des Satch-Track-Humbuckers tut am Hals ein DiMarzio-Chopper-Minibucker seine Dienste; ansons-ten entsprechen sämtliche Komponenten exakt den bei der Prestige beschriebenen: Mo’-Joe-Humbucker am Steg, originales JS-Edge-Tremolo, Coiltap-Schaltung am Tone-Poti und Highpass-Filter am Volumenregler sind ebenfalls an Bord.

 

Trotz ihrer weitgehend identischen Ausstattung spielt die Premium natürlich in einer anderen Liga als das fast doppelt so teure Prestige-Modell. So liegt die Preisersparnis sowohl in den deutlich niedrigeren, indonesischen Fertigungskosten als auch der Teufel im Detail: Vermehrter Einsatz von Handarbeit, penible Materialauswahl und bauliche Finessen unterscheiden eben ein sehr gutes von einem hervorragenden Instrument.

 

Trocken wie elektrifiziert verfügt die JS24P über ein stets rundes, charakterstarkes Klangbild. Bei der Bespielbarkeit bleiben ebenfalls kaum Wünsche offen; auch dann nicht, wenn die Licks kompliziert und die Sprünge groß sind oder die Geschwindigkeit hochgetrieben wird. Wer tatsächlich über das Talent verfügt, sich spielerisch auf dem Niveau von Joe Satriani zu bewegen, wird die feinen Unterschiede sicher noch deutlicher wahrnehmen, für alle anderen hält die „Premium“ aber durchweg, was ihr Name verspricht.

 

Insofern bildet die JS24P, die bereits seit gut zwei Jahren erfolg-reich im Ibanez-Katalog vertreten ist, nach wie vor eine hervorragende Alternative auch für „normalsterbliche“ Gitarristen mit Mittelklassebudget. Da zwischen Vertretern zweier preislich so weit auseinanderliegender Modellklassen ein fairer Vergleich nur über das Preis-Leistungs-Verhältnis machbar ist, können beide in dieser Kategorie gleichermaßen überzeugen.

 

Weiß & voller Spielfreude

Sehr gute Qualität zu einem sehr guten Preis bietet auch die neue JS140. Schließlich hat Joe Satriani seine Fans und Jünger nicht nur in den semi- und vollprofessionellen Gitarristenkreisen, für die die Premium- und Prestige-Modelle gemacht sind. Auch Hobby-Shredder, Freizeit-Satrianisten und jüngere, aufstrebende Satch-Fans haben ein Anrecht auf ihre Dosis Joe-Feeling, dem sie mit der JS140 voll Spielfreude nacheifern dürfen.

 

Wiederum gemessen an der Preis-Leistungs-Klasse, hat die bisher günstigste JS ebenfalls erstaunlich hochwertige Baumerkmale vorzuweisen: Die rundum tadellose Verarbeitung zeugt davon, dass man in Indonesien auf Qualitätssicherung höchsten Wert legt. So ist auch die günstigste der JS-Modelle ein für ihr Preissegment vollauf zufriedenstellendes, gut klingendes und einwandfrei bespielbares Instrument, auf dem man schon einige Fußstapfen auf dem Weg zu Joes Ausnahmeklasse zurücklegen kann.

 

Die identische Formgebung ist höchst inspirierend, das Handling entsprechend sportlich und der Klang selbst mit den beiden günstigeren Humbuckern und der Coiltap-Schaltung so vielseitig, dass man in etliche von Satrianis Sound- und Spieldimensionen eintreten kann, um sich von dort aus in die Premium- und Prestigeklasse hochzuspielen. Schließlich beginnt jeder Weg – auch der zu Joe Satriani – immer mit dem ersten Schritt …

 

Das bleibt hängen

Die brandneue JS2450 ist in jeder Hinsicht ein Topklasse-Instrument, das vollauf der Ausnahmeklasse eines Joe Satriani entspricht. Aber auch die deutlich günstigeren JS24P- und JS140-Modelle bieten in ihrer Preisklasse jeweils hervorragend designte, ausgestattete und verarbeitete Gitarren für anspruchsvolles Spiel in einem breiten Spektrum von Stilistiken. Ob Einsteiger, Fortgeschrittener oder Profi: Jeder geneigte Satrianist findet damit die passende Dosis „Mo’ Joe“.

 

Adrian Schüller






 
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