Ritchie Blackmore im Interview: Mandola spielen für die Vögel
23.08.16

Es ist nicht gerade einfach, mit Ritchie Blackmore ein Gespräch zu bekommen. Aber es lohnt sich. Neben der Rainbow-Neuauflage beschäftigt den Meistergitarristen besonders seine Herzens-Band Blackmore’s Night, mit der er im Juli auf Tour der Musik der Renaissance frönt.

 

Foto: Getty Images


Wie schon sein Vorgänger bewegt sich auch das aktuellste Blackmore’s-Night-Album All Our
Yesterdays elegant zwischen elektronischem Pop und traditioneller Musik der Renaissance. Wie entscheidest du, welche musikalische Richtung ein neuer Song einschlagen soll?

 Das hängt ganz von meiner Stimmung ab, wenn wir den Song letztlich aufnehmen. Die Akustikgitarre macht meistens den Anfang, aber wenn ich finde, dass der Song noch ein bisschen mehr Wumms braucht, stecke ich die Elektrische an. Genau so habe ich es bei diesem Album wieder gemacht.

 

Welche Sounds oder Einflüsse würdest du auf künftigen Alben gerne mehr hervorheben?

Ich möchte weiterhin ein Potpourri aus allem machen. Mein Geschmack reicht von mittelalterlicher Tanzmusik hin zu Blues und Rock. Es ist schon eine Herausforderung, die Renaissance-Musik dem Publikum rüberzubringen. Beim Rock ist das deutlich einfacher.

Wenn ich im kleinen Kreis für meine Freunde spiele, fange ich immer bei den Renaissance-inspirierten Stücken an und wechsle später zu den bekannteren Pop-Balladen. Leider gibt es nicht so viele Leute, die sich für diese altertümliche Spielart interessieren – sie wollen einen Rock-Kontext. Für mich hat sie aber etwas sehr Mysteriöses und Düsteres. Ich liebe es, in alten Schlössern herumzuspazieren – gerade in Deutschland – und meine Mandola für die Vögel dort zu spielen.

 

Beginnt ein Lied bei dir immer als rein akustisches Stück mit Gesang und Gitarre?

In der Regel schon, ja. Oder mit einer Mandola.

 

Es scheint so, als würdest du Gitarren mit Stahlsaiten gegenüber denen mit Nylonsaiten bevorzugen. Gibt es Gründe dafür?

Nylongitarren haben einfach nicht diese Durchsetzungskraft, die du live brauchst, um auch für die hinteren Ränge hörbar zu bleiben. Privat spiele ich sie aber äußerst gerne.

 

Was sind deine Vorgaben, wenn es um den Bau einer akustischen Gitarre geht?

Ich habe eine Lakewood und eine Fylde mit einem sehr dicken Hals und eine Alvarez
sowie mehrere Milan Ciz mit meist sehr dünnen Hälsen. Was sie alle gemeinsam haben: extrem hohe Bünde. Mir gefällt vor allem die ergonomische Form meiner Ciz-Gitarren. Der Rücken ist leicht rund, und die Decke ist abgeschrägt. Von den normalen Korpusformen bin ich nicht besonders angetan, da sie mir oft beim Spielen in den Unterarm der Schlaghand schneiden. Ich gehe sogar so weit, die Kanten mit Sandpapier zu bearbeiten. Dann habe ich noch Mandolas von Weber und Fylde, die ich in Quinten stimme.

 

Vor einigen Jahren hast du in einem Interview gesagt, dass die Schwierigkeit bei Mittelaltermusik vor allem darin liegt, diese Melodien Note für Note spielen zu können, wodurch kaum Platz für Improvisationen bleibt. Hast du seitdem Gefallen an dem Vorgehen gefunden?

Ich finde es immer noch schwer, mir Melodien zu merken und mich strikt an sie zu halten. Aber ich denke auch, dass die Musiker damals ohnehin um die Melodien herum gespielt haben.

 

Du strummst selten einfach nur Akkorde, wenn du einen Sänger begleitest, sondern peppst das Ganze mit ein paar Licks, Lines oder Sweeps auf, mit unterschiedlichen Pickings und so weiter. Hast du irgendwelche Lieblings-Moves für die Rhythmusarbeit?

Ich spiele häufig lieber Arpeggios als den ganzen Akkord auf einmal. Ich mag es, mich in die Gesangsmelodie einzuweben, sie zu umspielen, ohne sie dabei zu zerstören. Es würde sich sonst sehr chaotisch anhören, wenn ich das ganze Griffbrett rauf und runter spiele, während Candy dazu singt.

 

Glaubst du, dass du dich auf der Gitarre noch verbesserst?

Darüber denke ich überhaupt nicht so viel nach – ich spiele einfach nur gerne; es ist fast wie atmen für mich. Verbesserung ist ohnehin sehr subjektiv. Man muss kein brillanter Gitarrenspieler sein, um Emotionen auszulösen. Und darum geht es mir: eine Verbindung zu den Zuhörern aufzubauen. Das ist wichtiger als schnelle Licks, die ohnehin nur die Gitarristen in der ersten Reihe beeindrucken.

 

Interview: Alexander Pozniak

 

Das komplette Interview sowie weitere Storys, Songs und Workshops findest du in der Ausgabe 08/2016.  Heft am Kiosk verpasst? Kein Problem, hier könnt ihr euch die Ausgabe jederzeit bestellen.



 
zurück zur Übersicht






Die neuen Kalender für 2017 sind da!




Der Blues-Kalender 2017




guitar für iPad














Aktuelle Ausgabe


Aktuelle Ausgabe guitar acoustic