Johan Söderberg/Amon Amarth: Proben im Wald
25.04.16

Mit Jomsviking erzählt ihr eine ganze Geschichte ...
Johan Söderberg: Johan Hegg, unser Sänger, hatte die Idee zu dieser Story, die er in Form eines Drehbuchs mit 140 Seiten verfasste. Es war dabei nicht klar, ob es sich um ein Buch oder gar einen Film handeln könnte. Er kam dann auf die Idee, die Story für das Album zu nutzen.
Für uns war das ein neuer Ansatz. Wir haben eher wie an einem Film-Soundtrack gearbeitet, bei dem die Musik den Kapiteln der Geschichte angepasst werden musste. Bisher entstand bei Amon Amarth immer erst die Musik, hier war es anders: Zuerst gab es die Story, die für das Album zu Songtexten komprimiert wurde, dann folgte die Komposition der Musik.

 

Foto: Getty Images


Wo kommen deine musikalischen Ideen typischerweise her?
Woher, ist schwer zu sagen – auf jeden Fall aus mir selbst heraus. Ich bin mit klassischem Heavy Metal wie Black Sabbath und Iron Maiden aufgewachsen, mag aber auch große Filmproduktionen wie Gladiator. Entsprechend liegt mein kompositorischer Hintergrund wohl in einer Mixtur dieser Einflüsse.
Ideen können mir prinzipiell zu jeder Zeit kommen. Allerdings gibt es bei mir eine strikte Trennung zwischen Tournee- und Kompositionsphasen. Erst wenn wir den Tourzyklus für ein Album komplett abgeschlossen haben, was durchschnittlich zwei Jahre beansprucht, widme ich mich in meinem Heimstudio neuen Ideen. Ich konzentrierte mich während der Tour auf die Auftritte.
Um mich mit neuen Kompositionen zu beschäftigen, muss ich mich hingegen anders fühlen. Wenn es so weit ist, betrachte ich die Arbeit an neuen Ideen fast wie einen regulären Job. Ich gehe nach dem Frühstück ins Studio und spiele dort den ganzen Tag Gitarre und andere Instrumente und versuche mich an musikalischen Ideen. Dabei nehme ich Riffs und Melodien gleichermaßen auf. So entstehen jede Menge kleiner Schnipsel.

Wie geht es weiter?
Sobald ich beginne, aus einzelnen Teilen Titel zu erstellen, binde ich die anderen Bandmitglieder ein. Bei den vergangenen Alben habe ich auch oft mit Olavi [Mikkonen, Gitarre] zusammen komponiert. Wir hatten auch einen Proberaum, in den wir mit der Band gehen konnten. Das war dieses Mal leider nicht der Fall. Wir haben also eher allein komponiert und später gemeinschaftlich entschieden, wo diese Ideen innerhalb der Geschichte platziert werden könnten.

Gab es denn eine Phase der gemeinsamen Vorbereitung auf die Aufnahme?
Ja, wir haben uns dazu eine Waldhütte im schwedischen Hochland gemietet. Dort haben wir knapp eine Woche intensiv geprobt und die Ideen weiter ausgebaut und arrangiert. Von dort ging es zurück in unsere Heim-
studios. Wir haben dann noch zwei-, dreimal mit der Band geprobt, ehe wir ins Studio gegangen sind. Das ist natürlich ein Unterschied zu unseren Anfängen, als wir noch wöchentlich im Proberaum gestanden haben.
Heute sind wir durch die vielen Konzerte eingespielt. Außerdem ist die Technik so weit fortgeschritten, dass man bequem zu Hause arbeiten und beispielsweise auch Schlagzeug programmieren kann.

Das ist aber eine andere Art des Arbeitens.

Das stimmt. Es kommt allerdings hinzu, dass wir uns von unserem bisherigen Schlagzeuger getrennt haben. Für ihn sprang Tobias Gustafsson von Vomitory ein, der sich ebenfalls in der Kompositionsphase eingebracht hat, indem er Schlagzeugprogrammierungen für die Demos beigesteuert hat. Bei der Probe und im Studio hat er aber natürlich sein echtes Schlagzeug gespielt.

Wo wurde das Album aufgenommen?
Wir haben uns bei der Aufnahme und Produktion wieder auf Andy Sneap und sein Backstage Studio verlassen. Die Songs sind ziemlich fertig, wenn wir ins Studio gehen. Vor Ort gibt es nur noch kleinere Veränderungen. Dabei steht uns Andy auch mit Rat und Tat zur Seite, wenn wir das wünschen. Er ist ein guter Gitarrist, daher sind seine Tipps oft auch musikalisch wertvoll.

Wie teilt ihr eure Gitarrenparts untereinander auf?
Das ergibt sich automatisch, wenn man sich die Songs gegenseitig zeigt. Da lernt der jeweils andere Gitarrist zuerst den Rhythmuspart und bleibt in der Regel dabei. Wenn Olavi einen Titel komponiert hat, spielt er bei den Melodien meist die höheren Töne in einer doppelstimmigen Melodie oder die Soli. Wenn ich einen Song komponiere, ist es umgekehrt.

Wie sieht es mit deinem Equipment aus?

Meine beiden Gitarrenmodelle sind die ESP EX und die ESP Snakebyte. Beide Gitarren haben eine kürzere Gibsonmensur und 22 Bünde, weshalb ich für unsere tiefen Stimmungen [H, Dropped-A] kräftige Saiten verwende [D'Addario .014-.068]. Ich nutze nur den Stegtonabnehmer und habe entsprechend inzwischen in etlichen Gitarren den Hals-tonabnehmer und Tonregler entfernt. Im Snakebyte-Modell sind die EMG-Signature-Tonabnehmer von James Hetfield eingebaut. Die Gitarre klingt so gut, da werde ich nichts ändern. Bei den EX-Modellen habe ich teils den EMG-81 verbaut, der mir aber etwas zu komprimiert klingt. Stattdessen setze ich nun auf den passiven Seymour Duncan SH-4.
 Bei den Verstärkern sind wir auf den Kemper umgestiegen – live, zu Hause und im Studio. Das ist praktisch, denn wir können nun überall auf den gleichen Sound zugreifen. Auf der Bühne ist das zudem praktisch, weil wir mit In-Ear-Monitoring ganz ohne Lautsprecher spielen. Die Profile haben wir im Studio erstellt. Die Quelle war ein EVH 5150 mit zwei Boxen und mehreren Mikrofonen mit vorgeschaltetem Maxon Overdrive.
Live gibt es bei mir einen Basissound. Hinzu kommen ein Clean- und ein Solosound. Letzterer basiert aber auf demselben Profil und hat nur etwas mehr Gain, Mitten und ein klein wenig Echoeffekt.

 

Foto: Sony Music


Plant ihr, das Album komplett auf die Bühne zu bringen?
Nein, das ist nicht geplant. Das liegt unter anderem daran, weil mit Doro Pesch eine Gastsängerin auf dem Album zu hören ist. Und diesen Song [„A Dream That Cannot Be“] werden wir auf keinen Fall ohne sie bringen. Die einzelnen Songs funktionieren aber auch ohne den gesamten Zusammenhang.

Übst du eigentlich noch?
Eher weniger. Ich spiele aber regelmäßig Gitarre. Ich betrachte mich auch weniger als guten Gitarristen, sondern eher als Songwriter. Mein Instrument ist eben die Gitarre. Ich habe daher bei meinen Ideen auch ein ziemlich komplettes Arrangement mit Schlagzeug und den Melodien im Kopf, abgesehen von den Gesangslinien.

Text: Ulf Kaiser

Dieser Artikel erschien in unserer Ausgabe 04/201, in der wir unter anderem Joe Bonamassa oder Billy Duffy von The Cult interviewten und zeigten euch in Workshops zum Album Masters of Puppets von Metallica und von der Steve Miller Band alle Tricks und Tabs inklusive CD. Ausgabe verpasst? Kein Problem, hier könnt ihr die Ausgabe jederzeit nachbestellen.



 
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