Ein Amp, der zuhört: Der Fender Bassbreaker
17.06.16

Gerade noch wurde die Bassbreaker-Serie stolz auf der NAMM vorgestellt, und zwar in ihrer ganzen Bandbreite, die vom winzigen Bassbreaker-007-Combo bis zum Flaggschiff reicht, dem hier vorgestellten Bassbreaker-45-Halfstack. Da ist für so ziemlich jeden Geldbeutel etwas dabei. Optisch erinnern Top und Box an das schlichte Design der alten Zeit: schlicht, spartanisch, übersichtlich. Und warum auch nicht, denn hauptsächlich soll es ja um den Sound gehen. Roadtauglich verarbeitet sind beide, nicht nur dank stabiler und passgenauer Bauweise, sondern auch aufgrund des dunkelgrauen Tweed-Bezugs.

BB-45

Beim Bassbreaker handelt es sich um einen reinrassigen Röhrenamp mit zwei Kanälen. Zwischen diesen schaltet man nicht um, sondern man wählt den gewünschten Kanal über einen der drei Eingänge: Entweder stöpselt man die Gitarre in den normalen oder Bright-Kanal oder man wählt die Both-Buchse, bei dem beide Kanäle gemischt werden. Natürlich kann man auch eine optionale A/B-Box nutzen, um beide Kanäle anzusteuern und per Pedal zwischen ihnen zu wechseln.
Beide Kanäle teilen sich die Klangregelung. Jeder verfügt über einen eigenen Lautstärke-regler – so kann man bei Nutzung beider Channels die Sounds stufenlos miteinander mischen. Das Bedienfeld ist logisch und leicht verständlich aufgebaut, denn beim Bassbreaker handelt es sich um einen spartanisch konzipierten Verstärker: vier Klangregler,
Master-Volume, zwei Speaker-Ausgänge, that’s it! Einschleifweg oder integrierte Effekte sucht man vergebens. Allerdings eignen sich „Tonmaschinen“ wie der Bassman ausgezeichnet dafür, den Sound mit Effekten vor dem Amp zu verfeinern und zu verändern, ohne den Klang durch die geliebten Treter unnötig zu verfälschen oder die Ergebnisse durch zu viel Kompression enttäuschend ausfallen zu lassen. Eine Eingewöhnungszeit wie bei einem modernen Vierkanaler mit MIDI, Klimbim und WLAN-Anschluss gibt es nicht, also heißt es: einstöpseln und gespannt sein. Und eines wird beim Praxistest direkt klar: Hier gibt es allerfeinsten, satten, brillanten und abwechslungsreichen Fender-Cleansound. Es ist eine wahre Freude, wie spritzig, lebendig und dynamisch der Amp reagiert. Von samtig-warmen Klängen bis zum Country-Twang reicht die Palette mühelos, und dabei reden wir nur von geringen Settings an den Kanallautstärken.




Der Normal-Kanal begeistert bereits mit viel Abwechslung, denn die Klangregelung ist keine Alibifunktion oder reiner Schmuck, sondern greift tatkräftig ins Klanggeschehen ein, so dass sich die unterschiedlichsten Ergebnisse abrufen lassen – Knopfler, Lukather, Satriani (clean). Beeindruckend ist auch das Maß an Dynamik, denn der Amp reagiert sehr lebendig auf spieltechnische Feinheiten und Veränderungen an den Reglern der Gitarre sowie den Eigenklang des verwendeten Instruments.
Eher dunkel oder gar muffig klingende Äxte fühlen sich mit dem Bright-Kanal wohler. Er addiert eine gehörige Dosis Präsenzen und Höhen, die den Sound noch mehr zum Leben erwecken und sich genauso gut für Klänge à la Brad Paisley eignen wie für die höhenreichen Cleansounds eines Brian May. Es ist eine wahre Freude, wie die No-
ten geradezu aus dem Speaker perlen, mit tollem „Knack“ beim Attack, bevor die Note gleichmäßig und rund ausklingt. Wechselt man beispielsweise vom Pick auf das Spiel mit dem Finger und „reißt“ die Saiten an (Dire Straits), wird das glasklar übertragen und sorgt für einen drastisch anderen Sound. Wer also mit Finesse ans Spiel geht, wird hier belohnt, denn der Amp hört genau zu und gibt alles sehr ehrlich an die Speaker weiter. Die Gesamtlautstärke wird über das Output-Poti geregelt (das die Ausgangspower von 1W bis 45W regelt), so dass man individuell bei jedem Kanal mehr Gas geben kann, was in dichteren, leicht komprimierten und rauchigeren Klängen resultiert. High-Gain ist definitiv nicht das Metier des Bassbreaker; dafür liefert er eine beeindruckende Palette an ausdrucksstarken und abwechslungsreichen Clean- und Crunch-Sounds, die den vieler moderner High-Gain-Amps im Staub zurücklassen.

Feuer unter der Röhre

Gerade beim Thema Clean ist Headroom wichtig – also reine Lautstärke und Druck, damit man mit solchen Sounds live gegen Drummer mit kräftigen Handgelenken bestehen kann. Auch hier überzeugt der Bassbreaker 45, denn er hat jede Menge Feuer unter den Röhren, und in Kombination mit der halboffenen BB-212 liefert er genug Pfund, um selbst sanfte Reggae-Klänge oder Akkordflächen à la Eric Johnson lautstark rüberzubringen. Nutzt man über die Both-Buchse beide Kanäle, ist noch mehr Abwechslung möglich, denn so kann man den Klang beider Kanäle miteinander mischen. Wechselt man beispielsweise während der Probe oder des Gigs von einer eher spitz tönenden Gitarre mit Singlecoils zu einer fetter klingenden Axt mit modernen Humbuckern, reicht ein leichtes Anheben des Bright-Kanals, um auch diese Gitarre passend und mit genügend Höhen in Szene zu setzen.
Bis zum Blues-tauglichen Crunch reicht die Palette, wobei der Bassbreaker 45 an diesem Punkt bereits kräftig loslegt, was die Laut-stärke angeht. Mit einem (guten!) Overdrive- oder Distortion-Pedal oder auch einem Booster vor dem Amp lässt sich die Vorstufe anfeuern, was auch heftigere Sounds erlaubt – bis hin zu Jimi, Mike Landau oder Stevie Ray Vaughan. Mit dem glasklaren Sound und der geringen Verfälschung des Sounds eignet sich der BB-45 ideal als „Klangzentrale“ auch für komplexere Effektketten.

BB-212 Box


Die BB-212 ist, wie der Modellname schon andeutet, mit zwei 12-Zoll-Speakern bestückt. Ins halboffene Gehäuse wurden zwei Celes-
tion-V-Type-Speaker eingebaut. Die maximale Leistung der Box beträgt 140 Watt. Da die V-Types speziell für definierte Höhen und kehlig singende Mitten bekannt sind, ergibt sich in Kombination mit dem halboffenen
Gehäuse eine ideale Mischung nicht nur für brillante Clean-Sounds, denn auch Crunch und mehr Verzerrung bringt die Box druckvoll und lebendig rüber.
Trotz solider Verarbeitung wiegt die BB-212 insgesamt nur 16,3 Kilogramm, was selbst rückengeschädigten Gitarristen problemlos erlauben sollte, das Teil auf die Bühne oder in den Proberaum im vierten Stock zu hieven.



Das bleibt hängen

Ein hehres Ziel, eine moderne Variante des legendären Bassman zu entwerfen, aber: Mission erfüllt! Der Bassbreaker 45 liefert glasklare, kräftige, dynamische und abwechslungsreiche Sounds in bester Fender-Tradition. Wer mit so viel Ehrlichkeit beim Amp umzugehen weiß, wird mit tollem Sound zwischen sanftem Clean und schön dreckigem Crunch belohnt. Suchtfaktor!


Text: Marc Rolf

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