Acoustic-Legends: Bob Dylan
4.11.16

1963 bis 1965

Schicksalsjahre eines Protestpoeten

Bob Dylans Œuvre ist gigantisch. Auch deshalb, weil der Meister sich immer wieder neu erfindet. Die erste Umkehr fand bereits in den Jahren 1963 bis 1965 statt, als Dylan den Bruch mit den Folk-Fans herbeiführte – einen Bruch auf Raten.

Bob Dylan erlebte seine Initialzündung als Künstler im Januar 1961, als er in New York aufschlug und sich in Greenwich Village einnistete, einem angesagten Künstlerviertel, in dem sich Beatniks und Folkies herumtrieben. Das „Folk-Revival“ war mittlerweile in Schwung gekommen, und Sänger wie Dave Van Ronk - dessen Leben 2013 als Inside Llewyn Davis für die Kinos inszeniert wurde -, Phil Ochs, Tom Paxton, Odetta und Leadbelly bestimmten die Szene. Dylans großes Idol Woody Guthrie, seit 1956 ein Pflegefall, lag in New York im Krankenhaus; der 19-Jährige besuchte ihn und sang ihm Songs vor.


Der am 24. Mai 1941 als Robert Allen Zimmerman geborene Bob hatte sich zuvor in seiner Heimatstadt Hibbing, einem ehemaligen Bergbaukaff im weiten US-amerikanischen „Mittleren Westen“, bereits in einer Beat-Kapelle versucht, war von ebendiesem Folk-Revival mitgerissen worden und verinnerlichte im „Big Apple“ innerhalb weniger Monate all das tradierte Liedgut, das er aufschnappen konnte. Seine gesellschaftliche Erziehung hingegen übernahm seine belesene Freundin Suze Rotolo, die ihn mit entsprechender Literatur versorgte und auf gesellschaftliche Missstände hinwies.

Selbst in der von der Bohème bestimmten Szene im „Village“ galt Dylan von Anfang an als Exzentriker, doch in erster Linie waren alle, die ihn live erlebten, von ihm fasziniert: Mit heiserer Stimme, Schraddelgitarre und Mundharmonika trug er Songs vor, die er sich zusammengesucht, aus vorhandenen Versatzstücken zusammengesetzt und teilweise selbst geschrieben hatte. Sein Aufstieg war kometenhaft: Im April 1961 stand er erstmals auf der Bühne und spielte vor John Lee Hooker, kurz darauf blies er bereits die Blues-Harp auf einer Aufnahme von Harry Belafonte, im Oktober hatte er seinen ersten Plattenvertrag in der Tasche. Seine erste LP Bob Dylan erschien 1962, verhallte weitgehend ungehört, 14 Monate später folgte das deutlich erfolgreichere The Freewheelin’ Bob Dylan. Dann ging es Schlag auf Schlag: Die Alben drei bis sieben wurden im Abstand von durchschnittlich sieben Monaten auf den Markt geworfen. Hinzu kamen die üblichen Tourneen und Auftritte auf Festivals.

Richten wir also unseren Blick zurück aufs Jahr 1963, genauer gesagt auf den Juli dieses Jahres. Soeben ist The Freewheelin’ Bob Dylan erschienen, und Dylan ist mit seinem Songwriting in den Herzen der Folkies gelandet. Hatte das Debütalbum noch fast ausschließlich aus Coverversionen bestanden, ist der Zweitling von ganz anderem Kaliber: Die LP eröffnet mit „Blowin’ in the Wind“ – dem Original! –, es folgen „Girl from the North Country“, das Dylan während seiner Country-Phase zusammen mit Johnny Cash noch einmal einspielen wird, und „Masters of War“, ein scharfer Angriff auf die Rüstungsindustrie und skrupellose Politiker, dessen Textzeile „And I hope that you die and your death’ll come soon“ für Wirbel sorgt, das aber vielleicht gerade wegen dieser Offenheit schnell zur Hymne der Friedensbewegung wird. Des Weiteren enthält die Platte neben anderen Perlen das persönliche „Don’t Think Twice, It’s All Right“ sowie das apokalyptisch-epische „A Hard Rain’s a-Gonna Fall“, mit dem Dylan erstmals ein lyrisches Meisterwerk gelingt.


Kurz und gut: The Freewheelin’ Bob Dylan bedeutet den Durchbruch für den gerade 22 Jahre alt gewordenen Songschreiber. Doch die Folkszene stößt sich noch am musikalischen Vortrag. Es ist weniger die Gitarrenbegleitung, die besonders auffällt – Dylan strummt auf einigen Songs, bei anderen überzeugt er durch sein gelungenes Folk-Picking. Gewöhnungsbedürftig erscheint vielen dagegen sein Gesang: Rauh, kratzig, heiser, teilweise richtiggehend unmelodisch dringt er ins Gehör. Zumindest ist er unverwechselbar und passt zudem wunderbar zu den sozialkritischen und politischen Texten.

Nun tritt Dylan im Juli 1963 zum ersten Mal auf dem Newport Folk Festival auf, das sich seit seiner Gründung 1959 zum wichtigsten Treff der Folkszene gemausert hat.
Peter Yarrow, Mitglied des Trios Peter, Paul & Mary, kündigt ihn als den „bedeutendsten Mann der modernen Folk-Musik Amerikas“ an. Und Dylan räumt ab, überzeugt auch den letzten Zweifler im Publikum. Er ist auf einen Schlag die neue Identifikationsfigur der Folk- und damit auch der Protestbewegung.

Die wiederum erlebt eines ihrer wichtigsten Jahre: Einen Monat nach dem Newport Folk Festival hält Martin Luther King nach einem Protestmarsch, bei dem sich über 250.000 Menschen auf den Weg in die Hauptstadt Washington machen, seine berühmte Rede unter dem Motto „I Have a Dream“, die zumindest mittelbar im Juni 1964 zum gesetzlich verankerten Ende der Rassentrennung führen wird. Bob Dylan und Joan Baez singen auf derselben Bühne, auf der King später seine Rede hält. Am 22. November 1963 folgt der Schock, der bis heute in der US-amerikanischen Gesellschaft nachwirkt und ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker darstellt: Präsident John F. Kennedy, für viele der Hoffnungsträger für eine gerechtere US-Gesellschaft, wird erschossen.

Zwischen diesen beiden politischen Ereignissen nimmt Dylan sein drittes Album auf. Der Druck ist für ihn auf Grund des raschen Aufstiegs enorm. Sechs Aufnahmetage, verteilt auf je drei Sessions im August und Oktober, benötigt der neue Folk-Star, dann ist die Platte fertig: The Times They Are a-Changin’ erscheint im Januar 1964 und erfüllt auf ganzer Breite die Erwartungen der Kritiker und Fans. Die Songs sind größtenteils wie maßgeschneidert für die Protestbewegung und decken alle brisanten Themen ab. Allein der Titelsong des Albums ist eine unüberhörbare Protesthymne, eine Forderung nach der konsequenten Umkrempelung der Gesellschaft – angesichts der Ermordung Kennedys zwischen der Aufnahme und der Veröffentlichung entsteht ein geradezu prophetischer Eindruck, doch ist der Song letztlich viel mehr. Er lässt sich universell von jeder nachwachsenden Generation verwenden, um die Erneuerung gesellschaftlicher Umstände zu fordern. In dieselbe Kerbe schlägt mit „When the Ship Comes In“ ein weiterer Song des Albums.



„Ballad of Hollis Brown“ und „North Country Blues“ zeichnen ein düsteres Bild Amerikas, in dem Vergessene am Rande der Gesellschaft dem Untergang preisgegeben werden. Die weiteren Songs erweitern die Bandbreite drängender Themen: Krieg und Völkermord („With God on Our Side“), Morde an schwarzen Mitbürgern und Rassendiskriminierung („Only a Pawn in Their Game“, „The Lonesome Death of Hattie Carroll“). Dazwischen brauchen sich die beiden großartigen Liebeslieder („One Too Many Mornings“, „Boots of Spanish Leather“) beileibe nicht zu verstecken, fallen aber deutlich weniger auf.

Völlig andersgeartet ist „Restless Farewell“. Wer genau hinhört, kann in ihm eine Ankündigung heraushören: Dylan nimmt bereits Abschied, auf der Oberfläche in Gestalt eines Alkoholikers, der mit seinem bisherigen Leben bricht. Doch nicht umsonst steht der Song am Ende des Albums – im Nachhinein scheint es offensichtlich, dass Dylan damit einen Bruch mit seinem bisherigen künstlerischen Schaffen ankündigt.





Auch privat kündigt sich 1963 für Dylan ein Umbruch an: Der Nachwuchs-Folkie hat im Frühjahr die vier Monate ältere Joan Baez kennengelernt und steht im Mai erstmals mit ihr auf einer Bühne. Beim gemeinsamen Auftritt in Newport gelten die beiden bereits als „König und Königin des Folk“, obwohl Dylan noch mit seiner intellektuellen Freundin Suze liiert ist. Von dieser wird er sich schließlich im März 1964 trennen, und Joan und Bob werden künftig als Paar auftreten. Allerdings wird das royale Glück nicht allzu lange andauern: Im April 1965 wird Dylan auf Tour nach England gehen und die Beziehung zerbrechen.

Trotz des immensen Erfolgs und der Anerkennung von allen Seiten scheint es, als sei Dylan mit seiner Rolle als Heilsverkünder der Protest- und Bürgerrechtsbewegung nicht gerade glücklich. Er fühlt sich offenbar in eine Rolle hineingedrängt, die er nie ausfüllen wollte. 1965 fasst er rückblickend zusammen: „Ich schreibe und singe nicht für irgendjemanden. Ich kümmere mich nicht darum, was die Leute sagen.“ Dies gilt insbesondere für all die Protestler, Folkies und Fans, die ihn vereinnahmen wollen: „Ich schreibe keine Songs mit erhobenem Zeigefinger, weil ich mir nicht einbilde, die Welt korrigieren zu können. Ich denke nicht, dass ich das kann. Ich schreibe nur, was ich fühle. Wenn andere Leute darin eine Botschaft sehen, dann ist das ihre Sache.“

Seine latente Unzufriedenheit wird immer öfter sichtbar, er beginnt die Öffentlichkeit und die Fans zu provozieren. Als er im Dezember 1963 den begehrten Tom-Paine-Award einer Bürgerrechtsorganisation verliehen bekommt, tritt er betrunken vor das einigermaßen überalterte Publikum und beschimpft es: „Die Welt ist nicht für alte Menschen gemacht. Alte Leute – wenn ihnen die Haare ausgehen, sollten sie abtreten.“ Dann beginnt er spontan über den Mord an Kennedy zu faseln, bis er ans Ende seiner Redezeit erinnert wird und flüchtet. Das Folk-Movement reagiert entsetzt, und das renommierte Folk-Magazin Sing Out! demontiert ihn regelrecht. Für Dylan nur ein weiterer Grund, sich von dieser Bewegung loszusagen, deren Sprachrohr er nicht sein will.

Neben der rasch fortschreitenden Entfremdung von der Protestbewegung gibt es jedoch auch handfeste musikalische Gründe für einen Richtungswechsel: Im Februar 1964 sieht er erstmals die Beatles live. Die „Pilzköpfe“ haben gerade ihr zweites Studioalbum With the Beatles am Start, sind zum ersten Mal auf Tour in den Staaten und mischen mit ihrer Single „I Want to Hold Your Hand“ soeben auch die US-Charts auf. Ihr künstlerischer Wendepunkt Rubber Soul wird zwar keine zwei Jahre später veröffentlicht werden, doch sind sie zu diesem Zeitpunkt noch Lichtjahre davon entfernt.



Für Dylan jedoch ist der Auftritt der Engländer eine kleine Erleuchtung: Er ist begeistert von der Band-Idee als solcher, doch vor allem öffnet sich ihm eine neue musikalische Welt: „Alle sagten damals, entweder du spielst Folk oder Rock, aber als ich hörte, was die Beatles machten, wusste ich, dass das nicht so zu sein brauchte.“ Der Amerikaner sucht die Bekanntschaft der Briten, und schnell entwickelt sich eine Freundschaft mit einem regen künstlerischen Austausch, insbesondere zwischen Dylan und John Lennon, später zwischen ihm und George Harrison.

Fürs nächste Album, das er an einem einzigen Tag im Juni 1964 einspielt, behält Dylan musikalisch seine Linie bei und bleibt trotz des starken Eindrucks, den die Beatles bei ihm hinterlassen haben, rein akustisch. Außer beim „Black Crow Blues“, wo er ausgelassen in die Klaviertasten haut, begleitet er sich wie gewohnt selbst auf der Akustikgitarre. Nuancen zeigen sich höchstens in seiner Spieltechnik: Zwar verwendet er auf beiden Alben jeweils in rund der Hälfte der Songs ein einfaches Schlagschema und simple Moll- und Dur-Akkorde. Auf The Times They Are a-Changin’ sind daneben zwei Songs zu finden, in denen das Schlagschema zusätzlich mit einzelnen Bassnoten auf der „Eins“ angereichert wird, sowie zwei Songs mit einer typischen Folk-Picking-Begleitung. Auf Album Nummer vier, Another Side of Bob Dylan, hingegen sind diese beiden Fälle überhaupt nicht zu entdecken, dafür jedoch einige Songs, in denen das Schlagschema durch weitere Elemente wie kleine Melodiebögen oder zusätzliche Einzeltöne aufgepeppt wird.



Die große Kehrtwende offenbart sich jedoch in den Texten: Neben persönlichen Songs, mit denen Dylan vor allem seine gescheiterte Beziehung zu Suze Rotolo aufarbeitet – „It Ain’t Me, Babe“, „Ballad in Plain D“, „To Ramona“, „I Don’t Believe You (She Acts Like We Never Have Met)“ –, gibt es skurrile, abgedrehte Lieder („Motorpsycho Nitemare“, „I Shall Be Free No. 10“) sowie eine eindeutige Ausformulierung dessen, was er beim vorhergegangenen Album in „Restless Farewell“ hat anklingen lassen: In „My Back Pages“ bekennt er sich klar zu einer Abkehr von den bisherigen Idealen. Jede Strophe endet mit der provokanten Einsicht: „Ah, but I was so much older then, I’m younger than that now.“ Soll heißen: Er wird sich in Zukunft nicht mehr von den altbackenen Ideen der Folkies leiten lassen und stattdessen eine neue poetische Dimension anstreben. Bezeichnenderweise beschließt Dylan mit diesem richtungsweisenden Song seine Aufnahme-Session.

In „Chimes of Freedom“ blitzt noch einmal der Geist der Protestbewegung auf, doch deutet neben dem mit seinem surrealistischen Bilderreigen überzeugend umgesetzten poetischen Anspruch vor allem das Grundmotiv der Freiheit auf die Loslösung Dylans von allen äußeren Zwängen hin. Für Fans wie Kritiker kommt die Botschaft des Sängers an. Dylan löst sich von der Protestbewegung und stellt die poetische Umsetzung seiner persönlichen Gedanken ins Zentrum seines Schaffens: „Die Songs sind wahnsinnig ehrlich, nicht dafür gedacht, um irgendwelche Köpfe zu verwirren, und aus dem einzigen Grund geschrieben, weil ich allein sein wollte und einfach so etwas schreiben musste.“ Erstaunlich ist allerdings die künstlerische Reife, die der 23-Jährige dabei an den Tag legt.



Doch der eigentliche Knall steht noch bevor. Fünf Monate nach Veröffentlichung von Another Side of Bob Dylan geht der Jungmeister im Januar 1965 ins Studio und spielt sein fünftes Album mit Backing-Band ein. Der Skandal ist perfekt, als Bringing It All Back Home (europäischer Titel: Subterranean Homesick Blues) am 22. März erscheint, und als Dylan am 25. Juli beim Newport Folk Festival konsequenterweise „elektrisch“ auftritt, ist das Tischtuch endgültig zerschnitten. Die Fans folgen Dylan entweder oder wenden sich von ihm ab. Der Befreiungsschlag ist gelungen, und mit den beiden Folgealben Highway 61 Revisited (August 1965) und Blonde on Blonde (Mai 1966, die erste Doppel-LP der Popgeschichte) wird Dylan seinen künstlerischen Anspruch zementieren.



Neben den sieben elektrifizierten Songs auf der ersten LP-Seite von Bringing It All Back Home wirken die vier Songs auf Seite zwei beinahe wie ein Anhängsel. Beinahe – denn spätestens beim genaueren Hinhören erweist sich jedes der Stücke in der Umsetzung von Dylans poetischem Anspruch als kleines Meis-terwerk. „Mr. Tambourine Man“ entwickelt sich – nicht zuletzt dank der Veröffentlichung der Byrds-Version gerade einmal drei Wochen später – zu einem der bekanntesten Lieder des Songwriters, „It’s All Over Now, Baby Blue“ greift erneut höchst poetisch den Abschiedsgedanken auf, und „Gates of Eden“ kommt als surrealistisch-negative Variante einer Heilslehre. Ästhetisch herausragend ist jedoch „It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)“, ein dichterischer Erklärungsversuch der Welt als solche, der in das Bekenntnis mündet:
And if my thought-dreams could be seen
They’d probably put my head in a guillotine
But it’s alright, Ma, it’s life, and life only
.“

Der Song entzieht sich durch seine übereinander gelagerten Bedeutungsebenen letztlich einer kompletten Deutung und ist an vielen Stellen durchaus universell anwendbar. So wirkt etwa die Zeile „But even the president of the United States sometimes must have to stand naked“ im Nachhinein prophetisch: Als US-Präsident Richard Nixon 1974 nach der Watergate-Affäre zurücktreten musste, feiern die Fans Dylans Weitsicht bei Auftritten an dieser Stelle mit tosendem Szenenapplaus.

Musikalisch sind die vier akustischen Songs einmal mehr simpel gehalten: In „Gates of Eden“ ist ein einfaches Schlagschema zu hören, in zwei Fällen („Mr. Tambourine Man“, „It’s All Over Now, Baby Blue“) wird dieses jeweils durch Einwürfe eines zweiten Instruments ergänzt. In einem Song („It’s Alright, Ma“) wird das Schlagschema durch zusätzliche Füllsel aufgelockert.

Bringing It All Back Home kommt wie ein Paukenschlag: Wie einkalkuliert, stößt der Künstler den Großteil seiner restlichen alten Fans vor den Kopf, gewinnt aber wiederum zahlreiche neue hinzu. Auf die Frage, warum er aufgehört habe, Folk-Songs zu spielen, antwortet er nonchalant: „Ich habe mich mit zu vielen anderen Dingen befasst, als dass ich mich ausschließlich damit beschäftigen könnte. Ich konnte nicht mehr zurück und mich nur damit beschäftigen.“ Vor allem verwirklicht Dylan mit der Platte ein poetisch-künstlerisches Konzept, das er auf den beiden Nachfolgealben weiter verfeinern wird, das er in den Grundzügen bis heute verfolgt – und das die Rockmusik und ihren Stellenwert für immer verändert. So ist etwa Dylans Einfluss auf die Beatles unstrittig, die 1965/66 ebenfalls eine neue künstlerische Richtung einschlagen und die Alben Rubber Soul und Revolver aufnehmen, auf die 1967 schließlich Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band folgt.

Dylan indes zahlt auch die Rechnung für sein oft zitiertes „Leben auf der Überholspur“ und seine ungeheure Produktivität. Bereits seit Anfang der 60er ist er heroinabhängig. Am 29. Juli 1966, rund zwei Monate nach Veröffentlichung seines siebten Albums Blonde on Blonde, zerlegt er sein Motorrad, bricht sich allem Anschein nach mehrere Wirbel, lässt sich aber trotz dieser schweren Verletzungen in kein Krankenhaus einliefern. Stattdessen verschwindet er von der Bildfläche und ordnet sein Leben noch einmal neu – Dylan ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal 25 Jahre alt.

Vermutlich hat er einkalkuliert, dass er von vielen Fans und Kritikern für tot gehalten wird. 1974 wird er über diese Phase sagen: „Der Wendepunkt war damals Woodstock. Kurz nach dem Unfall. Ich saß da während einer Vollmondnacht, schaute in die öden Wälder hinaus und sagte: Irgend etwas muss sich ändern.“ Was danach kommt, ist eine völlig andere spannende Geschichte ... 

Jürgen Ehneß

Fotos: Getty Images, Elliot Landy



 
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