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Podcast-Format für Gitarristen, Gearnerds und Musikbegeisterte, präsentiert von guitar-Magazin und Ernie Ball.

 

 

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Joe Satriani (Interview)

Mit Shapeshifting entführt uns Joe Satriani auf eine Reise durch seine komplette Karriere und die (mögliche) Zukunft des Gitarren-Instrumentals. Im guitar-Schnack verrät Joe, was ihm im Studio Kopfzerbrechen bereitete und warum es wichtig ist, neben den High-End-Modellen eine Low-Cost-Variante seiner Ibanez-Signature-Serie zu besitzen.

Joe Satriani Guitar Shot
Foto: LeAnn Mueller/Sony Music

Joe, Shapeshifting verbindet klassische „Satch“-Trademarks mit von dir noch nie gehörten Stilelementen. Ist es nicht unfassbar schwer, nach 16 Studioalben eine derart frisch klingende Scheibe zu produzieren?

Joe Satriani: Ich bin stets mit offenen Augen und Ohren in der Welt unterwegs und sammele ununterbrochen Ideen, die mich später zu meinen Stücken inspirieren. Ungefähr alle zwei Jahre bündle ich diese Einfälle und überlege mir, in welche Richtung eine LP driften könnte. Im Fall von Shape-
shifting war das eine etwas harte Nuss, denn die Tracks entwickelten eine Eigendynamik, die ich mit einem übergestülpten Konzept nicht ausbremsen wollte. Ich ließ mich dabei einfach von meiner Leidenschaft für Musik und den Erfahrungen auf meinen Reisen leiten ... mehr mache ich ja eigentlich bei keiner Platte. Es passiert ganz einfach. (lacht)

Komponierst du generell nur Instrumentals, die auch aufgenommen werden oder besitzt du zusätzlich ein Archiv, aus dem du passendes Material zu den neu geschriebenen Tracks hinzufügst?

Generell bevorzuge ich ganz klar komplett neue Songs. Allerdings besitze ich natürlich einige Favoriten, die es bisher nicht auf ein Album geschafft haben. Ein perfektes Beispiel dafür ist „All For Love“. Die Wurzeln dieses Songs liegen in den späten ’90ern. Damals nahm ich die Blaupause dafür mit einem Kurzweil-K2000-Keyboard als „Orchesterstück“ ohne Gitarre auf. 2001 importierte ich diesen Mix in ProTools, brannte ihn auf CD und gab ihn John Paul Jones von Led Zeppelin. Zu dieser Zeit gab es den wagen Plan einer gemeinsamen Klassikscheibe. Aufgrund unserer vollen Terminpläne verlief sich dieses Vorhaben allerdings recht schnell im Sand. Ich dachte aber immer wieder mal an „All For Love“, wenn ich an einer LP werkelte, er wurde aber nie verwendet.

Als ich während dieser Produktion erneut darüberstolperte, fiel mir urplötzlich auf, dass er eigentlich eine super Grundlage für ein Gitarrenstück darstellt. Ich ersetzte Spur für Spur die Geigen und restlichen Streicher und hatte plötzlich den Einfall, als tragendes Element eine Gitarre, die durch ein verrücktes Pedal gejagt wird, einzusetzen. Da der Song in den hohen Regionen des Griffbretts angesiedelt ist, war es ein echter Drahtseilakt, die Passagen sauber einzuspielen. Die fertige Vorproduktion schickte ich an meinen Keyboarder und Rhythmusgitarristen Eric Caudieux. Er war sofort der gleichen Meinung wie ich, dass es zu den restlichen Kompositionen von Shapeshifting passt. Im Studio brauchte ich für meine Passagen dann allerdings zehn Anläufe ... der erste klang beispielsweise komplett fürchterlich ... (lacht)

Das war doch jetzt ein Scherz, dass gerade du zehn Takes brauchst, oder?

Nein, absolut nicht. Bei einer Albumproduktion bist du mit dem Material ja noch überhaupt nicht vertraut. Manchmal ist es gerade erst fertiggeschrieben – wie soll man es da schon verinnerlicht haben? Zudem sind spieltechnisch noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, diesen oder jenen Part umzusetzen. Eine LP ist quasi eine Dokumentation der Phase, in der du dich bei der Performance deiner Stücke am unwohlsten fühlst ... in zwei Jahren wird sich das geändert haben und ich bin dann echt gut darin, genau diese Instrumentals sauber zu spielen. (schmunzelt)

Joe Satriani Guitar Shot
Foto: LeAnn Mueller/Sony Music

Etwas kniffelig dürfte auch die Umsetzung und Entstehung von „Ali Farka, Dick Dale, An Alien And Me“ gewesen sein ...

Es gibt da von mir einen kleinen Track, den ich im Stil von Ali Farka einspielte. Er war ein Auftrag für den SciFi-Channel und blieb mir immer im Hinterkopf. Auf der „The Hendrix Experience“-Tour im letzten Jahr hörte ich ihn mir oft an und mir schwebte ein komplettes Tribute an Ali vor. Dann verstarb plötzlich Dick Dale und vor ihm wollte ich mich auch mit einer Komposition verneigen.

In einem echt verrückten Moment stellte ich mir dann vor, was wohl passieren würde, wenn Farka, Dale und ich gemeinsam in einem Studio stehen und zu einem außerirdisch klingenden elektronischen Backingtrack jammen. Irgendwann kam mir dieser Einfall gar nicht mehr so obskur vor, denn ich hätte so die Möglichkeit auf eine sehr respektvolle Art und Weise meine Verehrung für diese zwei großartigen Musiker auszudrücken. Beide kreierten Musik, die so herausragend und einzigartig war, dass ich das in die Melodien unbedingt einbinden musste. Ich ging dieses Vorhaben ziemlich entspannt an, allerdings war es richtig schwierig, wie Dick in die Saiten zu greifen. Für ein paar Fragmente kann man seinen Stil immer gut klingen lassen – bei einem kompletten Stück sieht das allerdings schon ganz anders aus.

Für mich ist dieser Song in der Retrospektive die ultimative Formwandlung, in der ich mich als Gitarrist komplett aufs Neue beweisen musste. Der Sprung zwischen den Spieltechniken, die rein gar nichts miteinander zu tun haben, war die ultimative Herausforderung als Musiker.

Was würdest du jungen Gitarristen raten, die gerade auf der Suche nach ihrem Sound sind?

Mein Gitarrenlehrer sagte mal zu mir: „Spiel nur die Noten, die du auch spielen möchtest. Wenn dein Lied fertig ist, brauchst du dir so keine Gedanken mehr zu machen, was du spielen solltest, wolltest oder könntest.“ So seltsam mir das damals vorkam, er hatte absolut recht. Auf die heutige Zeit umgemünzt, sollte der Suchende nur auf seine innere Stimme hören und emotional entscheiden, was er auf den sechs Saiten greift und zupft, um  damit glücklich zu sein. Er soll sich auch nicht mit alten Hasen wie mir vergleichen sondern etablierte Leute nur als  Ansporn verstehen und schlichtweg er selbst sein.

Deine Ibanez-JS-Modelle reichen passend dazu von 799 Euro für Einsteiger bis zur 5499-Euro-High-End-Variante für Profis …

Ich fing selbst mit einer günstigen Hagström H-III an. Zum Glück war sie damals erhältlich, denn meine Eltern konnten mir kein Instrument für tausende Dollar kaufen. Genau aus diesem Grund sind preiswerte Gitarren für Anfänger absolut wichtig. Die JS wird aus Einzelteilen zusammengeschraubt, bei denen man aufgrund der verwendeten Materialien enorme Einsparungen erzielen kann – so machte es beispielsweise auch zu seiner Zeit Leo Fender mit den Teles und Strats. Alle Elemente sind austauschbar und du kannst, wenn du es möchtest, die JS140 mit anderen Parts ausstatten. Ich freue mich, dass Ibanez mit mir diesen Schritt gegangen sind, denn ursprünglich gab es nur teure Modelle. Nun kann jeder eine JS spielen und darauf bin ich schon stolz.

Text: Chris Franzkowiak
Fotos: LeAnn Mueller/Sony Music

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