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Interview: Roman Bulakhov

„Musikalische Bildung ist für Musiker so wichtig wie Anatomie für Ärzte“

Roman Bulakhov ist einer der spannensten Gitarristen des Internets, der es gepackt hat sich mit Reels und Tiktoks ein beachtliches Following aufzubauen. Wir sprachen mit dem jungen Ukrainer über Hip-Hop-Einflüsse, die Bedeutung von Theorie, Gear und seinen Song „Kyiv Time“, den er für uns transkribiert hat.

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Roman, dein Stil als Solokünstler wird oft von Hip-Hop beeinflusst, was für Gitarristen ja eher ungewöhnlich ist. Welche Platten würdest du Gitarristen empfehlen, die mehr über Hip-Hop lernen möchten?

Ich liebe Hip-Hop, das stimmt. Ich habe viel Rap gehört, und tatsächlich interessiere ich mich sehr für dieses Genre als Hörer. Aber leider ist die Gitarre für mich als Gitarrist in Old-School Rap/Hip-Hop nicht das Hauptinstrument, und ich war immer daran interessiert, wie man die Gitarre in Hip-Hop cool klingen lassen kann, ohne die Aufmerksamkeit komplett auf sich zu ziehen, obwohl man ein paar Jazzelemente einbringt. Vor über zehn Jahren habe ich Neo-Soul für mich entdeckt – zuerst als Jazz-Piano-Beats. Dann habe ich versucht, die Klavierparts nachzuspielen und eigene Linien zu entwickeln. Hier begann wahrscheinlich meine Hip-Hop-Prägung auf der Gitarre. Ich höre seit Jahren Rap und habe das Gefühl, dass der Flow des Hip-Hop einen Einfluss auf mein Spiel hat. Einer meiner Lieblings-Jazz-Hip-Hop-Musiker ist derzeit Robert Glasper. Ich verfolge jede seiner Veröffentlichungen und nehme oft Cover seiner Tracks auf. Nachdem ich so ein Cover online gestellt habe, ist Robert mir sogar auf Instagram gefolgt. Wegen desselben Videos hat mich Rick Beato einfach per Zoom angerufen und gesagt, dass ich den Song mit meinem Gitarrenpart besser gemacht habe. Das ist für mich wie ein Wunder, solche Aufmerksamkeit von Legenden wie Rick und Robert zu bekommen.

Also ich empfehle sich Robert Glasper anzuhören. Meiner Meinung ist er einer der Besten im Hip-Hop, um sich inspirieren zu lassen!

Du hast am Charkiw Music College studiert; wie beeinflusst diese Ausbildung dich als Komponist?

Ich glaube, dass musikalische Bildung die Grundlage ist, mit der man sowohl einfache Strukturen als auch komplexe musikalische Architektur aufbauen kann. Das Wichtigste ist, jede Note, jeden Akkord und jede Tonleiter vollständig zu verstehen und rechtfertigen zu können. Außerdem vermittelt die musikalische Ausbildung ein tiefes Verständnis für Musik im Allgemeinen. Gehörbildung und Harmonielehre sind Dinge, mit denen sich jeder Musiker auseinandersetzen muss, entweder in dem Übergang vom autodidaktischen Amateur zum Profi oder indem er grundlegende Kenntnisse bereits am Anfang an einer Musikschule erhält und dann sein Leben lang weiterstudiert. Daher sollte es meiner Meinung nach nicht unterschätzt werden. Musikalische Bildung ist genauso nützliches Wissen für einen Musiker wie die Rechtsprechung für einen Anwalt oder die Anatomie für einen Arzt, es wird nie überflüssig sein.

"Hammer to the Head" enthält Elemente elektronischer Samples. Wie gehst du mit der Mischung aus elektronischer und gitarrenbasierter Musik um?

Ich liebe es zu experimentieren, besonders mit elektronischen Samples. Ich arbeite mit Ableton Live und liebe es, Klänge über analoge Synthesizer zu synthetisieren. Oft beginne ich meine Demos mit einem Beat oder einer elektronischen Sequenz, so wie dieser Song mit einer elektronischen Schleife begann, die am Anfang zusammen mit der Gitarrenintro zu hören ist. Natprlich mache ich im Kern Jazz, aber ich versuche, die Grenzen dieses Genres zu erweitern, indem ich Merkmale anderer Stile, einschließlich elektronischer Elemente, hinzufüge.

Welche Gitarren hast du auf Surfing verwendet? Wie sieht es mit Verstärkern und Effektpedalen aus? Verwendest du dieselbe Ausrüstung bei Live-Auftritten?

Ich bin sehr beständig, was meine Ausrüstung betrifft. Ich spiele seit vier Jahren D'Angelico-Gitarren, und die habe ich auch für das Album verwendet. Mein Hauptinstrument auf Surfing war die D'Angelico Excel DC. Ansonsten habe ich auch mit einer D'Angelico Atlantic Baritone, einer Brighton Deluxe und einer akustischen Excel Gramercy XT aufgenommen. Als Verstärker und Effektboard habe ich meistens das Neural DSP Quad Cortex verwendet, aber auch einige externe Pedale wie den Pigtronix Star Eater oder den Supro Chorus.Auf dem Track "Down on my Luck" habe ich einen Supro Delta King 12"-Verstärker gespielt und mit Myburgh M1, Sennheiser 441 Black Fire und AEA R88-Mikrofonen abgenommen. Was Live-Auftritte betrifft, ist meine Ausrüstung in der Regel die gleiche: D'Angelico und Quad Cortex. Manchmal nehme ich jedoch auch ein paar klassische Pedale dazu oder ersetze den Quad Cortex durch analoge Geräte. Aber das ist sehr selten, weil ich heutzutage das Gefühl habe, dass diese neue Generation von Prozessoren wie der Neural DSP wirklich gut klingt und super einfach zu bedienen ist.

 

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Neben deiner Solokarriere spielst du auch mit Nervy, einer modernen Heavy-Rock-Band. Wie unterscheidet sich dein Ansatz für Nervy von deiner Solomusik, sowohl in Bezug auf das Komponieren als auch auf die Ausrüstung?

Natürlich sind das zwei verschiedene Genres, und es sollte unterschiedliche Herangehensweisen geben, zumindest in den Klangeinstellungen und der Auswahl des "richtigen" Instruments und der "richtigen" Noten. Aber im Laufe der Jahre des Spielens und Hörens verschiedener Musik glaube ich, dass ich schließlich dieses Gefühl für Genre-Grenzen bekommen habe und in jedem Stil "im Groove" spielen kann und gleichzeitig die Fähigkeit habe, diese Grenzen zu erweitern, ohne aus der Musik herauszufallen. Am Anfang meiner Gitarristenkarriere waren das für mich buchstäblich zwei verschiedene Arten zu spielen, aber jetzt versuche ich, mich nicht in Genres zu unterteilen und mich stattdessen nur auf meinen Geschmack zu verlassen. Ich spiele einfach Musik, versuche die Stimmung zu fühlen und sie zu betonen. Was meine Ausrüstung betrifft, benutze ich bei Auftritten immer einen Prozessor. Abhängig von der Musik, die ich spiele, habe ich eine Vielzahl von Szenen und Voreinstellungen, von super jazzigem Clean bis zu sehr aggressiver Verzerrung. Aber im Studio bevorzuge ich analoges Equipment wie Röhrenverstärker.

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„Kyiv Time“ enthält neben Hyphen Dash auch den UFC-Ringansager Bruce Buffer. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

Als Covid begann und die Lockdowns kamen, habe ich die UFC eng verfolgt, kannte die Namen aller Kämpfer in allen Gewichtsklassen und kannte daher natürlich auch Bruce Buffer, der dort jeden Kampf mit seinem charakteristischen Schlachtruf „It's time“ ankündigt. Als ich dann gemeinsam mit Hyphen Dash, die wie ich aus der Ukraine sind, an dem Track arbeitete, wurden deren Aufnahmen in Kiew teils von Luftalarmsirenen unterbrochen.  Da kam mir die Idee, Bruce zu schreiben, um ihn zu fragen, ob er diesen Track mit seinem charakteristischen Satz ankündigen könnte – leicht abgeändert zu „It's Kyiv time“ – um Menschen und Musiker zu unterstützen, die auch während des Krieges Musik machen, und die Ukraine im Allgemeinen in dieser schwierigen Kriegszeit. Also habe ich mich mit Bruces Agenten in Verbindung gesetzt, und glücklicherweise haben wir es geschafft. Ich freue mich sehr über diese Zusammenarbeit und bin sehr stolz ihn auf dem Album zu haben!

Welche Botschaft möchtest du mit diesem Song senden?

Die Botschaft ist äußerst einfach - wir haben diesen Track unserer geliebten Stadt Kiew als Herz der Ukraine gewidmet, zum Gedenken an den 32. Unabhängigkeitstag der Ukraine! Heutzutage braucht unser Land Hilfe, und ich, als Künstler und Musiker mit einer bestimmten Zuhörerschaft, mache zusammen mit anderen Künstlern Musik und lenke die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf dieses Problem. Leider ist der Krieg in der Ukraine noch nicht vorbei, und leider müssen wir daran erinnert werden. Ich glaube, dass die Ukraine sich verteidigen wird, europäische und menschliche Werte verteidigen wird, und wir werden bis zum Ende, bis zum Sieg stehen!

Welche Schwierigkeiten gibt es beim Spielen von "Kyiv Time", worauf sollte sich ein Spieler konzentrieren?

In diesem Track habe ich sehr ungewöhnliche Rhythmusgruppierungen verwendet, fast alle Akzente liegen auf schwachen Schlägen, bei Halben, Vierteln und Sechzehnteln. Zu meiner Überraschung können nicht einmal alle professionellen Musiker in diesem Track korrekt zählen. Außerdem ist die Anzahl der Takte oft ungerade, und 4/4 wechselt oft zu 3/4. Auch die Struktur des Songs ist nicht einfach, obwohl er ziemlich einfach zu hören ist. Mein Rat ist also, sich auf den Rhythmus zu konzentrieren und sich daran zu gewöhnen, indem man alles zuerst mit einem Metronom spielt.

Robin Ehrlich

(Bildercredit: Roman Bulakhov)

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