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Interview: Sarah Jarosz

„Die Oktavmandoline ist meine Seelenverwandte“

16 credit shervin lainez

 

Mit Achtzehn die erste Grammy-Nominierung, zehn weitere sollten folgen, von denen sie vier Grammys bekam. Bei allem Auszeichnungs-Glamour, ist es aber immer schon Sarah Jaroszs Gespür für diese ganz großen, kleinen Songs gewesen, die sich mit viel Ruhe und durch ihre charmanten Geschichten im Herzen ihrer Hörer einnisten. So auch auf Polaroid Lovers einem Album, auf dem Sarah viel Neues ausprobiert und auf dem nicht zuletzt ihre Oktavmandoline eine ganz besondere Rolle spielt.

Sarah, du bist nach langen Jahren in New York nach Nashville gezogen, der „Tapetenwechsel“ scheint auch einen Einfuss auf deine neuen Songs gehabt zu haben…

Sarah Jarosz: Tja, das war eine eher komische Situation für mich. Anfang Mitte 2020 erwischte mich, wie so viele andere Künstler auch, die Pandemie ziemlich kalt. Eigentlich wollte ich damals nur ein paar Tage in Nashville verbringen, um dann eine private Show als Opener für Dave Matthews in Montana zu spielen, die Show wurde gecancelt, alle Flüge natürlich auch und so bin ich damals erstmal mit meinen paar Reiseklamotten bei meinem heutigen Mann geblieben, um habe die Situation dort unfreiwillig ausgesessen.  

Wie ging es weiter?

Als man dann wieder reisen konnte, holte ich meine Sachen aus New York aus meinem Apartment, indem ich sieben Jahre gelebt hatte, und zog komplett nach Nashville. Es ist irgendwie seltsam aus heutiger Sicht, dass ein Song wie „Columbus and 89th“ einer der letzten Songs gewesen ist, den ich für das aktuelle Album geschrieben habe, aber ich habe auch festgestellt, dass ich diese doch recht harsche Zäsur des Umzugs durch die Situation der Pandemie noch lang nicht ganz verarbeitet hatte …

… das ist die Adresse deiner alten Wohnung in New York, richtig?

Genau. Obwohl es nicht der letzte Song auf dem Album ist, schließt er für mich das Kapitel New York ab.

Wie kann man sich denn die Situation vorstellen, in der du in Nashville an den neuen Songs geschrieben hast?

Das aktuelle Album ist für mich kein „Pandemie-Album“, denn das meiste Material ist erst 2022 nach der Pandemie entstanden. In der Pandemie-Zeit habe ich meist entweder alleine, oder viel mit meinem Mann Jeff Musik gemacht. Das weckte in mir das große Bedürfnis danach mit anderen Songwritern zusammen zu schreiben – was ich zuvor in dem Ausmaß noch nie gemacht hatte. Ich habe nach frischen, kreativen Energien gesucht. Über meinen Produzenten Daniel Tashian kam ich mit Leuten wie Ruston Kelly, Natalie Hemby, John Randall, Sarah Buxton oder Gordie Samson zusammen – natürlich habe ich nicht mit allen gleichzeitig geschrieben, in den meisten Fällen habe ich mit jeweils einem von ihnen an Songs geschrieben.

1. fletcher brock octave mandolin cred sarah jarosz

Du beherrschst die Mandoline, die Gitarre und das Banjo. Welches Instrument stand auf dem aktuellen Album im Mittelpunkt?

Die Frage gefällt mir, denn obwohl ich in den letzten Jahren sehr häufig auf meiner Gitarre gespielt und geschrieben habe, ist die Oktavmandoline tatsächlich auf Polaroid Lovers mein Hauptinstrument gewesen. Sie ist tatsächlich zu dem Instrument geworden, dass so etwas wie zu meiner persönlichen Stimme wurde. Natürlich spiele ich gern auch Mandoline, Gitarre und Banjo, aber die Oktavmandoline ist die letzten Jahre über so etwas wie zu meiner Seelenverwandten geworden.  

Was ist das Besondere an der Oktavmandoline für dich?

Ich kann meine Mandolinen-Fähigkeiten direkt auf die Oktavmandoline übertragen, gleichzeitig gibt sie mir und meiner Stimme deutlich mehr Fundament – ähnlich einer Akustikgitarre, weil sie im Vergleich zu einer normalen Mandoline eine Oktave tiefer gestimmt ist. Bei der Mandoline hatte ich immer das Gefühl, dass sie zu nah an der Stimmhöhe meiner Stimme ist, weswegen sie mich nie wirklich inspirierte sie als Begleitinstrument zu begreifen. Aus diesem Grund habe ich mich lange Zeit mit der Gitarre beim Songwriting beschäftigt. Die Oktavmandoline ist sozusagen das Beste aus beiden Welten in einem Instrument zusammengefasst.

Du hast im Studio mit großartigen Musikern während der Aufnahmen der neuen Songs zusammenarbeiten können. Darunter Tom Bukovac [u.a. Tom Petty] und Rob McNelly [u.a. Miranda Lambert und Carrie Underwood] und nicht zu vergessen dein Mann Jeff Picker am Bass [Nickel Creek]. Tatsächlich ist ein sogar gewisser Tom-Petty-Vibe bei Songs die „Runaway Train“ nicht zu leugnen. War das im Studio so beabsichtigt?

Hm… also zu allererst muss ich sagen, dass ich selbst ein riesiger Tom-Petty-Fan bin. Und dass ich Daniel Tashian sehr dankbar bin, dass er für mich solch großartige Musiker im Studio versammelt hat. Einer der Hauptgründe dafür mit anderen Songwritern zu arbeiten war ja, eine neue Atmosphäre, und eine neue Richtung für die Songs zu bekommen. Ich habe zwar in der Vergangenheit meine ersten vier Album in Nashville aufgenommen, aber ich habe hier nie zuvor gelebt. Ich wollte die Musiker-Community und ihre Atmosphäre in Nashville aufsaugen. Durch Daniel bekam ich die Möglichkeit das zu tun. So habe ich zuvor noch nie ein Album gemacht.

Wie bist du sonst vorgegangen?

Meist habe ich meinen Teil an Spuren aufgenommen und anschließend wurde der dann mit Overdubs von Musikern versehen. Jetzt habe ich zum ersten Mal große Teile eines Albums live im Studio mit Band in nur anderthalb Wochen aufgenommen. Normalerweise gehe ich auch mit zehn bis zwölf komplett fertigen Songs ins Studio, lege sie dem Produzenten vor, nehme sie auf und das war es. Jetzt war viel mehr Spielraum, um Impulse und frische Ideen im Studio umzusetzen. Sicher viele Leute nehmen auf diese Weise Alben auf, für mich ist das aber alles Neuland gewesen und sehr aufregend gewesen.

2. collings 001 14 fret acoustic guitar cred sarah jarosz

Es gibt aber schon noch ein paar Gitarren-Spuren von dir auf dem Album, oder?

Ja, ich spiele zum Beispiel bei den Songs „Take The High Road“, Dying Ember“ und „Runaway Train“ meine Collings 00 Acoustic. Bei allen anderen Songs spiele tatsächlich aber hauptsächlich meine Oktavmandoline – am Ende von „Good At What I Do“  hört man mich tatsächlich noch mit meiner normalen Mandoline bei einem sehr Tremolo-lastigen Sound.

Der letzte Song „Mezcal And Lime“ versprüht eine ganz besondere relaxte Bar-Atmosphäre. Wie ist die Idee zu dem Song entstanden?

Kurz bevor die Songwriting-Sessions zum Album begannen, reiste ich mit meinem Mann Jeff nach Oaxaca in Mexiko. Dort wurde zum ersten Mal überhaupt Mezcal gebrannt, er ist den Menschen in dem Ort etwas Heiliges. Die Mezcal Maestros brennen den Schnaps dort bei sich zu Hause. Es ist kein Massenprodukt, wie beispielsweise der Tequila. Die Familien dort verwenden ihr bei vielen Familienfesten als religiösen Zeremonien-Schnaps. Nach einer sehr beeindruckenden Tour durch diese Mezcal-Stätten und Häuser wollten mein Mann Jeff und ich einen Song schreiben, der eine zeitlose Atmosphäre hat, bei der man buchstäblich die Sonnenstrahlen auf der Seele spüren kann. Und so haben wir dieses Thema in dem Song und seiner Atmosphäre verarbeitet. Irgendwie bekam der Song auf diese Weise schon beinah einen gewissen Sting-Atmospäre.

  

Marcel Thenée

Credit: Shervin Lainez (Titel)/ Sarah Jarosz (Instrumente)

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