Corey Taylor (guitar Interview)

Mit seinen Hauptbands Slipknot und Stone Sour scheint der sympathische Frontmann, Songwriter, Gitarrist und Buchautor bei weitem noch nicht ausgelastet zu sein. Mit CMFT legt Corey Taylor schon ein Jahr nach dem letzten Release seiner Hauptband das erste Soloalbum seiner Karriere vor - und überrascht im Interview auch noch als Gitarren- und Amp-Sound-Fan.

Corey, Slipknot, Stone Sour und Bücher – du bist ein vielbeschäftigter Mann ...
Corey Taylor: [lacht] ... und das ist nur die Spitze des Eisbergs!

... und jetzt hast du mit CMFT sogar dein erstes Soloalbum abgeliefert, auf dem bekommt man Rock, Punkrock, Classic-Rock und sogar Hip-Hop zu hören. Woher speist sich diese Vielseitigkeit bei dir?
Das alles kommt von meiner Liebe zur Musik. Es ist allseits bekannt, dass ich alle möglichen musikalischen Stile und Genres liebe. Ich verschließe mich be- stimmten Stilen nicht. Für mich hat jeder Stil etwas, das ich ihm abgewin- nen kann. Die neue Platte spiegelt das auf eine gewisse Art und Weise wider – die verschiedenen Musikstile, die mich über die Jahre hinweg glücklich gemacht, am Leben und neugierig gehalten haben.

Hattest du dir konzeptionell einen Plan für das Album gemacht?
Mir war klar, dass ein Soloalbum im- mer die Gefahr in sich birgt, dass es musikalisch direkt mit Sachen verg- lichen wird, die ich zuvor schon ge- macht habe. Oder dass es eine verwässerte Version dessen wird, was man schon einmal gemacht hat. Ich wollte aber etwas schreiben, was auf jeden Fall von Herzen kommt. Diese Songs für das neue Album sind über die letz- ten zwanzig Jahre hinweg entstanden, und warten seitdem darauf veröffent- licht zu werden.

„ALLE SONGS BEGINNEN AUF DER AKUSTIK- GITARRE“

 

 

Wie entscheidend war die Gitarre als Instrument für diese Songs?
Alles was ich schreibe, beginnt mit mir und meiner Akustikgitarre – auch alle Heavy-Sachen und Riffs, die ich über die letzten Jahre hinweg geschrieben habe. Ich setze mich auf die Couch oder in meine Garderobe und fange an, auf meiner Akustikgitarre herum- zuspielen. So entstehen meine Songs, ich kenne keine andere Art zu schrei- ben. Aus diesem Grund ist alles was, ich schreibe, auch sehr Gitarren-ori- entiert.

... auch bei den härteren Songs?
Ja, auch ein rifforientierter Song wie etwa „Culture Head“, basiert ur- sprünglich auf einer akustischen Idee, bei der ich die E-Saite auf Dropped-D runtergestimmt habe. Wenn ein Rock- Song gut auf einer Akustikgitarre funktioniert, dann wird man daraus bei erhöhtem Lautstärke-Level auch eine ganz spezielle Aggressivität aus dem Song heraus kitzeln können.

Was ist dein persönlicher Favorit in Sachen Akustikgitarre?
Ich war mal ein Gibson-Artist, deswe- gen besitze ich einige Akustikgitarren, die Gibson mir über die Jahre hinweg zugesandt haben. Darunter ein paar Hummingbird Pros und eine J-45. Die Gitarre, mit der ich am meisten schrei- be ist aber meine Gibson J-35, die ich meine „Blonde“ nenne. Sie klingt ein- fach fantastisch. Ich besaß mal eine ’78er Gibson Blueridge, die wirklich „gesungen“ hat. Leider wurde sie mir gestohlen. Seitdem versuche ich an- dauernd, eine andere Akustik-Gitarre zu finden, die diesen Vintage-Vibe versprüht. Das führt mich meistens wieder zurück zu meiner „blonden“ J-35, die aber erst acht Jahre alt ist. Diese Gitarre bringt in Sachen Sound in meinen Augen einfach die richtige Mischung aus Brillanz und Bass.

Wer hat dir denn im Studio an den E-Gitarren Solo-technisch den Rücken freigehalten?
Oh! Da wäre zum einen der großar- tige Christian Martucci, der ja auch mit mir bei Stone Sour spielt. Man kennt ihn auch als Gitarrist der Black Star Riders oder Black President. Sein Spiel ist supermusikalisch und er hat ein großartiges Ohr für klasse Solo-Hooklines. Der andere Mann an der Gitarre ist Zach Throne. Er ist eben- falls alles andere als ein unbeschrie- benes Blatt und hat jüngst mit Bruce Kulick und Pearl Aday [Songwriterin, Sängerin und Ehefrau von Scott Ian, Anm. d. Verf.] zusammen gearbeitet. Du kannst ihm alles vorsetzen, der kann alles spielen.

„MICH HABEN DIE GANZEN UNTERSCHIEDLICHEN GITARRENSOUNDS SEHR INTERRESIERT“

 

Kannten sich die beiden vor den gemeinsamen Studio-Sessions?
Nein, sie haben zuvor noch nie zusam- men innerhalb eines Projekts mitei- nander gespielt, aber ich wusste von Anfang an, dass die beiden perfekt miteinander harmonieren würden. Als die beiden dann im Studio auf einan- der trafen und begannen, gemeinsam an den Gitarrenparts zu arbeiten, war es fast so, als würde man den Film Stiefbrüder mit Will Ferrell und John C Riley schauen. Es war so urkomisch und gleichzeitig sehr beeindruckend, wie diese beiden im Studio ihre Soli gemeinsam ausgearbeitet haben.

Würdest du dich selbst als Gitarren-Nerd bezeichnen?
Nein, aber ich kann behaupten, dass ich mich die letzten Jahre über doch recht eingehend mit dem Thema be- schäftigt habe. Die letzten drei oder vier Jahre habe ich mich sogar etwas mehr mit dem Thema Boutique-Gitar- ren beschäftigt. So wurde ich ein gro- ßer Fan von Novo Guitars. Ich besitze einige Serus-J-Modelle von Novo, die ich total liebe – und die ich auf dem Album auch benutzt habe. Dann be- sitze ich noch ein paar Gitarren aus dem Hause Nash Guitars. Die klingen etwas fetter als ihre Vorbilder von Fen- der. Und dann besitze ich noch einige Gitarren, die sich über die Jahre hin- weg bei mir angesammelt haben, wie ein Mexico-Strat von 1995, die ich be- spielsweise bei dem Song „Black Eyes Blue“ gespielt habe. Oder eine Gibson SG von 1978, die richtig singt.

... mit P90-Pickups?
Ja, mich haben diese ganzen unter- schiedlichen Gitarrensounds sehr in- teressiert. Die warmen Humbucker- Sounds ergänzten sich einfach prima mit denen der SG und ihrer P90-Pick- ups. Overdrive-Pedale benutze ich ei- gentlich nicht wirklich. Das überlasse ich alles den Kollegen Zach Throne und Chris Martucci. Ich schreibe die Riffs und die Songs. Ich habe alle Songs auf dem Album geschrieben – bis auf „Everybody Dies On My Birthday“. Die musikalische Idee hierzu kam von Christian. Ich habe ihn eigentlich nur arrangiert und dann den Text dazu geschrieben.

„DIE MARSHALLS LIEFERTEN DEN ’80ER-SOUND, DEN ICH WOLLTE“

 

Welche Amps hast du denn auf dem Album gespielt?
Ich habe auf dem Album hauptsäch- lich eine Kombination zweier Marshall-Amps verwendet. Hier und da gab es vielleicht noch einen Peavey 5150. Hauptsächlich war es aber ein Marshall JCM 800 und ein Marshall Silver Jubilee von 1988. Die Verstärker lieferten mir aber auch einfach genau diesen ’80er-Sound, der mir für dieses Album vorschwebte.

Auf welchem Song kann man die Marshalls hören?
Auf „HWY 666“ und „Half Way Down“ war es der 800er. Den Silver Jubilee habe ich zum Beispiel bei „Samantha’s Gone“ benutzt. Ich versuchte immer, meinen Sound zwischen diesen beiden Amps auszubalancieren. Den Jubilee habe ich für die härteren Sounds her- genommen – zusammen mit meiner SG. Dieser Sound passte genau in die Mitte der Frequenzen von Zachs Fly- ing V und Martuccis Custom-Dean. Es war ein wenig, wie die richtigen Golf- schläger beim Spiel zu finden.

Text: Marcel Thenée
Fotos: Roadrunner/WMG