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Interview: Jen Majura (Evanescence) - Inspiration kann von überall kommen


Jen mit ihrer Ibanez JEM-77P BFP (1)

Die Kult-Alternative-Rock-Band Evanescence veröffentlicht mit The Bitter Truth ein Album, das unter dem Eindruck der Pandemie und einer sich im Wandel befindenden Welt entstand. guitar hat mit der deutschen Gitarristin Jen Majura über den Entstehungsprozess, die Hintergründe und das typische „Evanescence-Brett“ gesprochen.

Hallo Jen, wie geht es dir denn?

Jen Majura: Tja, Corona halt! Ich habe tatsächlich so viel Zeit auf meiner Couch verbracht, dass sie komplett durchgesessen ist und ich ein neues Sofa brauche. Das letzte Mal, dass ich so viel Zeit zuhause verbracht habe, war glaube ich vor 16 Jahren. Wenn das ganze Leben aus Reisen und Konzerten besteht, und das alles dann weggenommen wird, dann ist das … puh! Zuerst ist man irritiert, dann denkt man sich „hey, ich habe Urlaub“ und nach vier Monaten ging es mir einfach nur noch auf den Keks. Das Schlimme ist eigentlich, dass man mental damit umgehen muss, dass man keine Connections mehr zu den Fans hat. Also Konzerte spielen und den Kontakt mit seinen Fans haben. Dieser Energie-Austausch fehlt einfach und das ist doch eigentlich gerade der Grund, warum wir alle Musik machen.

Wie läuft denn bei euch die Bandkommunikation aktuell ab?

Ich bin zuhause im schönen Münsterland, Amy und die Jungs sind drüben in den Staaten. Wir haben eine Chat-Gruppe, in der wir uns immer hin und her schreiben. Die Chemie zwischen Amy, den Jungs und mir ist freundschaftlich. Wir verstehen alle, dass es nun mal so ist, wie es ist. Wir sind im regen Kontakt, Amy und ich haben auch einen wöchentlichen Zoom-Call in dem wir uns gegenseitig erzählen, was so in der Welt passiert. Aber seien wir mal ehrlich, es gibt mit Sicherheit keinen professionellen Musiker auf der ganzen Welt, der nicht von der aktuellen Situation genervt ist. Wir haben aber unser Album fertig aufgenommen, es ist gemixt und gemastert und veröffentlichen The Bitter Truth dann am 26. März. Und gerade weil 2020 war, wie es war, spiegelt es sich in jedem einzelnen Song wider. Das ganze Gefühlsspektrum zwischen „ich bin verzweifelt und zerbreche an der Situation“ bis hin zu „ich kämpfe mich durch, halt das durch und bin stark“ wird abgebildet.


Evanescence in der aktuellen Besetzung (v.l.): Jen Majura, Will Hunt, Amy Lee, Tim McCord, Troy McLawhorn (2)

Wie lief die Produktion ab?

Die Produktion war ziemlich heftig. Ich habe im Januar 2020 die letzte NAMM-Show gespielt und bin danach direkt nach Nashville ins Studio geflogen und habe die ersten Aufnahmen eingespielt. Danach haben wir uns alle am Flughafen wieder voneinander verabschiedet und hatten geplant, dass wir uns nächsten Monat wiedersehen. Natürlich kam alles anders. Wir haben das meiste dann online geregelt, obwohl Amy und die Jungs sich weiterhin treffen konnten, da sie ja in den Staaten wohnen. Die Aufnahmen haben wir per DI und Re-Amping gemacht. Aber das Schwierige für mich war tatsächlich, dass ich keinen direkten Input von meinen Bandkollegen bekommen habe. Nick Raskulinecz ist auch ein unglaublicher Produzent (Foo Fighters, KoRn, Mastodon), der ja entsprechend Erfahrung hat und auch weiß, wie er motiviert. Das hat nun gefehlt. Ich bin aber sehr stolz darauf, dass ich viele Backing-Vocals gesungen und nicht nur Gitarre gespielt habe. Dass andere Female-Vocals zu hören sind, ist tatsächlich die Premiere auf einem Evanescence-Album. Es ist auch sehr gitarrenlastig und heavy, ich hätte nicht gedacht, dass Amy noch einmal so sehr anzieht. Aber das ist nun mal die Frustration von dem ganzen Pandemiejahr.

Welche Rolle hat Produzent Nick Raskulinecz für den Aufnahmeprozess gespielt?

Er ist der Papa der Band. Wir hatten die Songs roh schon fertig, als wir nach Nashville gegangen sind, um sie einzuspielen. Wir waren dann alle zusammen in einem Raum, haben die Songs gespielt und daran gearbeitet. Nick stand im Raum mit uns an einem Notenpult und mit einem Drumstick bewaffnet und dirigierte die Musiker. Und das quasi den gesamten Song hindurch. (lacht) Das ist unfassbar cool, weil Nick ein unglaubliches Gespür für Musik hat. Er hört Ideen, bevor du weißt, dass du sie überhaupt spielen kannst.

Mit welcher Erwartungshaltung seid ihr ins Studio gegangen?

2019 hatten wir mehrere Writing-Sessions. Die Idee war, ein tolles und solides Rockalbum zu schreiben. Damals kannte man die Wörter Covid-19 und Corona ja auch noch nicht. Das hat sich durch mehrere Faktoren dann gewandelt, nicht nur durch die Pandemie. Zum Beispiel hat auch die Wahl in Amerika ihre Spuren hinterlassen. Es ist ein unfassbar ehrliches Album, da es einfach repräsentiert, was gerade in der Zeit so alles passiert ist und uns als Menschen bewegt hat.


Jen mit ihrer Ibanez FR6UCS Prestige und Syn-30 Synergy Amp (3)

Wie läuft bei euch das Songwriting ab?

Ganz klassisch eigentlich. Man kommt mit einem Riff oder einer Idee, dann sagen die anderen „Wow cool!“ und schreiben was dazu! (lacht) Ganz oldschool eigentlich – aber was auch Fakt und vollkommen richtig ist: Amy ist die Chefin der Band. Sie bringt die meisten Ideen und schreibt auch die gesamten Texte. Ich werde zwar oft gefragt, ob ich auch Lyrics schreibe. Aber Amy kann so gut mit Worten umgehen und transportiert die Emotionen entsprechend, dass ich das so niemals könnte. Ansonsten bringen alle Ideen ein und dann wird gemeinsam daran gearbeitet.

Wo holst du dir die Kreativität für deine Musik her?

Das kommt eigentlich von überall. Manchmal wacht man morgens auf und steckt voller Energie, so dass man sofort zur Gitarre greift, etwas schreibt und es in die Dropbox für die anderen reinpackt. Aber auch beim Musikhören oder wenn ich einen Film schaue kann mir plötzlich eine Idee kommen. Inspiration kann ja von überall herkommen, sogar wenn ich koche und mir dabei denke, ich könnte mal einen Song über Avocados schreiben. (lacht) Ich habe da kein Inspirationszentrum. Als Künstler ist man ja eh die ganze Zeit auf Hab-Acht-Stellung. Ich habe mir vor Jahren geschworen, dass ich immer einen Stift mit Papier neben der Toilette habe. Ganz schlimm ist es, wenn die Riffs und Songideen nachts kommen und man panisch aufwacht, damit man sie nicht vergisst.

Du hast jetzt für The Bitter Truth notgedrungen sehr viel mit Home-Recording gearbeitet. Wie schaut da dein Setup aus?

Ich spiele seit geraumer Zeit mit Synergy-Amps und bin sehr, sehr glücklich damit. Für meinen Livestack bei Evanescence habe ich den Friedman-HBE und das BEBB-Modul, welches größtenteils mein Hauptmodul ist. Da wir wenig Clean-Sounds haben, brauche ich meistens einen guten High-Gain-Kanal – das typische Evanescence-Brett. Wenn aber doch mal cleane Sounds vorkommen, dann brauche ich es kristallklar – und dafür ist das BEBB-Modul perfekt, das in Richtung Fender Twin Reverb geht. Die Synergy-Amps habe ich live auch jeweils als Main und Spare. Genauso wie mein Line 6 Helix für die Effekte, die mein Leben so viel leichter gemacht haben. Im Homerecording habe ich eben sehr viel mit Re-Amping gearbeitet, Nick die DI-Spur zukommen lassen und ihm die Produktion überlassen, da ich ja nicht mit im Raum sitzen konnte. Meine Hauptgitarre bei Evanescence ist die weiße Ibanez RG450, ich spiele aber auch eine 7-String Prestige und aktuell auch die neue Ibanez Steve Vai PIA3761.


The Bitter Truth - Das neue Evanescence-Album ist grundehrlich und überraschend heavy geraten.

Interview: Oliver Strosetzki

Fotos: Tom Row (1,3), Nick Fancher (2)