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Isreal Nash – Der Optimist (guitar Interview)

Israel Nashs neue LP Topaz ist nicht nur ein heißer Anwärter auf den Titel „Bestes Americana-Album des Jahres“ sondern auch eine Sammlung enorm geschmackvoller Gitarrensounds. Direkt aus seinem Quonset Hut Studio schaltete sich Nash in das Zoom-Meeting mit guitar.

Israel Nash Topaz Promo Guitar Interview

Israel, mit dem Titel Topaz hast du für etwas Verwirrung gesorgt, denn vor gut einem Jahr ist eine gleichnamige, fünf Tracks starke Preview-EP erschienen.

Als die EP im April 2020 veröffentlicht wurde, war der erste Lockdown gerade einen Monat alt. Mir brannte es damals förmlich unter den Fingernägeln, ein paar Songs rauszuhauen, denn ich war in den letzten eineinhalb Jahren wirklich sehr produktiv. In Zahlen beziffert gibt es mit Topaz inzwischen Material für zwei komplette Alben.

Die Pandemie zog sich dann bis heute hin und mein ursprünglicher Plan, die B-Seite von Topaz in Form einer zweiten 5er-Sammlung vorab herauszubringen, fiel der Ungewissheit der Situation zum Opfer. Es machte also unterm Strich viel mehr Sinn, die bereits bekannten Stücke um die fünf weiteren Lieder zu ergänzen und einen kompletten Longplayer an den Start zu bringen.

 

Die Songs verbreiten auch mehr den Vibe einer durchdachten Platte als den von zwei getrennten, für sich alleine stehenden Minischeiben.

Im Prinzip sind die Stücke auch genau dafür komponiert worden. Ich persönlich liebe Alben und verliere mich gerne unter meinen Kopfhörern in einer LP, die komplett gehört ein Bild in deinen Gedanken zeichnet. Allerdings haben sich die Hörgewohnheiten auf der ganzen Welt geändert und es sind inzwischen einzelne Lieder oder drei bis fünf Tracks einer EP, die mehr Aufmerksamkeit generieren als das klassische Albumkonzept.

Israel Nash Topaz Cover Guitar Interview

Du arbeitest in deinem Quonset Hut Studio komplett alleine – vereinsamt man da aus kreativer Sicht nicht auf Dauer?

Für mich als Singer-Songwriter ist es absolut komisch, nicht auf Tour zu sein und die Welt zu bereisen. Da geht es mir weniger um Gewohnheiten sondern um den Treibstoff, der mich später zu meinen Liedern inspiriert. Beispielsweise wenn ich bei euch in Deutschland Konzerte spiele und auf der Autobahn von Hamburg nach München unterwegs bin.

In ruhigen Momenten vermisst man zwangsläufig seine Familie und es werden echte Emotionen freigesetzt. Dazu bist du noch müde, da dir der Jetlag immer noch in den Knochen steckt. Wenn‘s dann abends auf die Bühne geht, ist das alles wie weg geblasen. Aufregung und Glück gehen beim Blick in die Augen der begeisterten Zuhörer Hand in Hand. Es ist also kurzum ein Wechselbad der Gefühle, dass elementar für mich als komponierenden Künstler ist.

 

Was hast du dir überlegt, um Topaz in der aktuellen Situation zu promoten?

Die Musiklandschaft hat sich wie wir alle wissen in den letzten Jahren massiv gewandelt. Ohne die Shows fehlt natürlich ein wichtiger Eckpfeiler, um die Message einer Scheibe in die Welt hinauszutragen. Letztes Jahr war mir eigentlich schon klar, dass ich verkaufsmäßig höchstwahrscheinlich weniger als von der letzten Platte absetzen werde, da ein Großteil meiner CDs und LPs normalerweise am Merchandisingstand nach Konzerten den Besitzer wechseln.

Mir ging es bei Topaz aber nie um die abgesetzten Einheiten. Vielmehr war die oberste Prämisse in den Monaten zuhause, meine kreative Energie nicht einfach verpuffen zu lassen und etwas zu erschaffen, auf das ich auch noch in einem Jahrzehnt und darüber hinaus stolz sein kann. Im Gegensatz zu anderen Independentkünstlern, die für teures Geld ein Studio mieten müssen, bin ich in einer komfortablen Lage. Mir sitzt niemand mit einer „Stoppuhr“ im Nacken beziehungsweise erwartet die nächste Mietrate.

Deswegen verstehe ich es auch absolut, wenn viele meiner Kollegen ihre Scheiben auf Halde legen und warten, bis es wieder möglich ist, in einem annähernd normalen Rahmen Konzerte zu spielen. Mich beschleicht langsam aber sicher das Gefühl, dass ein Licht am Ende des Tunnels erscheint. Ich bin übrigens schon geimpft und denke, wenn es auf Herbst zugeht, dass ich eventuell sogar einen Trip nach Europa ins Auge fassen kann.

Israel Nash Topaz Gretsch Guitar Interview

Du verwendest auf Topaz enorm geschmackvolle Effektkombinationen für deine Lead- und Rhythmussounds.

Nachdem ich für das Album bis auf wenige Ausnahmen alle Instrumente selbst eingespielt habe, wollte ich, dass meine Gitarren in den Arrangements besonders glänzen. Wenn man die Entwicklung der Effektpedale aufmerksam verfolgt und natürlich auch fleißig sammelt, gibt es für jede Situation die richtige Stombox. Beispielsweise der A/DA Flanger, der Ende der 70er sein Debüt feierte, ist an vielen Stellen auf Topaz zu hören. Er lässt sich super mit anderen Bodeneffekten gemeinsam spielen, ohne deren Charakteristik zu verwässern.

Davon gibt es übrigens auch eine toll klingende Neuauflage, die ich in einem Gitarrenladen ausprobiert habe. Sie reißen einem ein viel kleineres Loch als die inzwischen ordentlich teuren Originale in den Geldbeutel. Bei Zerrpedalen bin ich ebenfalls enorm wählerisch und mag am liebsten Low Gain oder Boosteffekte. Das Frank von Big Ear aus New York ist ‚ne echt coole Combo zwischen den beiden Kategorien, um fein dosiert den Sound zwischen Gitarre und Amp dreckiger anzufetten.

Ein weiterer Standardeffekt auf der Platte ist ebenfalls von Big Ear und hört auf den schönen Namen Elle. Davon haben mir die coolen Jungs der Company eine Custom-Shop-Version in weiß mit goldenen Gretschknöpfen angefertigt. Klangtechnisch schwingt bei diesem Hall eine ganz subtile Modulation mit, die am Ende der Effektkette alles schön cremig macht.

 

Bei deinen Gitarren hast du ja bekanntlich auch ein gutes Händchen.

Um Topaz eine rote Linie zu verpassen, habe ich mir ein feines Team aus Gitarren zusammengestellt: Eine gut eingespielte 2004er Gibson J-200, eine super-resonante 1969er Gibson J-50, meine Gretsches wie zum Beispiel eine White Falcon, die äußerst coole Duo Jet George Harrison Tribute oder meine 1964 Chet Atkins Country Gentleman. Das neueste Baby auf der Platte ist eine Fender Stratocaster aus dem Custom Shop, die mein Freund, der Masterbuilder Carlos Lopez gebaut hat. Wir haben sie auf den Namen Falcocaster getauft, da ihr Look an den einer White Falcon angelehnt ist. Bestückt ist sie mit drei Lipstick-Pickups und ergänzt so die Gretsches perfekt.

Text: Chris Franzkowiak
Fotos: Chad Wadsworth

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