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Robert Finley – das späte Comeback des Southern-Soul-Man

Seine erste Gitarre verdient er sich auf den Baumwollfeldern seines Vaters. Danach geht er zur Army und reparierte Helicopter im fernen Deutschland, und leitet dort ein ganzes Army-Orchester. Zurück in seiner Heimat Winnsboro in Louisiana arbeitet er erst als Tischler. Als er am grünen Star erblindet er, findet erneut Halt des Gospels, Blues und der Southern Souls. 2019 schafft er das Unmögliche: er steht im Halb-Finale von „America’s got Talent“.

Da steht der „Sharecropper’s Son“, der Sohn eines schwarzen Farmpächter und ehemaliger Baumwoll-Pflücker, Soldat und Tischler in seinem lässigen Western-Outfit. Zwar endet seine Teilnahmen im Halbfinal der beliebten, amerikanischen Talent-Show, doch das ist kein Grund für Traurigkeit bei Robert. Erst 2016 veröffentlicht der Mann mit der großen Soulstimme sein spätes Debüt-Album Age Don’t Mean A Thing. Zu dem Zeitpunkt ist Finley bereits über sechzig Jahre alt. Jahre zuvor erblindet er am Grünen Star. Robert kann mit einem Mal nicht mehr nicht seinem Job als Tischler nicht mehr nachgehen. In der Musik findet er Halt, und versucht fortan mit dem Job als Straßenmusiker über die Runden zu kommen. Ein glücklicher Zufall will es schließlich, dass ein Mitarbeiter der Music Maker Relief Foundation während einer von Finleys Straßen-Auftritten in Arkansas auf den alternden Ausnahmesänger aufmerksam wird – für Finley ein zweifelsfrei eine Fügung des Schicksals.

Mit Hilfe der gemeinnützigen Organisation, die sich vornehmlich um das Wohl älterer Blues- und Soulmusiker in den USA kümmert, realisiert Robert schließlich kurze Zeit später sein erstes, richtiges Album. Trotz Finleys starker Blues-Einflüsse richtet Produzent Bruce Watson den Fokus des Songmaterial auf Age Don’t Mean A Thing deutlich mehr den Southern Soul und Finley unglaublicher Soulstimme aus. Das Songmaterial, das sich stilistisch sehr an Booker T & The MG’s, B.B. King und James Brown orientiert, sorgt bereits kurz nach Erscheinen bei der Musikfachpresse für runterklappende Kinnladen.

Die Band hat einfach gespielt

Dieses Album ruft Dan Auerbach von den Black Keys auf den Plan. Mit Murder Ballads die erste musikalische Kollaboration von Finley und Auerbach. Mit mit Going Platnium! (2017) und dem aktuellen Album Sharecropper’s Son folgt die stärkste Zusammenarbeit der beiden – veröffentlicht auf Auerbach’s eigenem Label Easy Eye Sound.
Mehr noch als auf den vorherigen beiden Alben transportiert Finley hier in seinen die Geschichten und der Musik eine großartige, autobiographische Strahlktaft.
Tracks wie „Country Child“, der Titelsong „Sharecropper’s Son“ oder „My Story“ werden hier von Finleys Stimm-Charisma und dem kongenialen, musikalischen Feingespür von Auerbachs Saiten-Fraktion getragen. „Im Studio habe ich dieses Mal nicht wirklich viel auf der Gitarre beigetragen. Man hat mir das Gitarrenspielen sozusagen abgenommen. So konnte ich mich komplett auf das Singen konzentrieren. Natürlich hätte ich die Gitarrenspuren auf dem Album auch selbst einspielen können, aber auf diese Weise war ich bei meinen Gesangsparts viel konzentrierter bei der Sache. Ich habe versucht die Zuhörer auf dem Album mit meiner Stimme zu berühren und zu packen” – erklärt Robert. Viele der Songs entstehen auf diese Weise relaxt schon während der Sessions. „Die Aufnahmen mit Dan Auerbach und seiner Band haben mir unglaublichen Spaß gemacht. Ein Song wie „Sharecropper’s Song“ ist im Grunde im Moment eines Live-Jams entstanden. Die Band hat einfach gespielt und die Worte samt der Melodie sind einfach so aus mir herausgekommen. Den Song hätte auch keiner so schreiben können, denn es ist meine Geschichte. Die einzelnen Bandmitglieder im Studio sind teilweise noch älter als ich gewesen. Die wussten genau, worüber ich gesungen habe. Und deswegen ist das am Ende auch echt geworden“.

Songs, die nur das Leben schreibt

Bei aller autobiografischen Nähe ist es Finley stets wichtig, schon im Vorfeld das „Ok“ und den Segen seiner Familie zu bekommen – bevor das Songmaterial veröffentlicht wurde. „Ich habe insgesamt sieben Geschwister. Ich habe jeden Einzelnen vorher gefragt, ob die Musik und die Texte in den Songs für sie so in Ordnung sind. Ich wollte, dass sie die Songs als erstes zu hören bekommen. Und sie gaben mir ihr „Ok“. Damit wollte ich auch vermeiden, dass ich die Geschichten innerhalb der Songs eventuell falsch wiedergebe. Das ist aber nicht der Fall gewesen. Ich hoffe sehr, dass wir eines Tages die Geschichten aller in einem Buch zusammenfassen können. Es wäre wundervoll, wenn jeder Einzelne seine Version unserer Familien-Geschichte in einem eigenen Kapitel auf diese Weise erzählen könnte“.

Am Ende sprechen die Songs auf Sharecropper’s Son für sich, und finden augenblicklich Gehör bei sehr vielen Musikfans weltweit, die dem aktuellen Album nationale, wie internationale Positionen in den Charts eingebracht haben. Das hält den 67-Jährigen jedoch nicht vom Träumen ab.

„Meine Heimatstadt Winnsboro und die Stadt Bernice in Louisiana, in der ich jetzt lebe, haben mir den Schlüssel zu ihrer Stadt überreicht. Sie haben sogar einen Tag nach mir benannt. Das war eine große Ehre für mich und dafür bin ich sehr dankbar. Ich kenne niemanden, dem jemals solch eine Ehre zuteil geworden ist. Aber seit ich ein kleiner Junge war, habe ich davon geträumt einmal in meinem Leben einen Grammy zu gewinnen“ – erklärt Robert.

„Im Haus meines Vaters war der Blues verboten“

musiker robert finley press cred easy eyeCredit: Easy Eye Sound (Label)Finleys Werdegang allein liest sich wie der aus einem Blues-Song. Als Sohn eines Farmpächters verbringt er den Großteils einer Jugend auf den Baumwollfeldern Mississippis. Die harte Arbeit hält den kleinen Robert jedoch nicht davon ab, die Musik und auch die Gitarre für sich zu entdecken. Eigentlich hätte er sich ein paar neue Schuhe kaufen sollen, stattdessen kauft er sich von seinem Erspartem eine kleine Gitarre in einem Second-Hand-Laden seiner Heimatstadt. Und so erwirbt der kleine Robert für 19,95$ seines hart erarbeiteten Farm-Lohns seine erste Sechsseitige.

Noch prägender als Blues ist dabei von Beginn an die Musik des Gospel-Quartetts in der Kirche seiner Heimatstadt Winnsboro.
„Blues zu hören, das hat sich damals nicht gehört. Mein Vater hat uns Kindern immer gesagte, dass der Blues Teufelsmusik sei. Blues haben mein Bruder und ich also nur heimlich im Radio gehört, wenn meine Eltern außer Haus gewesen sind. Sobald die Staubwolke des Wagens meiner Eltern am Horizont zu sehen gewesen ist, haben wir das Radio schnell wieder ausgeschaltet. Im Haus meines Vaters war der Blues verboten. Mein Haupteinfluss ist deswegen auch nicht der Blues, sondern der Gospel gewesen“ – berichtet Robert ehrfürchtig.

Seine ersten Songs schreibt er als kleiner Junge über ganz alltägliche Dinge. „Ich sang einfach über alles, was mir und uns so passierte. Ich sang über meine Freunde, wie wir zusammen angeln gehen oder Crawfish essen. Ganz normale Sachen eben. Und dazu habe ich auch der Gitarre gespielt. Ich musste mich nie mit Papier und Stift hinsetzen, um Songs zu schreiben. Ich habe mir die Geschichten einfach ausgedacht, während ich sie gespielt habe. Das war wohl immer schon eine Stärke von mir. Wenn die Menschen dann über meine Geschichten gelacht und sich gefreut haben, habe ich sie mir gemerkt. Wenn sie weggerannt sind – und das ist am Anfang häufiger der Fall gewesen – musste ich sie noch mal überarbeiten.

Was funktioniert, das bleibt. so verhält es sich bei Robert auch bei seinem Gitarren-Equipment. Dessen Funktionalität hat oberste Prämisse, Schnick-Schnack und Effekte hat der jetzt 67-Jährige noch nie gebraucht. „Bei Gitarren und Verstärkern habe ich mich immer auf Fender- und Gibson verlassen. Oft fragen mich Konzertveranstalter bevor ich dort aufschlage, welchen Amps ich mir wünsche. Mir reichen Fender Amps, ein Kabel und meine Gitarre. Das ist es“ – erklärt Robert sein simples Set-Up. So ist der Southern-Soul-Man die letzten drei Jahre sehr häufig mit einer roten Gibson Lucille bei Live-Auftritten und bei YouTube zu sehen gewesen. „Die Gitarre ist in der Tat ein Geschenk von einer jungen Frau gewesen. Jemand hatte ihr die Gitarre vererbt, aber sie hat selbst keine Gitarre gespielt. Sie wollte sie aber nicht verkaufen, sondern dass jemand diese Gitarre bekommt, der sie regelmäßig auf Tour spielt. Also hat sie mir die Gitarre schenken wollen. Dafür bin ich sehr dankbar“. Finleys Lebensgeschichte dürfte jedenfalls noch genügend Stoff für großartige Songs bieten, die er allesamt noch auf dieser Gitarre spielen kann.

Und wer weiß, vielleicht – mit ein bisschen Glück – geht sogar eines Tages der Traum einer Grammy-Auszeichnung in Erfüllung. Die große Stimme und Liebe zum Musik ist jedenfalls ungebrochen. Jetzt heißt es eigentlich nur noch Daumendrücken…

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