Nachruf Eddie Van Halen – Der König ist tot, es lebe der König!

Es gibt gute Nachrichten, es gibt schlimme Nachrichten und es gibt verdammt beschissene Nachrichten. Zur letzteren Kategorie gehört die Tatsache, dass Eddie Van Halen am 06.10.2020 von uns gegangen ist.

Wie fängt man einen Nachruf an, der von einem der eigenen Helden handelt? Vor allem wenn das eben nicht rein aus journalistischer Motivation, sondern zu wesentlichen Teilen aus persönlichen Motiven geschieht. Ich meine, es gibt wohl kaum einen Gitarristen, der nicht von Eddie gehört und gelernt hätte. Lernen bezieht sich hier sowohl auf die Musik, als auch auf die Technik.
 

Foto: https://twitter.com/WolfVanHalen


Bei mir persönlich ging das Hand in Hand – Eddie hatte mich bestimmt zwei oder drei Jahre meines Lebens komplett in seinen Bann gezogen. Ich habe ihn als Musiker, als Gitarrist, als Songwriter, vor allem aber als Innovator wirklich inhaliert. Keine Ahnung, wie oft ich mir das Video mit Eddie und Fenders Masterbuilder Chip Ellis zum Bau der ersten Frankenstrat-Reissue angeschaut habe …

Es hat mich gepackt, ich wollte diese Erfahrung des Selbermachens direkt erleben – mit allen Höhen und Tiefen. Ich kann euch sagen, mein Studium hat definitiv darunter gelitten – Homer war spannend, Eddie war definitiv spannender.



Also einen Korpus hergenommen, den Humbucker reingehämmert, das Floyd-Rose, ein Schaller Floyd Rose II übrigens, montiert, den Hals ran, mit der Feile von Hand an der Kopfplatte Platz für den Klemmsattel gefeilt und die Bohrungen für die Halteschrauben des Klemmsattels mit dem Akku-Schrauber durchgebohrt. Das hatte mit Gitarrenbau nix zu tun, das war ein Tanz auf Messers Schneide, das studentische Budget war ohnehin knapp.

Aber Spaß hatte ich definitiv. Die Mitbewohner meiner WG übrigens eher weniger, denn die Streifen-Lackierung musste ja auch irgendwie drauf. Im Nachhinein war das eigene WG-Zimmer mit dem winzigem Fenster und dem Bett samt Schreibtisch vielleicht nicht die beste Lackierstube, aber wir waren ja noch jung …

Als die Gitarre fertig war, ich sie an meinen damaligen Amp, einen Bedrock 1000 Series anschloss und den ersten Akkord reindonnerte, da verstand ich die Manie, die Besessenheit, die Eddie Zeit seines Lebens verfolgt und angetrieben hat. Dass die eigenen Hände, wenn auch aus fertigen Teilen und alles andere als gut oder gar sehr gut, ein funktionierendes Instrument schaffen können, das hatte etwas Erhabenes.

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Wenn man dieses Feeling der schwäbischen Kleinstadt Anfang der 2000er mit dem Faktor Kalifornien, Einwandererfamilie, den wilden Achtziger und Tonnen mehr Talent multipliziert, dann kann man sich grob ausrechnen, welchen Einfluss Eddie damals gehabt haben muss. Ich mein, wer nimmt schon den Humbucker aus einer Gibson und nagelt ihn in eine Strat? In einer Welt ohne Replacement-Pickups oder dergleichen. Eddie hat nichts anderes gemacht, als eine Chimäre zu schaffen, die die Welt der E-Gitarre grundlegend verändern sollte.

Was danach kam, war die Weiterentwicklung, war Verfeinerung, aber die Grundlage, die hat Eddie geschaffen.

Dass Dieter Gölsdorf von Göldo damals mit seinem TruTune-Tremolo noch vor Floyd Rose mit Eddie arbeitete, die Amis aber eben dann Herrn Rose den Vorzug gaben, das ist ein weiterer Beleg dafür, dass Eddie am Puls der Zeit war, mit seinem Innovationsgeist auch die Technik vor sich hertrieb. Für diese These spricht auch der Variac, ein Spannungsbegrenzer, der es ihm erlaubte, seinen Marshall 1959SLP auszufahren und mehr Gain aus ihm herauszuholen. Klar, die Röhren brannten durch, der Amp ging zum Teufel, aber der Sound, der hämmerte alles kaputt! Nicht zu Unrecht ist diese Klangästhetik als „Brown Sound“ in die Geschichte eingegangen.

EVH Tribute Series Frankenstein (Foto: EVH Gear)

Diese Kompromisslosigkeit Eddies zieht sich wie ein roter Faden durch seine Soundreise. Später bei Peavey wird er mit dem 5150 einen vor Kraft und Gain strotzenden Boliden kreiern, der in der aktuellen Variante bei Eddies eigener Firma EVH gefertigt wird. Bei EVH hatte Eddie sich eine Bastion geschaffen, in der er seine Visionen und Technikträume auslebte, hier konnte er tun und lassen, was er wollte – keiner stand ihm im Weg. Nicht dass Eddie den nicht einfach weggeräumt hätte, Regeln und Konventionen waren nie sein Ding.

Erinnern wir uns also Eddie mit einem seiner besten Zitate: „Zur Hölle mit den Regeln. Wenn es gut klingt, dann ist es auch gut!“
 

Ruhe in Frieden, Eddie!

Stephan Hildebrand