Taylor American Dream AD-17E Blacktop (Test)

Taylor Guitars sind mit Werken in El Cajon in Kalifornien und Tecate, Mexiko zweifellos eine der großen Nummern im Gitarrenbau. Dass Firmengründer Bob Taylor nicht nur ein versierter Gitarrenbauer ist, sondern auch ein Händchen für Personal hat, das sieht man an der Wahl seines Nachfolgers im Bereich Gitarrenentwicklung und -bau: Andy Powers. Der treibt Taylors Vermächtnis voran, ist kreativ, hinterfragt eigentlich alles im Gitarrenbau und präsentiert als Ergebnis durch die Bank tolle Instrumente. Nun also die American Dreams, vorliegend in der Variante AD17e Blacktop.

Beginnen wir am Anfang, mit der Namensgebung. „American Dream“ war der Name des Gitarren-Shops, in dem Bob 1974 Taylor Guitars ins Leben rief. Nun führt man diesen Namen in die Zukunft, man nutzt ihn in Zeiten der aktuellen Pandemie als eigenen Referenzpunkt, als Orientierungspunkt und nun steht diese Bezeichnung für die günstigste vollmassive Taylor Made in USA.

Der Begriff „Blacktop“ ist schneller erklärt, hat man der massiven Fichtendecke schlicht ein schwarzes Matt-Finish verpasst, was sich hervorragend mit den massiven Zargen und dem massiven Boden, allesamt aus Ovangkol macht. Übrigens nicht nur in optischer Hinsicht, denn auch klanglich ist die Kombination aus Ovangkol und Fichte eine relativ ausgewogene. Die Mitten sind nicht überpäsent, die Bässe warm, aber nicht zu drückend, die Höhen packen zu und sorgen für das entsprechende Topping in den Höhen.

Der Bespielbarkeit zuträglich sind die abgerundeten Kanten des Korpus, der Anschlagarm findet keine Kante vor, sondern eben eine smoothe Rundung. Unterhalb der Decke findet sich das V-Class-Bracing, das auch hier für eine klare Tonformung und eine saubere Intonation sorgt. Immer wieder beeindruckend, mit welcher Dynamik und Sensibilität das V-Class-Bracing auf Anschlagstärke und -position reagiert. Jede Note, die am Mahagoni-Hals mit Eukalyptus-Griffbrett (!) gegriffen wird, drängt mit klarer Artikulation nach vorne, sie hat stets Fülle und Sustain, Deadnotes sind quasi nicht vorhanden, auch das einer der Verdienste des V-Class-Bracings.

Jetzt ist das alles zusammen genommen nicht, was einen bei einer Taylor Made in USA wundert, nur dass das eben aus einer der schlichtesten Taylor-Gitarren überhaupt kommt.

Hier gibt’s keine aufwendigen Verzierungen, kein opulenter Schnickschnack, selbst das Schlagbrett ist schwarz, die Schalllochrosette ist einlagig und die Griffbrett-Inlays sind in Form von schlichten Kunststoff-Dots realisiert – totales Understatement. Und das steht der Blacktop hervorragend zu Gesicht.

Klanglich präsentiert sie sich ausgewogen, Strumming und Fingerpicking meistert sie bravourös, wenngleich sie mir beim Fingerpicking eine Spur besser gefällt. Warum? Recht schnell erklärt, denn die spritzige Dynamik, die sich gerade auch beim Wechselbass mit Daumenanschlag zeigt, ist eine Ohrenweide. Das macht Spaß, kann man nicht anders sagen.

Dass die AD17e Blacktop das Tayloreigene Tonabnehmer-System ES2 spendiert bekommen hat und dass selbiges seit Jahren zuverlässig und praxisnah abliefert, das ist beinahe nur eine Randnotiz.

Das bleibt hängen

Taylors Konzept, mit den Instrumenten der American-Dreams-Serie ein komplett in USA aus massiven Hölzern gebautes Instrument anzubieten, geht komplett auf. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche, bleibt der Fokus auf dem, was ein Instrument ausmacht:  Bespielbarkeit, Klang und die Fähigkeit, den Musiker zu Kreativität und ganz simpel zum Spielen anzuregen.

Facts

Modell: Taylor American Dream AD-17E Blacktop
Herkunft: USA
Boden/Zargen: Ovangkol, massiv
Decke: Fichte, massiv
Hals: Mahagoni
Grifbrett: Eukalyptus
Bünde: 20
Sattel:
Sattelbreite: 44,4 mm
Mensur: 648 mm
Hardware: Taylor Nickel-Mechaniken
Preamp: Taylor Expression 2
Regler: Volume, Bass, Treble

Linkshänder: nein
Internet: www.taylorguitars.com
Empf. VK-Preis: 1.855,- €

Foto: Taylor Guitars