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TEST: Fortin Sigil

Na, von Fortin haben wir mittlerweile alle gehört, oder? Die kanadischen Amp-Designs von Mike Fortin, die ganz klar auf Freunde des modernen Hartwurst-Klanges fokussiert sind, sind in aller Munde. Kooperationen mit Kirk Hammet, Meshuggah oder auch Ola Englund haben dem Siegeszug sicherlich nicht geschadet. Mitte letzten Jahres war dann die Rede von einem neuen Modell, dem Fortin Sigil. Ran an den Speck!

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Sogenannte Lunchbox-Amps – der Begriff bezieht sich auf die gerine Abmessung solcher Amps – sind seit einigen Jahren im Kommen und als eine Antwort auf das Amp-Profiling und -Modelling zu vestehen. Röhrensound,  aber eben nicht 30 Kilo schwer und auch in einer Studentenbude unterzubringen. Während diese Amps meistens auch einen Direct-Out und geringe Wattzahlen wie ein oder zwei Watt ermöglichen, verbiegt sich der Sigil weniger. Abgesehen von der offen zugänglichen Bias-Regelung,  ist die Rückseite mit drei Boxen-Ausgängen für verschiedene Ohm-Widerstände (1x8 Ohm, 2 x 16 Ohm), einem FX-Loop und einem Eingang für den mitgelieferten Footswitch sehr traditionell aufgestellt. Das Front-Panel verlangt ebensowenig nach einem Benutzerhandbuch. Die zwei Kanäle werden über jeweils ein Master- und ein Gain-Poti eingepegelt respektive in ihrer Verzerrung geregelt, sie teilen sich die typische dreibandige EQ-Sektion, sowie einen Presence-Regler. Eine Besonderheit ist die Push/Pull-Funktion des Gain-Potis für den ersten Kanal, die aus dem eigentlichen Zweikanaler fast einen Dreikanaler macht. Während sich der On/Off-Schalter rückseitig, aber an leicht ertastbarer Stelle befindet (Danke dafür), findet sich rechtseitig des Frontpanels ein Dreiwege-Schalter, der den Amp in Mittelstellung im Standby ausruhen lässt. Nach oben gelegt, wird der Amp in den High-Mode (20 Watt) und nach unten gelegt in den Sechs-Watt, also Low-Mode, geschalten. Zwischen den beiden ganz Links auf dem Panel gelagerten Gain-Potis findet sich ein Mini-Schalter der, sollte man den Footswitch mal vergessen haben, das händische Schalten zwischen den beiden Kanälen erlaubt.

Das Auge...

...isst ja bekanntlich mit und wird hier wie in einer Edel-Bude mit dezenten Köstlichkeiten elegant zum genussvollen Höhepunkt verführt. Das pechschwarze Metall-Gehäuse mit dem feinen Front-Grill ist lediglich durch den weißen und in Weiß umrandeten Fortin-Amplification-Schriftzug unaufdringlich und nüchtern in Szene gesetzt – ebenso die gut leserliche Beschriftung der Regler. Die Kanal-Indikator-LEDs, leuchten links vom jeweiligen Gain-Poti nicht zu hell aber auch bei voller Raum-Beleuchtung und Sonnenlicht gut erkennbar. Das coolste Detail ist allerdings die Betriebsleuchte, die durch ein schickes, okkult anmutendes Symbol strahlt und fett mit „Sigil“ betitelt ist – eine kurze Nachfrage im fachkundigen Freundeskreis ergibt, dass es sich um das „Sigil of Lucifer“ handelt (Danke Fabi) – nix mit Blues hier!

sigil sidways scaled

Jede Menge Understatement, das vermittelt, dass sich, für den Fall des Siegelbruches, mehr als genügend Kraft entfaltet! In Sachen Design hat man nichts dem Zufall überlassen.

 

Kanal-Wahl

Der erste Channel kann ganz zahm, lässt sich aber mittels der Push/Pull-Funktion in ernsthafte Gain-Gefilde hochkurbeln. Hier ist alles drin. Clean klingt der Amp absolut ausgeglichen, und netterweise nicht zu charakterstark in Richtung irgendeines Vorbildes. Als Pedalplattform eignet sich der Kanal damit ganz hervorragend. Ein kurzer Test von Semihollow auf E-Standard und zu C-Standard mit heißeren passiv-PUs, Metal-Axt auf Drop-A# und EMG 81 bis hin zur Düster-Doom-Bariton ergibt, dass der Sigil in jeder Lage ein äußerst klares und differenziertes Klangbild widergibt und den Charakter einer jeden Gitarre ungefiltert darstellt. Sobald man das Gain reindreht, fängt der Amp an, die Zähne zu zeigen, lässt sich dann aber, wenn gewünscht, mittels Volume-Poti der Gitarre gut zähmen. Selbiges erfahren wir mit gezogenem Gain-Poti. Nun geht es ganz schnell ans Eingemachte und Robert Johnson nimmt spätestens hier trotz Siegel-Zuspruch den Hut [Vorsicht, Herr Zeppenfeld, ich dulde keine Unverschämtheiten in dieser Richtung – der Chefred.]

„Gain“ wir weiter

Jetzt wollen wir es wissen, voll auf die Zwölf! Der zweite Kanal verlangt definitiv nach einem Noisegate. Das ist nicht ungewöhnlich und lediglich Zeugnis der Gain-Reserven, die der kleine Fortin-Block unter der Haube hat. Ab circa ein bis zwei Uhr wird nur noch gemäht, keine Gefangenen – und da sind wir erst halb durch mit dem Gain-Regelweg.

sigil back scaled 1

Speziell der Mitten- und Presence-Regler werden nun bemüht und haben den größten Einfluss auf den Sound. Die Bässe wuchten wir testhalber mal auf fünf Uhr hoch (volle Pulle) und merken schnell: Das ist dann doch zuviel des Guten. Der Amp brüllt, dass es besser kaum geht – mehr Gain braucht wirklich kein Mensch.

Die EQ-Sektion, die beide Kanäle gleichermaßen bedient, reicht völlig aus und es ist kinderleicht eine universelle, gut klingende Einstellung für beide Kanäle zu finden. Eine Eigenschaft des Sigil ist da aber doch, die dem Autor nicht so ganz in die persönliche Präferenz-Schablone passen will. Schon ab einer geringen Prise Overdrive zerrt es in den Höhen ungemein bissig. Der Amp funktioniert tadellos, jedoch entspricht diese Gainstruktur nur bedingt meinem persönlichen Geschmack und Verständnis von High-Gain. Vielleicht wird man alt, oder es liegt schlicht an meiner Vorliebe für Oldschool-Metalsounds. Der Sigil erfreut sich nämlich absoluter Beliebtheit in eingangs genannten Kreisen. Und wenn man Charakter hat, dann eckt man eben auch mal an – eine Eigenschaft, die durchaus positiv zu bewerten ist.

Das bleibt hängen

Der Preis von rund 1.400 Euro macht den Sigil nicht zum günstigsten Vertreter seiner Art, auch angesichts der Überschaubarkeit der Features. Der Preis rechtfertigt sich dann aber eben dadurch, dass die Amps in UK in Handarbeit gefertigt werden. Was die schiere Laustärke anbelangt sind die sechs Watt in der Wohnung kaum auszuspielen, bei zwanzig Watt hält der Sigil locker in jeder Bandprobe mit. Dennoch knallt der Amp schon bei nur angeschubstem Master-Regler wirklich gut.

Der Sigil richtet sich, ohne nach rechts oder links zu schauen an eine Nische, die er mit Bravour bedient und dem geneigten Deathcore-Afficionado dennoch die Möglichkeit gibt vernünftige Cleansounds auszupacken und Pedale in den Reigen zu werfen. Ein forscher und eigenständiger Amp mit Fanbase.    

Phil Zeppenfeld

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