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Test: Music Man Jason Richardson Artist Series Cutlass

Music Man 1

Siebensaiter liegen nach Jahren der Ungnade wieder im Trend. Wir haben für euch das neueste Signature-Modell von Gitarren-Wunderkind Jason Richardson angespielt und ausführlich getestet. Jason Richardson ist Freunden der härteren Sportgitarre schon länger ein Begriff. Als Mitglied von illustren Bands wie All That Remains, Chelsea Grin und Born Of Osiris hat der US-Amerikaner dem Metal- und Deathcore-Genre immer wieder seinen Stempel aufgedrückt und es mitgeprägt.

Music Man widmen ihm mit der Jason Richardson Artist Series Cutlass nun sein eigenes Signature-Modell, das auf der Cutlass-Modellreihe basiert, die ihren Ursprung in den Siebzigern hat und 2016 neu aufgelegt wurde. Bei der vorliegenden Test-Gitarre handelt es sich um das 7-Saiter-Modell mit Rorschach-Red-Finish und goldener Hardware, bei Bedarf gibt es die Gitarre auch als dezentere Ausführung mit Natural-Buckey-Burl-Finish und entsprechend angepasster schwarzer Hardware – beide Designs übrigens auch  mit sechs Saiten.

Ein Hingucker

Der Korpus mit Double-Cutaway-Body-Design ist aus Erle gefertigt und mit High-Gloss-Polyester in Rorschach Red lackiert. Ein besonderer Hingucker ist die Decke, die mit ihrer Farbauswahl und dem Whirl-Muster psychedelische Assoziationen aufkommen lässt und sich mit Sicherheit auch bei Anwendungen außerhalb des 120-bpm-Sektors pudelwohl fühlt. Auf ein Pickguard wird zugunsten der Optik gänzlich verzichtet, was angesichts der Decke auch nur passend ist. Auf der Rückseite befinden sich die Fächer für die Elektronik, das Tremolo sowie die Batterie – später dazu mehr.

Der Hals ist aus geflammten Ahorn gefertigt und wurde mit Schaftöl sowie einer von Hand aufgetragenen Spezial-Wachsmischung bearbeitet. An der Kombination aus geflammtem Ahorn und dem dunklen Ebenholzgriffbrett kann man sich wirklich nur schwer satt sehen. Auch haptisch ist es in der Tat ein Genuss, die Hand über den Hals und das Griffbrett mit seinen 24 Medium-Jumbo-Bünden gleiten zu lassen. Die Dot-Inlays im Griffbrett fügen sich hervorragend ins Gesamtbild ein und stechen wie die Bünde durch die Abwesenheit von unsauberen Abrichtungen hervor – top!

Das Hals-Profil lässt sich als flaches D einordnen, Sportgitarristen und Flitzefinger kommen hier definitiv auf ihre Kosten. Der durch die tiefe B-Saite bedingt, breitere Hals überzeugt durch seine hervorragende Haptik und Bespielbarkeit, gerade beim Übergang des fünffach geschraubten Halses in denn Korpus. Bei bewusst klassisch-gehaltenen Gitarren oftmals eine eher unbequeme Angelegenheit, haben Music Man hier beste Arbeit abgeliefert und ermöglichen ein müheloses Erreichen der hohen Lagen.

Music Man 4

Hardware-Himmel

Auch aus Hardware-technischer Sicht geizen Music Man nicht und liefern die Jason Richardson Artist Series Cutlass werkseitig mit M6-IND-Locking-Mechaniken von Schaller in Music-Man-typischer 5-zu-2-Aufteilung aus. Durch die Locking-Mechaniken sind die Saiten in Windeseile gewechselt – einfach aufschrauben, Saiten reinklemmen, zuschrauben, stimmen und schon kann es weitergehen. Der gemeine (Live-)Gitarrist freut sich, die Bandkollegen sowieso. Über den Kunststoff-Sattel gehen die Saiten in das Custom-Siebensaiter-Music-Man-Floating-Tremolo (was für ein langes Wort), das bei der vorliegenden Test-Gitarre in Gold gehalten ist und in Kombination mit dem Korpus einen unglaublich edlen Kontrast liefert.

Der Tremolo-Hebel lässt sich Music-Man-typisch stecken und ist ohne lästiges Drehen sofort startklar. Durch die Konstruktion lässt sich das Tremolo in beide Richtungen betätigen, was noch einmal ein breiteres Vokabular an musikalischen Ausdrucksweisen ermöglicht. Wer keine Lust darauf hat, verstaut den Hebel einfach im mitgelieferten Koffer und erfreut sich weiterhin an seiner Gitarre. Abgenommen werden die Saiten von zwei hauseigenen pasiven Custom-Humbuckern mit Keramik-Magneten, die mächtig Zunder liefern und gleichzeitig durch flexible Klangmöglichkeiten überzeugen. Zwar erscheint die Kombination aus Dreiwegschalter mit Volume- und Tonepoti auf den ersten Blick etwas einengend, aber Music Man haben ein paar spannende Schmankerl verbaut.

Ist der Halspickup angewählt, spielt er seine Stärken als Humbucker aus. Betätigt man nun den Push-Push-Tonepoti wird der Humbucker als Singlecoil angesteuert. Ist der Pickup-Wahlschalter in der Mittelposition, werden der Hals- und Steg-Pickup je als Singlecoil parallel verwendet. Zu guter Letzt kann in der Stegposition der Humbucker als Doppelspuler oder mit „aktiviertem“ Tone-Poti als Singlecoil gespielt werden. Da der Preamp aktiv ist, lassen sich die Pickups zudem noch per Volume-Push-Poti um 20 dB boosten.

Music Man 3

Sound: Top!

Aus dem Koffer heraus ist die Music Man bereits gestimmt, was schon ein erstes gutes Zeichen ist. Im Trockentest überzeugt sie bereits mit einem drahtigen Sound und auch an die zusätzliche tiefe B-Saite hat man sich schnell gewöhnt. Am High-Gain-Verstärker angeschlossen spielt sie ihre Stärken direkt aus. Die Riffs kommen knackig aus den Speakern, die Singlenotes sind schön definiert. Besonders Ausflüge in die tiefen Regionen sind eine wahre Freude – bei günstigeren Instrumenten kann es oft mal vorkommen, dass die Artikulation auf Grund minderwertigerer Bauweise und Materialien auf der Strecke bleibt – die vorliegende Music Man giert im Gegensatz geradezu nach Attacken auf der tiefen B-Saite. Als bekennender Nu-Metal-Fan bleibt dem Tester auch nichts anderes übrig, als die Stimmung um einen Ganzton tiefer zu legen und "KoRn"-Gedächtnisriffs zu zelebrieren. Und siehe da – riff it like it’s 1999!

Auch im cleanen Bereich gibt sich die Music Man keine Blöße und lacht den Autor immer wieder mit Djent-Riffs an, obwohl dieser doch gar keinen Djent hört. Als einziger Wermutstropfen gestalten sich allerdings die Mechaniken, die sich durch ihre abgewinkelte Form etwas unbequem anfühlen, wenn man sie im Eifer des Gefechts nicht richtig greift – jammern auf hohem Niveau? Ja, zugegeben. Diese Gitarre macht es einem wahrlich schwer, negative Kritikpunkte ausfindig zu machen.

Das bleibt hängen

Die Music Man Jason Richardson Artist Series Cutlass ist eine beeindruckende Gitarre. Auch wenn sie sich auf den ersten Blick an Anhänger der härteren Fraktion richtet, so deckt sie mit ihren spannenden Features wie der ausgeklügelten Schaltung und dem freischwebenden Tremolo ein weites Klangspektrum ab. Auch die Farbgebung und die Formwahl lassen deutlich Raum zum Atmen, so dass vielleicht der eine oder andere Jazzer (auch da freut man sich über die zusätzliche B-Saite) seine Freude mit der Gitarre haben kann – und das Sechssaiter-Modell gibt es ja auch noch. Modern und stimmig konzipiert, erstklassig verarbeitet und mit einer super-stabilen Stimmlage versehen – was will man mehr? Wer das nötige Kleingeld hat, dem sprechen wir eine klare Kaufempfehlung aus.          

Oliver Strosetzki

Music Man 5

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