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TEST: Saitenkraft Nazgul 7 White Wolf

Aus dem Saitenkraft-Labor im schweizerischen Bremgarten kommt die Nazgul 7, ein Multiscale-Bolide aus heimischen Hölzern. Gefertigt mit höchster Detailverliebtheit, handwerklicher Meisterleistung und einer Menge Attitüde. 

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Der Mann hinter Saitenkraft heißt Urs und ist ein überaus sympathischer Zeitgenosse, der stets ein offenes Ohr für Kundenwünsche hat, Custom eben. An dieser Stelle sei dringend der Blick auf die Homepage empfohlen, um einen groben Eindruck über sein Schaffen zu erhalten. Frisch aus dem Koffer überwältigt das harmonische, an eine Tele angelehnte Offset-Design mit moderner Formsprache und einer makellosen, weißen Lackierung der Front. Zargen, Rückseite und Hals wurden transparent belassen. In schlichter Eleganz präsentieren sich die goldene Hardware wie die ABM-Einzelreiter und die überaus praktischen Planet-Waves-Auto-Trim-Tuner in Gold und Schwarz, wobei diese schwarzen Details bei den Polepieces der selbstgewickelten Humbucker wieder aufgegriffen werden. 

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Ebenso perfekt reiht sich das torrefizierte Ahorngriffbrett in das Gesamtbild ein, hier prangt dann auch der namensgebende „White Wolf“, welcher sich über mehrere Bünde erstreckt. Der durchdringende Blick aus Räuchereiche steht im harten Kontrast zum restlichen Inlay aus Epoxidharz und ist makellos ausgearbeitet.

Edle Hölzer 

Und das Thema Räuchereiche, eines von Urs Lieblingshölzern, findet sich in vielen weiteren, liebevollen Details. So trägt der gekammerte Esche-Korpus ein Trennfurnier aus eben diesem Holz unter seiner Esche-Decke, der modern minimalistische Armrest präsentiert dieses Detail auch nach vorne hin. Die Kopfplatte ist analog gefertigt, wunderbar auch die fluoreszierenden Sidedots, ebenfalls hauchfein von Räuchereiche umfasst, während sich ab der dritten Lage ein zarter Furnier-streifen Richtung Korpus zieht. Sexy und funktional zugleich, da hat sich jemand Gedanken gemacht. Der extrem steife Hals ist primär aus Ahorn gefertigt, der Mittelstreifen aus wunderschön gemasertem Riegelahorn ist mit zarten Furnieren aus Räuchereiche gesperrt.

Smartes Design 

Während viele Gitarren mit verlängerten Mensuren ordentlich Platz in Anspruch nehmen, ist die Konstruktion und Formgebung bei der Nazgul perfekt auf den Punkt gebracht. Der ausladende Cutaway ermöglicht ungehinderten Zugang in die höchsten Lagen während sich die Bridge organisch im Bereich der Anschlagshand wiederfindet. Der zierliche Armrest wurde perfekt gewählt, und die Wege für die Greifhand sind gut überschaubar, alles wirkt kompakt und schreit geradezu danach, gespielt zu werden. Und dann dieser Hals... 

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Mit seinem C-Profil schmiegt er sich bestens in die Greifhand, die makellose Bundbearbeitung so- wie der perfekt gearbeitete Sattel machen das Spiel zu einer wahren Freude. Der Scheitelpunkt der Fächerbundierung liegt in der achten Lage und dürfte somit den meisten Spielern entgegenkommen, ein dramatisches Verdrehen des Handgelenks in den tiefen Lagen ist nicht nötig. Sollten bis hier noch Fra- gen offen sein: grandioses Handwerk, hervorragende Werkseinstellung, tolles Sustain, präzise Saitentrennung und bestes Handling, einfach Spielspaß pur. 

Wie wird’s laut? 

Hier kommen zwei Eigenkreationen, ganz nach den persönlichen Vorlieben des Erbauers, zum Einsatz. Die Spulenkörper wurden aus Ahorn gefertigt und in Farbe der Decke lackiert, da sind die Kanten mit Sicherheit etwas anfällig für Plektrumangriffe. Die Neodyn-Humbucker sitzen schräg im Gehäuse, sind jedoch nicht „slanted“ konstruiert. Optisch liegen damit die Polepieces nicht direkt unter den Saiten, praktisch tut das aber keinem weh und Urs wählt diesen Ansatz völlig bewusst, um dem Nutzer den eventuellen Tausch der Tonabnehmer so einfach wie möglich zu machen, ohne auf Spezialkonstruktionen zurückgreifen zu müssen. 

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Auf eine klassische Tonblende wird verzichtet, es kommt ein Basscut-Regler zum Einsatz, der im anvisierten Genre meiner Meinung nach wesentlich mehr Sinn ergibt, ein Dreiwege- Kippschalter und ein Volume-Poti mit Push-Push- Funktion zum Abgriff des Coil-Splits komplettieren das Angebot. Bleibt noch die kunstvolle Lötarbeit unter dem magnetisch gehaltenen E-Fach-Deckel zu erwähnen, der bei beherztem Druck an richtiger Stelle aufklappt. 

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Auch der Klang überzeugt auf ganzer Linie. Beide Humbucker liefern die volle Breitseite Mitten, wobei der Kollege am Hals ein deutlich breiteres, angenehm federndes Spielgefühl in den Bässen transportiert und der Stegabnehmer schlank und präzise auf Angriff getrimmt wurde. Die Kompression ist generell zurückhaltend, feine Nuancen werden präzise abgebildet. So kommt es, dass von modern-technischem High-Gain-Sound bis hin zur rauchigen Blue-Scale alles drin ist. Der Basscut bietet die Möglichkeit die Bässe ordentlich aufzuräumen und das äußerst praktikable Push-Push-Poti bietet schnellen Zugriff auf großartig nagelnde Singlecoil-Sounds mit einer gehö- rigen Portion Selbstbewusstsein – das ist schon der Hammer! 

Das bleibt hängen 

Was wir haben: perfekte Handwerkskunst, detailreich und praktikabel, exzellente Konstruktion und Werkseinstellung, enorme Soundvielfalt mit klarer Attitüde und ganz besonders viel Spielspaß und Inspiration. Was wir nicht haben: ausreichend Platz um diesem Meisterstück von Saitenkraft in Worten gerecht zu werden. 

Text: Markus Kaffka

Fotos: Phil Zeppenfeld

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