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Test: Taylor Guitars Grand Theater GTe

Großes Kino… äh …Theater!

Klein und handlich, das muss eine Travel-Gitarre sein. Aber die GS Mini schaut anders aus, was ist da los? Andy Powers war wieder los und hat mal eben eine neue Korpusform bei Taylor etabliert. Was auch sonst? Vorhang auf für die neie GTe, die Grand Theater!

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Kleiner Einblick in den Redaktionsalltag – virtueller Launch der neuen Grand Theater

Die Grand Theater ist Taylors neue Korpusform, die auch sonst neue Wege geht. Dabei sprechen wir vom Holz, vom Bracing und auch vom Klang. Die Einordnung in den Korpusreigen lässt sich schnell und einfach vornehmen. Die GT leiht sich die Formgebung bei der Grand Orchestra, Taylors großvolumigstem Korpus, skaliert diesen aber soweit runter, dass sich die GT nun zwischen der Grand Concert (kleinster Full-Size-Body bei Taylor) und der GS Mini (Taylors Travel-Variante) einordnet. Untenrum ist die GT annähernd gleich zur Grand Concert, der Korpus ist aber kürzer, das obere Drittel ein wenig gedrungener. Das verleiht der Gitarre ein sehr kompaktes Erscheinungsbild, sie wirkt tatsächlich ziemlich klein.

Taylor Gt Lifestyle Sideways
Davon sollte man sich nicht täuschen lassen, kleine Korpusse sind vielleicht nicht so laut wie eine Dreadnought, dafür sind sie oft präziser und differenzierter in der Tonwiedergabe. Selbstredend ist die gesamte Gitarre aus massiven Hölzern. Für Boden und Zargen kommt Urban Ash zum Einsatz. Dieses Holz ist Taylors Nachhaltigkeitsgedanke entsprungen. Alte Eschen, die in Südkalifornien zur Stadtbegrünung gepflanzt, in Ruhe gewachsen und am Ende ihres Lebens bisher schlicht gemulcht und zu Hackschnitzeln verarbeitet wurden, geben ein mehr als passables Tonholz ab, so die Theorie.

In die Praxis umgesetzt sind die Eschen aus der Stadt vom Klangcharakter mit Mahagoni zu vergleichen, so Andy Powers. Und wer schon mal eine anständige Fichtendecke in Kombination mit Mahagoni gehört hat, der vermutet zurecht, dass es hier wärmer und vollmundiger zugeht. Mahagoni hat meist nicht diese ganz klaren Höhen, es ist tendenziell weniger präzise, dafür eben wärmer vom Klangcharakter her. Jetzt ist das hier natürlich kein Mahagoni, aber wenn man schon den Vergleich auf Seiten des Herstellers bemüht …

Kleiner Korpus …

Langer Rede kurzer Sinn, die GT ist optisch ein zurückhaltendes Instrument, ein schwarzes Purfling um die Decke, weiße Kunststoff-Inlays, ein schwarzer Tusq-Sattel, hauseigene gekapselte Tuner und eine Drei-Ring-Rosette aus Koa rund ums Schallloch, und das war es dann auch schon. Dass die GT ein neues Bracing bekommen hat, das sieht man von außen nicht. Powers hat seinem V-Class-Bracing ein Update spendiert und es hinsichtlich Low-End für diesen Gitarrenkorpus optimiert. Das neue Bracing hört auf den den Namen C-Class-Bracing und ist ein asymmetrisches. Dass der Mann weiß was er tut, ist nichts Neues, und auch hier passt das einfach: die Grand Theater hat eine gehörige Menge warmer Bassanteile, was ehrlich gesagt nicht zu meinen Erwartungen gepasst hat. Gut, ich lass mich gerne positiv überraschen.

Erfreulicherweise ist der Nachhaltigkeitsgedanken nicht am Korpus zu Ende. So kommt hier kein Palisander oder Ebenholz für Griffbrett und Steg zum Einsatz, sondern Eukalyptus. Ebenso aus Eukalyptus fertigt man das Kopfplattenfurnier, welches das dezente Taylor-Logo trägt. Lediglich für den Hals kommt Mahagoni zum Einsatz. Gemessen an sonst gängigen Holzkombinationen ist hier verschwindend wenig Tropenholz im Einsatz – geht doch!
Taylor Ws Gt Lifestyle Upright
Auf das Eukalyptus-Griffbrett verteilt sind 20 Bundstäbchen mittleren Formats, die Mensur beträgt 24,125“, was im metrischen System  (also da wo man Royale zu ’nem Quarterpounder mit Käse sagt, ihr erinnert euch, „Pulp Fiction“) einer Länge von 61,28 Zentimetern entspricht. Veranschaulichen kann man sich das so: die Mensur entspricht der einer 25,5“-Mensur-Gitarre mit Kapodaster am ersten Bund. Demzufolge sind auch die Saiten weniger straff, der aufgezogene .012er-Satz von Elixir spielt sich, als ob man einen Halbton runtergestimmt oder .011er-Saiten aufgezogen hätte – einfach weniger straff. Demzufolge spielt sich das Ganze wie Butter, auch Bendings sind drin, natürlich mit ein wenig Kraftanstrengung, klar, es ist und bleibt eine Akustikgitarre – wenn auch eine der am komfortabelsten zu bespielenden.

… großer Klang

Fingerpicking, Strumming, dezente Begleitung oder klar akzentuierte Singlenote-Linien – welches Schweinderl hätten’s denn gern? Mein lieber Herr Gesangsverein, das ist in der Tat beeindruckend. Klare Bässe paaren sich mit einer tragfähigen Mittenbasis, die sich durchzusetzen vermag, gleichsam aber recht dezent ans Werk geht. Die GT ist, auch dank der weichen Höhen, keine „Mittenfräse“, wie manche Parlor, sondern tendenziell als komplett zu bezeichnen. Der Gesamtcharakter ist gutmütig, es wird nicht spitz oder aufdringlich, die GT präsentiert sich aber durchgehend als dynamisch und kraftvoll agierendes Instrument.
Taylor Gte Facts
Sie erinnert wenig an andere Taylor-Instrumente, viel eher öffnet Powers – mal wieder ist man versucht zu sagen – eine neue Schublade potenzieller neuer Sounds und Klänge. Traditionellerweise gibt es die GT mit und ohne Preampsystem. Die GTe kommt mit Taylors hauseigenem Preamp, dem Expression System 2, das mit den Reglern Volume, Bass und Treble die grundlegenden Parameter regelbar macht und die Grundcharakteristik der GT passgenau wiedergibt. Dennoch, der warme unverstärkte Klang ist in seiner Komplexität einfach nicht adäquat mit einem Piezo abzubilden. Für die Bühne und als On-Top-Spur zu einer guten Mikrofonierung ist das aber mehr als einsetzbar, keine Frage.

Das bleibt hängen

Andy Powers wird nicht müde, Taylors Gitarrenuniversum neue Modelle hinzuzufügen und permanent an allen möglichen Schrauben zu drehen. Dass das funktoniert, dafür ist die neue Grand Theater ein weiterer Beleg. Die kleine Grand Theater ist klanglich ziemlich groß und ziemlich eigenständig. Mal schauen, was Andy als nächstes einfällt. Ach so, das Fazit: tolle Gitarre, bitte einpacken, nehm ich mit!    

Stephan Hildebrand

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