Test & Technik - guitar-Magazin https://guitar.de/lesen/test-technik Sat, 06 Mar 2021 07:05:56 +0100 Joomla! - Open Source Content Management de-de Test: ESP USA M-I NTB TOM Cosmos https://guitar.de/lesen/test-technik/test-esp-usa-m-i-ntb-tom-cosmos https://guitar.de/lesen/test-technik/test-esp-usa-m-i-ntb-tom-cosmos

Wenn der Redakteur die Worte ESP und USA in Verbindung bringt und freundlich zu einer Testanfrage formuliert, muss in der Regel nicht lange nachgedacht werden. Genau genommen wird dann mit der Antwort nicht mal bis zur Typenbezeichnung gewartet, schließlich kommt einem so ein Gerät nicht alle Tage unter die Finger. Auch der Paketbote scheint etwas erstaunt, so schnell wurde ihm die Tür wohl selten geöffnet.

Aus dem Karton schält sich der ESP-typische, rechteckige Form-Fit-Koffer mit aufgenieteter ESP-USA-Plakette. Das tiefblaue, plüschige Innenleben schmiegt sich perfekt an die Kontur der Gitarre an und im Deckel findt sich nochmals das ESP-USA-Logo, diesmal in gestickter Form. Neben dem eigentlichen Testobjekt findet sich im Koffer noch das Echtheitszertifikat, ein Mikrofasertuch, Einstellschlüssel, ein Aufkleber und das Datenblatt, sowie natürlich die passenden Gurtgegenstücke zu den verbauten Schaller Strap-Locks.

Jubiläum ...

Zum 45-jährigen Bestehen von ESP zaubert der Shop im Norden Hollywoods das sehr spezielle Cosmos-Finish auf ihre bekannten Modelle. Auf die durchgehend schwarze Lackierung werden von Hand feinste Metallic-Pigmente aufgebracht, so dass jede Gitarre ein Unikat darstellt. Mit den Farben Blau, Lila, Türkis, Gold-Orange und Silber geht es hier bunt zur Sache und aus etwas Distanz fühlt man sich an Bilder des Teleskops „Hubble“ erinnert. Understatement geht sicher anders, aber warum sollte zu einem Firmenjubiläum auch der nächste Schwarzton optimiert werden, man will zeigen was Sache ist. ESP USA bieten für ihre Gitarren diverse Optionen an, angefangen von Deckenhölzern über Farben, Hardware etc., bei Interesse empfehle ich einen Besuch auf der Website, es lohnt sich. Jetzt wollen wir aber mal sehen, womit wir es unter der glänzenden Oberfläche zu tun haben.

... mit besten Zutaten ...

Der durchgehende, dreistreifige Ahornhals bildet den Kern des Instruments und präsentiert sich äußerst verwindungssteif. Das Ebenholzgriffbrett und die Reverse-Kopfplatte sind mit einem einlagigen, weißen Kunststoff-Binding eingefasst und schärfen die ohnehin aggressive Silhouette nochmal zusätzlich. Im dunkelbraunen Griffbrett mit gleichmäßiger Maserung finden wir Offset-Block-Inlays, an der Griffbrettflanke sorgen schwarze Punkteinlagen zur Orientierung. Die 24 Extra-Jumbo-Edelstahlbünde sind auf Hochglanz poliert und an den Kanten perfekt verrundet. Für die Stimmung sorgen Sperzel-Trimlok-Tuner, deren Locking-Funktion über ein Daumenrad auf der Rückseite nutzbar ist. Dazu gesellt sich noch ein perfekt bearbeiteter Knochensattel. Am anderen Ende findet sich eine TonePros-T3BT-Brücke in bewährt hoher Qualität. Diese ist mit zwei kleinen Madenschrauben an ihren Haltebolzen fixiert, so dass nichts rappelt oder beim Saitenwechsel ein Eigenleben entwickeln könnte. Die Saiten werden von hinten durch den Korpus geführt, so ist sichergestellt, dass die Saiten auf der Brücke ordentlich Anpressdruck entwickeln.

... und doch so einfach

Die Tonwandlung übernimmt ein einzelner EMG 81X mit einer polierten Kappe in Schwarz-Chrom, ein Volume-Poti ist alles was man braucht. Einfach und schlicht ist ja oft ein guter Denkansatz, und wer sich mehr wünscht, wird erneut auf der Homepage fündig. Die X-Serie von EMG wurde laut Hersteller im Dynamikumfang ordentlich erweitert, ohne die klassischen Gene des etablierten EMG 81 zu verleugnen ... wir werden sehen und sind gespannt. Ihnen wird ja oft eine gewisse klinische Ausdruckslosigkeit nachgesagt, nun ja, wie immer im Bereich des künstlerischen Schaffens sind Geschmäcker und vor allem Anforderungen verschieden. Unzählige Alben mit EMGs verleiten die tobenden Massen zu heftigstem Kopfnicken, da hätte sich jetzt bei mir noch keiner über einen klinischen Sound beschwert.

Die Batterie kann über ein Flip-over-Batteriefach mit nur einem Druck geöffnet und sekundenschnell getauscht werden, eine absolut hochwertige Lösung ohne viel Gefummel und billigem Plastik. Zu guter Letzt finden wir, versenkt in der Zarge, die Klinkenbuchse im Strat-Blech. Ebenfalls eine elegante Lösung, so wird das Kabel im Winkel nach oben herausgeführt und kann zur Zugentlastung gut hinter den Gurt gelegt werden, während der Klinkenstecker weniger mechanischen Belastungen ausgesetzt ist. Ich sag nur „Power-Pose“, da kommt man sich beim klassischen Zargenblech schon mal in die Quere.

Perfektion?

Die Verarbeitungsqualität bewegt sich durchgehend auf höchstem Niveau, das pingelige Auge des Testers kann schlicht keinen Makel finden. Ganz weit vorne ist die Werkseinstellung. Hier zeigt sich, wie viel Zeit und Liebe zum Detail tatsächlich im Spiel war. Saitenlage und Spielgefühl sind schlicht über jeden Zweifel erhaben, die an den Tag gelegte Präzision ist wahrlich beeindruckend. Das schlanke Halsprofil schmiegt sich sportlich-mondän in die Greifhand, schnelle Lagenwechsel sind dank der makellosen Bearbeitung der Bundenden ein Leichtes. Die spiegelnd polierten Bündstäbchen machen Bendings zu einem Kinderspiel und die Korpuskonturen mit gewohnter Armauflage und Rippenspoiler schmiegen sich bestens austariert an den Spieler. Auch der auf Hochglanz polierte Hals wird nach längerem Spiel nicht unangenehm, haptisch passt hier einfach alles. Der akustische Klangeindruck besticht, der Mahagoni-Korpus sorgt im Verbund mit dem Ahornhals für ein feingliedrig aufgelöstes Klangbild mit bester Saitentrennung und glitzernden Höhen. Obwohl die Werksbesaitung mit einem .009 - .042er Satz recht dünn ausfällt, werden erstaunlich breite, aber ordentlich aufgeräumte Bässe präsentiert. Das Sustain ist über jeden Zweifel erhaben, die gesamte Konstruktion ist äußerst schwingfreudig und klingt gleichmäßig aus.

One-Trick-Pony?

Wie man der elektrischen Ausrichtung schon entnehmen kann, richtet sich die M-I nicht unbedingt an den Jazzer und Country-Picker, also wollen wir dem Amp doch gleich mal eine ordentliche Portion Zerre entlocken um einen gelungenen Einstieg zu schaffen. Einmal durch das Hard & Heavy-Portfolio geprügelt muss man einräumen: Ja, genau so, nicht anders. Hier verschmelzen alle Komponenten zu einem großen Ganzen und bieten Sound und Spielgefühl der Extraklasse. Schnelle, singende Linien über alle 24 Bünde werden ebenso perfekt in Szene gesetzt wie harte Rhythmusarbeit. Die vorherrschende Präzision in der Wiedergabe erzwingt sauberes Spiel und der EMG 81X fräst sich durch jeden Mix. Hier ist nichts klinisch oder flach, unterschiedliche Picking-Techniken werden mit hervorragender Dynamik in Szene gesetzt, die ganze Gitarre hängt an den Fingern und macht einfach Laune. Die Arbeit am Volume-Poti geht geschmeidig von der Hand und lässt diverse Sound-Optionen zu. Auch unverzerrt ändert sich nichts an der großartigen Darstellung, so bekommt man auch hier ein breites Feld an Möglichkeiten geboten.

Das bleibt hängen

Hier erlebt man Gitarrenbau auf höchstem Niveau. Die Selektion der Einzelkomponenten ergibt eine Gitarre der Extraklasse, wie man sie nur selten erlebt. Der Spaß ist natürlich nicht günstig, und gerade im High-End-Segment werden die Unterschiede immer geringer, aber mit viel Liebe zum Detail ist doch noch irgendwo ein Quäntchen mehr raus zu kitzeln. Absolutes Top-Niveau, schade das die nicht in meinem Wohnzimmer hängt.

Fotos: Phil Zeppenfeld

Bilder: Markus Kaffka

 

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Test & Technik Fri, 26 Feb 2021 12:58:09 +0100
Test: Suhr Classic JM https://guitar.de/lesen/test-technik/test-suhr-classic-jm https://guitar.de/lesen/test-technik/test-suhr-classic-jm

Klassik & Perfektion

Suhr-Gitarren stehen für klassische E-Gitarren mit hochkarätigen Komponenten samt verlässlicher Features für den Gitarristen.

John Suhrs Gitarrenmarke existiert nun auch schon 35 Jahre. Das sollte man sich immer vor Augen führen, denn das macht Suhr unter den „neuen“ Gitarren-Meisterbauern im Grunde schon zu einem alten Hasen. Schon in den Achtzigern schraubte der junge John Suhr als Angestellter von Rudy’s Guitar Shop in New Jersey in New York so erfolgreich an Gitarren, dass er zusammen mit Chef Rudy Pensa alsbald eigene Custom-Gitarren unter dem Banner „Pensa-Suhr“ unter die Mucker der regionalen Szene brachte. Mark Knopfler wurde mit einer solchen des öfteren C Nicole Marek gesichtet. 1997 kam dann die persönliche Selbstverwirklichung mit eigener Firma unter dem Banner Suhr. Seitdem überzeugten die Gitarren aus dem Hause Suhr über die Jahre nicht nur Weltstars wie Mark Knopfler, Little Steven oder Peter Frampton, sondern auch eine neue Generation großartiger Gitarristen wie Mateus Asato, Pete Thorn, Ian Thornley oder Andy Wood. Der Rest ist Firmengeschichte …

Qualität ist König

…und die setzt sich auch mit dem aktuellen Modell der Classic JM fort. Firmengründer John hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, sich an den Klassikern zu orientieren, um dort dann an den neuralgischen Stellen gezielt an der Qualitäts-und Einzelteile-Schraube zu drehen. Für die Classic JM bedeutet das: ja wir haben es mit einer an den Jazzmaster angelehnte Studie aus dem Hause Suhr zu tun. Nein sie klingt nicht nur nach Jazzmaster – dazu aber später mehr. Der Aufbau der Suhr ist erst einmal klassisch wie bei ihrem Vorbild gehalten. Das bedeutet, sie besteht aus einem Ahornhals mit Sechzigerjahre-D-Profil, auf den ein Griffbrett aus indischem Palisander akkurat verarbeitet wurde. Der Hals mit seinen 22 Edelstahlbünden wurde ebenfalls klassisch durch eine Vierpunkt-Verschraubung mit dem Korpus aus Erle verbunden. Halsabrichtung (Bünde, Griffbrett, Mattlack auf dem Hals) und Lackverarbeitung wurden jeweils auf handwerklich höchstem Niveau ausgeführt. Bei den Pickups fiel die Wahl auf zwei schwarze SinglecoilS90 aus dem Hause Suhr, die jeweils in Steg- und Halsposition verbaut wurden. Ebenfalls im oberen Teil des Tortoise-Schlagbretts eingelassen ist der robuste Dreiweg-Toggleswitch aus Edelstahl sowie ein Volume- und zwei Tone-Potis. Gegenüber dem Vorbild gibt es deutliche Unterschiede. Der erste und quasi „spiel-entscheidende“ ist das Gotoh-510-Vibrato mit Einsteckarm. Das Zweipunkt-Tremolo hält die Saiten in Stimmung und ermöglicht eine gute Intonation. Für zusätzliche Stabilität sorgen die Locking- -Mechaniken von Suhr, die aufgrund ihres gestaggerten Schafts den Einsatz eines Saitenniederhalters auf der Kopfplatte zudem überflüssig machen. Für genügend Druck auf dem Sattel ist also gesorgt. Zudem wurde das Vibrato so eingestellt, dass man es sowohl hoch als auch runter bewegen kann. Dive-Bomb-Fetischisten sollten hier aber vorsichtig sein. Fans einer Tonformung á la Jeff Beck oder Adam Granduciel werden hier ob der Stimmstabilität frohlocken. Bei den Pickups hat man sich bei Suhr in diesem Fall viel eher am klassischen P90 als am Einspuler der Jazzmaster aus dem Hause Fender orientiert – aber der Reihe nach…

Sound & Understatement

Unverstärkt punktet die Classic JM durch einen straffen Akkordton und ein langes Ausschwingen. Sustain ist hier König. An dieser Stelle ein Lob an Suhr und den Vertrieb Musifacts, denn die JM ist aus dem Gigbag (!) heraus direkt spielbar, da sie gestimmt und extrem gut eingestellt ist. Respekt, das ist keine Selbstverständlichkeit. Das Halsprofil, das Suhr als „60’s C Vintage Standard“ deklarieren, macht seinem Ruf in Sachen Vintage-Flair alle Ehre und überzeugt gleichzeitig durch eine gute Spielbarkeit bis in die hohen Lagen. Bei cleanem Ton kommen die beiden S90-PUs ideal zum Zuge. Sie überzeugen direkt durch einen straffen und transparenten EinspulerTon. Diese Stärke spielen die beiden S90-PUs auch im Crunch-Kanal aus. Hierbei liefert der Steg-Pickup einen kräftigen und differenzierten Ton, der sowohl bei Akkordflächen als auch bei Riffs zu überzeugen vermag. Schaltet man den Toggle in die Mittelposition, kann man sich auf Twangund Funk-Optionen genauso freuen, wie auf „schmatzende“ Sounds in GainGefilden. Freunde der Vibrato-Tonformung á la Jeff Beck wird zudem die Nähe des Volume-Potis zum Vibrato-Hebel zu Gute kommen. Hier wird einmal mehr der praktische Unterschied zum JazzmasterOriginal deutlich, denn das Vibratosystem der Jazzmaster sah zwar immer stylisch aus, konnte aber nie mit der Zuverlässigkeit eines Zweipunkt-VibratoSystems konkurrieren. Vintage ist eben nicht immer gleich geil, beziehungsweise praxisorientiert – davon können Bigsby-Fans ein Liedchen singen. In ihrer schlichten Schönheit steht die Classic JM im weiteren Testlauf für pure Spielfreude. Bendings gehen gut von der Hand und auch mehr Gain und unter dem Einsatz von Fuzz-Sounds sorgen die S90-PUs von Suhr für gleichermaßen kreatives Spiel, wie Kontrolle über den eigene Sound. Feedbacks sind erwünscht, wobei die Einspuler brummfrei agieren. Klar, wenn man es mit dem Gain übertreibt, dann rauscht es irgendwann eh wie ein Wasserfall … Ein Metal-Biest wird die JM dennoch nicht werden, aber das muss sie auch nicht. Wer auf Delay-, Reverb-, Tremolo- und CrunchSounds steht, für den wird sie eine wahre Freude sein. Hierbei trumpfen die beiden S90 PUs mit Klangeigenschaften aus der Jazzmaster- und P90-Welt. Die JM lässt sich sowohl im Sitzen, als auch am Gurt mit ihrer Korpusform bequem spielen, was nicht zuletzt durch ihr angenehmes wie ausgewogenes Gewicht möglich ist.

Das bleibt hängen

Die Suhr JM ist mit ihren S90-Pickups nicht bloß eine hochqualitative Studie einer modernen Jazzmaster, sie ist (ganz im Selbsverständnis der Firmen-Philisophie von John Suhr) eine moderne Weiterentwicklung eines Klassikers. Das bedeutet, dass das Gotoh-510-Vibratosystem gemeinsam mit den Locking-Tunern für Stimmstabilität bei gleichzeitig traumhaften Schwingungsverhalten sorgen. Ein Volume- und zwei Tone-Regler sorgen bei den S90-PUs gemeinsam mit dem Dreiwege-Schalter für eine sortierte Tonauswahl. Zu viele Schaltmöglichkeiten gibt es hier nicht. Alles Weitere obliegt am Ende des Tages der Fantasie und den Fingern eines jeden selbst. Die Verarbeitung der JM läßt keine Wünsche offen. Hier treffen hochwertige Einzelteile auf handwerkliches Können bei einer schlichten und dennoch wunderschönen Optik wie Haptik. Der Straßenpreis von etwas unter Dreitausend Euro ist hier durchaus gerechtfertigt.

Text: Marcel Thenée

Fotos: Nicole Marek

 

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Test & Technik Wed, 10 Feb 2021 09:26:31 +0100
Test: Music Man Jason Richardson Artist Series Cutlass https://guitar.de/lesen/test-technik/test-music-man-jason-richardson-artist-series-cutlass https://guitar.de/lesen/test-technik/test-music-man-jason-richardson-artist-series-cutlass

Siebensaiter liegen nach Jahren der Ungnade wieder im Trend. Wir haben für euch das neueste Signature-Modell von Gitarren-Wunderkind Jason Richardson angespielt und ausführlich getestet. Jason Richardson ist Freunden der härteren Sportgitarre schon länger ein Begriff. Als Mitglied von illustren Bands wie All That Remains, Chelsea Grin und Born Of Osiris hat der US-Amerikaner dem Metal- und Deathcore-Genre immer wieder seinen Stempel aufgedrückt und es mitgeprägt.

Music Man widmen ihm mit der Jason Richardson Artist Series Cutlass nun sein eigenes Signature-Modell, das auf der Cutlass-Modellreihe basiert, die ihren Ursprung in den Siebzigern hat und 2016 neu aufgelegt wurde. Bei der vorliegenden Test-Gitarre handelt es sich um das 7-Saiter-Modell mit Rorschach-Red-Finish und goldener Hardware, bei Bedarf gibt es die Gitarre auch als dezentere Ausführung mit Natural-Buckey-Burl-Finish und entsprechend angepasster schwarzer Hardware – beide Designs übrigens auch  mit sechs Saiten.

Ein Hingucker

Der Korpus mit Double-Cutaway-Body-Design ist aus Erle gefertigt und mit High-Gloss-Polyester in Rorschach Red lackiert. Ein besonderer Hingucker ist die Decke, die mit ihrer Farbauswahl und dem Whirl-Muster psychedelische Assoziationen aufkommen lässt und sich mit Sicherheit auch bei Anwendungen außerhalb des 120-bpm-Sektors pudelwohl fühlt. Auf ein Pickguard wird zugunsten der Optik gänzlich verzichtet, was angesichts der Decke auch nur passend ist. Auf der Rückseite befinden sich die Fächer für die Elektronik, das Tremolo sowie die Batterie – später dazu mehr.

Der Hals ist aus geflammten Ahorn gefertigt und wurde mit Schaftöl sowie einer von Hand aufgetragenen Spezial-Wachsmischung bearbeitet. An der Kombination aus geflammtem Ahorn und dem dunklen Ebenholzgriffbrett kann man sich wirklich nur schwer satt sehen. Auch haptisch ist es in der Tat ein Genuss, die Hand über den Hals und das Griffbrett mit seinen 24 Medium-Jumbo-Bünden gleiten zu lassen. Die Dot-Inlays im Griffbrett fügen sich hervorragend ins Gesamtbild ein und stechen wie die Bünde durch die Abwesenheit von unsauberen Abrichtungen hervor – top!

Das Hals-Profil lässt sich als flaches D einordnen, Sportgitarristen und Flitzefinger kommen hier definitiv auf ihre Kosten. Der durch die tiefe B-Saite bedingt, breitere Hals überzeugt durch seine hervorragende Haptik und Bespielbarkeit, gerade beim Übergang des fünffach geschraubten Halses in denn Korpus. Bei bewusst klassisch-gehaltenen Gitarren oftmals eine eher unbequeme Angelegenheit, haben Music Man hier beste Arbeit abgeliefert und ermöglichen ein müheloses Erreichen der hohen Lagen.

Hardware-Himmel

Auch aus Hardware-technischer Sicht geizen Music Man nicht und liefern die Jason Richardson Artist Series Cutlass werkseitig mit M6-IND-Locking-Mechaniken von Schaller in Music-Man-typischer 5-zu-2-Aufteilung aus. Durch die Locking-Mechaniken sind die Saiten in Windeseile gewechselt – einfach aufschrauben, Saiten reinklemmen, zuschrauben, stimmen und schon kann es weitergehen. Der gemeine (Live-)Gitarrist freut sich, die Bandkollegen sowieso. Über den Kunststoff-Sattel gehen die Saiten in das Custom-Siebensaiter-Music-Man-Floating-Tremolo (was für ein langes Wort), das bei der vorliegenden Test-Gitarre in Gold gehalten ist und in Kombination mit dem Korpus einen unglaublich edlen Kontrast liefert.

Der Tremolo-Hebel lässt sich Music-Man-typisch stecken und ist ohne lästiges Drehen sofort startklar. Durch die Konstruktion lässt sich das Tremolo in beide Richtungen betätigen, was noch einmal ein breiteres Vokabular an musikalischen Ausdrucksweisen ermöglicht. Wer keine Lust darauf hat, verstaut den Hebel einfach im mitgelieferten Koffer und erfreut sich weiterhin an seiner Gitarre. Abgenommen werden die Saiten von zwei hauseigenen pasiven Custom-Humbuckern mit Keramik-Magneten, die mächtig Zunder liefern und gleichzeitig durch flexible Klangmöglichkeiten überzeugen. Zwar erscheint die Kombination aus Dreiwegschalter mit Volume- und Tonepoti auf den ersten Blick etwas einengend, aber Music Man haben ein paar spannende Schmankerl verbaut.

Ist der Halspickup angewählt, spielt er seine Stärken als Humbucker aus. Betätigt man nun den Push-Push-Tonepoti wird der Humbucker als Singlecoil angesteuert. Ist der Pickup-Wahlschalter in der Mittelposition, werden der Hals- und Steg-Pickup je als Singlecoil parallel verwendet. Zu guter Letzt kann in der Stegposition der Humbucker als Doppelspuler oder mit „aktiviertem“ Tone-Poti als Singlecoil gespielt werden. Da der Preamp aktiv ist, lassen sich die Pickups zudem noch per Volume-Push-Poti um 20 dB boosten.

Sound: Top!

Aus dem Koffer heraus ist die Music Man bereits gestimmt, was schon ein erstes gutes Zeichen ist. Im Trockentest überzeugt sie bereits mit einem drahtigen Sound und auch an die zusätzliche tiefe B-Saite hat man sich schnell gewöhnt. Am High-Gain-Verstärker angeschlossen spielt sie ihre Stärken direkt aus. Die Riffs kommen knackig aus den Speakern, die Singlenotes sind schön definiert. Besonders Ausflüge in die tiefen Regionen sind eine wahre Freude – bei günstigeren Instrumenten kann es oft mal vorkommen, dass die Artikulation auf Grund minderwertigerer Bauweise und Materialien auf der Strecke bleibt – die vorliegende Music Man giert im Gegensatz geradezu nach Attacken auf der tiefen B-Saite. Als bekennender Nu-Metal-Fan bleibt dem Tester auch nichts anderes übrig, als die Stimmung um einen Ganzton tiefer zu legen und "KoRn"-Gedächtnisriffs zu zelebrieren. Und siehe da – riff it like it’s 1999!

Auch im cleanen Bereich gibt sich die Music Man keine Blöße und lacht den Autor immer wieder mit Djent-Riffs an, obwohl dieser doch gar keinen Djent hört. Als einziger Wermutstropfen gestalten sich allerdings die Mechaniken, die sich durch ihre abgewinkelte Form etwas unbequem anfühlen, wenn man sie im Eifer des Gefechts nicht richtig greift – jammern auf hohem Niveau? Ja, zugegeben. Diese Gitarre macht es einem wahrlich schwer, negative Kritikpunkte ausfindig zu machen.

Das bleibt hängen

Die Music Man Jason Richardson Artist Series Cutlass ist eine beeindruckende Gitarre. Auch wenn sie sich auf den ersten Blick an Anhänger der härteren Fraktion richtet, so deckt sie mit ihren spannenden Features wie der ausgeklügelten Schaltung und dem freischwebenden Tremolo ein weites Klangspektrum ab. Auch die Farbgebung und die Formwahl lassen deutlich Raum zum Atmen, so dass vielleicht der eine oder andere Jazzer (auch da freut man sich über die zusätzliche B-Saite) seine Freude mit der Gitarre haben kann – und das Sechssaiter-Modell gibt es ja auch noch. Modern und stimmig konzipiert, erstklassig verarbeitet und mit einer super-stabilen Stimmlage versehen – was will man mehr? Wer das nötige Kleingeld hat, dem sprechen wir eine klare Kaufempfehlung aus.          

Oliver Strosetzki

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Test & Technik Fri, 29 Jan 2021 09:33:38 +0100
Fame AG 26A https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-ag-26a https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-ag-26a

Mini-Houses, 1,3 Liter Hubraum mit 150 PS, Lunchbox-Amps – „Downsizing“ ist der Anglizismus, der Branchen-übergreifend Schule macht. Was das mit einem Akustik-Amp zu tun hat? Fame denken mit, praxisorientiert und immer günstig, ohne billig zu sein. Der AG 26A ist dafür ein Paradebeispiel.

Bei diesem Winzling von Akustikamp können Gitarre und Gesangsmikrofon simultan und ortsungebunden mit 25 Watt verstärkt werden. Hierzu stehen zwei 6,3-Millimeter-Klinken-Eingangsbuchsen zur Verfügung.

Sollte man den spontanen Jam am See mitschneiden wollen, bietet ein 3,5-Millimeter-Klinken-Ausgang die Möglichkeit, den Kreativschub festzuhalten. Das Design ist klassisch, die Verarbeitung solide: etwas Holz, Metall und eine Abdeckung für die Speaker in Rattan-Tweed-Optik. Das Control-Panel ist intuitiv aufgebaut. Eine graphische Aufteilung in drei Sektionen macht die Bedienung einfach. Die erste Sektion „Acoustic Guitar“ beherbergt vier Potis: Volume, Bass, Treble und Reverb.

Die zweite Sektion für den Mikrofon-Eingang hat einen Lautstärke- und einen Echo-Regler und die dritte Sektion enthält einen Kanal-übergreifenden Master-Regler und einen „BT“-Knopf, mittels dem ein Smartphone per Bluetooth mit dem Amp gekoppelt werden kann und zum Beispiel Backing-Tracks über die Box gespielt werden können, um diese mit der Gitarre zu begleiten. Eine LED neben dem „BT“-Schalter zeigt an, ob dieser eingeschaltet ist oder gerade verbindet. Eine weitere LED auf der Rückseite zeigt an, ob bei Einsatz des Ladegeräts geladen wird.

See-Beschallung

Natürlich kann die Box auch einfach als Beschallung für das Wohnzimmer oder beim Grillen am See verwendet werden. Betrieben wird das Gerät mit einem mitgelieferten 15-Volt-Netzteil oder eben über den Akku. Der Akku hat laut Herstellerangaben eine Ladedauer von drei Stunden und eine Laufzeit von fünf Stunden. Im Test können wir das bestätigen, kommen bei der Laufzeit aber sogar etwas über fünf Stunden hinaus.

Der Amp kommt mit einem Tragegurt, der ihn zur lautesten Handtasche der Welt macht. Abseits vom Gurt, der in Sachen Materialauswahl im Budget-Bereich angesiedelt ist, ist die Verarbeitung des kleinen Helfers wirklich fantastisch. Da klappert und kratzt nichts. Alle Teile sind astrein miteinander verbunden, angefangen beim Gurt-Pin über das Gehäuse bis zu den Poti-Knöpfen macht der AG A26 einen richtig guten Eindruck. Günstig muss eben nicht gleich billig sein.

Dennoch, ein Tausendsassa für 129 Euro, der den Nagel der Jamsession-Bedürfnisse und Freizeit-Freunde auf den Kopf trifft? Chapeau, Fame. Das haut nahezu komplett hin. Als Bluetooth-Box für passiven Musikgenuss hergenommen, wird das Teil auch richtig laut – eine WG-Party lässt sich so definitiv beschallen. In den Bässen ist sie etwas schwach und klingt, je mehr Leistung man dem 6,5‘‘-Speaker abverlangt, etwas dünn. Im Betrieb mit Gitarre und Mikrofon fällt das weniger auf. Im Gegenteil, da macht sich eher die Durchsetzungsfähigkeit des kleinen Speakers bemerkbar. Natürlich kann man die Klangqualität im Extrembereich bemängeln, dann wird es bei dem Preis aber irgendwann lächerlich.

Ein Allrounder für den Preis, der dem Straßenmusiker Autobatterie, Riesencombo und Hackenporsche erspart, muss kein Klangerlebnis der absoluten Spitzenklasse bringen. Davon abgesehen bringt der kleine Pragmatiker auf Zimmerlautstärke klanglich ein amtliches Ergebnis zu Stande. Wer hier noch meckert, ist einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden. Die Zwei-Band-Klangregelung reicht völlig aus und gibt dem Spieler in Verbindung mit dem Reverb eine ausreichende Klang-Regelmöglichkeit an die Hand. Der Reverb ist einfach in seiner Intensität regelbar. Wer mehr Effekte will oder braucht, kann das eigene Effektboard zwischenschalten, was aber gerade für einen Einsatz im Grünen das Konzept des Amps ad absurdum führt – dennoch, jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Der Mikrofon-Eingang verrichtet seine Aufgabe zufriedenstellend. Extreme Dynamikschwankungen (und damit ist das heftige Gescheppere eines Metal-Shouters gemeint) überfordern den 26-Watt-Zwerg dann schon etwas. [Kurze Frage, Phil: Du weißt schon, dass das keine Unplugged-Metal-PA für Manowar ist, oder ? – die Red.] Die Singer-Songwriter-Vokalisten werden allerdings zufrieden sein. Wenn Gitarre und Gesang gleichzeitig eingestöpselt sind, lässt sich mittels der kanaleigenen Volumen-Regler schnell ein passendes Lautstärke-Gleichgewicht finden. Die Spieldynamik der jeweils eingestöpselten Musikanten spielt dennoch eine Rolle – dem Speaker sind Grenzen gesetzt. Für eine mobile PA mit gerade mal dreieinhalb Kilo ist das aber auch völlig ok.

Das bleibt hängen

Die Firma Fame ist mit ihrer Produktpalette am Zahn der Zeit und scheint die Bedürfnisse des Markts zu verstehen. Das beweist die AG-Serie auf bestechende Art und Weise. Die Tatsache, dass die AG-26A-Box als Heim-Anlage genutzt werden kann, ist nicht nur ein netter Bonus, sondern ein klares Kauf-Argument. Die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen, der Preis von rund 130 Euro ist eine echte Ansage, die den AG 26A im Konkurrenz-Kampf mit harten Bandagen ausstattet. Ein Verstärker, der sich in jedem Rucksack transportieren lässt und im Rahmen seiner Möglichkeiten klanglich vollkommen überzeugt. Stark!     

Phil Zeppenfeld

Den kompletten Test könnt ihr auch in guitar 01/2020 nachlesen – direkt bei uns im PPV-Online-Shop bestellen!

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Test & Technik Thu, 28 Jan 2021 12:51:54 +0100
Test: Blackstar Acoustic:Core 30 https://guitar.de/lesen/test-technik/test-blackstar-acoustic-core-30 https://guitar.de/lesen/test-technik/test-blackstar-acoustic-core-30

Für den mobilen Immer-Dabei-Einsatz darf es ruhig auch mal eine Nummer kleiner sein. Das dachten sich sicherlich auch die Blackstar-Entwickler, als sie den Acoustic:Core 30 konzipierten.
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Trotz der geringen Abmessungen sollte alles an Bord sein, was der Singer-Songwriter in seinem Musiker-Alltag braucht – und damit ist nicht nur der Bühnen-Alltag gemeint. Die Liste der Features hält etliche Überraschungen bereit. Nachdem der Einstieg der britischen Verstärkerschmiede Blackstar in die Welt der Acoustic-Amps mit den beiden Sonnet-Modellen überzeugend gelungen ist (Test in guitar acoustic 3/20), hat man wohl Appetit auf mehr bekommen und mit dem Acoustic:Core 30 einen Amp im Mini-Format entwickelt, der für den Bühnen- und Recording-Einsatz ebenso gerüstet ist wie für Live-Streaming und Auftritte fernab vom Stromnetz.

Der kleine Amp ist in einem cremefarbenen Kunststoffgehäuse untergebracht, das weniger Platz einnimmt und leichter ist als der Effektgerätekoffer von so manchem E-Gitarristen. Mit dem ausschraubbaren Stützstab kann er bei Bedarf schräg gestellt werden, etwa, wenn er als Monitorbox auf dem Boden steht. Mit einem optionalen Adapter auf ein Boxenstativ gesteckt beschallt er aber auch eine kleine Zuhörerschaft. Der Acoustic:Core arbeitet stereophon und ist hierfür mit zwei 5“-Lautsprechern ausgestattet, die von einer 2x15-Watt-Stereo-Endstufe angetrieben werden. Die Stereophonie beschränkt sich allerdings auf die eingebauten Effekte. Die Kanalsignale können nicht frei im Stereopanorama verteilt werden, was bei den geringen Ausmaßen des Kleinen auch nicht sinnvoll wäre.

Inst, Mic & Line In

Die beiden Kanäle sind unterschiedlich konzipiert. Kanal 1 ist für Akustikgitarren optimiert und deshalb mit einer Klinkenbuchse bestückt, während man an Kanal 2 per Kombi-Buchse sowohl ein Mikro (XLR) anschließen kann als auch einen Line-Eingang (6,3 mm Klinke) zur Verfügung hat. Der Gitarrenkanal verfügt neben dem Gain-Regler über einen Zwei-Band-EQ sowie je einen Regler für Chorus und Reverb. Beim Chorus kann man zwischen den Varianten „Vintage“ und „Wide“ wählen, beim Reverb zwischen „Room“ und „Hall“. Die Effekte klingen gut und sind praxisgerecht parametrisiert. Sie werden mit elektronisch verbreiterter Stereobasis („Super Wide Stereo“) widergegeben und verleihen damit Instrument und Gesang mehr Räumlichkeit. Über das Fehlen eines Mittenreglers tröstet der „Enhance“-Taster hinweg, der das Gitarrensignal transparenter und knackiger macht.

Kanal 2 ist mit einem Drei-Band-EQ und den beiden oben genannten Hallvarianten ausgestattet. Ein Chorus fehlt hier. Der Vocal-Kanal verfügt über eine per Knopfdruck abrufbare Klanganpassung namens „Vocal Clarity“. Und in der Tat wirkt der Gesang hiermit etwas klarer und präsenter. Blackstar wirbt damit, dass der Acoustic:Core 30 einen guten Sound liefert, „ohne dass man Toningenieur sein muss“. Zu diesem Konzept tragen die Taster „Enhance“ und „Vocal Clarity“ ihren Anteil bei. Zur Feedbackunterdrückung lässt sich die Phase des Summensignals umkehren. Ein symmetrischer DI-Ausgang ermöglicht den Anschluss an eine PA. In Anbetracht seiner geringen Größe klingt der Acoustic:-Core bereits in neutraler Einstellung erfreulich voll, rund und knackig. Mit den EQs bringt man dann eine Portion mehr Druck und Präsenz ins Spiel.

Direkt ins Netz

Der Acoustic:Core besitzt einen USB-2.0-Anschluss, der als vierkanaliges Audio-Computer-Interface verwendet werden kann. Die beiden ersten UBS-Kanäle führen das stereophone Summensignal, USB-Kanal Drei und Vier die Pre-Fader-Signale der beiden Amp-Kanäle. Mit einer geeigneten Recording-Software können damit ohne zusätzliche Geräte Heimstudioaufnahmen eingespielt werden. Wer seine Performance lieber live streamt oder ein Video aufzeichnen möchte, kann den Amp mit einem optionalen TRRS-Kabel direkt mit dem Smartphone oder Tablet verbinden, mit dem das Videosignal aufgenommen werden soll.

Das Audiosignal dazu kommt dann in guter Qualität vom Amp und wird beim Abspielen auch über diesen widergegeben. Dementsprechend kann der Streaming-Anschluss auch als zusätzlicher Line-In verwendet werden. Weiterhin stehen ein 3,5“-Line-Ausgang (auch für Kopfhörer verwendbar) und ein Anschluss für einen Fußschalter, mit dem man Hall und Chorus ein- und ausschalten kann, zur Verfügung. Der Acoustic:Core kann wahlweise über das mitgelieferte Netzteil oder über die optionale Powerbank PB-1 betrieben werden. Letztere hält laut Hersteller je nach Lautstärke bis zu sieben Stunden durch.

Das bleibt hängen

Der kleine Blackstar Acoustic:Core 30 bietet nahezu eine Komplettausstattung an Features, die der Singer-Songwriter für den Gig, Recording und das Live-Streaming benötigt. In Anbetracht der geringen Größe ist der Klang erfreulich voll. Man schafft es problemlos, einen guten Mix aus Gitarre und Gesang zu erzeugen. Seine vielfältigen Anschlussmöglichkeiten an PA, Smartphone und Computer sowie die Möglichkeit, ihn mit der optionalen Powerbank PB-1 netzunabhängig zu betreiben, machen ihn zu einem kleinen Tausendsassa – und das bei einem erfreulich fairen Preis.

Autor: Dr. Hans J. Schäfer


 

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Test & Technik Wed, 27 Jan 2021 12:21:37 +0100
Fame Hot 15 & Hot 50 (guitar Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-hot-15-hot-50-guitar-test https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-hot-15-hot-50-guitar-test

Röhrenamps sind für viele Gitarristen nach wie vor das Nonplusultra. Auf derSuche nach dem richtigen Tone bremst der Geldbeutel die Euphorie jedoch allzu oft. Deshalb dürften die beiden Modelle von Fame vor allem für jene interessant sein, die sich einen guten Sound für wenig Geld wünschen.

Trotz immer stärker werdender digitaler Konkurrenz, ist der Röhrenverstärker nicht totzukriegen. Dies hat er wohl einerseits der Tatsache zu verdanken, dass viele Gitarristen absolute Puristen sind und andererseits, dass für einen richtig guten Modeling-Amp ein tiefer Griff in die Tasche notwendig ist. Da kann man ja auch gleich einen Röhrenamp kaufen, oder?

Zum Glück gibt es diese mittlerweile auch in jeder erdenklichen Preisklasse. Bedroom-Amps mit 5 Watt für schmales Geld stehen genauso im Regal des Händlers eures Vertrauens wie 100-Watt-Stacks für entsprechend mehr Bares. So endet der Traum vom Röhrensound nicht abrupt, denn Hersteller wie Fame, Eigenmarke des Music Store in Köln, lassen ihre Amps in China produzieren. Dadurch ergibt sich ein günstigerer Preis als bei Modellen, die etwa in den USA produziert werden. Zwei davon sind der Fame Hot 15 und der Fame Hot 50 – beide als Top-Teil erhältlich.

Beide Amps liegen jeweils unter 500 Euro und sind daher in der unteren Preisklasse anzusiedeln. Das Vorbild dürfte bei der Optik klar sein: Ein traditioneller Amp-Hersteller aus England gelang mit ähnlich anmutenden Top-Teilen zu Weltruhm. Warum aber eigentlich zum Top-Teil greifen, wenn der Combo mit seinem angeschlossenen Speaker doch die All-In-One-Lösung ist?

Die Frage kann leicht beantwortet werden: Ein Combo ist durch sein festes Gehäuse „begrenzt“. Eine Kombination aus Top und Box ist quasi unendlich individualisierbar. Die Fame-Tops haben verschiedene Anschlüsse für Boxen parat, sodass von acht bis 16 Ohm, von 1x12“ bis 4x12“ alles drin ist. Und das verschafft dem Amp letztlich Headroom und Druck. Getestet wurden beide Top-Teile mit einer 2x12“-Box.

Die Namen der zweikanaligen Amps mögen sich nur durch eine Zahl unterscheiden, im Innenleben und auch von außen machen sich die Unterschiede jedoch noch deutlicher bemerkbar. Denn der Fame Hot 15 bietet eine Leistung von 15 Watt (im Gegensatz zu den 50 Watt des zweiten Modells) und ist entsprechend anders bestückt. In der Vorstufe finden sich drei 12AX7-Röhren und in der Endstufe zwei EL84. Wer sich ein bisschen auskennt, vermutet zurecht, dass der Sound britisch angehaucht sein dürfte. Das 50-Watt-Modell ist quasi der große Bruder: Während die Vorstufe mit der gleichen Bestückung daherkommt, warten in der Endstufe zwei 6L6-Röhren für mehr Headroom und Druck.

Gleich und gleich ...

In der Bedienung ist der 15-Watt-Amp einfach gestaltet: Der Clean-Channel verfügt lediglich über einen Volume-Regler, der Drei-Band-EQ färbt beide Kanäle. Im „heißen“ Kanal lockt schließlich noch das Gain-Poti, der Reverb kann wiederum für beide Channels genutzt werden.

Im Gegensatz dazu wirkt die 50-Watt-Variante fast kompliziert, sie ist es aber nicht. Hier wird das Bedienpanel um einen weiteren EQ – also für jeden Kanal einen – und einen Master-Regler ergänzt. Beide Amps verfügen über einen Standby-Schalter, um die Röhren zu schonen, wenn das Pausenbier ruft. Die Kanäle sind per Hand oder optional Fuß schaltbar. Auf der Rückseite befindet sich auch ein Einschleifweg für Effekte, nebst den Boxen-Anschlüssen sowie beim 50-Watt-Top ein Line-Out für den direkten Weg ins Pult.

Die Röhren glühen

Die Amps wirken insgesamt gut verarbeitet. Die Rückseite gewährt einen Blick ins Innere, wo die Röhren bereits glühen. Dann mal los! Bereits bei den ersten Tönen macht sich der Hot 15 breit: Der Bass ist sehr ausgeprägt und wird von moderaten Mitten ergänzt. Die Höhen sind je nach Einstellung ganz schön kräftig, dennoch ist mit dem Amp ein ordentlicher Clean-Sound hinzubekommen. Gibt man Gas erinnert das in vielen Einstellungen schon fast an den typischen Brown Sound eines Eddie Van Halen. Der Amp geht früh in die Sättigung und lädt zu AC/DC-Riffs ein. Der Amp ist dabei recht dynamisch, was unterschiedlich starke Anschläge mit dem Plektrum angeht – und braten kann er.

Sicherlich sind bei 15 Watt und der Grundkonstruktion keine Metal-Eskapaden zu erwarten, einen amtlichen Hardrock-Sound, der tragfähig und knochentrocken die Riffs serviert, die liefert der Amp aber allemal. Der Amp ist nicht der dynamischste in diesem Bereich, klingt dafür aber richtig fett. Er schiebt jeden Song ordentlich voran und überträgt auch die Noten beim Solospiel sauber. Wer mit dem EQ spielt, lockt aus dem kleinen Top-Teil Blues-, Rock- und Hard-Rock-Sounds.

Der große Bruder ist vor allem eins: sehr laut. Dieser Amp lässt sich am besten im schalldichten Proberaum spielen, denn bei geringen Lautstärken kommt der fette Bass kaum zum Tragen. Dieser „trägt“ den Sound tatsächlich. Ähnlich wie bei der leistungsschwächeren Variante baut das Modell einen gehörigen Druck auf, wenn auch die Leistung mehr Headroom erlaubt. Der Sound ist insgesamt breiter oder, um es auf deutsch zu sagen: Diese Kiste hat richtig Wumms! Der Clean-Sound ist knackig, der Gain-Channel aber das, wonach wir wirklich suchen. Dank der Leistungsreserven sind hier auch deftige Metalsounds möglich, wobei man jederzeit im Hinterkopf behalten sollte: Diese Amps haben den klassischen Briten imHinterkof. Eine gewisse Mittenbetonung umhüllt also jeden Ton. Der Sound lädt zum Bau satter Akkordwände geradezu ein.

Ein echter Vorteil ist die separate Klangregelung, die beiden Kanälen zur Verfügung steht. Insbesondere wer auf einen wirklich klaren Cleansound Wert legt, kann hier differenzierter einstellen, welcher Anteil den Sound prägen soll. Außerdem lassen sich Lautstärke und Klangfarbe besser anpassen als beim kleineren Amp. Obendrein ist es mit zwei getrennten Equalizern natürlich möglich, zwei vollkommen verschiedene Sounds zu kreieren – warme Clean- und kreischende Gain-Sounds oder eben andersherum.

Abteilung „Böse“

Der Effektweg erlaubt die Einbindung von Modulationseffekten wie Delay & Co. und überträgt deren Sound sehr sauber. Generell reagieren beide Amps erwartungsgemäß gut auf vorgeschaltete Effekte. Gerade Booster, Overdrive, Distortion oder auch die Kollegen aus der Fuzz-Abteilung finden hier zwei freundliche Mitstreiter. Dann geht auch Metal bis zur Abteilung „Böse“.

Das bleibt hängen

Mit beiden Modellen haben Fame zwei günstige Alternativen zu britischen Vorbildern geschaffen, die vielleicht nicht mit deren überragender Dynamik punkten, dafür aber mit einem satten Sound. Das 15-Watt-Topteil ist etwas zahmer als die 50-Watt-Variante, die durch die Leistungsreserven einfach mehr Auswahl an Sounds bietet. Dennoch ist es mit beiden möglich, coole Riffs zu zocken und klassisch angehauchte Gitarrensounds zu kreieren. Druck haben beide, die Klangregelung für beide Kanäle mag für den einen oder anderen den klaren Ausschlag geben. Fame beweist mit beiden Modellen, dass der Griff ins Portemonnaie nicht immer schmerzhaft sein muss.    

Jens Prüwer

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Test & Technik Tue, 26 Jan 2021 10:47:05 +0100
Fame Baphomet II 5 Black Limba & Natural Ash (guitar Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-baphomet-ii-5-black-limba-natural-ash-guitar-test https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-baphomet-ii-5-black-limba-natural-ash-guitar-test

Fame schicken die Neuauflage ihrer Baphomet-Bassreihe ins Rennen. Wir haben das klangliche Schwergewicht in Black Limba und Natural Ash getestet - ist der Namensvetter des Templer-Götzen nun ein Fluch oder Segen?

Bereits seit 1982 fertigen Mayones im polnischen Danzig hochwertige Gitarren. Zunächst von Hand, mit öffnen der Grenzen Ende der achtziger Jahre ziehen neue, effektivere Maschinen ein und um 2000 erweitert die Zusammenarbeit mit dem Kölner Music Store den Kundenstamm ungemein. Unter dem Namen "Fame" wird der Store nun mit Instrumenten beliefert. Das Fame-Team ist mittlerweile auf 20 Mitarbeiter gewachsen, die sich um die Qualitätsstandards der Marke kümmern.

Hölzer

Mit dem Fame Baphomet II schicken Fame nun einen edlen Bass ins Rennen, der durch seine Flexibiliät, hochwertigen Hölzer und hervorragende Bespielbarkeit das Herz von Tiefton-Fetischisten höherschlagen lässt. Den Fame Baphomet II gibt es je als Vier- und Fünfsaiter sowie in den Holzausführung Black Limba oder Natural Ash, die abgesehen von der Holzwahl und dem damit verbundenen Schwingungsverhalten baugleich sind und als Testgeräte zur Verfügung standen. Der leichtgewölbte Korpus ist in Black Limba dunkler, Natural Ash hingegen ist etwas heller – beiden Hölzern ist die schöne Maserung und fachmännische Verarbeitung gemein, streicht man mit der Hand über den Korpus, bleibt man nirgends hängen und auch beim Spielen schmiegt er sich angenehm an den Körper.

Der fünfteilige Hals ist aus Mahagoni mit Trennstreifen aus Ahorn gefertigt und bombenfest sechsfach im Korpus verschraubt – da wackelt nichts. Das Halsprofil lässt sich mit einem flachen D beschreiben, die Hände können hier problemlos über das Griffbrett huschen. Für Preci-Fans ist das sicherlich nicht die erste Wahl, wer es etwas „jazziger“ haben möchte, kommt hier definitiv auf seine Kosten. Das Griffbrett mit seinen Dot-Inlays ist aus Pau Ferro gefertigt und inklusive der Bunstäbchen bestens verarbeitet. Das ist keine Selbstverständlichkeit und kann auch bei deutlich teureren Instrumenten zu zu einem unschönen Erwachen führen.

Hardware

An der Kopfplatte kommen WSC-JB15-Bassmechaniken zum Einsatz, die punktgenaues Stimmen ermöglichen. Die Saiten laufen in die massive WSC-SI5-Bassbrücke, die einen unzerstörbaren Eindruck macht und mit ihrer schwarz-glänzenden Lackierung einen angenehmen optischen Kontrast zum Black-Limba- oder Natural-Ash-Holz erzeugt.

Mit ihren fünf individuellen Saitenraitern lassen sich sowohl Intonation als auch Saitenlage individuell einstellen. Abgenommen werden die Saiten von zwei aktiven MEC-Jazz-Singlecoil-Pickups, die mit ihren Keramikmagneten bereits auf dem Papier richtig schieben und ein hohes Maß an klanglicher Flexibiliät versprechen. Ein besonderes Highlight ist dabei die Klangregelung. Der Fame Baphomet II ist mit je einem Volume- und Balance-Regler sowie einem Doppel-Poti, das einen Höhen- und Bass-Regler beinhaltet, ausgestattet. So lehnt sich der Baphomet II klanglich noch einmal weit aus dem Fenster – schick!

Am Verstärker

An den Bass-Verstätker angeschlossen und in die Hand genommen, fällt zunächst die dezente, bauartbedingte Kopflastigkeit auf. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – einfach etwas fester zu sich heranziehen. Die Saitenlage ist überraschend flach und macht den Bass komfortabel bespielbar, auch die höheren Lagen lassen sich bestens erreichen – und das ganze ohne unangenehmes Schnarren. Die Finger wandern zu den Volume-, Balance- und Tone-Reglern und schon geht der Spaß richtig los. Zur Orientierung rasten die beiden Tone-Regler auf der Hälfte des Regelwegs ein, so lässt sich ein gesundes, klangliches Mittelmaß anpeilen, von dem aus man Luft nach oben in Richtung Höhen oder in die Tiefen mit all seinen Bässen hat – und da überzeugt der Baphomet II absolut.

Den Tone einmal aufgedreht, klackert der Bass, dass es eine wahre Freude ist. Wer es klassischer, runder und tieftöniger haben möchte, der dreht den Regler zurück und schon drückt es nur so aus den Boxen raus. Was man hier aus dem Bass alles rausbekommt ist eine echte Wohltat. Einmal den Bass-Amp nach den eigenen Vorlieben eingestellt, lässt sich der Rest komplett über die Regler des Bass, den eigenen Anschlag, beziehungsweise die Fingerfertigkeit und Technik steuern.

Das bleibt hängen

Mit den Fame-Baphomet-II-Bässen ist der polnischen Gitarren- und Bass-Schmiede ein echtes Statement gelungen. DasVersprechen, Klang, Verarbeitung und Know-How zu einem fairen Preis zu vereinen haben Fame gewürdigt. Der Baphomet II macht kreativ und ist mit Sicherheit auch für Nicht-Bassisten (auch Gitarristen genannt), die gerne einmal die Faszination Tiefton erleben wollen und sich vom Instrument inspirieren lassen wollen interessant.

Die beiden getesteten Versionen in Black Limba und Natural Ash haben abgesehen vom Finish klanglich keine großen Unterschied gemacht und sind beim Kauf-Entscheidungsprozess wohl eher von optischer Relevanz. Da kann man nur empfehlen, selbst den Abstieg in den Keller zu wagen. 

Oliver Strosetzki

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Test & Technik Mon, 18 Jan 2021 10:26:11 +0100
Fame DC Slim6 (guitar Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-dc-slim6-guitar-test https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-dc-slim6-guitar-test

Ein kompakter Block statt Steckerleisten, Kabel-Wirr-Warr und Brummschleifen – so geht Strom. Fame bieten diverse Lösungen in diesem Bereich an. Hier werfen wir einen Blick auf die reduzierteste Variante. Und die füllt eine Lücke, von der mancher gar nicht wusste, dass sie existiert.

Was hat er denn?

Galvanisch getrennte Ausgänge? Auf zwölf Volt umschaltbar? Wieviel Milli-Ampere? Das Standard-Repertoire an Fragen, die beim Kauf eines Strom-Verteilers gestellt werden. Ohne viel Schnickschnack positioniert sich das Slim6 für den Preis von knapp 25 Euronen. Einleitende Fragen sind schnell zufriedenstellend beantwortet. Sechs Anschlüsse bieten zweimal je 100 mA, zweimal je 300 mA und zweimal je 500 mA Saft. Alle sechs Ausgänge sind galvanisch voneinander getrennt.

Drauflatschen?

Der kleine Kasten, der in der Abmessung etwa anderthalb Feuerzeugen entspricht, hat ein metallenes Gehäuse kredenzt bekommen. Da kann man schon mal versehentlich drauf latschen. Die Kabelanschlüsse sind aus Plastik, farblich nach mA-Ausgang getrennt und machen einen nicht ganz so wertigen Eindruck, wie der Rest der Party. Sie sitzen zudem ein wenig schief im Gehäuse. Der Funktionalität ist das nicht abträglich. Im Lieferumfang sind das 18-Volt-Netzteil und sechs Kabel zur Verbindung der Pedale mit dem Verteiler enthalten.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Kabel alle fest in den Steckplätzen sitzen, was in der Preisklasse nicht selbstverständlich ist. Die niedrigere Erwartungshaltung begründet sich übrigens durch den niedrigen Preis des Geräts,  und bezieht sich keinesfalls auf den Hersteller. Fame beweisen wieder einmal, dass sie verstanden haben, dass sexy an zweiter Stelle stehen kann und sollte, zuvorderst muss die technische Qualität passen.

An erster Stelle

Kein Eigenrauschen, keine Brummschleifen, eine LED-Leuchte als Indikator, dass Saft auf dem Kästchen ist – läuft! Das mitgelieferte Klettband ermöglicht eine einfache Fixierung auf egal welcher Oberfläche. Simpel, praktisch und so klein, dass eine leere Zigarettenschachtel zur Aufbewahrung reicht. Was will man mehr? Klar, den fehlenden An-/Ausschalter vermisst man, das ist aber keinDrama. Dennoch, wir sind nicht hier, um Blumen zu verteilen.

Das bleibt hängen

Wenn man in der Situation ist, häufiger mal Pedale umstecken zu müssen, sei es zum Vergleich, Produkttest, oder was auch immer, ist es jedes Mal eine innere Qual, das heimische Pedalboard, auf dem alle Kabel fein säuberlich fixiert sind, auseinander zu rupfen. Damit ist nun (zumindest für mich) Schluss!

Saft für sechs Pedale, drei mA-Optionen und super klein. Kritik gibt es für den fehlenden An-/Ausschalter. Dass kein Zwölf- oder gar 18-Volt-Ausgang vorhanden ist, ist angesichts des Preises völlig verständlich. Das Ding wird definitiv für den Privatgebrauch zu Hause bestellt. Im Praxistest überzeugt der Slim6 jederzeit und macht keine Probleme. Fast schon frech, mit welcher Nonchalance Fame hier für einen Klecker-Betrag kleine Lücken füllen. Ist gekauft!        

Phil Zeppenfeld

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Test & Technik Mon, 11 Jan 2021 11:07:14 +0100
Fame Studio Attenuator PB 8 https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-studio-attenuator-pb-8 https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-studio-attenuator-pb-8

Powersoak, Silencer oder Attenuator, alles Begriffe, die mehr oder minder die gleiche Gerätschaft beschreiben. Die kleinen Kästen sorgen dafür, dass laute Amps in die Endstufen-Sättigung getrieben werden können, aber die eigentliche Lautstärke verringert werden kann.

Hundert Watt, der hat Headroom ohne Ende und brüllt alles kaputt. Klingt halt einfach geiler das Ding als bla bla bla…“ Solche und ähnliche Aussagen werden nie aussterben. Einfach zu einem Lunchbox-Amp zu greifen, oder eine digitale Lösung zu wählen, ist für viele Musiker nach wie vor keine Option. Ob und warum und wer Recht hat, ist eine nicht abebbende Diskussion und wohl am einfachsten diplomatisch als Philosophiefrage kategorisiert und ad acta gelegt.

Für all die Sound-Philosophen, die bei ihren 50-Watt-und-aufwärts-Amp-Boliden bleiben wollen, gibt es Attenuatoren, die im Regelfall mittels zwei 6,3-Millimeter-Klinken-Lautsprecherkabeln zwischen Verstärker und Box geschaltet werden. Fame hat hier einen neuen Ansatz gewählt. Der Attenuator kommt mit einem weiteren Goodie, nämlich einem eingebauten Verstärker, sodass auch aus leise laut gemacht werden kann – Hut ab.

Das Metallgehäuse des Zauberkastens ist auf den ersten Blick nichts Besonderes – schwarz, verschraubt, unauffällig. Das Kontroll-Panel auf der Vorderseite ist grafisch auf das Nötigste reduziert. Dünne Nadelstreifen-Linien umranden die Potis, auch die Beschriftung der fünf Potis für die zwei Kanäle ist im Stil der Strich-Umrandung gehalten. Kanal eins ist der Attenuator-Kanal mit einem Regler für vier Einstellungen: 0 dB, -10 dB, -20 dB und „Studio“. Der zweite Regler im ersten Kanal regelt stufenlos die Ausgangs-Lautstärke der Studio-Einstellung.

Kanalarbeiten

Der zweite Kanal wird auf der Vorderseite des PB 8 durch drei Potentiometer kontrolliert. Depth für die Bässe, Presence für die Höhen und Volume für den Ausgangspegel. Nebst den drei Reglern findet sich hier der An-/Ausschalter.

Die Rückseite der kleinen Wundermaschine ist grafisch in drei Segmente aufgeteilt, die auch unerfahrenen Nutzern eine intuitive Nutzung ermöglichen. Ein mittiger 6,3-Millimeter-Klinken-Eingang, in Klammern mit „Input“ und
„8 Ohm“ beschriftet, trennt die Output-Panels der beiden Kanäle. Zur rechten Seite finden sich, wieder in Nadelstreifen gerahmt, ein 6,3-Millimeter-Klinkenausgang für einen Speaker mit 8-Ohm-Impedanz, ein regulärer, dreipoliger XLR-DI-Ausgang und ein stufenloses Potentiometer, um die Intensität des DI-Ausgangssignals zu kontrollieren.

Der Verstärker-Kanal, also Kanal zwei, ist rückseitig mit einer 6,3-Millimeter-Klinkenausgangsbuchse für einen 8-Ohm-Speaker versehen, sowie einem Send/Return-Effekteinschleifweg. Ein- wie auch Ausgangsbuchse sind jeweils mit einem Potentiometer zur stufenlosen Volumenregelung versehen. 50 Watt Leistung bringt der kleine Kasten zustande. Zwar „nur“ Solid-State, dafür wird durch die vorderseitig angebrachte, 2-Wege-Klangregelung der vermeintlichen klanglichen Einschränkung entgegen gewirkt.

Der Reihe nach

Der Attenuator funktioniert einwandfrei. Die voreinstellbaren Dezibel-Reduzierungen erscheinen ob der verfügbaren „Studio“-Möglichkeit als redundant, bieten aber eine schnelle Voreinstellung, wenn man weiß, wo man hin will. Die Wohnzimmer-Funktion des PB 8 wurde mit einem Laney AOR 100 und einem Peavey 6534+ auf Tauglichkeit untersucht.

Die verwendeten Boxen sind eine Orange PPC412 und eine Harley Benton G212. Während der Laney-Amp ordentlich in die Sättigung getrieben wurde und dort der Sweetspot bei etwa 15 Uhr am Amp lag, pendelte sich das Gain des Peaveys bei circa 13 Uhr ein. Der 6534+ verlor über die Orange- wie auch die Harley-Benton-Box am meisten Action bei geringerer Ausgangs-Leistung des Attenuators. Der Laney ließ keine deutlichen Klangunterschiede bei Leistungsveringerung durch den Attenuator vernehmen.

In einem Top-Studio, über passende Mikrofonie abgenommen, mag ein größerer Unterschied hörbar sein. Das Flackern der jeweiligen Pappe spielt hier wohl die größte Rolle.

Attenuator als Amp

Um den zweiten Kanal des PB 8 einem kritischen Auge zu unterziehen, wurde der EHX-5mm-Amp angeschlossen. 2,5 Watt, die zwar auch schon was können, aber eben ihre Grenze haben, werden hier mit möglichen 50 Watt aufgeblasen. Ganz haben wir den PB 8 nicht ausgefahren, da der Proberaum leider belegt war und die Nachbarn gegen 21 Uhr nur noch bedingt zu Scherzen aufgelegt sind. Kurzweilig haben wir aber die Gläser in den Regalen aller fünf Stockwerke klingeln lassen. Großartig, was der Zwerg alles kann. Zugegeben, klanglich lässt sich mit dem Presence- und Depth-Regler zwar noch etwas machen, ohne eine Sammlung an deutlich färbenden Pedalen und vor allen Dingen einem kleinen EQ-Treter, gewinnt man aber keine akustischen Schönheitswettbewerbe. Dezent angecruncht oder volle Lotte Death-Grind-Gain, das kann mit dem PB 8 was werden.

Ein milder Distortion- oder satter Overdrive-Sound finden nicht wirklich ihr Zuhause im Fame-Wunderkasten. Clean kann man schon machen, hat das Herz aber jetzt auch nicht höher schlagen lassen. Dabei soll aber auch erwähnt sein, dass der Peavey im Clean-Kanal weniger Spaß macht. Die typische 5150-Krankheit ist bei den 65XX-Varianten nicht verheilt … Persönlicher Geschmack spielt hier selbstredend eine Rolle. Welche Ergebnisse sich auftun, wenn man mit einer vernünftigen Vorstufe in die Verstärkersektion des PB 8 geht, hängt von der Vorstufe ab. Mit einem Verellen-Skyhammer-Röhren-Preamp ging schon was, wie bei den vorherigen Experimenten bleibt aber auch hier Luft nach oben.

Je nach verwendeter Vorstufe ändern sich die Ergebnisse. Das bleibt eurer Experimentierfreude und dem persönlichen Preamp-Arsenal überlassen. Der PB 8 kann natürlich auch als externer FX-Loop für Amps ohne Loop genutzt werden, indem das Signal durch den PB 8 geschleift wird. Über eine D.I. angeschlossen, durch die ein Amp ohne FK-Loop geschleift wird, kann eine Stereo-Situation für Effektspielereien erzeugt werden. Die EQ-Sektion des zweiten Kanals steht natürlich als Ausgleichsmöglichkeit für jeden Power-Amp zur Verfügung, den man in den PB 8 füttert.

Was hängen bleibt

Fame haben es raus, günstige, gute Lösungen auf den Markt zu werfen. Die Verarbeitung des PB 8 ist vollkommen in Ordnung. Die Powersoak ist simpel aufgebaut und bietet alle Möglichkeiten, die man sich von einem solchen Gerät wünscht. Der PB 8 macht den Amp einfach leiser, wenngleich mit ein wenig Färbung. Unsere Kritik am Sound in allen Ehren, bei einem Preis von 88 Euro bleibt dennoch keine Augenbraue unterm Brillenrand.  Ein Top-Gerät zu einem definitiv unschlagbaren Preis.    

Phil Zeppenfeld

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Test & Technik Mon, 04 Jan 2021 13:18:02 +0100
Fame MFX-AC Rig, MFX-3 OD Rig, MFX-6 Ultra Rig https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-mfx-ac-rig-mfx-3-od-rig-mfx-6-ultra-rig https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-mfx-ac-rig-mfx-3-od-rig-mfx-6-ultra-rig

Fame, die Hausmarke des Music Store aus Köln, ist bekannt dafür, eine besonders große Bandbreite an Instrumenten und Zubehör für wenig Geld anzubieten. Nun befinden sich im Angebot auch drei Multieffektgeräte: Das MFX-AC Rig richtet sich an Akustikgitarristen, das MFX-3 OD Rig und das MFX-6 Ultra Rig ist für E-Gitarristen gedacht. Nicht nur Effekt-Anfänger oder Gitarristen mit schmalem Budget kommen hier auf ihre Kosten.

Beim Anblick der drei schlichten Verpackungs-boxen kann man kaum glauben, dass sich darin jeweils ein Multieffekt-Gerät befindet. Hat man die knapp dimensionierte Verpackung einmal geöffnet, erblickt man tatsächlich – an der Ausstattung gemessen – sehr handliche Geräte.

Das MFX-AC leuchtet in schicker Bronze-Optik und wirkt auch dank der übersichtlich angeordneten Bedienelemente optisch hochwertig. Das MFX-3 OD in sattem Schwarz muss mit kleineren Drehreglern auskommen, was den zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten der einzelnen Effekte geschuldet ist. Ebenso ist es beim größten Effektgerät dieses Tests: 20 kleine Drehregler teilen sich die Bedienung der sechs per Trittschalter bedienbaren Effekte (inklusive Tuner) auf.

Das silberne MFX-6 Ultra Rig wirkt dadurch auf den ersten Blick etwas unübersichtlich, jedoch macht die Aufteilung Sinn und bedarf nur wenig Einarbeitungszeit. Im Lieferumfang enthalten sind bei allen Geräten ein 9V-DC-Netzteil, kleine Aufklebe-Gummigleiter für die Unterseite und ein kurzes Aux-Kabel.

MFX-AC Rig

Das MFX-AC Rig bedient die Freunde der Westerngitarre, die den Klang ihres Instruments etwas abstimmen oder modulieren wollen. So findet sich am linken Rand des Effektgerätes die „Delay/Reverb“-Sektion, die wie alle Effekte per Trittschalter aktiviert wird. Der einzelne Drehregler ist hierbei für zwei Funktionen zuständig. Dreht man von zwölf Uhr gegen den Uhrzeigersinn, wird das recht gut klingende Delay aktiviert und dessen Abstand geregelt.

Im Uhrzeigersinn gedreht ertönt ein satter Hall, der ebenfalls hochwertig klingt und bei Vollausschlag beherzt eingreift. An zweiter Position befindet sich der Chorus-Effekt, der allerdings nur in der Intensität regelbar ist. Klanglich ist dieser ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Die anschließende Klangregelung beinhaltet neben dem Volume-Regler einen Bass- und einen Treble-Drehregler. Zusätzlich können dank eines Notch-Reglers mittels eines schmalen Frequenzbands unerwünschtes Feedback oder wummernde Tiefmitten beschnitten werden.

Ganz rechts am Pedal ist der „Normal/Bright“-Switch verbaut. Beim Aktivieren werden nicht nur die Höhen angehoben, sondern auch die Mitten leicht abgesenkt, was für eine präszise Definition sorgt.

Unabhängig davon befindet sich direkt darüber der Gain-Regler, welcher in Kombination mit dem Volume-Poti jede Vorstufe eines angeschlossenen Verstärkers ins Schwitzen bringen kann. Tatsächlich ist auch der Betrieb mit einer E-Gitarre durch dieses Effektgerät möglich und klingt dabei überraschend gut.

MFX-3 OD Rig

Mit drei verschiedenen Effekten ausgestattet, präsentiert sich das Fame MFX-3 OD Rig. Zuerst findet sich wieder die Delay-Sektion, wobei hier der Anteil des Effekts im Signal, das Feedback (also die Länge des Ausklangs) und die Zeit des Delays abgestimmt werden können.

So ist auch der eigenständige Chorus-Effekt bei diesem Pedal in Geschwindigkeit, Tiefe und natürlich dem Anteil am Signal einstellbar. Diese zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten geben den sowieso schon gut klingenden Modulations-Effekten weitere Anwendungsmöglichkeiten, die für viele Musikstile geeignet sind.

Distortion satt

Statt einer EQ-Sektion wie beim MFX-AC findet man hier nun einen Distortion-Effekt. Dieser ist per Volume-, Tone- und Gain-Regler justierbar. Allerdings erfordert der Zugriff auf die Sounds etwas mehr Aufwand als bei den beiden Kollegen, hier muss man ein wenig in die Details der Effekte einsteigen. Bei niedriger Gain-Einstellung und leicht überfahrenem Preamp am Verstärker bekommt man Ergebnisse, die einen in Sachen Kompression und Gain deutlich weiterbringen und aus einem Crunch-Kanal ruckzuck ein kräftiges High-Gain-Monster machen. Höhere Zerrgrade im Clean-Kanal sind eher wenig organisch, was allerdings typisch für Distortionpedale ist. Was man auch mal ausprobieren kann, ist das Verwenden des OD Rigs als Preamp, also quasi im FX-Loop des Amps.

Zusätzlich bietet die integrierte Effektschleife die Möglichkeit, weitere Effektpedale zwischen Distortion und der Chorus-Sektion einzufügen oder das MFX-3 OD Rig per 4-Kabel-Methode in eure bestehenden Rigs einzuschleifen.

MFX-6 Ultra Rig

Die umfangreichste Multieffekt-Lösung bietet das MFX-6 Ultra Rig. Während die Delay-, Chorus- und Distortion-Sektionen gleich aufgebaut sind wie beim OD Rig, gesellen sich hier eine fein einstellbare Reverb-Sektion mit zusätzlichem Dwell-Regler, eine „Overdrive/Boost“-Schaltung und ein äußerst brauchbarer Tuner dazu.

Anders als beim MFX-AC kann hier der Hall anteilig zum Signal und in der Länge der Hallfahne bearbeitet werden. Der Klang des Halls ist wie beim zuerst getesteten Multi-Pedal einwandfrei und bietet echte Raumerlebnisse. Per Kippschalter lässt sich entweder der Boost, oder aber die Overdrive-Funktion anwählen. Ersterer kann durch Bass-, Tone-, Gain- und Volume-Regler eingestellt werden. Die Drehregler des Overdrives sind in Drive, High, Low und Volume unterteilt. Beide Funktionen machen genau das, was sie sollen: Während im Boost-Modus das am Verstärker ankommende Signal erheblich erhöht und praktisch abgestimmt werden kann, bietet der Overdrive-Modus einen recht satten und rockigen Klang. Leicht angezerrte Pop-Licks, oder auch deftige Hardrock-Klänge sind schnell eingestellt und überzeugen klanglich.

Das eingebaute Stimmgerät reagiert schnell und lässt sich präzise ablesen. Bei Betätigung des entsprechenden Trittschalters wird das Signal zum Output hin unterbrochen – gerade live eine bewährte Funktion. Zu den gemeinsamen Funktionen zählen der XLR-Out und ein Aux-Eingang, durch welchen bequem Backing-Tracks eingespielt werden können. Beim MFX-3 OD Rig und MFX-6 Ultra Rig gibt es sowohl einen Kopfhörer-Anschluss, als auch Send- und Return-Anschlüsse. Am 3,5-mm-Kopfhörer-Ausgang gibt’s  eine Amp-Simulation, die auch einen Standalone-Betrieb nachts zuhause möglich macht.

Das bleibt hängen

Fame bietet mit den drei Multieffekt-Brettern eine breite Palette praxisnaher Sounds zum fairen Kurs. Die stabile Haptik macht die Sache nur noch besser, weil bühnentauglich. Bei dem Preis kann man gefahrlos einen Testlauf wagen.    

Stefan Helferich

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Test & Technik Mon, 21 Dec 2020 13:42:25 +0100
Fame WH-1 Mini Wah Volume https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-wh-1-mini-wah-volume https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-wh-1-mini-wah-volume

Was tun, wenn der Platz auf dem Pedalboard begrenzt ist, man aber noch ein Wah-Wah- und ein Volume-Pedal darauf platzieren möchte? Dieser Nische nimmt sich Fame mit dem WH-1 Mini Wah Volume an. Das Kombi-Pedal im sprichwörtlichen Hosentaschen-Format soll Gitarristen ansprechen, die neben dem verfügbaren Platz auch auf das Budget achten müssen.

Verpackt in weißen Pappkarton mit aufgeprägtem Logo lässt sich unser kleiner Pedal-Freund hinter der Bedienungsanleitung erblicken. Das kompakte Metall-Gehäuse sorgt für ein angenehmes Gewicht und wirkt dabei robust und gut verarbeitet. Durchweg klassisch schwarz lackiert mit gelber Aufschrift ist das Design ebenfalls gelungen.

Bei der ersten Inbetriebnahme fallen die um circa einen Zentimeter versetzten „In“- und „Out“-Klinkenbuchsen auf, die bei engen Aufbauten helfen, die Patchkabel näher aneinander zu stecken.

Erste Annäherung

Das WH-1 steht solide, beim ersten Test fällt direkt das unveränderte Signal im ausge-schalteten Zustand positiv auf. Betätigt wird die Wah- oder  Volume-Funktion, indem man beherzt auf die Spitze des Pedals drückt. Der benötigte Druck ähnelt dem des Marktführers von Dunlop und soll verhindern, dass bei ausdrucksvollem Wah-Einsatz der Effekt ungewollt abgeschaltet wird. Beim An- und Abschalten fällt ein Knacken auf, was auf einen mechanischen Schalter schließen lässt – gut!

Wah & Volume

Ebenfalls dem Dunlop Crybaby ähnlich ist der Regelbereich (Sweep) des Effekts. Der mechanische Hubweg der Fußplatte fällt dabei recht gering aus, in der Praxis lässt sich aber jede Zwischenstellung fein anwählen. Ob für „honkige“ fixe Pedal-Stellungen, klassische Funk-Gitarre oder das Aufpeppen eines Solos – das WH-1 Mini Wah Volume klingt im Wah-Wah-Modus bekannt und vertraut, fast schon konservativ klassisch.

Per Kippschalter kann auf den Einsatz als Lautstärke-Pedal umgeschaltet werden. Links am WH-1 ist ein Drehregler verbaut, mit dem die minimale Lautstärke bei nach oben gerichtetem Pedal eingestellt wird. Dieser Kniff eignet sich besonders gut für Lautstärke-Boosts in Lead-Passagen. Anstandslos wird beim Bedienen im Volume-Modus die Lautstärke angehoben oder abgesenkt. Die maximale Lautstärke entspricht hierbei auch der Lautstärke bei ausgeschaltetem Pedal.

Achtung: Bleibt es als Volumen-Pedal an gleicher Position wie das Wah, dann agiert das Pedal wie das Volume an der Gitarre, im FX-Loop wie das Mastervolumen des Amps.

Das bleibt hängen

Mit seinem Kompaktformat, dem schnörkellosen Klang und einem Straßenpreis von knapp 60 Euro ist das Fame WH-1 Mini Wah Volume ein empfehlenswerter Test-Kandidat für Gitarristen, die ihr bereits gut gefülltes Pedalboard um einen oder beide Effekte, die dieses Pedal zu bieten hat, erweitern möchten.    

Stefan Helferich

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Test & Technik Mon, 14 Dec 2020 12:20:30 +0100
Fame Ocean Verb & Phaser & Analog Delay (guitar Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-ocean-verb-phaser-analog-delay-guitar-test https://guitar.de/lesen/test-technik/fame-ocean-verb-phaser-analog-delay-guitar-test

Die Erweiterung der Klangpalette macht Spaß, ist aber auch häufig mit hohen Kosten verbunden. Die Fame-Mini-Pedale sind eine günstige Alternative, das Repertoire zu erweitern. Drei Modulationseffekte nehmen wir genauer unter die Lupe.

Wenn auf dem Pedalboard kein Platz mehr ist, zum Traumsound aber noch ein Effekt fehlt, muss entweder ein neues Board her oder Platz geschaffen werden. Aber von welchem Pedal verabschiedet man sich schon freiwillig? Von keinem. Das muss auch gar nicht sein, denn mit den immer hipper werdenden Mini-Pedalen schlägt Fame, die Hausmarke des Kölner Music Store, in die kleinen Lücken auf dem vollbesetzten Brett. Die Klangpalette bietet alles, was das Herz begehrt. Wir nehmen ein Reverb, ein analoges Delay und einen Phaser genauer unter die Lupe.

Alle drei Effekte haben zwei Dinge gemeinsam: Die ultra-kompakte Größe, die ungefähr drei Vierer-Steinen von Duplo entspricht sowie ein robustes Metallgehäuse. In knalligen Farben sind sie auf dem Pedalboard außerdem gut voneinander zu unterscheiden. Die Fußschalter knacken ordentlich beim Drauftreten – ein Indiz für mechanische Schalter. Logisch, sonst wird’s nix mit dem angekünigten True-Bypass. Die kleinen Regler könnten bei härteren Fußtritten allerdings durchaus auf Reisen gehen, ein wenig Vorsicht ist bei Pedalen dieser Größenordung doch geboten. Die Effekte werden über ein Standard-9V-Netzteil mit Strom versorgt, ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Für die Batterie ist schlicht kein Platz.

Rock’n’Roll & Surf

Das Analog-Delay hat, wie der Name verrät, einen vollständig analogen Signalweg. Das deutet, im Gegensatz zu

digitalen Delays, auf kurze Delay-Zeiten hin. Diese betragen beim Fame-Pedal 20 bis 300 Millisekunden. Der Effekt ist mit den drei Reglern Time, Echo und Feedback leicht zu bedienen. Time regellt die Delayzeit, Echo bestimmt die Lautstärke des verzögerten Tons, der wiedergegeben wird und Feedback regelt die Zahl der replizierten Töne. Durch die kurze Delayzeit eignet sich das Pedalperfekt, um Melodien anzufetten oder für ein knackiges Slapback-Echo. Das Delay klingt dabei sehr warm und überrascht mit seiner guten Qualität. Für Rock‘n‘Roll oder Surf-Sounds ist das Pedal eine echte Empfehlung.

Das Fame-Ocean-Verb ist ein Reverb-Pedal, das gleich drei verschiedene Modi anbietet: Room, Spring und Shimmer. Alle drei Hall-Effekte werden mit den Regler Decay, Mix und Tone eingestellt. Decay und Mix bestimmen dabei die Intensität und Klangfarbe des Halls, mit dem Mix-Poti kann das trockene Signal hinzugemischt werden.

Das Spring-Reverb simuliert einen klassischen Federhall. Mit einem röhrenbetriebenen Hall sollte man den Effekt nicht vergleichen, denn daran reicht das Fame-Pedal nicht heran. Es vermittelt vielmehr das Gefühl, einen solchen Hall zu spielen, der Klang bleibt hinter den Erwartungen zurück. Der Shimmer-Effekt soll für sphärische Sounds sorgen, bei denen der Ton durch eine Modulation der Obertöne lang gehalten wird. Dies gelingt dem kleinen Treter leider gar nicht. Somit stellt der Room-Modus am ehesten zufrieden. Dem Ton wird ein leichtes Raumgefühl beigemischt, was sich in einem breiten Ton äußert.

Phasen mit Eddie

Genesis, Pink Floyd oder Van Halen – sie alle haben den Phaser wirkungsvoll eingesetzt. Dementsprechend orientiert sich der Phaser von Fame am berühmten Phase 90 von MXR. Ein Regler zur Einstellung der Geschwindigkeit reicht, um interessante 

Sounds zu produzieren. Ein Schalter switcht zwischen Vintage und Modern. Dabei scheint der moderne Phaser schneller zu agieren als die Vintage-Version. Der Sound wird um eine interessante Klangfarbe ergänzt und die Intensität ist genau richtig, um das Repertoire hörbar zu erweitern.

Das bleibt hängen

Mit den Modulationseffekten von Fame kann das Pedalboard für kleines Geld erweitert werden. Die Pedale sind zumindest äußerlich robust und lassen sich leicht auf engen Boards platzieren. Das analoge Delay liefert warme, gute Sounds, die jeden Rock’n’Roll-Klassiker neu aufleben lassen. Vor allem das Slapback ist mal richtig knackig! Das Ocean Verb überzeugt vor allem mit seinem guten Raumhall – die beiden anderen Modi sind in meinen Augen Geschmackssache.

Der Phaser ist dagegen ein As im Ärmel, der Phaser-Freunde glücklich macht. Letztlich muss aber jeder selbst entscheiden, welcher der drei auf dem Pedalboard die ihm zustehende Lücke findet. Ein persönliches Antesten ist zu empfehlen, bei den Preisen auch gefahrlos möglich.    

Jens Prüwer

Den kompletten Test könnt ihr auch in guitar 06/2019 nachlesen – direkt bei uns im PPV-Online-Shop nach Hause bestellen!

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Test & Technik Tue, 01 Dec 2020 12:59:25 +0100
Test: Taylor Guitars Grand Theater GTe https://guitar.de/lesen/test-technik/test-taylor-guitars-grand-theater-gte https://guitar.de/lesen/test-technik/test-taylor-guitars-grand-theater-gte

Großes Kino… äh …Theater!

Klein und handlich, das muss eine Travel-Gitarre sein. Aber die GS Mini schaut anders aus, was ist da los? Andy Powers war wieder los und hat mal eben eine neue Korpusform bei Taylor etabliert. Was auch sonst? Vorhang auf für die neie GTe, die Grand Theater!


Kleiner Einblick in den Redaktionsalltag – virtueller Launch der neuen Grand Theater

Die Grand Theater ist Taylors neue Korpusform, die auch sonst neue Wege geht. Dabei sprechen wir vom Holz, vom Bracing und auch vom Klang. Die Einordnung in den Korpusreigen lässt sich schnell und einfach vornehmen. Die GT leiht sich die Formgebung bei der Grand Orchestra, Taylors großvolumigstem Korpus, skaliert diesen aber soweit runter, dass sich die GT nun zwischen der Grand Concert (kleinster Full-Size-Body bei Taylor) und der GS Mini (Taylors Travel-Variante) einordnet. Untenrum ist die GT annähernd gleich zur Grand Concert, der Korpus ist aber kürzer, das obere Drittel ein wenig gedrungener. Das verleiht der Gitarre ein sehr kompaktes Erscheinungsbild, sie wirkt tatsächlich ziemlich klein.


Davon sollte man sich nicht täuschen lassen, kleine Korpusse sind vielleicht nicht so laut wie eine Dreadnought, dafür sind sie oft präziser und differenzierter in der Tonwiedergabe. Selbstredend ist die gesamte Gitarre aus massiven Hölzern. Für Boden und Zargen kommt Urban Ash zum Einsatz. Dieses Holz ist Taylors Nachhaltigkeitsgedanke entsprungen. Alte Eschen, die in Südkalifornien zur Stadtbegrünung gepflanzt, in Ruhe gewachsen und am Ende ihres Lebens bisher schlicht gemulcht und zu Hackschnitzeln verarbeitet wurden, geben ein mehr als passables Tonholz ab, so die Theorie.

In die Praxis umgesetzt sind die Eschen aus der Stadt vom Klangcharakter mit Mahagoni zu vergleichen, so Andy Powers. Und wer schon mal eine anständige Fichtendecke in Kombination mit Mahagoni gehört hat, der vermutet zurecht, dass es hier wärmer und vollmundiger zugeht. Mahagoni hat meist nicht diese ganz klaren Höhen, es ist tendenziell weniger präzise, dafür eben wärmer vom Klangcharakter her. Jetzt ist das hier natürlich kein Mahagoni, aber wenn man schon den Vergleich auf Seiten des Herstellers bemüht …

Kleiner Korpus …

Langer Rede kurzer Sinn, die GT ist optisch ein zurückhaltendes Instrument, ein schwarzes Purfling um die Decke, weiße Kunststoff-Inlays, ein schwarzer Tusq-Sattel, hauseigene gekapselte Tuner und eine Drei-Ring-Rosette aus Koa rund ums Schallloch, und das war es dann auch schon. Dass die GT ein neues Bracing bekommen hat, das sieht man von außen nicht. Powers hat seinem V-Class-Bracing ein Update spendiert und es hinsichtlich Low-End für diesen Gitarrenkorpus optimiert. Das neue Bracing hört auf den den Namen C-Class-Bracing und ist ein asymmetrisches. Dass der Mann weiß was er tut, ist nichts Neues, und auch hier passt das einfach: die Grand Theater hat eine gehörige Menge warmer Bassanteile, was ehrlich gesagt nicht zu meinen Erwartungen gepasst hat. Gut, ich lass mich gerne positiv überraschen.

Erfreulicherweise ist der Nachhaltigkeitsgedanken nicht am Korpus zu Ende. So kommt hier kein Palisander oder Ebenholz für Griffbrett und Steg zum Einsatz, sondern Eukalyptus. Ebenso aus Eukalyptus fertigt man das Kopfplattenfurnier, welches das dezente Taylor-Logo trägt. Lediglich für den Hals kommt Mahagoni zum Einsatz. Gemessen an sonst gängigen Holzkombinationen ist hier verschwindend wenig Tropenholz im Einsatz – geht doch!

Auf das Eukalyptus-Griffbrett verteilt sind 20 Bundstäbchen mittleren Formats, die Mensur beträgt 24,125“, was im metrischen System  (also da wo man Royale zu ’nem Quarterpounder mit Käse sagt, ihr erinnert euch, „Pulp Fiction“) einer Länge von 61,28 Zentimetern entspricht. Veranschaulichen kann man sich das so: die Mensur entspricht der einer 25,5“-Mensur-Gitarre mit Kapodaster am ersten Bund. Demzufolge sind auch die Saiten weniger straff, der aufgezogene .012er-Satz von Elixir spielt sich, als ob man einen Halbton runtergestimmt oder .011er-Saiten aufgezogen hätte – einfach weniger straff. Demzufolge spielt sich das Ganze wie Butter, auch Bendings sind drin, natürlich mit ein wenig Kraftanstrengung, klar, es ist und bleibt eine Akustikgitarre – wenn auch eine der am komfortabelsten zu bespielenden.

… großer Klang

Fingerpicking, Strumming, dezente Begleitung oder klar akzentuierte Singlenote-Linien – welches Schweinderl hätten’s denn gern? Mein lieber Herr Gesangsverein, das ist in der Tat beeindruckend. Klare Bässe paaren sich mit einer tragfähigen Mittenbasis, die sich durchzusetzen vermag, gleichsam aber recht dezent ans Werk geht. Die GT ist, auch dank der weichen Höhen, keine „Mittenfräse“, wie manche Parlor, sondern tendenziell als komplett zu bezeichnen. Der Gesamtcharakter ist gutmütig, es wird nicht spitz oder aufdringlich, die GT präsentiert sich aber durchgehend als dynamisch und kraftvoll agierendes Instrument.

Sie erinnert wenig an andere Taylor-Instrumente, viel eher öffnet Powers – mal wieder ist man versucht zu sagen – eine neue Schublade potenzieller neuer Sounds und Klänge. Traditionellerweise gibt es die GT mit und ohne Preampsystem. Die GTe kommt mit Taylors hauseigenem Preamp, dem Expression System 2, das mit den Reglern Volume, Bass und Treble die grundlegenden Parameter regelbar macht und die Grundcharakteristik der GT passgenau wiedergibt. Dennoch, der warme unverstärkte Klang ist in seiner Komplexität einfach nicht adäquat mit einem Piezo abzubilden. Für die Bühne und als On-Top-Spur zu einer guten Mikrofonierung ist das aber mehr als einsetzbar, keine Frage.

Das bleibt hängen

Andy Powers wird nicht müde, Taylors Gitarrenuniversum neue Modelle hinzuzufügen und permanent an allen möglichen Schrauben zu drehen. Dass das funktoniert, dafür ist die neue Grand Theater ein weiterer Beleg. Die kleine Grand Theater ist klanglich ziemlich groß und ziemlich eigenständig. Mal schauen, was Andy als nächstes einfällt. Ach so, das Fazit: tolle Gitarre, bitte einpacken, nehm ich mit!    

Stephan Hildebrand

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Test & Technik Wed, 25 Nov 2020 14:25:48 +0100
Two Notes Torpedo Captor X (guitar Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/two-notes-torpedo-captor-x-guitar-test https://guitar.de/lesen/test-technik/two-notes-torpedo-captor-x-guitar-test

NAMM 2020, kurz bevor die Welt anfing den Atem anzuhalten, hat die eine oder andere Überraschung hervorgebracht. Manche davon sind in Zeiten von Ghost-Konzerten und Lockdown-Szenarien sogar umso nützlicher geworden. Logisch ist Homerecording eine Ausflucht für viele Musiker geworden. Für die, die ihre Röhren-Amps nicht mehr ausführen können, der „white Knight in shining Armor“.

Und das ist das erste was ins Auge fällt, oder sollte man sagen leuchtet? Das gusseiserne Gehäuse hat dasselbe Format wie die Captor-Vorgänger, ist nun aber in Weiß mit schwarzer Beschriftung gehalten, in der Farbe also umgekehrt im Vergleich zu vorher. Man sieht die Schmuckschatulle also schon von weither und ganz ehrlich: das Auge isst nicht nur mit, sondern holt sich so viel Nachschlag, dass die folgenden Tage gefastet werden muss. Elegant, cool, stilvoll. Punktlandung in Sachen Design. Die Verarbeitung steht der brachialen Brot-Box in nichts nach. Ähnlich wie bei allen anderen Geräten der Firma, wird hier auf Praktikabilität und Roadtauglichkeit gesetzt. 

War mit dem C.A.B. M kurz zuvor noch eine sinnvolle Erweiterung zum Torpedo Captor erschienen, vereint die neue Captor-Version, der „X“, beide Geräte zu großen Teilen miteinander. Ein vollwertiger Captor bleibt der Captor X ohne Zweifel, hier wurden keine Kompromisse gemacht. Seit einem Update ist der Captor X sowohl mit Sechzehn- als auch mit Acht-Ohm-Widerstand zu haben. Der neue Captor wurde in Richtung von Impuls-Antworten und Simulation erweitert und hat damit einige, digitale Feature des C.A.B. M übernommen. Hatte der Captor (4/8/16 Ohm) noch einen extra Attenuator-Ausgang, der das Ausgangssignal um 20 Dezibel verringert, so löst der Captor X die Aufgabe mit nur einem Speaker-Ausgang und einem Drei-Wege-Kippschalter, der dB-Dezimierung zwischen Low (- 38 dB), Full und einer Zwischenstufe (- 20 dB) anbietet.

Im Gegensatz zum Vorgänger finden sich am „X“ zwei und nicht nur ein XLR-Ausgang, die mit einem Ground-Lift-Button Brummschleifen eliminieren. Mittels der zwei Ausgänge können getrennte oder Stereo-Signale entweder an das heimische Audio-Interface gesendet werden oder in der Live-Situation an das Soundboard und oder direkt in/an das Monitoring. Mittels „Torpedo Remote“ (dazu später mehr), beziehungsweise der optionalen Software (im Preis enthalten), können die Ausgänge um eine Boxen-Simulation erweitert werden, respektive das über die Ausgänge ausgegebene Signal. Selbiges gilt natürlich für die reine Verwendung der Ausgänge am Interface. So können ein unbearbeitetes Signal plus ein um Cab Sim erweitertes Signal parallel aufgenommen werden – hieraus ergibt sich logischerweise ein ganzes Feld an netten Möglichkeiten mit Stereo-Signal zu arbeiten.

Der neue Phones-Ausgang ermöglicht beispielsweise in einer Probe- oder Homerecording-Situation ein einfaches Monitoring. Zur einfacheren Handhabung des Ausgabesignals liegen nebst/über dem Phones-Ausgang vier Regler und ein Schalter bereit. Die Regler „Out Level“ (Ausgäbe-Lautstärke für Phones- und XLR-Ausgänge), „Voicing“ lässt den Ton des Ausgabe-Signals bearbeiten, um die Klangfarbe zu beeinflussen. Mit „Space“ lässt sich der „Raum“, beziehungsweise der Stereo-Effekt des Ausgabesignals beeinflussen. Mittels dem sechsstufigen „Preset“-Regler lassen sich sechs verschiedene Boxen- und Mikrofonierungs-Presets anwählen. Die vorinstallierten Presets sind etwas gewöhnungsbedürftig, ist aber ja kein Problem, da mittels der Mikro-USB-Schnittstelle auf eine mehr als ausführliche Palette an Optionen zugegriffen werden kann, die in der dazugehörigen Software über einen Desktoprechner, Laptop, Pad oder Smartphone verändert werden können.

Auch können natürlich eigene Impuls-Antworten (IRs) auf das Gerät geladen werden. Das ist ganz subjektiv betrachtet ein klasse Feature. Im eigenen Studio oder Schlafzimmer sind den eigenen Soundwünschen mittels der USB-Schnittstelle und Software keine Grenzen gesetzt. Für jemanden, der ein gestörtes Vertrauensverhältnis zu Gerätekontrolle über das Telefon oder den Rechner hat (speziell in einer Live-Situation), sind die sechs Preset-Optionen, eine seelische Wohltat. Das einzige Vertrauen, was hier von Nöten ist, ist das gegenüber den jeweiligen Klinken- und XLR-Kabeln, sowie dem mitgelieferten zwölf-Volt-Netzteil. Noch etwas: hinter den Kühlrippen auf der Seite des Kopfhörerausgangs verbergen sich Indikator-LEDs, die eine Überseteuerung des Eingangs- und Ausgangssignals anzeigen – das Auge isst also auch hier mit.

Das bleibt hängen

Torpedo Captor X FactsWir haben es hier also mit einem Attenuator, Impuls-Antwort-Speichergerät, Loadbox und alles in allem Tausendsassa für Live- und Recording-Aktivitäten (oder beides gleichzeitig) zu tun, der solide verbaut ganz dekadent auch als Türstopper funktionieren würde. In Verbindung mit der Software bleiben keine Wünsche offen und unbeantwortet. Die klangliche Qualität der mitgelieferten IRs, Mikrofon-Emulierung und Effekte, ist über jeden Zweifel erhaben. Für den absolut gerechtfertigten Preis von 550 Euro, der auch in etwa dem zusammengerechneten Preis des Captor 4/8/16 und C.A.B. M entspricht, bekommt man eine platzsparende kleine Box in fabelhaftem Design, die nicht nur Live- und Recording-Wünsche befriedigt, sondern darüber hinaus auch inspiriert. Hier wurde an alles gedacht, als Schnittstelle in fast jeder Situation einsetzbar, ist der Captor X eine Punktlandung – speziell im Hinblick auf den zuvor erwähnten Trend des Homerecordings. Intuitive Handhabung inklusive. Einfach klasse.    

Phil Zeppenfeld

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Test & Technik Tue, 03 Nov 2020 12:03:33 +0100
Taylor American Dream AD-17E Blacktop (Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/taylor-american-dream-ad-17e-blacktop https://guitar.de/lesen/test-technik/taylor-american-dream-ad-17e-blacktop

Taylor Guitars sind mit Werken in El Cajon in Kalifornien und Tecate, Mexiko zweifellos eine der großen Nummern im Gitarrenbau. Dass Firmengründer Bob Taylor nicht nur ein versierter Gitarrenbauer ist, sondern auch ein Händchen für Personal hat, das sieht man an der Wahl seines Nachfolgers im Bereich Gitarrenentwicklung und -bau: Andy Powers. Der treibt Taylors Vermächtnis voran, ist kreativ, hinterfragt eigentlich alles im Gitarrenbau und präsentiert als Ergebnis durch die Bank tolle Instrumente. Nun also die American Dreams, vorliegend in der Variante AD17e Blacktop.

Beginnen wir am Anfang, mit der Namensgebung. „American Dream“ war der Name des Gitarren-Shops, in dem Bob 1974 Taylor Guitars ins Leben rief. Nun führt man diesen Namen in die Zukunft, man nutzt ihn in Zeiten der aktuellen Pandemie als eigenen Referenzpunkt, als Orientierungspunkt und nun steht diese Bezeichnung für die günstigste vollmassive Taylor Made in USA.

Der Begriff „Blacktop“ ist schneller erklärt, hat man der massiven Fichtendecke schlicht ein schwarzes Matt-Finish verpasst, was sich hervorragend mit den massiven Zargen und dem massiven Boden, allesamt aus Ovangkol macht. Übrigens nicht nur in optischer Hinsicht, denn auch klanglich ist die Kombination aus Ovangkol und Fichte eine relativ ausgewogene. Die Mitten sind nicht überpäsent, die Bässe warm, aber nicht zu drückend, die Höhen packen zu und sorgen für das entsprechende Topping in den Höhen.

Der Bespielbarkeit zuträglich sind die abgerundeten Kanten des Korpus, der Anschlagarm findet keine Kante vor, sondern eben eine smoothe Rundung. Unterhalb der Decke findet sich das V-Class-Bracing, das auch hier für eine klare Tonformung und eine saubere Intonation sorgt. Immer wieder beeindruckend, mit welcher Dynamik und Sensibilität das V-Class-Bracing auf Anschlagstärke und -position reagiert. Jede Note, die am Mahagoni-Hals mit Eukalyptus-Griffbrett (!) gegriffen wird, drängt mit klarer Artikulation nach vorne, sie hat stets Fülle und Sustain, Deadnotes sind quasi nicht vorhanden, auch das einer der Verdienste des V-Class-Bracings.

Jetzt ist das alles zusammen genommen nicht, was einen bei einer Taylor Made in USA wundert, nur dass das eben aus einer der schlichtesten Taylor-Gitarren überhaupt kommt.

Hier gibt’s keine aufwendigen Verzierungen, kein opulenter Schnickschnack, selbst das Schlagbrett ist schwarz, die Schalllochrosette ist einlagig und die Griffbrett-Inlays sind in Form von schlichten Kunststoff-Dots realisiert – totales Understatement. Und das steht der Blacktop hervorragend zu Gesicht.

Klanglich präsentiert sie sich ausgewogen, Strumming und Fingerpicking meistert sie bravourös, wenngleich sie mir beim Fingerpicking eine Spur besser gefällt. Warum? Recht schnell erklärt, denn die spritzige Dynamik, die sich gerade auch beim Wechselbass mit Daumenanschlag zeigt, ist eine Ohrenweide. Das macht Spaß, kann man nicht anders sagen.

Dass die AD17e Blacktop das Tayloreigene Tonabnehmer-System ES2 spendiert bekommen hat und dass selbiges seit Jahren zuverlässig und praxisnah abliefert, das ist beinahe nur eine Randnotiz.

Das bleibt hängen

Taylors Konzept, mit den Instrumenten der American-Dreams-Serie ein komplett in USA aus massiven Hölzern gebautes Instrument anzubieten, geht komplett auf. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche, bleibt der Fokus auf dem, was ein Instrument ausmacht:  Bespielbarkeit, Klang und die Fähigkeit, den Musiker zu Kreativität und ganz simpel zum Spielen anzuregen.

Facts

Modell: Taylor American Dream AD-17E Blacktop
Herkunft: USA
Boden/Zargen: Ovangkol, massiv
Decke: Fichte, massiv
Hals: Mahagoni
Grifbrett: Eukalyptus
Bünde: 20
Sattel:
Sattelbreite: 44,4 mm
Mensur: 648 mm
Hardware: Taylor Nickel-Mechaniken
Preamp: Taylor Expression 2
Regler: Volume, Bass, Treble

Linkshänder: nein
Internet: www.taylorguitars.com
Empf. VK-Preis: 1.855,- €

Foto: Taylor Guitars

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Test & Technik Tue, 13 Oct 2020 12:29:54 +0200
Fender Player Lead II & III (Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/fender-player-lead-ii-iii-test https://guitar.de/lesen/test-technik/fender-player-lead-ii-iii-test

Mit der Lead Series stellte Fender 1979 zwei Modelle vor, die sich preislich vor allem an Anfänger richten sollten. Das Modell II sowie der „Nachzügler“ III von 1981 werden nun als Fender Player Leads im schicken, neuen Gewand neu aufgelegt. Ganz eindeutig: Das sind Fender-Gitarren! Beiden Player Leads gemein ist ihre Strat-ähnliche, schlanke Lead-Korpuskonstruktion mit doppeltem Cutaway, zwei Potis für Volume respektive Tone, jeweils zwei Toggleswitches (auf deren Funktion wir gleich noch eingehen), sowie die klassische Fender-Kopfplatte.
 

Fender Player Lead II & Lead III
Foto: Nicole Marek


Die originale Lead Series war 1979 übrigens der Wendepunkt, an dem sich Fender wieder dem schmaleren Kopfplatten-Design zuwandte. Und das, obwohl wir doch alle wissen, dass die große 70er-Jahre-Kopfplatte um Längen cooler aussieht! Stimmt’s Stephan? [Abmahnung! – der Chefred.]
 

Fender Player Lead II & Lead III
Foto: Nicole Marek

Was ist neu?

Den ersten optischen Unterschied bemerkt man bei der Betrachtung des Griffbretts: Bei der Lead III besteht das auf den eingeschraubten Ahornhals aufgeleimte Griffbrett aus Pau Ferro – im Gegensatz dazu kamen die Originale damals noch wahlweise mit Palisander-Griffbrett oder einem einteiligen Ahornhals daher –, während die Lead II lediglich über die einteilige Ahorn-Variante verfügt.
Damals wie heute finden auf beiden Griffbrettern 22 sauber verarbeitete Medium-Jumbo-Bünde Platz; das Halsprofil selbst wurde für die Neuauflage auf ein modernes C mit einem Radius von 9,5 Zoll geschliffen, das den Hals hervorragend in eure Hände schmiegt. Man hat immer noch was zum zupacken, aber auch kleinere Hände sollten ohne große Anstrengung jeden noch so anspruchsvollen Jazz-Akkord umsetzen können.

Gab Fender sich Ende der Siebziger farblich mit Finishes in Schwarz und Weinrot noch eher bedeckt, gesellen sich mit den Neuauflagen flippige Varianten in Neon-Grün (Lead II) sowie Purple Metallic, Olympic White und Sienna Sunburst (Lead III) zu den Klassikern – allesamt aus Gloss-Polyester-Lack und äußerst stylisch. Da ist sicher für jeden Geschmack was dabei.
Das dreilagige, schwarze Griffbrett harmoniert damit hervorragend, auch die simplen schwarzen oder weißen (je nach Griffbrett) Dot-Inlays unterstreichen die unaufgeregte, schlichte Coolness dieser Gitarren, die eben schon damals nicht für Zahnärzte sondern für den Tankstellenwart mit Bierflecken auf der zerschlissenen Latzhose … ok, ich glaube, ich drifte ab – was ich meine, ist: Schlichtes aber cooles Design weil günstig, Ton eh wichtiger.

Fender Player Lead II & Lead III
Foto: Nicole Marek

Was hier Phase ist

In dem ebenfalls an beiden Modellen verbauten Korpus aus Erle findet sich der größte Unterschied zwischen Lead II und III: die Pickupbestückung. Die Nummer II ist mit zwei schräg eingesetzten Player-Series-Singlecoils mit Alnico-V-Magneten ausgestattet, die sich – und jetzt kommen wir endlich zu den kleinen Toggle-Schaltern – „out of phase“ schalten lassen.
Zur Erklärung: Normalerweise haben Pickups ihre Masse und ihren „heißen“ Ausgang jeweils am gleichen Ende der jeweiligen Pickup-Spule. So verstärken sich die Signale der Pickups gegenseitig und produzieren einen vollen Sound, wie wir ihn kennen.

Schaltet man in der Mittelstellung mit beiden Pickups aktiv nun einen davon „out of phase“ – dreht also Masse- und heißen Anschluss um –, arbeiten die Pickups quasi gegeneinander und löschen gegenseitig ihre Frequenzen aus. Auf den Sound hat das einen nicht unerheblichen Einfluss, aber dazu gleich mehr.
Direkt daneben sitzt ein klassischer 3-Wege-Toggle für die Wahl der Pickups. Steg, Steg&Hals sowie Hals alleine stehen hier erwartungsgemäß zur Verfügung. Die Saiten führt eine Hardtail-Brücke mit sechs Reitern durch den Korpus Richtung Sattel aus synthetischem Knochen. Ein Tremolo-System ist heute wie damals nicht vorgesehen.

Fender Player Lead II
Foto: Nicole Marek

Lead II

Sound-technisch bekommt man bei der Lead II, was man sich unter einer Fender mit Singlecoils so vorstellt: Der Stegtonabnehmer springt wahnsinnig schnell an und liefert uns ein spritziges, knackiges Attack mit geringem Bassanteil, dass sich clean besonders für funkige Grooves oder Country-Licks eignet und sich verzerrt im Solo durch jeden Mix schneidet.
Der Halspickup tönt derweil sehr offen und luftig, orientiert sich im Frequenzspektrum eher Richtung Mitten und lässt sich für Riffs der Marke Deep Purple ebenso gut einsetzen wie für poppiges Picking á la Coldplay & Co. Am rundesten und wärmsten klingt die Kombination beider Pickups in der Nicht-„out of phase“-Stellung. Wer gerne breite Akkordflächen legt, wird hier glücklich.

Mit einem Griff zum Phasenumschalter wird es plötzlich richtig hell und glockig, fast möchte man sagen dünn. Deutlich weniger Mitten, dafür präsente Höhen, die zum Glück nie zu spitz daher kommen, prägen das Klangbild. Wie wir oben geklärt haben, ist das nicht allzu verwunderlich.
Ein fetter Rundum-Sound ist nie das Ziel einer Phasenumkehrung, der resultierende hohle Sound ist definitv Geschmackssache, fügt der ohnehin schon üppigen Soundauswahl aber nochmal eine spezielle Klangfarbe hinzu.

Fender Player Lead III
Foto: Nicole Marek

Lead III

Die Schwester Lead III mit ihren beiden Player-Series-Humbuckern (Alnico II) wurde ebenfalls mit zwei Toggleswitches versehen. Einer wählt wiederum die Pickups an, der andere jedoch lässt euch die Humbucker coilsplitten. In Mittelstellung wird gar nicht gesplittet, nach unten geschaltet teilt ihr den Steg-Humbucker entzwei, nach oben eben den am Hals.
Beide Tonabnehmer simultan als Singlecoils sind nicht vorgesehen, dafür kann man in der Mittelstellung des Pickupwahlschalters Kombination wie Steg-HB und Hals-SC oder eben Hals-Humucker und Steg-Singlecoil anwählen – das hätte auch Keith Richards gefallen.
Am Verstärker angeschlossen bestätigt sich das, was wir von einer Humbucker-Gitarre erwarten: weniger Attack, mehr Sustain. Der Sound der Lead III fällt also insgesamt runder und wärmer aus, ohne aber wie bei manchen Mahagoni-Gitarren mit eingeleimtem Hals zu breit und schwammig zu werden.

Im Vergleich

Er behält sich derweil den nötigen Punch, um zackige Achtelriffs akzentuiert durch den Verstärker zu ballern und präsentiert sich clean wie verzerrt ausgewogen und mit kräftigen Bässen. Der Stegtonabnehmer ist dabei der höhenreichere der beiden Kollegen, wobei die Unterschiede nicht so stark ausfallen wie beim Singlecoil-Modell.
Splittet man nun Steg- oder Halstonabnehmer, fühlt man sich im ersten Moment durchaus an die Sounds der Lead II erinnert, die ja abgesehen von den Pickups über größtenteils gleiche Specs verfügt. Dennoch bleibt der Klang der geteilten Humbucker erwartungsgemäß etwas hinter den „richtigen“ Singlecoils zurück.

Zwar lassen sich auch so funkige Licks am Steg zocken oder cleane Pickings im Mix etwas aufhellen. Im Vergleich kommt die Split-Variante aber ein wenig dünner daher. Als zusätzliches Klangangebot zu den Humbucker-Sounds wollen wir das nicht schmähen, denn wie schon bei ihrer Schwester, ist so aus der Lead III einiges an unterschiedlichen Sounds rauszuholen. Wer generell aber mehr auf Singlecoils steht, der greift am besten direkt zur Lead II.
 

Das bleibt hängen

Fenders Neuauflage der Lead Series unter dem neuen Namen Player Leads beweist eine Menge Treffsicherheit. Eine üppige Soundauswahl, dank cleverer Features wie Out-of-Phase-Schaltung bei der Lead II oder Coilsplitting bei der Lead III, knallige neue Farben sowie eine astreine Verarbeitung machen die Schwestern Lead II und Lead III zu Allround-Werkzeugen nicht nur für Anfänger.
Abseits der üblichen Telecaster- und Stratocaster-Welten gibt es hier eine ganze Mene Fender-Flair. Und für knapp 700 Euro kann man daran ja kaum was auszusetzen haben. Das solltet ihr ausprobieren.

Text: Alexander Pozniak

Fender Player Lead II & Lead III Facts

Fender Player Lead II & Lead III Facts

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Test & Technik Wed, 23 Sep 2020 14:25:42 +0200
Electro Harmonix Triangle Big Muff Pi (Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/test-ehx-triangle-big-muff-pi https://guitar.de/lesen/test-technik/test-ehx-triangle-big-muff-pi

 

Kein Effektpedal hat derartigen Kult wie die unterschiedlichen Versionen des Big Muff Pi. Mit der Neuauflage der Triangle-Version ist Electro-Harmonix nun sogar den Anfängen der eigenen Firmenhistorie auf der Spur.

Der erste produzierte, von Bob Myer und Mike Matthews entwickelte Big Muff Pi ist aufgrund seiner Regleranordnung als Triangle-Version berühmt geworden. Und zweifelsfrei ein klanglicher Meilenstein im Pedalbereich! Entsprechend gesucht und kostspielig sind die Originale, die zwischen 1969 und 1973 in New York produziert wurden. Grund genug für den umtriebigen Hersteller, diesen Klassiker neu aufzulegen.

Das robuste Pedal findet nunmehr in einem erfreulich kompakten Gehäuse Platz und ist nach dem Green Russian und Op-Amp bereits die dritte Big-Muff-Variante in diesem Jahr. Neben den obligatorischen Reglern Volume, Sustain und Tone verfügt das Pedal über eine True-Bypass-Schaltung sowie eine Status-LED für den Fußschalter. Das Gehäuse muss zum Batteriewechsel aufgeschraubt werden, lässt sich aber auch mit einem optionalen Standardnetzteil betreiben.

Electro Harmonix Triangle Big Muff Pi
Foto: EHX

Es wäre es falsch, vom Sound des Originals zu sprechen, denn der erste Big Muff Pi durchlief multiple Schaltungsrevisionen. Laut EHX hat der zuständige Entwickler mehrere Modelle aus den Jahren 1969 bis 1971 miteinander verglichen und deren spezifische Stärken vereint. Ohne dabei die generelle Schaltung infrage zu stellen. Insofern handelt es sich bei der Reissue um eine subjektiv abgestimmte Interpretation dieser Pedale, nicht jedoch um eine Eins-zu-eins-Kopie eines spezifischen Modells. Ein legitimer Ansatz, diese Schaltung wiederzubeleben.

Der Triangle Big Muff hat einen Fuzz-artigen Zerrcharakter, klingt also nicht unbedingt nach echter Röhrenverzerrung. Ein satter Crunch ist bereits bei der Nullstellung des Sustain-Reglers gegeben, weshalb reine Boosts nicht umsetzbar sind. Schnell nimmt die Zerrintensität deutlich zu, steigert sich aber im weiteren Verlauf des Regelwegs nicht mehr drastisch. Am ehesten gehört der Triangle Big Muff daher vor einen sauberen oder leicht angezerrten Verstärkerkanal.

 

Inwieweit der Ton fett und warm ausfällt, bestimmt der effektive Tonregler. Links von der Mittelposition klingt es für meine Begriffe zu dumpf. Rechts davon hat man aber noch genug Spielraum für die richtige Abstimmung von Bässen, Wärme und einer Schärfedosierung in Anpassung an das Instrument und den Verstärker.


Hohe Definition sollte man nicht erwarten. Stattdessen gibt eine fette, diffuse Zerre mit klarem Vintage-Charakter und guter Durchsetzungsfähigkeit. Im Bassbereich fällt der Triangle Big Muff eher fett aus. Nicht straff, sondern eher bauchig. Insbesondere Riffs erhalten ein gewisses Wummern, was Liebhabern von Vintage- und Stoner-Sounds und Doom sicher gefällt. Für besonderere Geschmäcker kann ich mir den Triangle Big Muff auch in Kombination mit einem Bass vorstellen.

Die herausragende Eigenschaft ist jedoch das massive hinzugefügte Sustain, das dieses Pedal zu einer guten Wahl für Melodielinien macht. Dabei lässt sich über den kräftigen Ausgangspegelregler durchaus ein Soloboost realisieren.

EHX legt den Triangle Big Muff Pi zu einem attraktiven Preis neu auf. Dabei darf man sich über ein fettes Pedal mit Vintage-Charakter freuen, der insbesondere Einzelnoten ein herrliches Sustain verleiht. Aufgrund der zahlreichen Varianten des Big Muff dieser Ära wird die Neuauflage sicher nicht den Hunger echter Sammler nach einem speziellen Original stillen. Dafür kann man sich dieses Pedal direkt aufs Board klemmen und loslegen …

Effekttyp: Distortion
Stromversorgung: 9V-Batterie/-Netzteil (optional)
Empf. VK-Preis: 109 Euro

Electro Harmonix


Text: Ulf Kaiser 

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Test & Technik Wed, 23 Sep 2020 11:04:07 +0200
Technik-Special: Die Wissenschaft der E-Gitarre https://guitar.de/lesen/test-technik/technik-special-die-wissenschaft-der-e-gitarre https://guitar.de/lesen/test-technik/technik-special-die-wissenschaft-der-e-gitarre

Teure Pickups, edles Holz und fachmännische Verarbeitung im Custom-Shop – ist das wirklich notwendig, um das Bestmögliche aus einer Gitarre herauszubekommen? Um das herauszufinden, forscht Manfred Zollner seit Jahren auf dem Gebiet der E-Gitarre.

Amps und Spealer
Foto: Mandred Zollner

Es ist nicht möglich, das charakteristische Klangverhalten eines Instruments auf nur einen Faktor zu reduzieren. Nur weil etwa der Hals geschraubt wurde, lässt sich daraus nicht zwangsläufig eine schnellere Ansprache ableiten. Die gibt es auch bei geleimten Hälsen, diverse Les Pauls machen es vor. Seit Jahren streitet man sich darüber, warum was wann wie klingt und wer nun ein besseres Gehör hat, um die feinen Unterschiede wahrzunehmen. Allzuoft gibt es auf diese Fragen und Probleme keine Antwort. Es gibt keine letzte Instanz; wer sollte das auch sein? Die Fachpresse, der Profimusiker, der Hersteller, man selbst? Wir trafen den Mann, der die Forschung rund um die E-Gitarre zu seinem Pioniergebiet gemacht hat. Manfred Zollner ist sein Name.

Auf der diesjährigen Jahrestagung für Akustik (DAGA) in Garching bei München gewährte er uns einen Einblick in seine aktuellen Forschungen: „Wir versuchen, die physikalischen Funktionen der Gitarre zu untersuchen, zum Beispiel die Funktionen der Saiten. Es gibt Vermutungen – und wir wollen diese mit wissenschaftlichen Untersuchungen belegen oder widerlegen. Ein heißes Thema ist auch der Tonabnehmer. Die Hersteller sagen, es müsste ein teures Teil für 200 bis 300 Euro sein, wir Wissenschaftler sagen: Das ist ein primitives Bauteil, das man für rund zehn Euro herstellen kann. Oder die Frage, was man tun muss, wenn man einen brillanten Klang will. Da spielt zum Beispiel die Länge des Kabels eine Rolle, oder viel wichtiger: die Lautsprecher.“

Manfred Zollner
Foto: Mandred Zollner

Weg mit den Mythen

Manfred Zollner ist außerhalb der Forschung dadurch bekannt geworden, dass er den ganzen Mythos rund um die elektrische Gitarre in Angriff genommen hat – und zwar aus einer wissenschaftlichen Perspektive. 2006 erschien „Physik der Elektrogitarre“. Ein Werk, das auf über 1.200 Seiten mit vielen Irrtümern aufräumt – und dies physikalisch belegt. Unter anderem konnte er im Labor widerlegen, dass Holz überhaupt ein nennenswerter Faktor für den Klang einer

Geballtes Wissen

Der Erfolg und das Interesse am Buch waren größer als erwartet. Zollner beschloss deshalb vor rund drei Jahren, das Forum „Gitec: geballtes Wissen zu E-Gitarre & Amp. Von Wissenschaftlern und Profi-Musikern“ zu gründen. Gemeinsam mit fünf weiteren Experten stemmt er dieses Mammutprojekt nun. Dabei stellt sich die elementare Frage: Ist ein oberflächliches Wissen denn fragwürdig? Muss ich als Gitarrist mein Instrument hundertprozentig verstehen, inklusive der technischen Seite? Manfred Zollner hat da eine diplomatische Antwort:

„Wir wollen nicht den Zauber nehmen. Wenn ein Musiker mit seinem Klang zufrieden ist, dann muss er sich nicht intensiv damit auseinandersetzen. Viele Gitarristen haben aber eine technische Ausbildung und möchten sich aufgrund ihres Hintergrundwissens näher damit beschäftigen. Für diese Menschen bietet Gitec entsprechende Literatur. Wenn jemand einfache Fragen hat, kann er sich natürlich auch bei uns melden.“

 

Testlabor für E-Gitarren
Foto: Mandred Zollner

Zwar gibt es entsprechende Foren, in denen sich Musiker untereinander austauschen können. Auf einem solch hohen, professionell-wissenschaftlichen Niveau wie bei Gitec gibt es das jedoch nicht. Tatsächlich könnte man in diesem Kontext fast von Fake-News sprechen, denn oft sind es wiederkehrende Mythen, gegen die Manfred Zollner ankämpft. „Insbesondere beim Thema Kabel denken viele, dass ein geflochtenes Kabel wichtig ist oder es eine bestimmte Richtung gibt, in der ein Kabel angeschlossen werden muss. Das liegt vor allem am Marketing; da wurden bewusst falsche Informationen gestreut, um einige Produkte besser zu verkaufen.“

Zurück zum Holz: Für die Optik sei es natürlich wichtig, alles andere sei nachweislich zweitrangig. Zollner erinnert sich an den gescheiterten Versuch eines Musikers, das Gegenteil zu beweisen: „Wir haben einen amerikanischen Gitarristen gefunden, der den klanglichen Unterschied zwischen verschiedenen Hölzern beweisen wollte. Er hat mit E-Gitarren aus verschiedenen Hölzern Audiodateien im Internet hochgeladen, um den Unterschied hörbar zu machen. Wir haben dann einen Blindtest mit Testpersonen gemacht – niemand konnte einen Unterschied bemerken.“

Viel sei Einbildung oder Wunschdenken. Es sei deshalb als Musiker wichtig, sich auf das eigene Gehör zu verlassen und sich nicht von Werbeversprechen oder Erwartungen verwirren zu lassen. „Phrasen wie ‚Die Gitarre klingt mittig‘ oder ‚Das Holz muss brillant klingen‘ sind subjektive Wahrnehmungen, die viele Gitarristen aber als Wahrheiten ansehen. Ich muss mich immer selbst von einem Klang überzeugen. Oft hängt es gerade bei Aufnahmen davon ab, wo das Mikrofon platziert ist, wie ich die Gitarre anschlage und so weiter.“

Über den Tellerrand

Nun hat Manfred Zollner schon einiges erreicht: Eine gewisse Reichweite mit Gitec, und er ist eine gefragte Stimme auf wissenschaftlichen Tagungen rund ums Thema Musik und Akustik. Ein zweites, gerade erst veröffentlichtes Buch mit dem Titel Elektroakustik für Bühne und Studio fasst rund 48 Veröffentlichungen zusammen, die in den drei Jahren der Gitec-Existenz entstanden sind. Die Frage ist nur: Schaffen seine Entdeckungen den Sprung über den wissenschaftlichen Tellerrand hinaus in die Praxis hinein?

„Man muss nicht sein ganzes Leben sparen, um sich für 5.000 Euro die Custom-Shop-Relic-Variante zu kaufen, sondern kann mit etwas Nachjustieren auch einen guten Sound aus einer günstigen Gitarre herausbekommen. Dieses Bewusstsein, dass die Preise oft übertrieben sind, ist auf jeden Fall bei den Gitarristen angekommen.“ Die Mystik bleibe aber bestehen – der Markt lebe eben auch von der Vintage-Begeisterung.

Gitec-Vortrag
Foto: Mandred Zollner

Das sei zwar aus physikalischer Sicht nicht immer zu begreifen, für Zollner dennoch nachvollziehbar. „Zwischen Emotionen und reinem Marketing-Bla liegt in der Tat ein weites Feld. Wenn ein Gitarrist seinen Sound gefunden hat und sich ein Verstärker für ihn wie ein zweites Ich anfühlt, dann werden ihm die physikalischen Klangauswertungen zu Recht herzlich egal sein. Gefährlich wird es allerdings, wenn in Fernost für ein geringes Budget eine minderwertige Röhre mit dem Logo des Originalherstellers angeboten wird, diese also letztlich nichts als eine schlechte Kopie ist.“

Eine Image-Frage

Durch die wachsende Konkurrenz und die immer höheren Anforderungen seien es inzwischen auch die einfachen und günstigen Produkte, die mehr leisten müssten. „Die Anforderungen an einen Transistorverstärker werden immer größer, dadurch wird der Klang immer besser. Für viele ist es auch eine Image-Frage, ob sie mit einem Röhren-Amp, einem Kemper oder einem Transistor dastehen. Technisch gesehen ist es sinnvoll, von den Röhren wegzukommen.“ Das tut manchem Gitarristen in den Ohren weh [auch in der Redaktion – d], für Zollner ist es eine wissenschaftliche Erkenntnis

Text: Natalie Meyer

 

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Test & Technik Wed, 23 Sep 2020 10:28:33 +0200
Taylor Guitars Builder’s Edition 324ce (Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/taylor-guitars-builder-s-edition-324ce-test https://guitar.de/lesen/test-technik/taylor-guitars-builder-s-edition-324ce-test

Taylor Guitars lassen sich ganz schön was einfallen, um Klang, Spielgefühl und Optik ihrer Instrumente zu optimieren und gleichzeitig auf nachhaltige Holzbeschaffung zu achten. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Builder’s Edition 324ce.Fast jede Gitarrenmanufaktur pflegt eine Sonderserie mit besonders hochwertig ausgestatteten Gitarren. Bei Taylor ist dies die Builder’s Edition (BE).

Taylor Builders Edition 324ce
Foto: Nicole Marek

Als Grundlage dienen Standardmodelle, die mit Highend-Zutaten zu außergewöhnlichen Instrumenten veredelt werden. Diese Veredelung betrifft aber keineswegs nur die Optik, vor allem Spielgefühl und Klang stehen im Fokus des Tunings.
Andy Powers, Taylors oberster Gitarren-Guru, begann mit ersten Versuchen in diese Richtung 2018 mit der 324ce.

Getreu Taylors Strategie, bei der Präsentation von Neuheiten bei den Top-Modellen zu beginnen, war es dann aber die Builder’s Edition K14ce, die als Erste das Licht der Gitarrenläden erblickte. Danach folgten die BE 517, die BE 717 und die BE K24ce. In diesem Jahr dürfen wir uns über vier weitere BE-Modelle freuen, die BE 816ce, die BE 912ce, die BE 652ce und schließlich die BE 324ce, mit der alles angefangen hat.

Taylor-Algebra

Kurz zur Taylor-Zählweise der Modellnamen: Die führende „3“ im Namen einer Standard-324 ordnet die Gitarre der preisgünstigsten Serie vollmassiver Gitarren im Taylor-Programm zu. Die 1er- und 2er-Serien besitzen laminierte Böden und Zargen.

Die 3er-Serie gliedert sich in zwei Varianten, eine mit Fichtendecke und Sapeli-Body (314) und eine zweite mit Mahagoni-Decke und Blackwood-Body (324). Die „4“ am Ende steht für den Grand-Auditorium-Korpus. Am Namenszusatz „ce“ erkennt man, dass die Gitarre einen Cutaway und ein Tonabnehmersystem besitzt.

Taylor Builders Edition 324ce
Foto: Nicole Marek

Esche aus der Stadt

Die Builder’s Edition der 324ce wartet bereits an dieser Stelle mit einer Besonderheit auf. Für Boden und Zargen verwendet man nämlich anstelle von Blackwood ein Holz, das Taylor unter dem Namen „Urban Ash“, zu Deutsch „Stadt-Esche“, als Warenzeichen eintragen ließ.

Bob Taylor ist schon seit vielen Jahren ein Vorreiter nachhaltiger Holzbeschaffung. Ausdruck hierfür sind unter anderem ein eigenes Ebenholz-Sägewerk in Kamerun, das für eine effektive und nachhaltige Gewinnung und Verarbeitung dieses Holzes sorgt sowie ein Werk in Hawaii, das Koa-Holz aus kranken und missgebildeten Bäumen requiriert.

Das Griffbrett der BE 324ce stammt denn auch aus dem Taylor-Werk in Kamerun. Irgendwann ist Bob Taylor aufgefallen, dass in amerikanischen Großstädten oftmals Eschen zur Stadtbegrünung gepflanzt werden. Wenn diese Bäume zu groß oder krank werden, oder wenn sie einer Bebauung weichen müssen, werden sie oft zu Hackschnitzeln verarbeitet.

Viel zu schade, meint Bob, immerhin eignet sich Esche sehr gut als Tonholz mit ähnlichen Klangeigenschaften wie Mahagoni. Das Eschenholz für die aktuelle BE 324ce Charge stammt übrigens aus San Bernardino.

Taylor Builders Edition 324ce
Foto: Nicole Marek

Spielkomfort pur

Die Decke der BE 324ce besteht ebenso wie der dreiteilige Hals aus Mahagoni. Sie ist im Taylor-eigenen V-Class-Bracing beleistet, was der Gitarre gleichzeitig mehr Lautstärke und Sustain verleihen soll. Außerdem verbessert es laut Andy Powers die Intonation.

Der an der oberen Zarge eingearbeitete Arm-Rest gewährt dem rechten Arm eine bequeme Auflagefläche. Ähnlich abgeschrägt ist der vordere Bereich des Cutaways, sodass man komfortabel bis zum letzten Bund greifen kann. Body und Hals sind in einem beeindruckend edlen, dunkelbraunen „Tobacco-Kona-Burst“-Finish gehalten, das in der Mitte der Decke die schöne Mahagoni-Maserung frei gibt.

Zargen und Boden sind recht dunkel lackiert, sodass das darunterliegende Eschenholz nur vage erkennbar ist. Die „Silent Satin“-Lackierung ist äußerst glatt und soll damit Reibungsgeräusche minimieren. Am Hals sorgt sie für ein butterweiches Gleiten der Greifhand beim schnellen Lagenwechsel.

Taylor Builders Edition 324ce
Foto: Nicole Marek

Rundherum rund

Anstelle eines Bindings sind die Korpusränder deutlich mehr abgerundet als üblich und auch die „Curve-Wing“-Brücke ist runder gestaltet als die Brücke der Standardmodelle. Um Decke und Boden zieht sich jeweils ein heller Kunststoffstreifen.

Zusammen mit dem hellen Schalllochring bilden sie einen tollen Kontrast zur dunklen Lackierung. Das Ebenholz-Griffbrett ist mit „Compass“-Einlagen aus Acryl verziert. Dasselbe Muster findet sich auf der Kopfplatte unterhalb des Taylor-Schriftzugs. Der eigentliche Schmuck der Kopfplatte sind jedoch die heißen Goldmechaniken aus dem Hause Gotoh. Sie sehen aber nicht nur super aus, sie arbeiten vor allem geschmeidig und zuverlässig.

Der schwarze Graphitsattel fällt bei der dunklen Gitarre kaum auf und passt somit perfekt ins Bild. All diese Details machen die schokoladenbraune BE 324ce zu einer echten Schönheit, die bereits optisch wohlige Wärme ausstrahlt und den Gitarristen mit viel Spielkomfort verwöhnt.

Über die flachen Taylor-Hälse mit einer Sattelbreite von 44,5 mm muss man nicht mehr viel Worte zu verlieren. Sie sind schlicht und ergreifend genial bespielbar. Ob Fingerstyle oder Strumming, die Finger finden sich fast automatisch zurecht.

Passend zur Optik ist auch der Sound warm und ausgewogen. Die BE 324ce ist nicht die Allerlauteste, aber mit ihren angenehmen Mitten setzt sie sich auch im Bandkontext problemlos durch. Dem Solointerpreten bietet sie dennoch einen vollen Sound, der sich bestens zur Liedbegleitung eignet. Für die verstärkte Weidergabe ist die Gitarre mit dem Taylor Expression System 2 ausgestattet.

Der Ton wird von einem Piezo-Pickup am Steg abgenommen und von einem unter der oberen Zarge sitzenden Preamp aufbereitet. Nach außen sind lediglich die drei dezenten Regler für Lautstärke, Bässe und Höhen zu sehen. Das ES2-System gibt den akustischen Klang der Gitarre recht unverfälscht wider – natürlich mit dem unvermeidlichen, aber oftmals durchaus gewünschten Piezo-Touch.

Das bleibt hängen

Wer auf ein komfortables Spielgefühl, einen universell einsetzbaren Sound und eine tolle Optik Wert legt, sollte die Taylor Builder’s Edition 324ce definitiv auf dem Zettel haben.
Die tolle Bespielbarkeit und der volle Klang werden ideal ergänzt durch die opulente Ausstattung, das ES2-Pickupsystem, die perfekte Verarbeitung und den hochwertigen Taylor-Deluxe-Koffer, in dem die Gitarre geliefert wird.
Klar, der aktuelle Straßenpreis von etwa 3200,- € ist nicht mit jedem Geldbeutel kompatibel, ein ausführliches Antesten ist jedoch in der Regel kostenlos und lohnt sich auf jeden Fall.

Text: Dr. Hans Joachim Schäfer

Taylor Builders Edition 324ce

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Test & Technik Mon, 14 Sep 2020 22:00:00 +0200
Vovox sonorus drive 100 TRS/TRS (guitar-Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/test-vovox-sonorus-drive-100-trs-trs-4 https://guitar.de/lesen/test-technik/test-vovox-sonorus-drive-100-trs-trs-4

Wenn es eine Kabelstrecke gibt, die einer echten Belastung ausgesetzt ist, dann die zwischen Topteil und Box. Schweizer Präszisionsarbeit in Form der äußerst robusten sonorus-drive-Kabel von Vovox kommt da gerade recht. Inzwischen dürfte es sich herumgesprochen haben, dass Kabel eine nicht zu unterschätzende Komponente im Gesamtbild eines krisensicheren und live-tauglichen Rigs sind.


Foto: Vovox

Sicher nicht ganz unschuldig an diesem generellen Erkenntnisgewinn dürften der nach wie vor grassierende Hype rund um Effektpedale und die damit zusammenhängende Planung und den Aufbau eines Boards sein. Wer hier an der falschen Stelle spart und mit den Billo-Flitzen vom Wühltisch verkabelt, darf sich nicht wundern, wenn dem Britzeln, Knacksen und Knistern der Totalausfall folgt.   

Zugegeben, wenn einem live im wahrsten Sinne des Wortes der Ton wegbleibt, ist das mehr als uncool, der Schaden am Equipment ist im Falle der Pedalboard-Verkabelung aber meist auf das defekte Kabel beschränkt. Wenn dagegen das Kabel zwischen Topteil und Box den Geist aufgibt, dann können durchaus ernstere Schäden entstehen, wenn der Amp zu lange ohne Last läuft. Daher die Devise an dieser Stelle: Better safe than sorry!   


Heiß und Masse


Worauf kommt es bei einem Boxenkabel also an? Robust muss es sein, sowohl was die Stecker, das Kabelmaterial an sich, als auch eben die Schutzhülle angeht. Vovox liefern mit dem sonorus drive ein in jeder dieser Disziplinen top aufgestelltes Kabel ab. Beide Leiterteile des Kabels (also Heiß und Masse) bestehen aus einem massiven Kupferleiter, nicht aus zahlreichen dünnen Drahtlitzen; allein dadurch bekommt das sonorus drive eine wertige und robuste Haptik.   

Beide Kabelelemente sind von einer schützenden Netzstruktur aus Naturfaser umgeben, darunter werden sie von einem isolierenden Polymermantel umhüllt. Das klingt eventuell ein wenig futuristisch, ist aber weit weg von Blendertum. Der Hersteller hat lediglich die richtigen Schwerpunkte in den Vordergrund gerückt und eben nicht bei der Isolierung oder der Solidität des Materials gespart.

Von einer Aura der Unzerstörbarkeit umgeben sind die massiven 6,35-Milllimeter-Klinkenstecker namens „Jumbo Phone Plug“.   Das Gefühl, das sich beim Einstöpseln des sonorus drive einstellt, ist pures Vertrauen. Vergleichbar vielleicht, wenn man statt eines lumpigen Abschleppseils eine Abschleppstange benutzt: Auch bei einem miesen Fahrer ist die Gefahr, dass er einem in den Kofferraum rumpelt, ungleich geringer – und das ist ein gutes Gefühl. Dank des massiven Leiterquerschnitts muss man über die Klangübertragung keine Worte verlieren; das sonorus erledigt seine Aufgabe exzellent, bringt meiner Meinung nach sogar einen Tacken mehr Spritzigkeit und Höhen ins Klangbild, zumindest im Vergleich zu meinem bisherigen Kabel – top!   



Das bleibt hängen 

 
Kabel sind so lange unauffällig, bis sie den Dienst verweigern. Bis das bei der sonorus-drive-Speaker-Variante eintritt, darf man wahrscheinlich lange warten. Rein haptisch kam mir persönlich noch nichts Vertrauenerweckenderes in die Hände. Über die Funktionalität dieses in Kriens im Kanton Luzern von Hand gefertigten Kabels zu reden, ist wie Taschenmesser in die Schweiz zu tragen: schlicht unnötig.   

Autor: Siggi Harringer

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Test & Technik Mon, 24 Aug 2020 07:40:43 +0200
B&G Little Sister CR Humbucker & Little Sister CR P90 https://guitar.de/lesen/test-technik/b-g-little-sister-cr-humbucker-little-sister-cr-p90 https://guitar.de/lesen/test-technik/b-g-little-sister-cr-humbucker-little-sister-cr-p90

Wie transportiert man den Ansatz „High-Class mit maximal 16 Gitarren pro Monat und alles ist Handarbeit“ in eine Fertigung mit deutlich höhreren Stückzahlen? Diese Frage stellen sich viele Custom-Builder, die Jungs von B&G Guitars aus Israel haben es geschafft – mit der Little Sister CR.

B&G Guitars Little Sister Test

B&G Guitars aus Israel haben nie einen Hehl daraus gemacht, in ihrer Private Build Series Instrumente nur unter Einhaltung entsprechend strenger Qualitätsmerkmale zu fertigen. Das fängt bei entsprechend alten Tonhölzern an, geht über eine Decken-Selektion unter Kundeneinbeziehung, eigener Pickups, eigener Hardware und hört bei altehrwürdigen Fertigungsmethoden wie in der Goldenen Ära des E-Gitarrenbaus nicht auf.



Wie passt da eine Gitarre made in China dazu? Die kurze Antwort lautet „gut“, denn wenn man auf die Details achtet und die Kompromisse richtig setzt, dann stimmt das Ergebnis. Dass die B&G-Kollegen irgendwo sparen müssen, steht gar nicht zur Debatte, eine Private Build schlägt mit durchschnittlich 3.500 Talern doch eine echte Kerbe ins Budget. Die CR-Schwester ist mit rund 1.600 Talern eine ganze Ecke günstiger zu haben. Wo muss man also Abstriche in Kauf nehmen und vor allem wie klingt denn das Ergebnis?

Solide Kammern

Grundlegend unterscheiden sich Private Build und CR kaum: Korpusholz ist massives Mahagoni, die Decke besteht aus Riegelahorn. Die CR hat schlicht einen mehrteiligen Korpus aus afrikanischem Mahagoni, die Private einen einteiligen Korpus, die Decke bei ebendieser wird selektiert, die CR bekommt schlicht eine Bookmatched-Decke – so einfach kann das sein. Zugegeben auch die Hardware, die elektronischen Komponenten wie Potis und Schalter und die Pickups stammen nicht aus B&G-Fertigung oder von prestige-trächtigen Herstellern, aber mal ehrlich, bei welcher Gitarre zu diesem Preis ist das alles noch normaler Standard?

Bewerten müssen wir was am Ende dabei rumkommt. Wer die CR direkt ab Werk upgraden möchte, hat die Option Hardware, Elektronik und Tonabnehmer der Private-Build-Varianten einbauen zu lassen. Kostet natürlich extra, klar. Wir widmen uns der CR-Standard-Variante einmal mit P-90- und einmal mit Humbucker-Bestückung. Erhältlich ist die CR für Rechtshänder mit und ohne Cutaway mit P-90 oder Humbuckern in verschiedenen Finishes, auch die Linkshänder werden bedacht, auch hier gibt es P-90 und Humbucker mit und ohne Cutaway – für jeden was dabei, so muss das sein.

B&G Guitars Little Sister Test

Die Korpusse sind gechambered, also ausgefräst, was den Instrumenten eine geringere Masse und ein erhöhtes akustisches Volumen verleiht. Ganz verallgemeinert gesprochen tönt das dann eine Spur luftiger, lauter und weniger attackreich als bei einer reinen Solidbody. Bitte diese Bauart nicht mit einer Semiakustik à la Gibson ES-335 oder Heritage 535 verwechseln. Bei diesen werden typischerweise Ahornsperrhölzer mittels Dampf und Pressen in Form gebracht und ein Sustainblock aus Fichte eingeleimt. Bei B&G gibt’s Mahagoni satt in Sachen Korpus. Das Chambering kann man durch die F-Löcher natürlich trotzdem erkennen. Unsere beiden Schönheiten sind die Variante P-90 mit Cutaway und die Variante Non-Cutaway mit Humbuckern.

Ran ans Holz

Als Material für den eingeleimten Hals kommt Mahagoni zum Einsatz, die Kopfplatte ist B&G-typisch eine Fensterkopfplatte, wie sie auf alten Akustiks aus der Pre-War-Ära zu finden ist. Heute machen das eher reine Akustikhersteller, bei B&G trägt es definitiv zum Wiedererkennungswert bei und – die Formulierung sei mir verziehen – es schaut einfach supergeil aus. In Sachen Design sind beide ein Volltreffer!

B&G Guitars Little Sister Test

Gold-Hardware ist sonst nicht so mein Ding, hier passt es aber hervorragend, ohne dabei aufdringlich oder überladen zu wirken. Das mag mitunter an der nostalgischen Ausstrahlung der beiden Instrumente liegen, vielleicht auch mit am dezenten Aging der offenen Mechaniken im Klassikstil mit ebenfalls dezent gealterten Butterbean-Knöpfen aus weißem Kunststoff. Insgesamt kann sich der Autor dem Charme der beiden Schwestern nur schwer entziehen. Rein akustisch ist die Non-Cutaway-Variante um einiges lauter, ihr Korpus ist auch einen guten Zentimeter stärker, sprich da ist mehr akustisches Volumen im Spiel.

Hums & 90s

Der Hals-Korpus-Übergang bei dieser Variante ist bereits am 14. Bund, sprich ab dem 15. Bund muss man mit Einschränkungen durch den Korpus rechnen. Für die meisten Akustiker ist das erstmal keine große Umgewöhnung, für den Super-Strat- und Paula-Player ist das zunächst ein wenig befremdlich. Angesichts der angepeilten Genres irgendwo zwischen Roots-Blues, Rockabilly, Slide, Jazz und Singer/Songwriter ist das aber vollkommen in Ordnung. Geld wird eh nur bis zum 12. Bund verdient …

Die Kollegin mit Cutaway geht da einen großen Schritt auf den konventionellen Elektriker zu, der Spielraum ist einfach deutlich größer und reicht bis hinunter zum 20. Bund, der bei beiden Varianten auch der letzte Bund ist – wirklich alte Schule hier! Simpel und gradlinig strukturiert geht es beim Rest der Hardware und der Elektronik zu: Tune-O-Matic-Bridge, Trapez-Tailpiece, zwei Tonabnehmer, ein Dreiweg-Toggle, Mastervolume und Mastertone – fertig!

Die Qualität ist vollkommen in Ordnung, wenngleich auf die Finesse der Private-Build-Kompenenten verzichtet werden muss. Es sei denn man bestellt das erwähnte Upgrade. Einziges Manko war das leichte Herausspringen der h-Saite aus dem Böckchen der Messing-Bridge bei härterem Anschlag. Coilsplitting oder Out-of-Phase-Spielereien gibt’s hier nicht, hier geht’s um Ton. Am Amp britischer Prägung brillieren beide mit einem akustisch angehauchten, satten Ton, der sich warm und breit präsentiert. Schärfe findet man nicht, Attack hingegen ja.

B&G Guitars Little Sister Test

Die Humbucker-Variante ist deutlich zahmer, was das Anspracheverhalten angeht, hier spielen die P-90s ihre Trümpfe deutlich besser aus. Geht man im Cleanbereich durch die Settings des HB-Modells, dann reicht die Palette von mittig-komprimierten Clean am Steg bis zu Samtig-Jazzy-Sofa-Blues, die Zwischenstellung pumpt glockig-hohle Singlenotes. Crunch- und Gain-Sounds liefern fokussierte Klangbilder, es suppt nicht ineinander, wenngleich die P-90-Variante in dieser Disziplin die Nase einen Schritt weiter vorne hat.

Die P-90 lösen für mein Empfinden schlicht präziser auf, die Saitentrennung im Akkord bleibt trennschärfer. Jede Saite bleibt als Einzelton erkennbar, wenngleich der Akkord als solcher seine Wirkung zeigt. Blues-Licks und Singlenote-Riffs in Stevie-Ray-Manier machen richtig Laune, auch T-Bone Walker hätte hier bestimmt eine Menge Spaß gehabt. Der Vollständigkeit halber werfen wir den Schwestern noch einen High-Gain-Boliden zum Fraß vor – und das funktioniert. Freilich, vergleichbar mit einem EMG-bestückten Flitzefinger-Ast ist das nicht, schieben tut es aber ordentlich. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: ein P-90 ist gerade im High-Gain-Bereich nicht zu verachten, mit dem Brummen muss man eben leben.

B&G Guitars Little Sister Test

Das bleibt hängen

Nostalgie und Vintage-Qualitäten, kann man das als Volltreffer bezeichnen? Angesichts der Tatsache, dass B&G es geschafft haben, ihre Kernelemente aus der Private Build Series in eine Fernost-Produktion zu implementieren, dann durchaus. Freilich muss man im direkten Vergleich mit weniger Detailverliebtheit leben, der Preis ist angemessen, beide Little Sisters passgenau und mit viel Spielspaß beladen.

Fotos: Nicole Marek

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Test & Technik Thu, 18 Jun 2020 13:37:52 +0200
Test: Marshall 2525H Studio Jubilee & 2512 https://guitar.de/lesen/test-technik/test-marshall-2525h-studio-jubilee-2512 https://guitar.de/lesen/test-technik/test-marshall-2525h-studio-jubilee-2512

Ihr erinnert Euch an unseren Test der Marshall-Studio-Serie in Ausgabe 3/2019 und das dazugehörige Video auf unserem Youtube-Kanal? Hier das Geschwisterchen, dass wir damals ausgelassen haben. Der Jubiläums-Amp im kompakten Format. Da geht einem die Pumpe und man hat Schmetterlinge im Bauch. Marshall kennt jedes Kind, der kultige Amp-Riese aus England baut seit jeher „das“ Werkzeug, um die Fingerfertigkeit und Kreativität unserer großen Rock-Helden für alle hörbar zu machen. Die Zeit ändert aber alles und so ist „größer, lauter, schwerer“ nicht mehr von Nöten. Im Gegenteil: klein, leicht und vor allen Dingen Trommelfell-schonend – wenn gewünscht – sind aktuell die gewünschten Qualitäten. Marshall hat sich mit der Studio-Serie zurück auf den Plan gehievt. Vollröhrenamps regelbar zwischen Fünf oder 20 Watt, also Schlafzimmer oder Studio, respektive Bühne oder Proberaum.

He got the looks

Erwähnter Test der Studio-Serie aus guitar 03/2019, umfasste den SV20H und den SC20H also den Mini-Plexi und den Mini-JCM800. In beiden Fällen wurde die freudige Erwartung bestätigt. Nicht anders beim Studio Jubilee. Nicht mal zehn Kilo bringt der Amp auf die Waage. Die Abmessungen von 50 x 24 x 23 Zentimetern können nur als komfortabel bezeichnet werden und pendeln sich Marshall-Getreu zwischen zeitgemäß und Muskelspiel ein.

Zu den Fakten

Ein solide gebautes Holzgehäuse mit genannten Maßen, überzogen mit grau-silbernen Tolex, dem Marshall-üblichen Front-Grill mit Firmen-Emblem und ein verchromtes Kontroll-Panel. Auf letzterem finden wir sieben Potentiometer, vier davon bilden die EQ-Sektion – Presence, Bass, Middle und Treble. Je nach Modell (Head oder Combo) finden sich rechts, beziehungsweise Links der Power-Schalter in Rot, sowie der Standby-Schalter, der den Amp entweder in Standby, Low oder High schaltet.

„Low“ lässt den Amp bei einer Maximal-Leistung von fünf Watt, „High“ bei 20 Watt laufen. Des Weiteren finden sich nebst der EQ-Sektion ein Regler für den Input Gain, der eine Push/Pull-Funktion mitbringt. „gepulled“ cruncht der Amp etwas mehr warm-bluesig, hier als „rhythym clip“ tituliert. Ein Master-Volumen Regler, ebenfalls mit Push/Pull-Funktion, lässt zwischen dem Clean/Crunch-Kanal und dem Lead-Kanal wechseln. Der letzte Poti ist ein eigener Master-Regler für den Lead-Kanal. Das Backpanel offeriert fünf Speaker-Ausgänge (1x16 Ohm, 1x8 Ohm, 1x4 Ohm, 2x8 Ohm oder 2x16 Ohm). Außerdem einen D.I.-Ausgang, einen Input für den mitgelieferten Fußschalter und einen Effektloop, bestehend aus Send- und Return-Buchse. Besonders der D.I.-Ausgang ist interessant, dazu aber später mehr.

Die Box

Es werden seitens Marshall drei externe Boxen-Varianten in passendem, grauen Tolex-Design angeboten. Zwei 2x12-Varianten, einmal hochkant, einmal nebeneinander angeordnet und eine 1x12-Variante, die auch für den Test mitgeliefert wurde. Die 2x12-Varianten sind mit jeweils zwei Celestion-G12-Vintage-Speakern versehen, die vorliegende 1x12-Box mit einem Celestion-V-Type-Speaker. Die Box steht in Sachen Verarbeitung dem Head in nichts nach. Sauber gearbeitet, alles vernünftig verschraubt und vernietet und die Ecken mit Plastikabdeckungen zum Schutz des Tolex versehen.

Kopf der Operation

Der Silver Jubilee wurde 1987 als – der Name verrät es schon – Jubiläums-Amp auf den Markt gebracht. Auf Basis des 2203/2204 aus der JCM800-Serie in neuem Design und in limitierter Stückzahl gefertigt, mauserte sich der Amp schnell zum Objekt der Begierde von Saitenhexern wie Slash oder Joe Bonamassa. Das vorliegende Reissue in kompaktem Format wartet wie das Original mit zwei EL34-Endstufenröhren auf, in der Vorstufe sitzen drei ECC83-Röhren. Beginnen wir im Low-Betrieb, die EQ-Sektion auf 12 Uhr gestellt und es erklingt ein glasklarer, leicht spitzer Clean-Sound.

Den Input-Regler haben wir ebenso in der 12-Uhr-Stellung, den Master-Volume schieben wir langsam in die gleiche Richtung. Der Amp klingt wie ein JCM800 beziehungsweise Jubilee eben klingen soll: mittig, klar, attackreich und super präsent. GNR-Vergleichs-Akkord „G-Dur“ lässt die Seele an die Himmelstür klopfen (sorry, stehe auf die Gunners-Version) und ein Lächeln breitet sich aus. Kleine Singlenote-Eskapaden in den höheren Lagen beißen sich durch, dabei – sauberes Spiel vorausgesetzt – perlen alle Töne klar differenziert aus der 12er-Pappe. So, jetzt juckt es doch arg in den Fingern. Einmal am Input-Gain-Poti gezogen und… mein lieber Herr Gesangsverein!

Da brutzelt es aber ganz schön daher. Wo man sich eben noch gefragt hat, wie ein Jubilee so lange so clean bleiben kann, lässt sich im Rhythm-Clip-Modus nur mit viel Fingerspitzengefühl ein dezenter Drive einstellen. Die EL34 gehen spät in die Sättigung, so ab zwei bis drei Uhr, sobald man den Sweetspot aber gefunden hat, lässt sich mit dem Input-Gain schön nachjustieren, wenn auch vorsichtig. Im Lead-Channel geht es dagegen dann richtig nach vorne. Während Punch im Bassbereich nicht die unbedingte Stärke des 2525H ist, ist für Hard-Rock bis Metal älterer Jahrgänge aber alles da, was man braucht.

Was mit der Semi-Hollow und der LTD Phoenix mit etwas heißeren Tonabnehmern schon jetzt Spaß macht, soll jetzt auch auf der Bariton mit EMG-81-Bestückung in Drop-Ais getestet werden –  low and slow und doomig kann der Jubilee auch. Modernerer chunky Death Metal will allerdings nicht so richtig funktionieren. Dass Marshall aber durchaus auch bei Bands letzteren Genres ein Zuhause findet, ergibt sich aus der jeweilig davor geschalteten Pedal-Kette. Uns geht es aber ja vorwiegend um den eigenen Charakter des Amps.

Watt & Wohnung

Im Fünf-Watt-Betrieb kommen wir definitiv an die für die Nachbarn zumutbare Grenze, aber auch an die Grenzen des Low-Ends.  Die 20 Watt bleiben dem dafür vorgesehenen Proberaum vorbehalten und bieten gerade den Drop-Tunern eine Tacken mehr Headroom. Da der Amp zumindest für alle Arten von Rock’n’Roll oder Classic Rock genügend Headroom hat und passgenau anfängt zu übersteuern, kommt man mit den 20 Watt gut zurecht, zumindest in Stimmungen von E- bis C-Standard. Erinnert ihr euch an den D.I.-Ausgang auf der Rückseite des Verstärkers?

Ja genau, der, zu dem wir später kommen wollten. Aus dem D.I.-Ausgang kann man direkt in die Soundkarte wandern und über die jeweilige DAW Boxen-Simulationen hinzufügen. Entsprechende externe Geräte, die Boxen, Mikrofon oder Endstufensimulationen bieten, gibt es derzeit zuhauf am Markt und so probieren wir auch damit ein wenig herum. Hier offenbart sich der 2525H als erstklassiges Recording-Tool. Eine Loadbox angeschlossen, die die Box ersetzt und einen den Amp quasi geräuschlos betreiben lässt, eliminiert jegliche Grenzen, die durch Schallschutzverordnungen oder den Wunsch nach einem guten Nachbarschaftsverhältnis gesetzt sind.

An dieser Stelle positionieren sich Marshall ohne Probleme neben aktuellen, digitalen Formaten und Amps. Logisch, Amp-Simulationen sind hier nicht mit inbegriffen, man ist nach wie vor auf den Jubilee „begrenzt“, hat aber eben echten Marshall-Sound, auf Bühne, im Wohnzimmer und eben auch im (Home-) Studio. Wer also vor digitalen Lösungen zurückschreckt muss nicht mehr „Entweder oder“ sagen, sondern kann hier alles in einem Paket haben. Großartig gelöst, Ladies and Gentleman!

Das bleibt hängen

Marshall reagiert mit der Studio-Serie nicht nur auf die aktuellen Ereignisse am Markt, sondern macht den Traum des eigenen, waschechten Vollröhren-Amps auch für die engere Geldbörse stemmbar. Das Schönste daran ist wohl, dass keine Kompromisse gemacht wurden. Auf den ersten Blick hat man es mit einem normalen Top der Kult-Briten zu tun, was sowieso schon cool ist. Die Einsatzfähigkeit ist nicht ansatzweise beschränkt, sondern dem Zeitgeist und aktuellen Anwendungsbereichen angepasst.

Obendrein wird die Möglichkeit des Homerecordings nicht nur berücksichtigt, sondern gleichwertig neben die eigentlichen Stärken des Amps gestellt. Das alles für den mehr als fairen Preis von rund 770 Euronen. Da kann man sich schon ernsthaft überlegen, ob man sich das englische Original nicht doch einfach auch noch ins Wohnzimmer holt. Schaut ja auch gut aus, oder?


 

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Test & Technik Thu, 18 Jun 2020 11:16:55 +0200
Marshall Studio-Series (Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/marshall-studio-series-test https://guitar.de/lesen/test-technik/marshall-studio-series-test

Mit der Studio Series überraschte Marshall gleichermaßen Musiker wie Fachpublikum. Bleibt die Frage, ob die jungen, wilden 20-Watter von Marshall ihren großen Brüdern in Sachen Sound das Wasser reichen können.Da stehen sie plötzlich – frisch eingetroffen aus dem Marshall-Werk in Milton Keynes in England: die neuen Marshalls.


Fakt #1, der einem noch vor dem Auspacken ein Lächeln ins Gesicht zaubert: die Topteile der Studio Series stammen aus dem legendären britischen Werk und nicht aus einer der Fertigungsstätten in Fernost. Fakt #2: die äußerst konsumentenfreundlichen Verkaufspreise. Topteile aus UK für 999,- €  sind mehr als nur eine Ansage, sondern schlichtweg ein Statement, dass es durchaus noch möglich ist in Erstweltländern zu humanen Kursen zu fertigen.

Dabei wurden weder Abstriche noch versteckte Kosteneinsparungen betrieben und man bekommt schon auf den ersten Blick eine Menge Qualität für sein Geld geboten. Präzise Tolex- beziehungsweise Grillbezüge plus wertige Materialien und Bauteile – wie zu Lebzeiten von Jim Marshall, als alle Marshall-Amps noch im Vereinigten Königreiche hergestellt wurden. Jedes Stück Equipment ist obendrein mit einem Sticker des Kollegen versehen, der für ebenjenen Amp verantwortlich zeichnet. Im Lieferumfang befinden sich bei beiden Tops je ein Strom- und Klinkenkabel.

Marshall Studio Series
Foto: Nicole Marek

Studio & Bühne

Neben den beliebten Looks im skalierten Format warten die beiden Topteile der Studio Series an der Oberfläche mit einigen Neuerungen auf, bei denen die schlauen Marshallentwickler ein fantastischer Brückenschlag zwischen Vintage und State-Of-The-Art des 21. Jahrhunderts gelungen ist. Auf den beiden identischen Rear-Panels von Studio Vintage SV20H und Studio Classic SC20H befinden sich Anschlussmöglichkeiten für alle erdenklichen Boxenkombination, ein schaltbarer Effekt-Loop und ein DI-Out, um direkt ins Interface, die Konsole oder den Live-Mischer zu gehen.

Dank der verkleinerten Maße sind beim Transport der Heads zum Glück keine Bandscheibenvorfälle vorprogrammiert. So fällt das Wechseln der Tops schon beim Testen deutlich leichter, als bei den „großen“ 50- und 100-Watt-Boliden – und das ohne Style-Einbußen in der Gesamt-Optik.

Marshall Studio Vintage SV20H
Foto: Nicole Marek

Studio Vintage SV20H

Der SV20H ist der volumen- und wattmäßig kleinere Bruder des 1959SLP - dies trifft allerdings nicht auf den Klang zu, denn hier stehen beide Plexis auf Augenhöhe! Von glasklarer Abbildung der Gitarre bis hin zur geschmackvollen Vintage-Übersteuerung liefert der SV20H die ganze Magie des Großen! Dabei arbeitet er extrem nebengeräuscharm. Marshall hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und die Plexi-Quintessenz perfektioniert. Nicht nur aufgrund der Abwesenheit von Nebengeräuschen und des Effektwegs mausert sich der SV20H meiner Meinung nach direkt zu seiner Markteinführung zum Go-To-Amp für Freunde ausladender Pedalboards und (Ambient-)Soundarchitekten.

Beide Zielgruppen können sich in Kombination mit den angebotenen Boxenvarianten 1x12“ (offen) und 2x12“ (geschlossen) eine für alle Einsatzbereiche gängige Peripherie in den Aufnahmeraum stellen. Selbstverständlich „verstecken“ sich beim SV20H - genau wie beim 1959SLP - einige Klangvarianten mehr unter der Haube. Mittels eines Patchkabels können die Eingänge gepatcht werden und der 20 Watter offeriert mit zwei Steckbewegungen eine ganze Reihe zusätzlicher Klang-ternativen. Dank der Kombination beider Kanäle kann hier effektiv und schnell ein breites Spektrum überzeugender Basissounds gefunden werden. Keine Angst, bleibt trotzdem immer ein Marshall… Insgesamt ist der SV20H mit den passenden Boxen eine der besten Studio-Allroundlösungen, die man anno 2019 kaufen kann. Zusammen mit dem entsprechenden genretechnischen Equipment kann dieser Amp Basis beinahe jeder Stilistik sein.

Marshall Studio Classic SC20H
Foto: Nicole Marek

Studio Classic SC20H

Was wäre Rock, Hardrock und Metal ohne den JCM800? Richtig, nicht dasselbe! Mit der neuen Variante des Industriestandards in Punkto deftiger Riffs befindet man sich immer auf der Seite des satten Rocks, speziell wenn es im Studio tougher zugehen soll. Praktisch hierbei ist, dass man bis auf den Level-Button des Effekt-Loops, exakt dieselben Features bekommt, wie beim großen Bruder. Klangtechnisch liegt der Kleine - genau wie der SV20H - ebenfalls auf demselben Niveau wie das Full-Size-Top und ist im Betrieb in Sachen Nebengeräuschen ebenso herrlich leise. Dank der integrierten Leistungreduktion auf fünf Watt und mit vorsichtig eingestelltem Mastervolume gibt es hier schon bei Zimmerlautstärke den vollen Marshall-Sound - von zart bis hart. Gut, eher hart. Das freut nicht nur die Nachbarn, sondern auch das Trommelfell.

Für straffe Ballersounds sollte man neben der Mikrofonierung auf jeden Fall die Kombination „Mikro & DI-Out“ ausprobieren. Lässt man den kleinen 800er von der Kette, dann zeigt auch er dieses markante Klangbild seines großen Bruders. Kernig, bei aller Verzerrung dennoch offen und atmend bietet er eine Spielwiese dynamischer Variationen. Ein Booster davor, ein Delay in den Loop und satte Solo-Sounds sind kein Problem. Auch der 20-Watt-800er ist in den Bässen nicht sonderlich straff und auch die Mitten bröseln ein wenig weg, aber genau mit diesem luftigen Klangbild platziert er sich genau da, wo die Gitarre im Klanggefüge hinmuss. Es ist kein Wunder, dass dieser Amp so oft zum Einsatz kam und kommt, er funktioniert einfach genauso, wie ein Amp das muss. Allein gespielt ist sein Charme ein wenig, nun ja, sagen wir „spröde“, im Bandkontext dagegen, ist das womöglich sein größter Trumpf.

Das bleibt hängen

Mit der Studio-Serie ist Marshall ein echter Wurf gelungen. Die Zielsetzung war mehr als ambitioniert – schließlich treten die neuen Marshall-Kollegen gegen echte Schwergewichte der Amp-Historie in den Ring. Nach zwölf Runden im Ring zeigt sich ein Ergebnis, mit dem man auf Seiten Marshalls wahrscheinlich ziemlich gut leben kann. Die neuen 20-Watter atmen durchweg den Geist ihrer Ahnen, wenngleich ihnen die rohe und physisch erlebbare Gewalt der 100-Watter abgeht. Da dies Teil der Zielsetzung war, ist dies nicht als Kritikpunkt zu betrachten, man sollte beim Anspielen nur nicht erwarten, dass man förmlich in die Ecke gedrückt wird. Vielmehr sollte man sich darauf besinnen, was man zu hören bekommt – Marshall-Sounds in Reinkultur. Der „Father Of Loud“ Jim Marshall wäre auf den Familenzuwachs sicher mächtig stolz – und das mit Fug und Recht!
 

Facts

Studio Vintage SV20H

Herkunft: England
Leistung: 20 Watt (5 Watt mit Leistungsdrosselung) an 4/8/16 Ohm
Röhren: 3x ECC83 (Vorstufe), 2 EL34 (Endstufe)
Kanäle: 1
Regler: Presence, Bass, Middle, Treble, High Treble (Loudness 1), Normal (Loudness 2)
Schalter: Mains/On, Low/High, FX Loop On/Off
Anschlüsse: Input I (High/Low), Input II (High/Low), 1x 16 Ohm, 1 x 8 Ohm / 2 x 16 Ohm, 1 x 4 Ohm / 2 x 8 Ohm, DI Out, FX Loop Send/Return
Maße: 50 x 24 x 23 cm
Gewicht: 9,25 kg
VK-Preis: 999,- €


Studio Classic SC20H

Herkunft: England
Leistung: 20 Watt (5 Watt mit Leistungsdrosselung) an 4/8/16 Ohm
Röhren: 3x ECC83 (Vorstufe), 2 EL34 (Endstufe)
Kanäle: 1
Regler: Presence, Bass, Middle, Treble, Master Volume, Pre-Amp Volume
Schalter: Power, Low/High/Standby, FX Loop On/Off
Anschlüsse : High/Low Sensitivity, 1x 16 Ohm, 1 x 8 Ohm / 2 x 16 Ohm, 1 x 4 Ohm / 2 x 8 Ohm, DI Out, FX Loop Send/Return
Maße: 51 x 24 x 24 cm
Gewicht: 9,4 kg
VK-Preis: 999,- €

 

Marshall-Amps

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Test & Technik Thu, 20 Jun 2019 22:00:00 +0200
Proco Rat 2, Turbo Rat, Rat Solo (Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/proco-rat-2-turbo-rat-rat-solo-test https://guitar.de/lesen/test-technik/proco-rat-2-turbo-rat-rat-solo-test

Nach fast vier Jahrzehnten ist sie noch immer ein Verzerrer der ganz besonderen Sorte: die Ratte aus dem Hause Proco. Wir haben uns für euch die altgedienten Modelle und die moderne Variante angeschaut.

Proco Rat Guitar Pedal Test Solo Turbo

Im Laufe seiner Karriere hat das außergewöhnliche Pedal seinen Platz auf den Boards diverser Gitarrengrößen gefunden: Ob Jeff Beck, Kurt Cobain, Andy Summers (The Police), Peter Buck (R.E.M.), Joe Perry (Aerosmith) oder Mike Campbell (Tom Petty & the Heartbreakers) – der spezielle Sound der Ratte zwischen Overdrive und Distortion hat Gitarristen quer durch die Stilarten und Dekaden inspiriert.

Das erste Rat-Serienmodell kam 1979 auf den Markt. Aktuell hat Proco, eine Firma aus dem US-Bundesstaat Michigan, sechs verschiedene Varianten für jeden Geschmack im Programm. Neben den drei Testpedalen wären da noch noch die Modelle Deucetone Rat (zwei Einheiten in einem Gehäuse), You Dirty Rat (mit Germanium-Dioden und einer Extra-portion Fuzz), Fat Rat (mit schaltbarer Mosfet-Sektion) sowie eine Variante für Bassisten namens Juggernaut. Die beiden traditionellen Pedale sind mit identischen Bedien-elementen bestückt: „Distortion“ regelt den Anteil der Verzerrung, „Volume“ die Ausgangslautstärke, der Regler dazwischen nennt sich „Filter“ und schneidet bei zunehmendem Regelweg die Höhen ab. Man kann also schnell und stufenlos zwischen soft und bissig-aggressiv wählen.

Rat 2

Seit 1988 wird die Rat 2 in dieser Form gebaut. Sie ist die Weiterentwicklung der Urform und führt damit die Familientradition fort. Zwischen Overdrive und Distortion angesiedelt und bei extremeren Settings mit einem Hauch Fuzz garniert, erzeugt die Ratte einen ganz eigenen Sound, der Gitarren mit einem ordentlichen Maß an Gain und Kompression zum Singen bringt. Das Ergebnis sind jede Menge Sustain und ein Umkippen in Feedbacks auch bei Zimmerlautstärke. Im Vergleich zur Turbo Rat fällt auf, dass die Zerre schon früh im Regelweg intensiv einsetzt. Durch den Filter-Regler lassen sich sowohl höhenarme, komprimierte Sounds nach Art von ZZ Top in den Achtzigern erzeugen, aber auch durchschneidende Riffs und Leads abfeuern. Einstellungsvorschläge in der Bedienungsanleitung geben einen ersten Anhaltspunkt über die Möglichkeiten.

Turbo Rat

Nicht nur einen, sondern gleich zwei Schritte weiter geht die Turbo-Version. Mit doppeltem Maximal-Output bringt sie zwar mehr Gain, dafür aber weniger Sustain und Kompression auf die Waage. Der Zerranteil ist dabei gleichmäßig über den Regelweg verteilt. Bei niedrigen Settings wird der Ton nur dezent an-geschoben. Am anderen Ende warten Gain- Reserven ohne Ende, die auch schwachbrüs-tige Singlecoils zur satten Kelle aufblasen. Im direkten Vergleich wirkt die Turbo-Ratte dynamischer, straffer und kerniger – sie unterscheidet sich also nicht nur durch ihren Namen und die roten Farbnuancen deutlich von der Rat 2. Auch die Filter-Sektion ist anders abgestimmt und greift schärfer ein. Hier kommt neben dem persönlichen Geschmack und dem präferierten Musikstil auch der verwendete Amp ins Spiel.

Mit dem Vox AC klang mir das Pedal trotz seiner gut handelbaren Verzerrung bis zur Filter-Mittelposition tendenziell etwas harsch; beim 800er-Marshall sah das dann wieder ganz anders aus – in Kombination mit einem angezerrten Grundsound erwächst die Turbo Rat zur Hardrock- und Metal-Macht. Kein Wunder, dass Proco sie speziell für Marshalls empfiehlt. Sound ist bekanntlich Geschmacksache, aber grob könnte man sagen, dass sich die Turbo Rat mit ihrem straffen Sound eher für tighte Metalriffs als für psychedelische Soli mit Fuzz-Factor eignet, während die Rat 2 im weiten Feld von Rock, Indie und Alternative gut aufgehoben ist.

Und noch ein weiterer Faktor dürfte bei der Auswahl zwischen den beiden eine Rolle spielen: der Preis. Die Turbo Rat kostet im Laden fast doppelt so viel wie die Rat 2. Das kann mit Stückzahlen, Fertigungsstätten oder auch mit Firmenpolitik zu tun haben – der Schritt von 90 Euro zu 160 Euro ist jedenfalls ein großer.

Der Nachwuchs: Solo Rat

Doch Proco ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern will mit dem Solo auch diejenigen Gitarristen ansprechen, die mit den verschiedenen Ratten-Versionen eher wenig anfangen können. Und das sehr offen und humorvoll.

Zitat: „Wenn du den Sound einer Rat nicht magst, probiere den Solo. Er ist die beste Anti-Ratte auf dem Planeten.“

Proco Rat Guitar Pedal Test Solo Turbo

Der Solo setzt sich also bewusst ab und bricht mit den Traditionen des Hauses. Neben der Farbe und dem Modus-Schalter fällt vor allem ein viertes Poti namens „Scoop“ ins Auge. Es dünnt die Mitten aus, und das bei Bedarf ziemlich massiv. Gemeinsam mit dem „Tone“-Regler, der sich um die höheren Frequenzen kümmert, lässt sich der Sound sehr vielseitig feintunen, die Spanne reicht dabei von erdig bis radikal. Neben der Front wurde auch das Innenleben eigenständig designt.

Grundlage dabei ist ein Konzept namens „Asymmetrical Clipping“. Hierbei unterscheiden sich die obere und die untere Amplitudenhälfte des Signals, der Sound wird dadurch nicht gleichmäßig und warm, sondern böse und fies. Drei verschiedene Modi lassen sich über einen versenkten Schiebeschalter anwählen: „Hot“, „Melt“ und „Burn“. „Hot“ soll dabei einem Vintage-Amp mit geringer Leistung nacheifern, die anderen beiden Modi einem modernen High-Gain-Verstärker mit reichlich Power. In der Praxis unterscheiden sich die zwei Ansätze auch mit unterschiedlichen Ausgangslautstärken. „Hot“ ist dabei der dezenteste der drei Modi; hier lassen sich High-Gain-Sounds auch schon bei niedrigen Pegeln erreichen.

Dass sie daneben auch „normal“ kann, macht die Nicht-Ratte besonders vielseitig. Dezent eingestellt, liefert der Solo organische Crunch- und Zerr-Sounds, die auch die Blues- und Classic-Rock-Fraktion ansprechen dürften. Am anderen Ende seines Spektrums kommen dann die Fans von Pantera & Co. auf ihre Kosten.

Im Laden wird der Solo für etwa 230 Euro angeboten. Damit ist er zwar noch immer kein Schnapper, mit seinen vielfältigen Möglichkeiten und seiner „Handmade-in-America“-Bauweise bietet er jedoch einen realistischen Gegenwert für Gitarristen, die ihren Sound bei Bedarf auch in Grenzbereiche treiben wollen.

News: Für die Namm 2018 plant Proco außerdem, den legendären Rat-Sound in ein Gitarrenpedal einzubauen.

Text: Chris Hauke

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Test & Technik Thu, 18 Jan 2018 23:00:00 +0100
Macmull Guitars S-Classic Sunburst MN (Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/macmull-guitars-s-classic-sunburst-mn https://guitar.de/lesen/test-technik/macmull-guitars-s-classic-sunburst-mn

Macmull Guitars legen mit der S-Classic in atemberaubend schönen Sunburst einen mehr als satten Einstand hin. Perfektion und Detailverliebtheit inklusive. Zugegeben, die erste Reaktion des Testers war: „Wow, schon wieder ’ne Gitarre, die sich mehr als deutlich an Leo Fenders Stratocaster orientiert? Und wozu das Ganze? Gibt’s ja schon ...“
 

Macmull Guitars S-Classic Sunburst MN
Foto: Christopher Przybilla

Rein oberflächlich betrachtet, könnte man das Thema damit ad acta legen, denn in der Preisklasse oberhalb von sechs Kilo gibt’s vom Original eben auch schon eine Masterbuilt von John Cruz, der aktuell nicht mehr bei Fender ist.. Und die sind bekanntlich auch ganz gut … Spaß beiseite, man sollte mit einer gewissen Unvoreingenommenheit an die S-Classic von Macmull gehen.

Schließlich sind die Voraussetzungen, unter denen diese Instrumente entstehen, gänzlich verschieden zum Custom Shop mit dem großen F – Vergleiche hinken da beinahe zwangsläufig.
Den Sound darf man dann freilich vergleichen. Macmull Guitars sind ein Dreimannbetrieb, bestehend aus Gitarrenbauer Tal Macmull, Gitarrist und Produzent Amit R. Sadras sowie dem Gitarristen Sharon Levi, der seinen Sitz in Jerusalem hat. Der geneigte Leser kann bereits am Firmensitz erahnen, dass bei Macmull einiges anders laufen dürfte als bei anderen Firmen.

Macmull Guitars S-Classic Sunburst MN
Foto: Christopher Przybilla


Fernab des unüberschaubar großen Marktes für Zubehör, Pickups und Hölzer, in völlig anderem Klima am quasi anderen Ende der Welt, da müssen sich Ansatz und Produktion fast zwangsläufig unterscheiden. Und das ist gut so, denn das Original gibt es ja schon.

Sunburst mit Macken

Um was es sich bei der S-Classic handelt, liegt auf der Hand: eine Interpretation der 1954er Stratocaster in ihrem Urzustand. Zumindest optisch, denn wo die originale 1954er auf einen einteiligen Esche-Body setzte, ziehen Macmull Erle vor. Die wurde erst ein wenig später eingesetzt und erlangte spätestens in Kombination mit einem Palisandergriffbrett und einem Three-Tone-Sunburst in den Händen Stevie Ray Vaughans den ultimativen Kultstatus.
Die S-Classic gibt es dann auch als ’60s-Variante mit besagtem Palisandergriffbrett und dem Three-Tone-Sunburst.

Macmull Guitars S-Classic Sunburst MN
Foto: Christopher Przybilla

Unsere Testvariante setzt auf den einteiligen Ahornhals inklusive Griffbrett, direkt eingesetzten Bünden und dem bei dieser Konstruktion obligatorischen „skunk stripe“, dem Walnussstreifen, der die rückwärtige Fräsnut verschließt. Die ist zwingend nötig, um den Halsstab einsetzen zu können. Von oben geht ja nicht, da das Griffbrett nicht separat aufgeleimt wird. Bei der Palisandervariante fehlt der Stinktierstreifen, denn hier gibt es besagtes separates Griffbrett ja. Der einteilige Hals mit ordentlich Abnutzungsspuren in Form einer nahezu lackfreien Halsrückseite samt authentisch nachgegrautem Holz und der satten honigfarbenen Färbung unter dem verbliebenen Lack auf dem Griffbrett ist schlichtweg ein Traum, anders kann man das kaum sagen.

Er präsentiert sich dank der Kombination aus dem satten C-Profil und dem erstklassigen Fretjob (Entgraten, Verrunden und Polieren der Bundstäbchen) als Handschmeichler erster Güte. Und das sagt jemand, der eigentlich mehr auf Les Paul und Telecaster steht ...

Text: Stephan Hildebrand

Hier könnt ihr den kompletten Test lesen!

 

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Test & Technik Sun, 31 Dec 2017 23:00:00 +0100
Gretsch G5622T – Orange ist das neue Schwarz (Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/test-gretsch-g5622t-orange-ist-das-neue-schwarz https://guitar.de/lesen/test-technik/test-gretsch-g5622t-orange-ist-das-neue-schwarz

Gretsch schließen – endlich, muss man sagen – die Lücke im 100-Euro-Schleifen-Bereich. Der war für Gretsch-Freunde bisher nicht besiedelt. Bis jetzt, wohlgemerkt, denn hier ist die Gretsch G5622T!

Ab und an bekommt man als Redakteur auch mal das Zuckerbrot (und nicht nur die Peitsche vom Chefredakteur), in diesem Falle heiß serviert von Gretsch in Form der G5622T Centerblock Doublecut Bigsby. Die erste Begegnung fand auf der NAMM 2017 statt, wenngleich aufgrund des Lärms und des fehlenden Amps eher rein optischer und haptischer Natur. Nichtsdestotrotz hat die G5622T dem Verfasser schon damals gefallen.
 

Gretsch G5622T
Foto: Christopher Przybilla

Was ein Wunder, bekommt man mit ihr doch endlich all das, was man bisher erst bei den höherpreisigen Modellen bekam, so etwa die Thumbnail-Inlays. Mag sein, dass das wie eine Kleinigkeit anmutet; es machte die teuren Gretsch-Modelle aber eben ein Spur anmutiger und detailverliebter als die im Vergleich ein wenig grobschlächtig wirkenden großformatigen Inlays der günstigeren Electromatic-Varianten.

Ein heißes Eisen

Aber jetzt scheißen wir uns mal nix, sondern kümmern uns um dieses heiße Eisen. Ins Auge sticht sofort der in durchscheinendem Orange gehaltene Korpus, der in gewohnter Manier aus gesperrtem Ahorn gefertigt wurde; fünf Lagen dürften es wohl sein. Unter der Bezeichnung Korpus haben wir salopp dessen Bestandteile Decke, Boden und Zargen zusammengefasst, wenngleich diese drei Elemente eigentlich separat betrachtet gehören. Kann man in diesem Fall aber machen, denn alle drei bestehen aus gesperrten Ahorn.

Die Typenbezeichnung trägt einen weiteren Bestandteil der Korpuskonstruktion im Namen: Centerblock. So bezeichnet Gretsch das Teil, das bei der ES-335 Sustainblock heißt und die gleiche Funktion übernimmt: die Verbindung von Boden und Decke herzustellen. Das hindert letztere zu gewissen Teilen am Aufschaukeln und hilft so dabei, Feedbacks zu minimieren. Obendrein bietet ein solcher Block ein vertrauenswürdiges Fundament, um die Tonabnehmer, in diesem Fall ein Pärchen Super-Hilo-Tron-Humbucker, und die Tune-o-matic-Bridge aufzunehmen.

Gretsch – nichts anderes

Ein schickes Detail am Rande: Das Binding rund um die obere und untere Kante ist vierlagig. Wir erinnern uns: Das der Les Paul war einlagig, das der Les Paul Custom fünflagig. Einlagig setzt es sich bei unserer Gretsch am Hals und der Kopfplatte fort. Der Hals trägt in klassischer Manier seine 22 Medium-Jumbos, verteilt auf eine Mensur von 24,6 Zoll, womit man noch unter der kürzeren Gibsonmensur liegt. Knapp 43 Millimeter Sattelbreite, ein 12,6“-Griffbrettradius und der Nubone-Sattel aus dem Hause Graphtech sind Tiptop-Standard und dürften kaum Probleme bereiten.

Gretsch G5622T
Foto: Christopher Przybilla


An dieser Stelle bleibt schlicht festzustellen: Eine Gretsch ist eine Gretsch. Nichts anderes, Gemeinsamkeiten gibt es maximal mit, richtig, einer anderen Gretsch. Nebenbei erwähnt, ist es doch erstaunlich, wie vielfältig die Gitarrenwelt ist und war – und dass die originären Designs allesamt aus einer ähnlichen Designperiode stammen.

In dieser Hinsicht reiht sich die vorliegende Gretsch in den Reigen von Telecaster, Stratocaster, Les Paul und ES-335 ein. Die 1950er in den Vereinigten Staaten mit ihrer ureigenen Ästhetik standen hier wegweisend Pate.

Autor: Stephan Hildebrand
Fotos: Christopher Przybilla

Den kompletten Test könnt ihr hier nachlesen!

 

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Test & Technik Mon, 17 Jul 2017 22:00:00 +0200
Schecter Sun Valley Super Shredder FR (Test) https://guitar.de/lesen/test-technik/schecter-sun-valley-super-shredder-fr https://guitar.de/lesen/test-technik/schecter-sun-valley-super-shredder-fr

Floyd Rose, Humbucker, Sustainiac, ergonomische ST-Form, Ahorngriffbrett mit 24 Bünden – Shrapnel, ick hör’ dir trapsen. Wer jetzt an die wilden ’80er denkt, in denen sich gitarristische Wunderkinder wie Marty Friedman und 
Yngwie Malmsteen unter dem Banner von Mike Varneys Shrapnel Records aufmachten, die Gitarristenwelt ein weiteres Mal zu verändern, der liegt gar nicht so falsch.


Ein kleiner Rückblick: Nachdem der Gitarrenkosmos sich langsam von Eddies „Eruption“-Schock aus dem Jahr 1978 erholt, taucht zu Beginn der 1980er eine neue Generation junger Talente auf, die den Begriff „Shred“ für immer ins Bewusstsein jedes elektrisch aufspielenden Gitarristen kommender Generationen meißelt. Virtuose High-Speed-Licks mit vorher nicht gehörter Akkuratesse und Präzision, dazu mitunter eine Vorliebe für Klassik oder Jazz, sind das Gebot der Stunde.

Schecter Sun Valley Super Shredder FR
Foto: Schecter Guitars


Mitunter schießen die Jungs aber weit übers Ziel hin-aus, und so gniedeln sich manche in höchst unmusikalischer Weise in unser Erinnerungsvermögen. Aber sei’s drum, damals galt: Schnell ist gut, schneller ist besser! War halt so ...

Die Äste der Wahl Mit dem Begriff „Shred“ assoziiert man neben besagtem Gegniedel aber auch die Gattung der sogenannten „Superstrat“ – und das nicht von ungefähr, war die Stratocaster aufgrund ihrer Ergonomie und dem einfachen Zugang zu den hohen Bünden, etwa im Vergleich zur Les Paul, meist die Waffe der Wahl, wenn auch nicht unbedingt in der Form, wie Leo sie einst erdacht hatte …

Spätestens seit Eddie van Halen war der Steghumbucker quasi Pflicht, andere Tonabnehmer möglich, aber nicht nötig. Ein Floyd Rose als Vibratosystem war dagegen unverzichtbar, was in vielen Fällen für die neongrelle Optik der Gitarren ebenfalls galt.

Schecter Sun Valley Super Shredder FR
Foto: Schecter Guitars

Schecter knüpfen mit vorliegender Sun Valley konstruktstechnisch an diese Tage an, verschonen unsere Augen aber mit allzu grellen Farbvarianten. Ein dezentes Sea-Foam-Green in Kombination mit einem einlagig-schwarzen Schlagbrett und schwarzer Hardware ist nicht 
unbedingt als extravagant-knallig zu bezeichnen. Dennoch, die Farbgebung harmoniert erstklassig mit dem Ahornhals und den beiden 
Zebra-Humbuckern, die auf dem Schlagbrett mitsamt schwarzen Bedienelementen für optische Auflockerung sorgen.

Der Mahagonikorpus wurde an allen Kanten weich abgerundet, der Hals-Korpus-Übergang ist ergonomisch geformt, und man hat – passend zum ergonomischen Shred-Konzept und der besseren Erreichbarkeit der hohen Lagen – an dieser Stelle nicht nur den althergebrachten Klotzhalsansatz abgeflacht, sondern gleich auf die Halsplatte verzichtet.

Vier einzeln unterlegte und versenkte Schrauben halten den 24-Bund-Hals zuverlässig an Ort und Stelle. Besagter Hals ist eine sogenannte Maple-cab-Variante, was bedeutet, dass das Griffbrett separat auf den Hals geleimt wurde. Bei den ersten Ahornhälsen Leo Fenders waren Hals und Griffbrett aus einem Stück; der Halsstab wurde über eine rückseitige Nut eingefügt und anschließend mit einem Nussbaumstreifen verschlossen.

Fertigt man einen Ahornhals mit Palisandergriffbrett, dann kann man die Nut von oben fräsen; das Griffbrett muss ohnehin separat aufgeleimt werden. Und was mit Palisander geht, das geht natürlich auch mit Ahorn. Die 24 Extra-Jumbos (Format „Kurz vor Eisenbahnschwelle“) sind penibel bearbeitet, die Enden sauber entgratet, die Bundkrone ordentlich verrundet und die ganze Chose so auf Hochglanz poliert worden, dass es eine wahre Freude ist.

Dergestalt lassen sich horizontale Läufe und Lagenwechsel meistern, ohne dass das Gefühl einer Buckelpisten-Rallye hoch kommt. Hinzu kommen der leichte Zugang zu den hohen Lagen und die gute Übersicht, dank der schlichten schwarzen Offset-Dots im Griffbrett – da kann man beinahe verstehen, warum die Jungs damals gar nicht anders konnten ...

The Sound of Shred

Befeuert werden die Sounds aus Schecters Sonnentalkanone mittels zweier EMG-Humbucker – einem Paar Retro Active Hot 70, von EMG auch als Super-77-Set bezeichnet. Zielsetzung waren Sounds der ’70er und ’80er – und, verdammte Hacke, das hat hingehauen: Die Sun Valley liefert genau diesen mittig-komprimierten Ton am Steg-Humbucker, den man etwa von Warren DeMartinis Aufnahmen mit Ratt kennt oder von George Lynch seiner Zeit mit Dokken.

Sie liefern also, freilich abhängig vom Amp, nicht unbedingt einen räudig-angehauchten Brown-Sound, sondern tragfähige Riffwände, die den Gitarristen unterstützen. Die Schecter spielt im besten Sinne mit, fordert einen nicht pausenlos. Einen Ton anschlagen, Fingervibrato drauf, das Ding einfach kommen lassen, und dann kippt der Ton in ein kontrollierbares Feedback um – Hammer!

Schecter Sun Valley Super Shredder FR

Das Floyd Rose in der Schecter-Hot-Rod-Variante setzt, wenn mich mein metallurgisches Urteilsvermögen nicht täuscht, auf Stainless-Steel-Schrauben an den Knackpunkten: die Schrauben am Klemmsattel sowie die Schrauben, die die Klemmböckchen festklemmen, bestehen aus diesem bewährten und widerstandsfähigen Metall – ein sinnvolles Upgrade. Trotz allem Komfort und aller Ergonomie hat die Sun Valley aber eine gehörige Portion Kompromisslosigkeit. Coilsplit, Out-of-Phase oder sonstige Spielereien sucht man vergebens.

Hier wird am Steg geballert, und am Hals sahnt man sich an Gary Moores Rockphase ran, die Mittelstellung perlt glockig und ideal für crunchige Rhythmus- oder Blues-Klänge, während das Floyd eventuelle Exzesse erstklassig abfedert.

Das bleibt hängen

Man kann ja von den ’80ern halten, was man will, aber Spielspaß, das konnten die Shred-Helden schon vermitteln. Und das schafft auch die Sun Valley, die kompromisslose Performance mit, man traut es sich kaum zu sagen, Vintage-Flair kombiniert (das liegt dann aber echt nur am Sea-Foam-Green). Bespielbarkeit, Ergonomie, Klangausbeute und Verarbeitung agieren auf gewohnt hohem Schecter-Niveau, was dazu führt, dass diese Gitarre ein heißer Grund für ein persönliches Eighties-Revival sein könnte. Steiles Teil!

Stephan Hildebrand

Schecter Guitars

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Test & Technik Tue, 20 Jun 2017 22:00:00 +0200