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Michael Poulsen/Volbeat (guitar-Interview)

Volbeat-Chef Michael Poulsen stellt nach drei Monaten Pandemie-Quarantäne fest, dass er mal eben ein neues Album geschrieben hat. Uns erzählt er, warum Servant Of The Mind härter klingt als der Vorgänger, was Hexenverbrennungen damit zu tun haben und warum manche Leute sich auch in einen Toaster einstöpseln könnten.

volbeat 21 5 credit ross halfin

Michael, eine Platte entsteht bei euch üblicherweise über den Zeitraum von zwei Jahren. Jetzt schossen dir die neuen Songs geradezu aus den Fingern. Wie kommt’s?
Michael Poulsen: Dass wir wegen der Pandemie nicht touren und auch sonst nichts groß etwas machen konnten, fühlte sich irgendwie an wie am Anfang der Band: als uns noch keiner kannte, gab es kaum Shows, sondern vor allem Musikmachen im Proberaum. Da hören höchstens mal ein paar Kumpels zu, über Touren hat niemand nachgedacht. Deswegen kam ich mir fast wieder vor wie mit 17 oder 18.

Plötzlich gab es nur noch die Jungs in der Band, und wir wollten Spaß haben. Zweimal die Woche haben wir geprobt, und jedes Mal fiel mir ein neuer Song ein. Als das nicht mehr ging, komponierte ich zu Hause. Mir ging es gut, und ich hatte beste Laune dabei, mein Publikum war ich selbst. Irgendwann als wir uns wieder treffen konnten, standen die Songs. Die Jungs kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, und auch unser Produzent Jacob Hansen war ganz verblüfft: „Ihr habt was?“ – „Yep, wir haben eine ganze Platte fertig.“

Servant Of The Mind klingt ein gutes Stück heavier und rifflastiger als Rewind, Replay, Rebound von 2019 …
Während der Pandemie habe ich viele Interviews zur Geschichte der Band gegeben, von meinen Anfängen im Death-Metal bis heute. Das sorgte für eine Menge Inspiration und brachte echt viele tolle Erinnerungen zurück. Vielleicht kamen deshalb die härteren Riffs raus. Wenn ich jetzt in diesem Moment die Gitarre in die Hand nehmen würde, entstünde nochmal ein hartes Album, vielleicht sogar heavier.

Man muss nur mal an die ganze Energie denken, die man auf Tour und auf der Bühne aufbringt. Man lässt das alles raus, kommt nach Hause und schreibt dann Lieder – doch die Energie der Shows ist weg, man arbeitet anders. Diesmal wusste ich gar nicht wohin mit dem ganzen aufgestauten Schwung! Ich bin morgens gelaufen, saß auf dem Fahrrad und trainierte viel, aber es musste trotzdem raus.

0 volbeat servant of the mind albumcover

Die Aufnahmen müsst ihr ebenfalls schnell runtergerissen haben …
Ja. Bei Rewind wollten wir möglichst „groß“ klingen und haben wahnsinnig viel Zeit im Studio verbracht. Das hat echt Kraft gekostet – so müssen sich Metallica beim Black Album gefühlt haben. Wir sind natürlich mächtig stolz auf die Platte, sie ist ein Höhepunkt in unserer Karriere und brachte uns in die größten Stadien in der ganzen Welt. In diese Richtung mit vielen Details und zusätzlichen Sounds wollte ich aber nicht weitermachen, das hätte Ewigkeiten gedauert. Jon (Larsen, Drums), Kaspar (Boye Larsen, Bass) und ich glauben nicht an Perfektion, das finden wir wahnsinnig langweilig.

Rob (Caggiano, Gitarre) allerdings kann sich Jahre im Studio verkriechen und an irgendeinem Sound oder Riff basteln. Das zieht natürlich Schwung raus, aber so arbeitet er eben gerne. Das muss man respektieren. Nur war er diesmal notgedrungen nicht dabei, sondern spielte seine Soli in New York ein. Niemand verlangsamte den Prozess, um es nett auszudrücken. Nach zweieinhalb Wochen hatten wir die Aufnahmen im Kasten – und konnten uns danach nur verblüfft anschauen: „Was zum Teufel ist denn hier gerade passiert?“ Die Energie im Studio fühlte sich an wie mit 18! Das hat echt Spaß gemacht und lief wie früher: Gitarre, Gesang, Drums und Bass, und bloß nicht zu viel Zeit damit verbringen, Spuren über Spuren zu schichten!

In „Shotgun Blues“ geht es um geisterhafte Erscheinungen beim Einzug in ein neues Haus, „Lasse’s Birgitta“ erzählt von den ersten Hexenverbrennungen in Schweden im Mittelalter, „The Sacred Stones“ berichtet von einem irdischen Wesen, dass sich der dunklen Seite hingegeben hat. Woher kommt die Hinwendung zu Fantasy-Lyrics statt Rock’n’Roll-Roadstories?
Bestimmte Songs verlangen nach einem bestimmten Thema. Und die Nummer mit der Hexenverbrennung basiert auf einer wahren Geschichte! Für die Musik dazu fühlte ich mich sehr inspiriert von alten Black-Sabbath-Sachen mit Ronnie James Dio und auch mit Tony Martin. Entsprechend heavy kam die Musik zu „Lasse’s Birgitta“ raus. Und wenn ein Lied sich in diese Richtung bewegt, braucht man ein düsteres Thema, das dazu passt.

Ist das Album mehr „Poulsen-lastig“, weil die Band weniger zusammen daran arbeiten konnte?
Nun, von mir stammen immer schon 95 Prozent der Volbeat-Musik. Aber natürlich überlasse ich oft Rob manche Dinge, weil ich mich zum Beispiel auf den Gesang konzentriere, außerdem spielt er immer seine eigenen Rhythmusgitarren ein. Diesmal ging das nicht, alle Rhythmus- und Cleanspuren kommen von mir. Das fühlte sich richtig an angesichts der Entstehung des Materials. Man könnte sagen, dass Servant Of The Mind den jungen Michael Poulsen zurück bringt ins Hier und Jetzt. Die Kombination gefällt mir.

volbeat 21 7 credit ross halfin

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Was macht dein Gitarrenspiel aus, im Gegensatz zu Rob etwa?
Rob ist ein versierter Instrumentalist, er hat vermutlich mehr Technik in seinen Zehen als ich in meinen Händen. Aber ich habe immer den Volbeat-Gitarrensound eingebracht. Von mir kommt der typische Stil des Gesangs und des Songwritings. Und das alles kann man auf dieser Platte definitiv hören. Auf dieser Platte gibt es nur meinen Gitarrensound und mein Gitarrenspiel.

Das Intro und Outro von „Becoming“ klingt nach klassischem schwedischen Death-Metal. Dafür habt ihr eigens eine uralte Boss-HM-2-Tretmine ausgegraben. Ansonsten hören wir wie immer Gibson-Gitarren und Marshall-Stacks, richtig?
Ja, das Zeug spiele ich weiterhin. Aber wie ihr alle wisst, kommt viel des Signature-Sounds vom Musiker selbst, nicht so sehr vom Equipment. Wie man die Saiten anschlägt, spielt die größte Rolle. Dazu kann ich euch eine Geschichte erzählen: Für unser Album Beyond Hell/Above Heaven hat vor über zehn Jahren Michael Denner von Mercyful Fate ein paar Soli eingespielt. Natürlich wollten wir, dass er sich im Studio wohlfühlt. Also fragten wir, welchen Amp er braucht, welche Effekte, alles mögliche.

Er meinte nur: „Leute, bleibt locker. Ich bringe meine Klampfe mit und spiele, was da ist.“ Vermutlich hätte er sich sogar in einen Toaster einstöpseln können, denn sobald er loslegte, klang das voll nach Mercyful Fate! Ich sehe mich selbst nicht als riesiges Talent an der Gitarre, aber ich habe einen eigenen Stil. Mich kann man in alles einstöpseln, und man hört sofort den Volbeat-Sound.

Text: Christof Leim
Fotos: Ross Halfin

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