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Zur Erinnerung: Jeff Beck – Interview zu Loud Hailer

Noch immer ist es schwer zu fassen, dass Gitarren-Legende Jeff Beck verstorben ist. Wir haben euch das Interview mit Jeff Beck anlässlich des Albums Loud Hailer (2016) und der damaligen Tour mit Buddy Guy bereitgestellt. Gedenken wir ihm, als dem inspirierenden und inspirierten Gitarristen, der er Zeit seines Lebens gewesen ist.

Ein „Lautsprecher“ war Jeff Beck noch nie. Lieber ließ er seine Gitarre für sich sprechen, seit er 1965 Eric Clapton bei den Yardbirds ersetzte. Doch jetzt nutzt er sogar ein Megafon, um auf sich aufmerksam zu machen. Genauer gesagt: darauf, was ihm am Herzen liegt. Diese Anliegen hat er mit weiblicher Unterstützung für seine neue CD Loud Hailer aufgenommen.

Jeff, du bist demnächst gemeinsam mit Buddy Guy auf Tour ...
Jeff Beck: Stimmt, und zum ersten Mal seit geraumer Zeit bin ich richtig aufgeregt und gespannt. Mit Buddy, den ich 1963 geradezu angebetet habe und der mir die Welt des Blues eröffnet hat, als ich ihn 1964 live gesehen habe, das ist schon ein Hammer! Und dann noch dazu das neue Album mit diesem neuen Ansatz und Songmaterial – es ist etwas ganz Besonderes!

Der „neue Ansatz“ bedeutet, dass du mit Loud Hailer seit ewigen Zeiten mal kein Instrumentalalbum vorgelegt hast, sondern quasi mit einer Band Songs inszenierst. Wie kam es dazu?
Mir fiel nichts Rechtes ein, die Inspirationsquelle war irgendwie versiegt. Ich hatte keinen Bock, irgendwas zu recyceln, was ich in der Vergangenheit schon mal gemacht habe. Ich will der Leadgitarrist sein und die Freiheit haben, ein bisschen herumzuspringen, will aber nicht immer im Fokus stehen. Die Interaktion mit einem Sänger oder einer Sängerin macht mir Spaß – dabei fühle ich mich am wohlsten, und dabei bin ich am glücklichsten. Das hat mir schon bei den Yardbirds Vergnügen bereitet.

Das klingt aus deinem Mund befremdlich …
Wenn nur ich im Scheinwerferlicht stehe und alle Aufmerksamkeit auf mich gerichtet ist, fühle ich mich inzwischen nicht mehr wohl. Ich habe mir einen Namen gemacht, ohne eigentlich Solokünstler zu sein – mir ist die Rolle als Leadgitarrist lieber. Ich will ja niemandem zu nahe treten, der Instrumentalmusik macht – jeder soll das tun, was ihm Freude bereitet. Ich gehe auch in ihre Konzerte und habe meinen Spaß vor der Bühne dabei.
Es macht mir aber keinen Spaß mehr, bei jedem Stück gewissermaßen als Leadsänger und Leadgitarrist zugleich dazustehen, den Hampelmann auf der Bühne zu geben und die Leute anderthalb Stunden zu unterhalten. Wenn man einen Sänger oder eine Sängerin dabei hat, gilt die Aufmerksamkeit auch und vor allem ihnen, ich bin entlastet – und das kann ganz schön inspirierend sein!

Ist es auch inspirierend, mit hübschen Damen auf der Bühne zu stehen, die dazu noch gute Musikerinnen sind?
Es ist auf jeden Fall kein Schaden. [grinst schelmisch] Nein, im Ernst – ich war gar nicht so daran interessiert, irgendeinen Sänger oder eine Sängerin aufzuspüren. Ich war mehr auf der Suche nach einem guten Rhythmusgitarristen. Und dann habe ich bei der Geburtstagsfeier von Queen-Drummer Roger Taylor Carmen Vandenberg kennengelernt, und meine Ohren wurden immer länger, als ich mitgekriegt habe, dass sie ein großer Fan von Albert Collins und Buddy ist.
Ich habe sie zum Essen eingeladen, war aber vorher noch in einem Konzert ihrer Band Bones – ich war einer von acht Besuchern. [lacht] Da hat mich Sängerin Rosie Bones schwer beeindruckt, und ich habe sie gleich mit eingeladen. Daraus hat sich dann alles entwickelt.

Jeff Beck und Stevie Wonder performen „Superstition“.

Was war für dich der Reiz dabei?
Carmen eröffnete mir die Möglichkeit, das Ganze mal von einem ganz anderen Ansatzpunkt her anzugehen. Mit ihr habe ich wieder mal eine coole Gitarristin in meiner Band, die viele immer noch vorhandene Vorurteile eindrucksvoll widerlegt, dass Mädels oder Frauen nicht Gitarre spielen könnten. Carmen verleiht der Sache eine unglaubliche Frische!

Ihr habt die Songs fürs Album gemeinsam entwickelt ...
Richtig. Wir haben gejammt, Ideen gesammelt und diese dann entwickelt. Ich habe Rosie gesagt, was ich mir textmäßig dazu vorstellen könnte, und sie kam dann mit erstaunlichen Lyrics an, die mich richtig beeindruckt haben.

Jeff Beck und Texte: Da begegnen sich zwei Welten, die lange nichts miteinander zu tun hatten – und dann kommt auch noch ein „politisches“ Album heraus, mit einigen deutlichen Statements …
Genau! Es gibt einige Dinge auf unserer Welt, die mich umtreiben. Diese Plastikwelt der amerikanischen Reality-Shows geht mir unglaublich auf den Senkel. Aber auch internationale Themen, die momentan die Welt in Atem halten, treiben mich um, machen mir Sorgen.
Diese Gedanken wollte ich mal loswerden, und ich wollte die Aufmerksamkeit meiner Fans darauf richten, auch wenn ich nun wahrlich kein Weltverbesserer oder Politprediger bin. Ich will aber nicht zu sehr ins Detail gehen. Es soll sich jeder selbst ein Bild machen. Deswegen habe ich das Album auch Loud Hailer – also Megafon – genannt und auch eines aufs Cover gesetzt.

Ihr liefert nicht nur starke Songs, sondern du brillierst auch wieder mit einigen begnadeten Solos ...
Vielen Dank für das Kompliment!

Vor allem die ruhigeren Soli in Songs wie „Shame“ oder „Shrine“ beeindrucken, mehr als die üblichen Flitzefingereien ...
Ja, da ist wirklich was dran. [lacht] Das lag aber auch einfach daran, dass ich längere Zeit nicht Gitarre gespielt hatte – fast zwei Monate lang, was für mich wirklich viel ist. Deswegen konnte ich auch keine Gymnastik auf den Saiten betreiben. [lacht] Die Gefahr ist doch außerdem, dass man zu viele Noten spielt, die nicht wirklich viel aussagen. Die Emotionen, die ich haben wollte, kommen jedenfalls voll raus.

Wie hast du die Solos entwickelt? Hast du sie während der Aufnahmen spontan gespielt?
Ja. Bei „Shame“ hört man genau das, was ich spontan im Studio gespielt habe, keine Overdubs. Zum Teil hört man auf der Platte
sogar die Gitarrenpassagen, die ich beim Songschreiben oder bei der Aufnahme der Demos gespielt habe. Da habe ich gar nicht versucht, noch irgendwas nachträglich zu verbessern. Das sind ehrliche Performances.

Kannst du dafür Beispiele nennen?
Zum Beispiel „Live in the Dark“ oder „The Ballad of the Jersey Wives“. Aber es kommt noch ein Faktor dazu: Dadurch, dass ich immer wieder mal in die Rolle des Begleiters schlüpfen konnte, ist es kein Gitarristenalbum geworden …

Was meinst du mit Begleiter?
Dass ich Vocals begleiten konnte. Und da hat Rosie einen super Job gemacht – ich freue mich jetzt schon auf die anstehenden Shows!

Vor zwei Jahren hast du was von einem fast fertigen Album erzählt ...
Das habe ich hintangestellt, um nicht zu sagen: in die Mülltonne getreten. Es war zu sehr Muzo, in der Art der letzten Alben. Außerdem hätte ich mich damit nicht weiterentwickelt. Ich wollte aber wieder in einem Rock’n’Roll-Kontext spielen und die Freiheit genießen, die man nicht hat, wenn man rein instrumental agiert.

Philipp Roser

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