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The Aristocrats - FREEZE! Live in Europe 2020

The Aristocrats - FREEZE! Live in Europe 2020

Spielfreudig und virtuos wie eh und je zimmert das All-Star-Trio der Instrumentalmusik ein Klangerlebnis nach dem anderen auf die Bühne. Dabei bewegen sich Govan, Minnemann und Beller souverän – wie auch nicht anders gewohnt – zwischen Metal („Spanish Eddie“), Country („When We All Come Together“) und experimentellen Groove-Nummern wie „Get It Like That“, das Neil Peart gewidmet ist.

Auch die beiden phänomenalen, an die Hellecasters erinnernden Nummern „The Ballad Of Bonnie And Clyde“ und „Last Orders“ strotzen vor Energie und Gefühl. Eine Schande, wer die Aristocrats noch nicht live erleben konnte. Eben für diese armen Seelen gibt es als vorläufiges Trostpflaster dieses organische Live-Dokument.

https://the-aristocrats-band.com/

Text: Lukas Lautenbacher

Tim Bogert

Tim Bogert verstorben

Bassist Tim Bogert gelang mit der amerikanischen Psychedelic-Rockband Vanilla Fudge der musikalische Durchbruch, die er 1965 zusammen mit Mark Stein gründete und Ende der Sechziger Jahre internationale Erfolge erzielte. Nach der Auflösung von Vanilla Fudge 1970 gründete er zusammen mit Drummer Carmine Appice die Bluesrock-Band Cactus, die viele Elemente des Hard-Rocks vorweg nehmen sollte. Auch Cactus sollte nur zwei Jahre als Band aktiv sein, weshalb er im Anschluss daran mit Appice und Jeff Beck die Supergroup Beck, Bogert & Appice ins Leben rief, die sich ebenfalls nach einer kurzen, aber intensiven Bandphase 1974 auflöste. Ab 1982 war Bogert an zahlreichen Reunions von Vanilla Fudge dabei, die als Band bis heute noch aktiv sind.

Tim Bogert verstarb am 13. Januar 2021 im Alter von 76 Jahren. Sein verzerrter Bass-Sound sollte den Heavy Metal um Jahre vorwegnehmen. Rock on, Tim!

Foto: Michael Putland / Kontributor via Getty Images

Rose Tattoo Band guitar workshop

Rose Tattoo - Rose Tattoo (guitar Workshop)

Obwohl Angry Anderson und seine Jungs von Rose Tattoo mit der Slide-Gitarre ein Alleinstellungsmerkmal haben, segeln sie lange im Schatten ihrer australischen Rock-Kollegen AC/DC um SG-Derwisch Angus Young. Zu Unrecht, wie wir finden. Das beweist schon ihr Debüt Rose Tattoo von 1978.

Rose Tattoo Band guitar workshop
v.l.: Pete Wells (g), Mick-Cocks-Ersatzmann Robin Riley (g), Geordie Leich (b), Digger Royal (d); vorne: Angry Anderson (voc) (Foto: Golden Robot Records)

Rose Tattoo werden von Pete Wells in Sydney ins Leben gerufen. Der ehemalige Buffalo-Bassist ist zur Slide-Gitarre gewechselt und hat eine genaue Vorstellung von seiner künftigen Combo: Sie soll den lautesten, aggressivsten Rock’n’Roll spielen, den die Welt je gehört hat – und alle Mitglieder sollten tätowiert sein.

Mit Sänger Tony Lake und Gitarrist Leigh Johnston wagt er die ersten Gehversuche. Kurz darauf trifft Wells auf den Sänger Gary „Angry“ Anderson, der über eine Stimme verfügt, die viele an den jungen Rod Stewart erinnert. Die Chemie zwischen den beiden stimmt von Beginn an, weshalb das kleine Kraftpaket auf den Platz am Mikrofon einwechselt.

Außerdem holt Wells Mick Cocks an die Rhythmus-gitarre, besetzt den Bass mit Ian Rilen von Band of Light und den Schlagzeughocker mit Michael Vandersluys. Rein äußerlich wirken die Tatts bereits wie eine eingeschworene Gang: der glatzköpfige Anderson mit kleiner Statur und großem Temperament, überragt von seinen Band-Kollegen mit kurzen Haarschnitten, abgetragenen Klamotten und allesamt, wie gewünscht, übersät mit Tätowierungen.

Songs von der Straße

Der Sound der frühen Rose Tattoo rührt eine energetische, räudige Rock-Mischung an: Die eigenwilligen Slide-Gitarreneinsätze brechen sich mit Hardrock-Riffs und Punk-Attitüde und schmiegen sich an bluesige Grooves. Nach wenigen Monaten erfolgt ein weiterer Besetzungswechsel, der die Formation für das Debütalbum komplettiert:

Für Vandersluys wird Dallas „Digger“ Royal an den Drums rekrutiert, der schon zusammen mit Angry Anderson in der Melbourner Truppe Buster Brown musiziert hat. Dort trafen sie übrigens auch mit einem gewissen Phil Rudd zusammen, der anschließend bekanntermaßen Kesselklopfer bei AC/DC wurde. Auch die australische Musikszene ist eben ein Dorf.

Die Rose-Tattoo-Mitglieder entstammen allesamt den sozial schwächeren Vierteln der australischen Großstädte und sind von Fabriken und Arbeiteralltag geprägt. Angry Andersons Texte erzählen daher meist direkt aus dem wahren Leben: Der nächtliche, blutige Showdown zwischen „The Butcher and Fast Eddy“ aus dem gleichnamigen Song hat beispielsweise tatsächlich zwischen zwei Banden in den dunklen Ecken Melbournes stattgefunden.

Den Song "Nice Boys" vom Debüt-Album spielten Rose Tattoo während ihrer Deutschland-Tour 2018:

Starthilfe von AC/DC

Ihr Straßenimage hegen und pflegen die Tatts: Sie machen vor Partys, Exzessen und Schlägereien keinen Halt. Als Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit lassen sie sich Ringe auf ihre Mittelfinger tätowieren. Ihre Attitüde fasst der Song „Rock’n’Roll Outlaw“ noch einmal deutlich zusammen: Ihnen schwebt ein Musikerleben on the road, ohne Verpflichtungen, abseits des Spießertums und gesellschaftlicher Normen vor.

Der Klassiker, der später das Album eröffnet, präsentiert gleich das Markenzeichen ihres Sounds: Mit seiner prominent eingesetzten Slide-Gitarre verleiht Pete Wells dem rockigen Blues-Rumpler eine melodiöse Note, die sich wie die australische Sonne in die Ohren brennt.

In unseren Breitengraden wird das Stück zuerst durch Helen Schneiders „Rock’n’Roll Gypsy“ bekannt. Die US-amerikanische Sängerin tourt 1980 mit Udo Lindenberg durch Deutschland und landet mit der abgeänderten Cover-Version hierzulande einen Top-Ten-Hit. Anderson, Wells, Cocks, Rilen und Digger sind hartnäckig und erspielen sich eine wachsende Fangemeinde, darunter auch Bon Scott und Angus Young von AC/DC, die sich gelegentlich den Tatts auf der Bühne anschließen.

Damit ihre rauhen Kollegen vorwärts kommen, machen sie schließlich den entscheidenden Zug: Sie geben den beiden Produzenten und Easybeats-Mitgliedern Harry Vanda und George Young den Tipp, sich die Band mal genauer anzuschauen.

Letzterer ist obendrein der ältere Bruder der AC/DC-Saitenfraktion Malcolm und Angus Young. Die beiden sind begeistert Ihr selbstbetiteltes Debütalbum zimmern die Herren weitestgehend live auf die Tonbänder. Der Sound ist daher straßentauglich roh, aber immer noch transparent genug, um die Nuancen von Wells’ Slide-Gitarre und Andersons einzigartiger Stimme rüberzubringen.

Rose Tattoo Album guitar workshop

Bass im Knast

Zunächst wird die erste Single „Bad Boy for Love“ veröffentlicht. Sie erobert die Radio-stationen des Landes und verschafft dem Fünfer den Durchbruch in seiner Heimat. Die Nummer geht noch auf das Schreibkonto des ursprünglichen Bassisten Ian Rilen. Der stampfende Hardrock-Groover erzählt von einem Typen, der immer wieder hinter Gittern landet. Rilen weiß, wovon er schreibt: Sein Interesse am Bassspielen wurde geweckt, als er sich in jungen Jahren im Knast die Zeit vertreiben wollte.

1981 wird das Debütalbum unter dem Titel Rock'n'Roll Outlaw endlich in der UK veröffentlicht. Der bluesige Hardrock aus Australien findet schließlich auf dem alten Kontinent so viel Gefallen, dass Rose Tattoo kurzerhand ins Vorprogramm von Rainbow eingeladen werden. Das verschafft den Musikern viel Aufmerksamkeit, zumal sie mit ihren kompromisslosen Live-Qualitäten immer mehr Fans für sich gewinnen können.

Durch die Verzögerung des Europa-Releases ihres Debüts landen die fünf mit dem bereits fertiggestellten Nachfolger Assault & Battery 1981 gleich einen Anschlusstreffer und schaffen schließlich auch in England den Durchbruch. Dort gelten sie schnell als die neuen Metal-Helden, obwohl sich Angry und Konsorten eher an den Rolling Stones als an Judas Priest orientieren.

Nach zwischenzeitlicher Auflösung gelingt 1993 überraschend die Wiederauferstehung mit Hilfe von Guns N’ Roses, welche die eigentlich ruhenden Tatts in ihr Vorprogramm einladen – und so waren sie im Mai 2018 mit ihnen auf Tour unterwegs. Auch wenn die Mannschaft um Angry Anderson in die Jahre gekommen ist, bleiben ihr großartiges Debüt mit zeitlosen Klassikern, ihr großer Einfluss auf zahlreiche heutige Bands – und Rosentätowierungen auf rebellischer Männerhaut.

Text: Isabell Raddatz

Den gesamten Artikel inklusive Riffbeispiele und Noten/Tabs findet ihr in der guitar 6/2018 - die ihr euch hier problemlos als PDF inklusive Download-Files holen oder nach Hause liefern lassen könnt.

Brian Setzer Stray Cats rockabilly guitar workshop

Rockabilly: Laut, schnell, wild (guitar Workshop)

Tattoos, Hot Rods, Pin-ups und Pomade – all das gehört heute zum Rockabilly-Kult. Am Anfang aber war die Musik. Und ganz vorne mit dabei: Der kürzlich verstorbene Chuck Berry. Wir schauen uns Geschichte, Gear und Technik des Rockabilly und seiner Gitarristen in diesem Workshop an.

Brian Setzer Stray Cats live on stage
Brian Setzer/Stray Cats (Foto: Suzie Caplan

Anlässlich des Todes von Chuck Berry präsentieren wir euch unser großes Rock'n'Roll-Special inklusive den Tabs und Noten zu Chuck Berrys Song „Maybelline“.

Rettungskräfte fanden Berry am frühen Nachmittag des 18. März leblos in seinem Haus, wie die Polizei in St. Charles County im Bundesstaat Missouri auf Faceboook mitteilte. Chuck Berry wurde 90 Jahre alt.
„Chuck Berry war der größte Rock-Praktiker, Gitarrist und der größte, pure Rock-'n'-Roll-Schreiber, der je gelebt hat“, schrieb der Rocksänger Bruce Springsteen auf Twitter.

Seine legendären Riffs wie "Johnny B. Goode" oder "Roll over Beethoven" prägten die Musikgeschichte. Was er einst gemeinsam mit weiteren Wegbereitern etablierte, erweist sich bis heute als unverwüstlicher Jungbrunnen der Rockmusik – go, cat, go!

Hier kommt unsere Story zu 60 Jahren Rock'n'Roll-Geschichte!

Patti Pages Nummer-eins-Hit in den US-Billboard-Charts 1953 hieß „(How Much Is) That Doggie in the Window“. Ein albernes Stückchen Familienunterhaltung für die braven Suburbs der Eisenhower-Ära, das dem geneigten Betrachter, führt man es sich heute bei Youtube zu Gemüte, den grassie-renden Stumpfsinn und Mangel an mitreißen-den Momenten in der populären Musik jener Tage drastisch vor Augen führt. Kein Wunder also, dass es unter der Decke der prüden US-Nachkriegsgesellschaft gärte.

Veränderungen zogen am Horizont auf,­ und die Musik spielte dabei eine Vorreiterrolle. Besonders spürt man das zu Beginn der 1950er Jahre in den Metropolen des Südens, wo die Rassentrennung zwar noch immer so rigide wie eh und je gehandhabt wird, die kulturellen Grenzen, zumal die musikalischen zwischen Schwarz und Weiß, aber durch-lässiger geworden sind. Verantwortlich dafür ist das Radio. Längst gibt es kleine Stationen, deren Pro-gramm sich aus Hillbilly und Country & Western auf der einen Seite sowie Gospel und Rhythm’n’Blues auf der anderen speist.

Die Kids wollen aufregendere Musik als die der Eltern, Dinah Shore und Perry Como sind nett, aber langweilig. Elektrisierend dagegen sind die rauhe Energie und die Emotionalität der schwarzen Musik. Und deren wilder Beat. Die Eltern rümpfen die Nase, sprechen von Sünde und freuen sich auf die wöchentlichen Shows aus der „Grand Ole Opry“ oder vom „Louisiana Hayride“. Im Süden der USA wird die beste Musik der nach Hautfarbe getrennten Welten über den Äther frei Haus geliefert.

Schwarz-weiße Kollaborationen

Noch in den 1940er Jahren war der Big-Band-Swing die populärste Musik auf dem weißen Markt. Inzwischen hat Country & Western vor allem auf dem Land Marktanteile gewonnen. Ein Bastard aus beiden, der sogenannte Western-Swing, vertreten etwa durch den texanischen Fiddler Bob Willis, hat es zudem zu großer Popularität gebracht. Mag das schwarze und weiße Publikum bei Live-Veranstaltungen und Radio-Shows wie der WHBQ Saturday Night Jamboree in Memphis noch mit Hilfe eines quer durch den Raum gespannten Seils getrennt werden – backstage verkehren die Musiker ohne Vorurteile mit-einander. Gitarristen zeigen sich gegenseitig ihre Licks, Sänger schauen die Tricks der Kollegen ab, und in den Plattenstudios kommt es zu schwarz- weißen Kollaborationen.

Vor allem Elvis ist es, der bald schon eine regel-rechte Hysterie unter den jugendlichen weißen Zuhörern entfacht hat und dafür sorgt, dass sich diese neue Musik wie ein Flächenbrand in den Südstaaten verbreitet. Sie nannten es Rockabilly: die auf das nötigste reduzierte Instrumentierung, der auf-gedrehte Schluckaufgesang, gerne durchsetzt mit Falsett-Effekten und gebettet in reichlich Reverb; die charakteristische Spielweise der elektrischen Gitarre, die ihre markanten Bass-läufe mit kurzen Melodie-Licks kombiniert, und der wuchtig peitschende Slapbass, der einen Drummer im Grunde überflüssig macht. In kürzester Zeit nahmen nun Legionen von Musikern diesen simplen und vitalen Stil auf.

Die bekanntesten Sänger, die nach Elvis auf dem Feld des Rockabilly Aufsehen erregten, waren Gene Vincent („Be-Bop-A-Lula“) mit seinem grandiosen Gitarristen Cliff Gallup und Carl Perkins, dessen „Blue Suede Shoes“ zum Genre-Klassiker wurde, Eddie Cochran („Summertime Blues“), Buddy Holly („Peggy Sue“), Larry Williams („Short Fat Fanny“) und nicht zuletzt der heute fast vergessene Johnny Burnette, der 1964 mit einem Fischerboot tödlich verunglückte und dessen Fifties-Hits – „The Train Kept A-Rollin’“, „Rockabilly Boogie“, „You’re Sixteen“ – in den 1960ern zuhauf von britischen Youngsters nachgespielt wurden. Andere wie Charlie Feathers, Wanda Jackson, Johnny Carroll oder Billy Lee Riley, der es 1957 mit dem denkwürdigen Titel „Flyin’ Saucers Rock’n’Roll“ versuchte, konnten zumindest kurzfristig für Aufmerksamkeit sorgen. Kurze Blütezeit Weitere Stars des frühen Rock’n’Roll wie Chuck Berry, Jerry Lee Lewis und Little Richard siedelten ihre Musik näher am klas-sischen Rhythm’n’Blues an, instrumentierten ihn unterschiedlich, verwendeten Klavier und Bläsersätze und legten das Gewicht stärker auf Boogie-Elemente.

Den gesamten Artikel inklusive weiterer Noten-Beispiele und CD könnt ihr euch hier nachbestellen.Der reine Rockabilly mit seinem deutlichen Country-Stempel ging nach kurzer Blütezeit im allgemeinen Rock’n’Roll-Fieber auf. Er galt ohnehin als etwas provinziell, weshalb er sich außerhalb der Südstaaten nie so recht durchsetzte. Viele seiner Galionsfiguren ver-legten sich folglich bald wieder auf die Countrymusik, von der sie einst gekommen waren. (Der junge Johnny Cash war erfolgreich den umgekehrten Weg gegangen, indem er seine Countryballaden mit dem Twang des Rockabilly anreicherte.)

Gegen Ende der 1950er Jahre war Rockabilly von der Bildfläche verschwunden. Aber er rumorte im Verborgenen weiter. Etwa in Großbritannien, wo die jungen Bilderstürmer der frühen Beat-Tage ihn quasi mit der Muttermilch bekommen hatten – Musiker wie Gene Vincent, Jerry Lee Lewis und Eddie Cochran hatten mit ihren Englandtourneen in den frühen 1960ern dafür gesorgt. Klassische Rockabilly-Songs tauchten denn auch im Repertoire einer jeden Sixties-Band auf, die etwas auf sich hielt. Offiziell eingeläutet wurde das erste echte Revival 1969, als John Lennon mit seiner Plastic Ono Band das „Toronto Rock’n’Roll Festival“ beehrte.

Chuck Berry Maybeline Tabs guitar workshop

In den 1970ern dann zimmerten Bands wie die Rubettes, Mud, Showaddywaddy und andere ihre Karrieren aus dem Baukasten des frühen Rock’n’Roll – inklusive entsprechender Rückgriffe auf die Mode jener Epoche, also Pomadenfrisuren und Pettycoats.

Schnell, laut und wild

War dieses erste Fifties-Revival noch ein eher Marketing-gesteuertes, das sich aus dem Nos-talgiebedürfnis eines erwachsen gewordenen Publikums ergab und nur die alten Klischees wiederkäute, so fand Rockabilly mit dem Aufkommen des Punk auch wieder Kontakt zur aktuellen Jugendkultur. Bands wie The Clash griffen nicht nur auf die Musik zurück, sie entdeckten auch das rebellische Potenzial der Bewegung wieder, das in den 1950er Jahren prägenden Einfluss auf die Teenage-Rebellion ausgeübt hatte – Rockabilly schien ein geistesverwandter Onkel des Punk.

Prompt entstanden mit Punkabilly und Psychobilly neue, in der Lebenswirklichkeit des Thatcher-Englands gehärtete Varianten des alten Stils. Parallel dazu übernahmen amerikanische Musi-ker wie die Cramps und Mojo Nixon das Erbe und machten es zu einer der tragenden Säulen des Indie-Rock.

In den 1980er Jahre erschien mit den Stray Cats eine Band auf der Bildfläche, die charis-matisch und versiert genug war, den Rocka-billy nachhaltig zu modernisieren und ihn erstmals seit den Pionierjahren aus dem Underground zurück in den Mainstream zu holen. Vor allem die atemberaubende Virtu-osität ihres Gitarristen Brian Setzer (Interview Seite 44) im Verein mit der zeitgemäßen Produktion ihrer Alben und eigenständigen Songs wie dem „Stray Cat Strut“ war dafür verantwortlich, dass sich die Cats als Weltstars etablierten und bis heute als Überväter des Neo-Rockabilly gelten.

Mit Shakin’ Stevens eroberte ein weiterer Untertan Ihrer Majestät mit – allerdings stark geglättetem – Rock’n’Roll die Hitparaden. Und selbst in Westdeutschland entfachte eine Band wie die Ace Cats im Windschatten der NDW ein kurzlebiges Revival. Immer mal wieder ist Rockabilly für eine kommerzielle Überraschung gut, wie Sascha alias Dick Brave im Jahr 2003 und zuletzt das Berliner Retro-Trio The Baseballs bewiesen.

Rückgrat und Lebenselixier

Derweil verbeugten sich die Veteranen der ersten britischen Rockgeneration vor ihren Vätern. Cliff-Gallup-Fan Jeff Beck tat sich 1993 mit den hoch angesehenen Big Town Playboys zusammen. Led-Zeppelin-Frontmann Robert Plant scharte 1984 Musiker wie Jimmy Page und wiederum Jeff Beck um sich, um mit seinem Side-Project The Honeydrip-pers Chartserfolge einzufahren. Nicht zu vergessen der Kanadier Neil Young, der 1983 das umstrittene Rockabilly-Tribute Everybody’s Rockin’ herausbrachte.

Heute lebt Rockabilly vor allem als Underground-Kult in Europa weiter, mit eigenen Festivals, einer weitläufig bis in die USA vernetzten Szene inklusive Hot-Rod-Clubs, Tattoo-Studios, Bettie-Page-Pin-ups und eigener Mode-Ästhetik. Als eigenständiger Stil ist er im Mainstream zwar kaum noch präsent und allenfalls in Spurenelementen in der Musik von Bands wie The White Stripes, Kings of Leon oder Black Keys nachzuweisen. Dennoch blieb der rauhe Beat des Rockabilly bis heute Rückgrat und Lebenselixier des Kults.

Seine elementare Formel „Laut, schnell und wild“ ist seit sechzig Jahren für den weißen Rock gültig und hat ihm immer dann, wenn er mal wieder schlaff zu werden drohte, frisches Feuer unter den Hintern gelegt. Fuck that doggie in the window!

Text: Ernst Hofacker
Fotos: Getty Images

Der Artikel erschien erstmalig in der guitar-Ausgabe 08/2014. Verpasst? Hier könnt ihr euch das Heft bequem online nachbestellen.

Joe Satriani Guitar Shot

Joe Satriani (Interview)

Mit Shapeshifting entführt uns Joe Satriani auf eine Reise durch seine komplette Karriere und die (mögliche) Zukunft des Gitarren-Instrumentals. Im guitar-Schnack verrät Joe, was ihm im Studio Kopfzerbrechen bereitete und warum es wichtig ist, neben den High-End-Modellen eine Low-Cost-Variante seiner Ibanez-Signature-Serie zu besitzen.

Joe Satriani Guitar Shot
Foto: LeAnn Mueller/Sony Music

Joe, Shapeshifting verbindet klassische „Satch“-Trademarks mit von dir noch nie gehörten Stilelementen. Ist es nicht unfassbar schwer, nach 16 Studioalben eine derart frisch klingende Scheibe zu produzieren?

Joe Satriani: Ich bin stets mit offenen Augen und Ohren in der Welt unterwegs und sammele ununterbrochen Ideen, die mich später zu meinen Stücken inspirieren. Ungefähr alle zwei Jahre bündle ich diese Einfälle und überlege mir, in welche Richtung eine LP driften könnte. Im Fall von Shape-
shifting war das eine etwas harte Nuss, denn die Tracks entwickelten eine Eigendynamik, die ich mit einem übergestülpten Konzept nicht ausbremsen wollte. Ich ließ mich dabei einfach von meiner Leidenschaft für Musik und den Erfahrungen auf meinen Reisen leiten ... mehr mache ich ja eigentlich bei keiner Platte. Es passiert ganz einfach. (lacht)

Komponierst du generell nur Instrumentals, die auch aufgenommen werden oder besitzt du zusätzlich ein Archiv, aus dem du passendes Material zu den neu geschriebenen Tracks hinzufügst?

Generell bevorzuge ich ganz klar komplett neue Songs. Allerdings besitze ich natürlich einige Favoriten, die es bisher nicht auf ein Album geschafft haben. Ein perfektes Beispiel dafür ist „All For Love“. Die Wurzeln dieses Songs liegen in den späten ’90ern. Damals nahm ich die Blaupause dafür mit einem Kurzweil-K2000-Keyboard als „Orchesterstück“ ohne Gitarre auf. 2001 importierte ich diesen Mix in ProTools, brannte ihn auf CD und gab ihn John Paul Jones von Led Zeppelin. Zu dieser Zeit gab es den wagen Plan einer gemeinsamen Klassikscheibe. Aufgrund unserer vollen Terminpläne verlief sich dieses Vorhaben allerdings recht schnell im Sand. Ich dachte aber immer wieder mal an „All For Love“, wenn ich an einer LP werkelte, er wurde aber nie verwendet.

Als ich während dieser Produktion erneut darüberstolperte, fiel mir urplötzlich auf, dass er eigentlich eine super Grundlage für ein Gitarrenstück darstellt. Ich ersetzte Spur für Spur die Geigen und restlichen Streicher und hatte plötzlich den Einfall, als tragendes Element eine Gitarre, die durch ein verrücktes Pedal gejagt wird, einzusetzen. Da der Song in den hohen Regionen des Griffbretts angesiedelt ist, war es ein echter Drahtseilakt, die Passagen sauber einzuspielen. Die fertige Vorproduktion schickte ich an meinen Keyboarder und Rhythmusgitarristen Eric Caudieux. Er war sofort der gleichen Meinung wie ich, dass es zu den restlichen Kompositionen von Shapeshifting passt. Im Studio brauchte ich für meine Passagen dann allerdings zehn Anläufe ... der erste klang beispielsweise komplett fürchterlich ... (lacht)

Das war doch jetzt ein Scherz, dass gerade du zehn Takes brauchst, oder?

Nein, absolut nicht. Bei einer Albumproduktion bist du mit dem Material ja noch überhaupt nicht vertraut. Manchmal ist es gerade erst fertiggeschrieben – wie soll man es da schon verinnerlicht haben? Zudem sind spieltechnisch noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, diesen oder jenen Part umzusetzen. Eine LP ist quasi eine Dokumentation der Phase, in der du dich bei der Performance deiner Stücke am unwohlsten fühlst ... in zwei Jahren wird sich das geändert haben und ich bin dann echt gut darin, genau diese Instrumentals sauber zu spielen. (schmunzelt)

Joe Satriani Guitar Shot
Foto: LeAnn Mueller/Sony Music

Etwas kniffelig dürfte auch die Umsetzung und Entstehung von „Ali Farka, Dick Dale, An Alien And Me“ gewesen sein ...

Es gibt da von mir einen kleinen Track, den ich im Stil von Ali Farka einspielte. Er war ein Auftrag für den SciFi-Channel und blieb mir immer im Hinterkopf. Auf der „The Hendrix Experience“-Tour im letzten Jahr hörte ich ihn mir oft an und mir schwebte ein komplettes Tribute an Ali vor. Dann verstarb plötzlich Dick Dale und vor ihm wollte ich mich auch mit einer Komposition verneigen.

In einem echt verrückten Moment stellte ich mir dann vor, was wohl passieren würde, wenn Farka, Dale und ich gemeinsam in einem Studio stehen und zu einem außerirdisch klingenden elektronischen Backingtrack jammen. Irgendwann kam mir dieser Einfall gar nicht mehr so obskur vor, denn ich hätte so die Möglichkeit auf eine sehr respektvolle Art und Weise meine Verehrung für diese zwei großartigen Musiker auszudrücken. Beide kreierten Musik, die so herausragend und einzigartig war, dass ich das in die Melodien unbedingt einbinden musste. Ich ging dieses Vorhaben ziemlich entspannt an, allerdings war es richtig schwierig, wie Dick in die Saiten zu greifen. Für ein paar Fragmente kann man seinen Stil immer gut klingen lassen – bei einem kompletten Stück sieht das allerdings schon ganz anders aus.

Für mich ist dieser Song in der Retrospektive die ultimative Formwandlung, in der ich mich als Gitarrist komplett aufs Neue beweisen musste. Der Sprung zwischen den Spieltechniken, die rein gar nichts miteinander zu tun haben, war die ultimative Herausforderung als Musiker.

Was würdest du jungen Gitarristen raten, die gerade auf der Suche nach ihrem Sound sind?

Mein Gitarrenlehrer sagte mal zu mir: „Spiel nur die Noten, die du auch spielen möchtest. Wenn dein Lied fertig ist, brauchst du dir so keine Gedanken mehr zu machen, was du spielen solltest, wolltest oder könntest.“ So seltsam mir das damals vorkam, er hatte absolut recht. Auf die heutige Zeit umgemünzt, sollte der Suchende nur auf seine innere Stimme hören und emotional entscheiden, was er auf den sechs Saiten greift und zupft, um  damit glücklich zu sein. Er soll sich auch nicht mit alten Hasen wie mir vergleichen sondern etablierte Leute nur als  Ansporn verstehen und schlichtweg er selbst sein.

Deine Ibanez-JS-Modelle reichen passend dazu von 799 Euro für Einsteiger bis zur 5499-Euro-High-End-Variante für Profis …

Ich fing selbst mit einer günstigen Hagström H-III an. Zum Glück war sie damals erhältlich, denn meine Eltern konnten mir kein Instrument für tausende Dollar kaufen. Genau aus diesem Grund sind preiswerte Gitarren für Anfänger absolut wichtig. Die JS wird aus Einzelteilen zusammengeschraubt, bei denen man aufgrund der verwendeten Materialien enorme Einsparungen erzielen kann – so machte es beispielsweise auch zu seiner Zeit Leo Fender mit den Teles und Strats. Alle Elemente sind austauschbar und du kannst, wenn du es möchtest, die JS140 mit anderen Parts ausstatten. Ich freue mich, dass Ibanez mit mir diesen Schritt gegangen sind, denn ursprünglich gab es nur teure Modelle. Nun kann jeder eine JS spielen und darauf bin ich schon stolz.

Text: Chris Franzkowiak
Fotos: LeAnn Mueller/Sony Music

Das komplette Interview sowie viele weitere spannende Themen könnt ihr in guitar 6/20 nachlesen - ganz bequem online über unseren Shop nach Hause bestellen!

Deep Purple Band Shot

Steve Morse/Deep Purple (Interview)

Mit Whoosh! liefern die Hardrock-Legenden von Deep Purple ihr mittlerweile 21. Studioalbum in über fünfzig Jahren Musikkarriere ab und präsentieren sich abwechslungsreicher denn je. Daran ist Star-Produzent Bob Ezrin nicht ganz unschuldig, mit dem man bereits zum dritten Mal in Folge zusammenarbeitete. Wir haben Gitarrist Steve Morse zum neuen Album ausgequetscht.

Deep Purple Band Shot
Foto: Ben Wolf

Hallo Steve, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast. Corona hat ja dein Leben wie das von vielen anderen Menschen weltweit beeinflusst. Wie hast du die Zeit während des Lockdowns verbracht?
Steve Morse: Wir hatten mit Deep Purple im März unseren vorerst letzten Gig in Mexiko auf einem Festival gespielt. Dann ging es für mich zurück nach Florida, wo ich wohne. Aber ich habe das Haus für zwei Wochen nicht betreten, sondern habe erstmal unseren Wohnwagen bezogen. Meine Frau hat mir dann immer wieder Nachschub vorbeigebracht. Ich kam mir vor wie ein Aussätziger mit Lepra. Als die Informationslage über die Krankheit dann etwas besser wurde, haben wir beschlossen, mit ausreichend Sicherheitsabstand zusammen Zeit im Freien zu verbringen und haben jeden Abend gemeinsam Fernsehen geschaut. Das Verrückte ist ja, dass – seit ich bei Deep Purple bin – wir in den letzten 20 Jahren noch nie so lange pausiert haben und nicht auf Tour waren. Und wenn wir mal nicht am touren waren, haben wir entweder an einem Studioalbum gefeilt oder andere Projekte vorbereitet. Natürlich habe ich trotzdem auch jede Menge gearbeitet, da ich ja praktisch sehr viel Zeit in meinem „man cave“ verbracht habe und das auch noch immer tue.

Deep Purples letztes Studioalbum InFinite hatte ja noch einen sehr melancholischen Unterton, von dem viele Fans dachten, dass es euer letztes Album sein könnte. Mit eurem neuen Album Whoosh! seid ihr wieder zurück und wirkt vitaler denn je. Wie kam es dazu?
Wir tun uns einfach schwer aufzuhören. Nach der „Long-Goodbye“-Tour kommt wohl als nächstes „The-Hundred-Year“-Tour. (lacht) Aber mal im Ernst, wir arbeiten einfach gerne zusammen. Obwohl ich die Menschen in meinem Arbeitsumfeld gern daran erinnere, dass sie die Musik nicht zu ernst nehmen sollen. Obwohl man natürlich sein Handwerk als Professioneller beherrschen sollte, ist es wichtig, dass die Musik und der Akt des Erschaffens nicht deprimierend sein sollten. Die Jungs sind ja etwas älter als ich und ich dachte immer, dass sie sich irgendwann mal ihrem Alter entsprechend verhalten. Falsch gedacht! Die leben am Schluss bestimmt noch viel länger als ich, das sind einfach Aliens! (lacht)

Nach Now What?! und InFinite habt ihr jetzt bereits das dritte Mal mit Bob Ezrin (Pink Floyd, Alice Cooper, Kiss) als Produzenten zusammengearbeitet. Warum habt ihr euch wieder für ihn entschieden?
Bob versteht Musik im Allgemeinen und besonders unsere Musik sehr gut. Er hat die Situation immer im Griff und dabei den vollen Überblick, egal was gerade passiert. Auch wenn wir am diskutieren sind, in welche Richtung welcher Song gehen soll, hat er kein Problem damit, seine Meinung zu äußern und den Ton anzugeben – das ist unglaublich hilfreich. Gleichzeitig ist er aber auch sehr gut darin, das Maximum aus jedem Einzelnen rauszuholen – und weit darüber hinaus. Außerdem kommt er auch richtig gut mit Ian Gillan klar.

Welchen Einfluss hat er auf euren Sound, wie es andere so wohl nicht könnten?
Er hat nun mal von jedem Song eine ganz klare Vision. Er biegt buchstäblich alles so hin, dass es dem Song gerecht wird. Wenn ich zum Beispiel ein Solo spiele, bei dem ich mich in meiner Komfort-Zone bewege und wohl fühle, kommt von ihm nur: „Das klingt ja ganz nett, Morse, aber das habe ich alles schon mal gehört. Gib mir das, was der Song braucht!“

Was geht dir in dem Moment durch den Kopf – „Ich bringe ihn um!“?
(lacht) Natürlich ist das manchmal etwas frustrierend, er ist eigentlich wie ein Coach, der dich so richtig ran-nimmt. Aber am Ende des Tages bist du mit seiner Arbeit zufrieden, da du dich durch ihn deutlich verbessert hast. Aber in dem Moment, wo er seine Peitsche schwingt, denkst du da etwas anders drüber.

Ihr bewerbt ja Whoosh! mit den Worten, dass das Album den Begriff „Deep“ zurück in Deep Purple bringt. Was hast du dazu beigetragen?
Ich habe schon immer Ideen eingebracht, die mehr als einen einzigen und eindimensionalen Input darstellen. Ich denke mir nicht, dass ich jetzt einen Hardrock-Song abliefere, der perfekt zur Band passt, sondern werfe Ideen in den Ring, die meiner Meinung nach einfach gut klingen und überlasse es dann den anderen, wie abenteuerlustig sie sein wollen. Da bin ich dann natürlich sofort dabei. Aber alles in allem bringe ich zehnmal mehr Ideen ein, als letzten Endes auf dem fertigen Album zu hören sind. Wir setzen unsere Songs aus verschiedenen Ideen zusammen. Roger hat schon immer viele Ideen, Jon Lord war genau so, Don Airey sowieso. Besonders bei „Nothing At All“ war es überraschend, da Ian Gillan auf den Song bestanden hat und er sich eigentlich schwer in unserem bisherigen Sound einordnen lässt. Don und ich haben mit klassischen Ideen um uns geworfen und heraus kam schließlich dieser Song.

Wenn ihr solche Song-Ideen habt, überlegt ihr euch dann auch, ob sie zum Klangbild und zur Erwartung der Fans an Deep Purple passt?
Ich mag Songs, die Überraschungen haben, dahingehend gibt es ja auch sher viele unterschiedliche Meinungen. Also etwa, dass man einfach nur die Art von Musik macht, für die man bekannt ist. Mir persönlich geht es damit genau gegenteilig, man sollte meiner Meinung nach das Selbstzitat nicht zu sehr ausreizen und seine eigenen Grenzen soweit es geht entdecken und erweitern.

Deep Purple Band Shot
Foto: Ben Wolf

Wie läuft denn bei euch das Songwriting ab?
Entweder jammen wir zusammen im Proberaum und Ian Paice zeigt uns ein Drum-Feel, das ihm gefällt und es kommt was Neues dabei raus. Wir bringen aber auch gerne unsere Demos mit, die wir zuhause aufgenommen haben oder sogar einfach mal nur ein Riff. So fangen wir eigentlich jeden Song an und schauen dann, wohin die Reise geht. Auf Whoosh! wäre das zum Beispiel recht ausgeglichen. Auch wenn Don und ich gerne den Songs Akkordfolgen überstülpen, die wir uns ausgedacht haben und besonders mögen.

Kommen wir zum Equipment. Experimentierst du viel?
Sagen wir es so, am ersten Tag kommt mein Gitarren-Techniker Tommy Alderson ins Studio, baut das Setup auf und geht dann wieder heim, das war‘s eigentlich! Für mich ist das recht simpel.

Welcher Effekt ist essentiell für deinen Sound, ohne den du keine Bühne betreten würdest?
Mein Stimmgerät! (lacht) Da ich ja sehr viele instrumentale Melodien spiele, wäre es wohl ein lang eingestelltes Delay, das mir am meisten fehlen würde. Auch wenn ich natürlich kein Problem hätte, ohne ein Delay aufzutreten, es würde mir doch sehr fehlen.  

Dieses Jahr jährt sich ja auch das legendäre Album In Rock zum fünfzigsten Mal und dann gehen die Jubiläen ja Schlag auf Schlag. Habt ihr dafür etwas geplant?
Das ist ja gar nicht so leicht, da wir ja erstmal ein neues Album zu bewerben haben! (lacht) Prinzipiell entscheidet Ian Gillan, welche Songs wir spielen, da er sie auch singen muss. Jetzt müssen wir aber erstmal wieder auf Tour gehen. Aber noch ist das ja nicht absehbar, wann es wieder losgeht.

Oliver Strosetzki

Das komplette Interview mit Steve Morse sowie viele weitere spannende Themen könnt ihr in guitar 8/20 nachlesen - ganz bequem nach Hause bestellen!

Baton Rouge 20s Reloaded Series – News

Mit der 20s Reloaded Series lassen Baton Rouge die Zwanziger Jahre wieder aufleben. Baton Rouge lassen den traditionellen Look der 1920er-Jahre in die Korpusformen ihrer Gitarren und Ukulelen einfließen - hier trifft Tradition auf Moderne.  Die X11LS-Modelle sind als Einstiegsserie gedacht und bieten Folk-, OM-, Parlor- und Slope-Shoulder-Gitarren. 
 

Baton Rouge 20s Reloaded Series
Foto: Baton Rouge



Wer es etwas hochwertiger mag, sollte auf die Modelle der X11S-, X34S-, X54S-, X81S-, und X85S-Modelle einen Blick werfen, die als OM- und Parlor-Ausführung erhältlich sind. Bei den Ukulelen gibt es von Concert- bis Bass-Ukulele die volle Auswahl. 

Joe Bonamassa - Now Serving: Royal Tea Live From The Ryman

Joe Bonamassa - Now Serving: Royal Tea Live From The Ryman

Mit Now Serving: Royal Tea Live From The Ryman veröffentlicht Blues-Held Joe Bonamassa die One-Night-Only-Show, die er exklusiv im Ryman Auditorium in Nashville aufgenommen hat.

Das Event wurde im September 2020 in mehr als 44 Ländern gestreamt und ist ab dem 11. Juni als CD, DVD, Blue-Ray und Doppel-LP erhältlich. Bei dem Konzert gibt er zwölf Songs seines erfolgreichen Albums Royal Tea sowie drei Songs von seinem Debüt-Album A New Day Yesterday zum Besten. 

RocknPopMuseum Eddie Van Halen

Sonderausstellung Eddie Van Halen (guitar news)

Vom 23.10. 2020 bis zum 24.01.2021 findet im rock'n'popmuseum im Nordrhein-Westfälischen Gronau die Sonderaustellung „Eddie Van Halen! The Last Guitar God“ statt.

Die Ausstellung erstreckt sich über fünf Themenwelten, in denen Exponate, Konzetmitschnitte, Backstagefotografien und viele weitere Memorabilia auf 220 qm präsentiert werden und an Eddie Van Halen und an seinen kreativen Umgang mit der elektrischen Gitarre sowohl in musikalischer als auch technischer Hinsicht erinnern.

Die Sonderaustellung erfolgt in Zusammenarbeit mit „The Rock Collection“ von Felix Lethmate und war ursprünglich anlässlich des 65. Geburtstags von Eddie Van Halen geplant. Mit dem überraschenden Tod des Ausnahmegitarristen ist die Ausstellung nun Nachruf und Erinnerungsort zugleich.

Toto Band Shot guitar workshop

Toto / Steve Lukather (guitar Workshop)

In den vier Dekaden seit ihrem fulminanten 1978er Debüt gingen über 40 Millionen Toto-Alben über die Ladentheken rund um den Globus. Dazu spielten die Mitglieder der 1976 gegründeten Combo auf über 500 Millionen verkauften Tonträgern, und laut einer Erhebung hörten bereits 95 Prozent aller Erdenbewohner mindestens eine dieser Aufnahmen.

Toto Band Shot guitar workshop
Foto: Wizard Promotion

Das Rückgrat der gesamten populären Musikgeschichte sind hervorragende Session-Player. Sie sind zur Stelle, wenn tadellos gespielte Instrumentalparts im Studio gefragt sind, ein Solokünster eine hervorragende Backingband benötigt oder schneller Ersatz für ein gegangenes Bandmitglied auf der Agenda steht. Hier beginnt die Geschichte von Toto, denn Steve Lukather (Gitarre, Gesang), David Paich (Keyboards, Gesang), Steve Porcaro (Keyboards, Gesang), Jeff Porcaro (Schlagzeug, Gesang) und David Hungate (Bass, Gesang) verdienen sich allesamt als „Hired Guns“ ihre ersten Sporen und Brötchen im Musikbiz. Sie spielen auf vielen der größten Alben der ’70er und sind Stammgäste bei Plattenaufnahmen von Mega-Acts wie etwa Sonny and Cher oder Steely Dan.

Märchenhaft

David Paich und Jeff Porcaro kennen sich bereits von der Grant Highschool in Van Nuys, Kalifornien, als sie zufällig bei gemeinsamen Sessions aufeinandertreffen. Kurzerhand beschließt das Duo, eine eigene Band ins Leben zu rufen. Diese hört auf den Namen Rural Still Life und zeigt den beiden, dass sie auch abseits der Studios eine Chance als Musiker im Rampenlicht besitzen. Dieses Aha-Erlebnis motiviert die beiden Protagonisten, ein komplettes Line-up aus erstklassigen Studiomusiker zusammenzustellen. Schnell sind die Wunschkandidaten gefunden: Lukather und Hungate – die gemeinsam mit Paich in der Begleitcombo von Boz Scaggs rocken – plus Porcaros Bruder Steve, der als zweiter Keyboarder ins Boot geholt wird.

Leider ist die spätere Toto-Besetzung kurz danach schon wieder Geschichte, denn Jeff Porcaro und Paich verlassen die Combo nach ihrem Highschool-Abschluss. Davon lassen sich die beiden Steves aber nicht beirren. Sie führen die Band unter dem gekürzten Namen Still Life weiter und halten Ausschau nach einem geeigneten Frontmann. Im Fokus steht der ehemalige S.S.-Fools-Sänger Bobby Kimball, der nur allzu gerne zu den Instrumental-Cracks stößt. Zur großen Freude aller Beteiligten besinnen sich die abtrünnigen Absolventen eines Besseren und kehren kurze Zeit später zu ihrer Formation zurück.

Da Still Life nicht nur herausragend spielen, sondern auch komponieren, lässt ein lukrativer weltweiter Plattenvertrag mit Columbia nicht lange auf sich warten, und das Sextett starten die Arbeit an ihrem Erstling. Während sich Kimball, Lukather, Paich und Steve Porcaro ins Songwriting stürzten, sinniert Jeff Porcaro über einen griffigeren Bandnamen.

Der namensgebende Hund

Im TV läuft gerade Der Zauberer von Oz, und Dorothy, die Hauptfigur des Films, ruft just in diesem Moment ihren Hund Toto. Jeff gefällt der Name so gut, dass er ihn am nächsten Tag seinen Kollegen vorschlägt. David Hungate erklärt der illustren Runde zudem, das das lateinische in toto die Bedeutung „allumfassend“ hat. Das Kollektiv ist begeistert, denn es beschreibt perfekt den Genre-übergreifenden Stil der sechs Akteure. Nachdem die Aufnahmen beendet sind, dauert es nicht lange, und Toto mausert sich zu einem Selbstläufer. Das selbstbetitelte Album klettert schnell auf Platz neun der Billboard 200, und die die Hitsingle „Hold the Line“ sogar auf Platz fünf der Single-Charts. Dazu gesellt sich noch eine Grammy-Nominierung als „Best New Artist“.

Toto treffen mit ihrem Mix aus packenden Melodien, hochgepitchten Gesangslinien und ihrem locker flockigem Funky-Soft-Hardrock den Zeitgeist in den USA wie jenseits Atlantiks. Besonders in Deutschland schlägt die Scheibe wie eine Bombe ein, und die Kalifornier heimsen Gold für mehr als 250.000 verkaufte Platten ein. Angestachelt vom Erfolg, begibt sich der Sechser zusammen mit den beiden Session-Playern Tom Kelly (Gitarre, Background-Gesang) und dem Percussionisten Lenny Castro auf ausgedehnte US-Headliner-Tour.

Magere Jahre

Hydra (1979) schafft knapp den Sprung in die Top-40, und nur die erste Single „99“ erreicht mit Platz 26 die Charts. Toto stehen sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand und bereiten sich schon mit einem Fuß auf die Rückkehr in ihre alten Leben als Vollzeitsessionmusiker vor. Es muss also zwingend ein Smash-Hit her! Das Projekt zieht sich über den Jahreswechsel von 1981 nach 1982 und avanciert zu einer Sternstunde des Rock. Als Toto IV am 8. April 1982 in den USA veröffentlicht wird, ist die Vorab-Single „Rosanna“ bereits ein Nummer-zwei-Hit. Das Album selbst klettert auf Platz vier der Billboard 200, wird mit Dreifachplatin überzogen und springt in Austra-lien, den Niederlanden und Kanada auf Platz eins. „Africa“ erobert sogar Totos erste und einzige Pole-Position der Billboard Hot 100. Während sich die Porcaros, Paich und Lukather noch an den Features auf Thriller und Chicago 16 erfreuen, hängt bei Toto der Haussegen schief. Bobby Kimball ist aufgrund seiner Drogensucht vorbestraft und verhält sich auch sonst alles andere als kollegial. 1984 ist nach ewigem Hin und Her endgültig Schluss mit lustig – Kimball wird gefeuert!

Zurück auf die Überholspur

Ohne langen Eiertanz steigt Joe ins Boot, und die Chemie zwischen den Akteuren wirft sofort kreative Früchte ab. Williams beteiligt sich bei sieben der zehn Stücke der kommenden LP am Songwriting, und die allgemein entspannte Stimmung manifestiert sich auch im Vibe der Tracks. Die später als Fahrenheit (1986) das Licht der Welt erblickende Scheibe klingt poppig, gechillt und etwas weniger rockig als Isola-tion. Bis auf die Zahl der abgesetzten Einheiten des aktuellen Albums läuft es für Toto jedoch super, und an den Konzertkassen rollt der Dollar richtig. Aus persönlichen Gründen muss Joseph Williams trotzdem sein Mikro schon wieder abgeben, und Lukather, Paich und die Porcaros schippern auf ein durchwachsenes Vierteljahrhundert zu.

In diesen 25 Jahren gibt es zahlreiche Besetzungs- und Plattenfirmenwechsel, 1992 reißt der Tod von Jeff Porcaro, der an den Langzeitfolgen seiner Kokainsucht stirbt, die Band fast in den Abgrund, und obwohl man immer noch erstklassige musikalische Kost auf die Plattenteller der – inzwischen meist europäischen – Fans legt, hisst Steve Lukather 2008 endgültig die weiße Fahne, und Toto verschwinden in den ewigen Rock’n’Roll-Jagdgründen.

Dauerhaftes Comeback

2010 erkrankt Mike Porcaro an ALS, und ihm fehlt schlichtweg das Geld für die notwendigen Behandlungen. Dieser traurige Umstand führt dazu, dass Luke, Steve, David, Joseph und der als Jeffs Ersatzmann eingestiegene Star-Trommler Simon Phillips plus Bassist Nathan East auf eine Greatest-Hits-Tour quer durch Europa aufbrechen, um Geld für ihren erkrankten Freund zu sammeln. Die Shows werden bei den Fans so gut angenommen, dass man 2011 noch eine weitere Konzertreise nachschießt. Ab 2013, zu Totos 35-jährigem Jubiläum, ist die Band wieder komplett zurück und knüpft auf den Bühnen dies- und jenseits des Atlantiks an alte Erfolge an. Die Liebe und das Interesse, die ihnen allabendlich entgegengebracht werden, inspirieren die Freunde, zusammen mit ihren neuen Kollegen ein weiteres Studioalbum in Angriff zu nehmen. Dies hört auf den schlichten Namen XIV (2015) und gerät nicht nur zu einer Comeback-Scheibe nach der Reunion, sondern auch zu einer gelobten progressiven AOR-Perle.

Fünf Tage vor dem Release verstirbt Mike am 15. März 2015 an den Folgen seiner ALS-Erkrankung. Viele erschütterte Fans interpretieren in diese nahe beieinander liegenden Daten, dass es wohl Porcaros letzter Wunsch gewesen sein muss, dass Toto weiter existieren und die großartigen Lieder wieder in die Welt hinausgetragen werden. 2018 feiert die legendäre AOR-Band vier Dekaden im Musikbusiness mit der Best-of-Compilation 40 Trips Around the Sun und einer dazugehörigen World-Tour. Darunter sind auch neue, unveröffentlichte Songs wie "Alone" (siehe Youtube-Video).

Text: Chris Franzkowiak

Fotos: Getty Images

Das gesamte Legends-Special inklusive Noten, Tabs und Soundfiles gibt es hier online zu kaufen - als PDF mit Downloads oder im klassischen Print-Format.

Heritage Guitars Standard H-535 Trans Cherry (Test)

Heritage Guitars gehören zweifellos zu einer exklusiven Riege amerikanischer Gitarrenfirmen, die neben einer interessanten Geschichte auch die entsprechenden Instrumente im Programm haben. Eine davon ist die Semi-Akustik H-535 in Trans Cherry. Die hätte Chuck garantiert auch gefallen.

Heritage Guitars H-535
Foto: Nicole Marek

Die optische Nähe der H-535 zu Gibsons ES-335 kommt nicht von ungefähr und vor allem zurecht, denn Heritage haben in den Achtzigern da weitergemacht, wo Gibson damals unter Führung des Norlin-Konzerns aufgehört hatten. Kleiner Rückblick gefällig? Norlin übernahm 1969 die Geschicke der Firma Gibson. Einsparungen auf Kosten der Qualität zum Zwecke der Gewinnmaximierung waren noch nie besonders förderlich, wenn man hervorragende Instrumente bauen will.

Da steht Rock'n'Roll drauf

Dazu kam, dass die Les Paul und ihre Kolleginnen wie die ES-335 damals einfach keine Kassenschlager waren. Es kam, was kommen musste, 1985 wurde Gibson an Henry Juskiewicz verkauft. Und in diesem Jahr beginnt auch die Geschichte von Heritage Guitars. Damals erworben einige ehemalige Gibson-Mitarbeiter Maschinen, Werkzeug und Fläche in der 225 Parson Street, dem ehemaligen Gibson-Hauptquartier. In dieser Konstellation und mit dieser Erfahrung im Nacken, war absehbar, dass sich Heritage dem Instrumentenbau der 50er Jahre verpflichtet sahen: Handarbeit, gute Hölzer und individuelle Instrumente, die Seele besitzen und nicht nur die Dollars in die Kasse spülen sollten. Nennt mich nostalgisch, aber ich weiß noch heute, wie gut die Heritage eines ehemaligen Musiker-Kollegen war. Nun sind Heritage mit neuem Vertrieb und neuen Instrumenten wieder am Start und es stellt sich nur eine Frage: Sind sie noch so gut wie dazumal?

Um hier niemand auf die Folter zu spannen, gleich vorab, die H-535 ist ein tolles Instrument. Dabei reden wir noch nicht mal über die Optik, denn Riegelahorn und Cherry-Red-Lackierungen sind immer auch Geschmackssache. Wer es dezenter mag, sie steht auch in Schwarz, Sunburst und "Antique natural" parat. Optik beiseite und auch den persönlichen Geschmack beiseite gelassen, es gibt ein paar ganz handfeste Charaktereigenschaften bei Gitarren, die je nach Anwendungszweck den Gitarristen glücklich machen.

Heritage Guitars H-535
Foto: Nicole Marek

Bei der vorliegenden Gitarre wären das in erster Linie ein knackiges Attack, das sich mit einer „Schwingfreude“ paart, wie man es nicht alle Tage in einem Instrument kombiniert bekommt. Die H-535 bringt viele akustische Anteile mit, was angesichts der Archtop-Konstruktion aus gesperrtem Ahorn mit einer feinen Maserung übrigens, wenig verwunderlich ist.Geschmückt wird diese mit einem cremefarbenen Binding, das sich um Boden, Decke und Palisander-Griffbrett zieht. Damit sich die Gitarre bei hohen Lautstärken und viel Gain nicht in unkontrollierbaren Feedback-Orgien verliert, verbindet ein Sustainblock aus Fichte die Decke mit dem Boden, zugleich bietet dieser der Tune-o-Matic-Brücke samt Tailpiece und den Tonabnehmern sicheren Halt.

Die Brückenkonstruktion ist eine Locking-Variante, kann also in der gewählten Position fixiert werden, was für weniger Nebengeräusche sorgt und einer direkteren Klangübertragung durchaus förderlich ist.Die beiden Doppelspuler aus dem Hause Seymour Duncan sitzen unter nicht geageten und vernickelten Kappen und hören auf den Namen Seth Lover. Besagter Seth Lover ist der Erfinder des Humbuckers, damals im Hause Gibson beschäftigt. Mit dem heute als PAF bezeichneten ersten Humbuckern hatte Seth nicht nur eine Alternative zum P-90 bei Gibson erfunden, sondern auch das Prinzip der Brummunterdrückung in Tonabnehmern Ist quasi wie der Fluxkompensator bei Zurück in die Zukunft – der Humbucker macht fette Metalsounds erst brummfrei möglich.

Heritage Guitars H-535
Foto: Nicole Marek


Spaß beiseite, die Seth-Lover-Aggregate sind eine erstklassige Wahl, da sie keine aggressiven Lautmacher sind, sie haben Dampf, liefern diesen aber sehr kultiviert und akzentuiert an den Amp. Die CTS-Potis sind mit ihrem smoothen Regelweg die kongenialen Partner dieser Pickups, da sich mit ihrer Hilfe zahlreiche Facetten abrufen lassen. Abgerundet wird die Sache von gekapselten Grover-Rotomatic-Mechaniken und dem Corian-Sattel. Bei Corian handelt es sich im übrigen um einen mineralisch-organischen Verbundstoff, der sich mit Holzwerkzeugen bearbeiten lässt und als Sattelmaterial hier durchaus „bella figura“ macht.

Twang im Klang

Bevor die klanglichen Details zur Sprache kommen, ein Wort zur Verarbeitung. Die ist hervorragend, die Bundstäbchen sind erstklassig verrundet und poliert, Lagenwechsel am Mahagonihals problemlos möglich, wenngleich die Nitro-Lackierung in Kombination mit Schwitzehändchen das übliche dezent-klebrige Feeling mitsichbringt.
Sei’s drum, das kennt man von Nitro-Lacken, damit muss man leben. Und das kann man, denn der „Schmerz“ darüber hält sich beim ersten Anspielen in eng gesteckten Grenzen. Im Cleansound geht die Sonne perlend auf, hier gibt es Twang, ganz und gar nicht dünn, sondern attackreich und mit Fleisch auf den Rippen.
 

Heritage Guitars H-535
Foto: Nicole Marek

So lassen sich hier bluesige Klänge in BB-King-Manier genauso intonieren, wie leicht angecrunchte Chuck-Berry-Licks. Am Hals zeichnet sich ein ähnliches Bild, wenngleich mit der positionstypischen Wärme versehen. Spätestens hier kann man verstehen, warum auch Gary Moore so auf diesen Gitarrentyp abgefahren ist. Die H-535 lebt einfach, sie atmet und pumpt irgendwie mit mehr Luft und mehr Akustik als eine Solidbody. Und das ist für bluesig-dynamisches Spiel eine hervorragende Eigenschaft. Zumal dann, wenn man in den Crunchbereich wechselt. Hier scheint die H-535 jede ihrer Facetten und Stärken noch eine Spur detaillierter abzubilden, Akkorde etwa bleiben differenziert erkennbar, kein Mulm ist zu vernehmen. Singlenotes kommen durch die Mitte und schieben sich nach vorne – vorbildlich!

Um den Reigen an Gainsounds zu komplettieren, werfen wir die Heritage H-535 noch eine Runde in den High-Gain-Ring. Das Ergebnis ist weniger überraschend als vermutet, denn die Seth Lovers sind zwar keine Heißer-als-die-Hölle-Motoren, sie sind aber in der Lage, die Mitten zackig nach vorne zu bringen und auch ordentlich komprimierte Sounds adäquat zu transportieren. Nichtsdestotrotz ist diese Sparte nicht ihr Spezialgebiet. Zu wissen, dass die H-535 es dennoch kann, ist ein beruhigender Nebeneffekt.

Das bleibt hängen

Die Heritage Guitars H-535 ist ein Volltreffer, wie er nicht alle Tage vorkommt. Hier paaren sich tolle Hölzer mit erstklassiger Verarbeitung. Ein Tausendsassa ist sie nicht, wäre aber auch uncool. Die Hardware von Grover, CTS, Switchcraft und nicht zuletzt die Seth-Lover-Doppelspuler ergeben eine Kombination, die in diesem gitarrenbautechnisch betrachtet erstklassigen Umfeld ein ebenso erstklassiges Ergebnis abliefert. Hut ab, das hat Spaß gemacht!

Stephan Hildebrand

 

Heritage Guitars H-535
 

Long Distance Calling Band Shot

Jan Hoffman/Long Distance Calling (Interview)

Die Postrocker von Long Distance Calling haben mit How Do We Want To Live? treffsicher das stärkste Alben ihrer Karriere vorgelegt. Postrock trifft auf Pink Floyd und moderne Samples auf ein gesellschaftskritisches Konzept. Wir schnappten uns Basser Jan Hoffmann und horchten mal Konzept- und Gear-technisch nach …Euer Album ist sound-technisch ebenfalls ganz großes Kino. Wie ist der Sound zum neuen Album entstanden, und was war anders im Vergleich zu euren anderen Alben?

Long Distance Calling Band Shot
Foto: Andre Stephan

Jan, wie geht es dir mit dem neuen Album?

Jan Hoffmann: Wir haben viel zu tun gerade. Interview-, Social-Media-Action und nebenbei haben wir Gottseidank wieder angefangen als Band zu proben – nach der ungewissen Corona-Anfangszeit, in der das nicht möglich war. Es ist gerade viel los, wir können uns nicht beklagen.

Wir haben einmal mehr den Produzenten gewechselt. Das ist bei uns fast schon ein bisschen zur Tradition geworden. Dieses Mal haben wir mit Arne Neurand in den Horus Sound Studios und dem Tessmar Studio in Hannover gearbeitet. Gerade das Tessmar Studio ist ein unfassbar gutes Studio fürs Schlagzeug.

Warum?

Die haben dort allein dafür einen Raum, der so groß ist wie eine Scheune. Der Raum ist dementsprechend
super ausgestattet. Und auch wenn das hier ein guitar-Interview ist, unserer Meinung nach steht und fällt der Sound einer Platte immer mit dem Schlagzeug. Das ist das Fundament einer Platte. Und deswegen wollten wir den Sound auch so gut hinbekommen wie nur möglich. Das ist im Übrigen auch unsere erste Platte ohne Schlagzeug-Samples. Unser Drummer Janosch hat dieses Mal alles selber eingespielt.

Wo habt ihr die Gitarren aufgenommen?

Die haben wir wieder bei unserem Gitarristen David Jordan in dessen Soundranger Studio aufgenommen. Und unser Produzent Arne hat sich wiederum so sehr in den Sound hineingekniet, dass am Ende meiner Meinung nach tatsächlich die vom Sound her am besten klingende Platte von Long Distance Calling herausgekommen ist.

Eure Songs sind im Vergleich zu vorherigen Alben kompakter und deutlich unter 10 Minuten ausgefallen. habt ihr euch vorgenommen, sie nicht zu krass zu „verjammen“?

Ich bin da eher so

der „Simple Man“

Nee … das ist einfach so gekommen. Irgendwann am Ende des Songwriting-Prozesses gab es sogar mal die Überlegung noch mal einen richtig langen Song zu machen. Da sind am Ende dann aber noch mal zwei mittellange Songs draus geworden.

Konzeptionell geht es bei euch um das Thema künstliche Intelligenz. Ihr habt das erstaunlich gut als instrumentale Band mit Voice-Overs und Samples eingebaut. Wie kann man sich den Entstehungsprozess hierzu vorstellen?

Long Distance Calling Jan Hoffman Gear Bass
Foto: Jan Hoffmann

Es ist ja immer so die Frage nach dem Ei und dem Huhn. Dieses Mal war es tatsächlich so, dass das Konzept zu How Do We Want To Live? zuerst da war und wir dann Musik dazu geschrieben haben. Bei diesem Zukunfts-Konzept war uns das Einbinden elektronischer Elemente von Beginn an wichtig. Angefangen hat alles im September letzten Jahres im Rahmen einer besonderen Kinoveranstaltung in Köln. Das war kein normales Konzert, sondern wir haben den Abend musikalisch begleitet. Es gab spannende Sprecher an dem Abend – unter anderem einer von Wiki-Leaks.  Es ging dabei hauptsächlich um das Thema Zukunft und auch künstliche Intelligenz. So fing das alles an.

Das fanden wir als Thema sehr spannend. So war das im Grunde der Startschuss für das Songwriting zum neuen Album – und die Tatsache, dass wir plötzlich feststellen mussten, dass wir sehr lange mit der letzten Platte Boundless auf Tour gewesen sind. Da wurde blitzartig klar, dass wir mal so langsam mit einem neuen Album in die Pötte kommen sollten … [lacht]

In welchem Zeitraum ist die Platte entstanden?

Wir haben schon bei Boundless festgestellt, dass es gut für eine Platte ist, wenn wir uns dafür nicht ewig Zeit lassen. Das führte bei den Alben Trips und The Flood Inside beispielsweise dazu, dass sie am Ende etwas zerfahren klangen. Wir haben das aktuelle Album ganz stringent in einem Zeitraum von drei bis vier Monaten aufgenommen, und in der Zeit davor Hardcore daran geschrieben und geprobt. Das lief alles sehr fokussiert ab. Und das war gut so.

Kommen wir mal zu deinem Sounds. Wie setzt sich dein Bass-Sound zusammen?

Ich finde, dass der Bass-Sound auf der neuen Platte noch nie so gut war wie jetzt. Bei Produzent Arne ist der Bass nie nur „Beiwerk“ um den Sound „untenrum“ ein bisschen aufzufüllen. Ihm ist der Bass-Sound total wichtig. Das hatte mir schon unser Drummer Janosch berichtet, der zuvor im Rahmen seiner Band Zodiac schon mal mit Arne Neurand zusammengearbeitet hatte. Das machte mich zu Beginn zwar etwas nervös, weil ich wusste, dass der Produzent dann extrem darauf achtet, wie ich den Bass einspiele. Und dann hat er auch noch das absolute Gehör und dieses supergenaue Stimmgerät. Und nachdem man dann gefühlt eine Stunde gestimmt hat, stimmte alles und das hört man auch … [lacht]

… und Gear-technisch …

Neben meinem Fender Preci und dem Jazzbass habe ich im Studio auch mal einen Music Man verwendet. Der Zerrsound kam unter anderem direkt von meinem Mesa/Boogie-Big-Block-Amp. Zusätzlich habe ich zwei Darkglass-Pedale aus Finnland benutzt. Zum einen das Alpha Omega und das Alpha Omicron Bass Distortion. Ersteres benutze ich für meinen Grund-Bass-Sound und das Distortion noch mal für richtigen Zerrsound. Deswegen klingt auf dem Album ein Song wie „Ashes“ so richtig schön kaputt angezerrt und gleichzeitig super luftig. Der Song ist gerade wegen dieser unterschiedlichen Sounds zu einem meiner Lieblings-Songs auf der Platte geworden. Der Bass-Sound ist trotz Zerre noch da. Bei Bass-Verzerrern passiert es ja leider oft, dass du auf ein Pedal trittst und dann ist der Bass weg. Dann ist untenrum plötzlich gar nichts mehr und es kriselt nur noch so ein bisschen. Und das passiert bei dem Dark Class einfach nicht.

Würdest du dich als Gear-Freak bezeichnen?

Also ich bin da eher so der „Simple Man“. Ich möchte meine Sounds so einfach wie nur möglich haben. Wir haben so viele verschiedene Gitarrensounds bei LDC, da muss es überschaubar bleiben. Deswegen kommt bei mir meist nur ein Kompressor, ein Verzerrer und hier und da maximal mal mein Hardwire DL-8 Delay/Looper zum Einsatz. Das war es eigentlich schon.

Long Distance Calling Jan Hoffman Gear Pedals
Foto: Jan Hoffmann

Apropos Delay-Sounds: beim Song „Curiosity (Part 2)“ kann man sogar ein paar coole Pink-Floyd-Momente erleben …

Ja, du meinst den Einstieg zu „Curiosity (Part 2)“. Lustigerweise fallen diese beiden Worte im Zusammenhang mit der neuen Platte grad immer wieder. Dieses Pink-Floyd-Ding scheint da schon ein bisschen auf uns abgefärbt zu haben …

Habt ihr live im Studio aufgenommen, oder klassisch Instrument für Instrument?

Dieses Mal sind wir ganz klassisch vorgegangen. Die Drums von Janosch kamen zuerst dran, und sind komplett im Raum vom Tessmar Studio aufgenommen worden. Dann kam ich direkt mit dem Bass hinterher, dann die Gitarren, Cello und zum Schluss der ganze Elektro-Kram.

Das ist abgefahren, weil sich trotzdem alles sehr dynamisch anhört, was sich ja bei dieser klassischen Aufnahme-Methode nicht immer ereignet …

Ja, da achtet unser David Jordan akribisch drauf, dass wir uns immer schön an der Dynamik des Schlagzeugs orientieren und nicht am Klick.     

Marcel Thenée

Bildcredit: Andre Stephan, Jan Hoffmann

Dieses und noch viele weitere Interviews könnt ihr in guitar Ausgabe 7/20 lesen!

Justin Townes Earle im Alter von 38 Jahren verstorben (guitar news)

Justin Townes Earle, Musiker und Sohn der Alternative-Country-Legende Steve Earle im Alter von nur 38 Jahren verstorben. Seine Lieder behandelten Geschichten von Trinkern, gesellschaftlichen Aussteigern und Schulabbrechern. Nun verstarb der Sohn der Alternative-Country-Legende Steve Earle im Alter von nur 38.
 

Justin Townes Earle
Foto: Joshua Black Wilkins

So heißt es auf der Facebook-Seite des Künstlers aktuell:

„Mit großer Traurigkeit teilen wir mit, dass unser Sohn, Ehemann, Vater und Freund Justin verstorben ist. So viele von euch haben auf seine Texte und Musik gebaut, und wir hoffen, dass seine Musik euch auf eurer Reise weiter begleiten wird.“

Justin, der 1982 als Sohn des Alternative-Country-Musikers Steve Earke in Nashville das Licht der Welt erblickt, bekommt seinen berühmten zweiten Namen Townes in Anlehnung an den berühmten Songwriter Townes Van Zandt, der wiederum Mentor und Vorbild seines Vaters war. Justin wuchs allerdings nur bei seiner Mutter auf.

Er verließ sehr früh die Schule. In der Begleitband seines Vaters absolviert er seine ersten Auftritte und sammelt so seine ersten musikalischen Erfahrungen Er konsumierte schon in jungen Jahren regelmäßig Alkohol und Drogen, was dazu führte dass das Ringen mit der Sucht prägend für sein Leben wurde. Insgesamt neun Mal musste er Zeit in Entzugskliniken verbringen. 2018 erklärte Earle, dass er seine Abhängigkeiten überwunden habe.
 

Black Sabbath Vol 4: Super Deluxe Edition

Black Sabbath Vol 4: Super Deluxe Edition

Die Hard-Rock-Legenden Black Sabbath veröffentlichen ein Remaster ihres vierten Studioalbums Vol 4, dass 1972 erstmals das Licht der Welt Rock-Welt erblickte. Hinzukommen 20 unveröffentlichte Studio- und Liveaufnahmen. Die Super Deluxe Edition ist als 4-CD-Set und als 5-LP-Set auf 180 Gramm Vinyl erhältlich.

Im Lieferumfang ist ein umfassendes Booklet mit Linernotes, Zitaten von Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Bill Ward und Geezer Buttler sowie spannenden und seltenen Live-Bildern enthalten. Für Sammler ist auch ein Poster mit einem bisher unveröffentlichtem Artwork enthalten, bei dem Vol 4 noch unter dem Arbeitstitel Snowblind lief.

Des Weiteren gibt es insgesamt 17 von Steven Wilson neu gemixte Studio-Outtakes, inklusive falschen Anfängen, Studio-Unterhaltungen und alternative Versionen. Abgerundet wird die Kollektion noch von einem kompletten Live-Konzert ihrer UK-Tour von 1973, das damals sogar ursprünglich als Live-Album geplant war.

Die Super Deluxe Edition überzeugt durch das hervorragende Remastering des bis dato wichtigsten und ausführlichsten Studioalbums von Black Sabbath, dass sie erstmals in Los Angeles ohne Zeidruck zwischen dem sonst üblichen Tross zwischen Tour und Albumrelease aufgenommen haben. Das Booklet lädt immer wieder zum Blättern und Stöbern ein und auch die Studio-Outtakes geben einen spannenden Einblick hinter die Kulissen einer der wichtigsten Wegbereiter für das Metal-Genre. Das Live-Album ist ein umwerfender Zeitzeuge der Energie, die Black Sabbath auf der Bühne erzeugt haben und reißt vom ersten Song an mit.

Eddie Van Halen Tot Gestorben

Eddie Van Halen mit 65 Jahren gestorben (guitar news)

+++ Eilmeldung +++  Eddie Van Halen mit 65 Jahren gestorben.

Wie Wolfgang Van Halen auf seinem offiziellen Twitter-Account berichtet, ist sein Vater Eddie Van Halen mit 65 Jahren einem Krebsleiden erlegen.

Weitere Informationen folgen noch. Was bleibt ist die Erinnerung an einen Gitarristen, der mit seinem musikalischem Gespür und seiner atemberaubenden Technik die Rockmusik für immer verändert hat.

Mach es gut, Eddie!

Quelle: https://twitter.com/WolfVanHalen

Fleetwood Mac Peter Green Guitar Workshop

Fleetwood Mac (guitar Workshop)

Sie sind echte Legenden und haben den Blues im Blut: Fleetwood Mac. Wir erzählen euch die Geschichte hinter der Band - inklusive den zahlreichen Besetzungswechsel, tragischer Geschichten und natürlich ihrer Alben voller fantastischer Musik.

Fleetwood Mac Peter Green Guitar Workshop

Die erste Phase der englischen Blues-Band Fleetwood Mac ist geprägt von genialen musikalischen Momenten und einem so gigantischen wie unverhofften kommerziellen Erfolg: Gemessen an Plattenverkäufen, lässt die Ende 1967 in London gegründete Formation im Jahr 1969 die komplette Konkurrenz inklusive Beatles und Stones hinter sich. Doch auch die Schattenseiten des Rock-Business zeigen sich in den ersten Bandjahren unverhüllt: Drogeneskapaden, psychische Probleme, Besetzungswechsel an den sechs Saiten. Angesichts der merkwürdigen Umstände, unter denen die Gitarristen die Band verlassen, ist man versucht, Fleetwood Mac als Blaupause für This Is Spinal Tap zu betrachten – nur sind’s dort natürlich die Drummer, die verschwinden ...

Die Wiege für Fleetwood Mac ist eine andere Band: Die Bluesbreakers. Sie sind nicht nur für die Gitarristen Eric Clapton und Mick Taylor eine frühe Station. Als Clapton die Band nach einem Jahr und dem bahnbrechenden Blues Breakers with Eric Clapton (1966) wieder verlässt, um Cream aus der Taufe zu heben, rekrutiert Mayall den bis dato weitgehend unbekannten Peter Green für die Gitarrenarbeit. Der wird schnell zu einem lokalen Helden der brummenden englischen Blues-Szene. Schon ein Jahr später macht sich auch der mittlerweile 20-jährige Green aus dem Staub und gründet zusammen mit dem ein Jahr jüngeren Bluesbreakers-Drummer Mick Fleetwood und dem 18-jährigen Gitarristen Jeremy Spencer die Blues-Band Fleetwood Mac. Kurze Zeit darauf stößt auf Drängen Greens auch der knapp 22-jährige Bluesbreakers-Bassist John McVie als Ersatz für den ursprünglichen Basser Bob Brunning dazu. Im November desselben Jahres 1967 nimmt das Quartett das Debüt Peter Green’s Fleetwood Mac auf

Der Namenszusatz wird ohne Wissen Greens und zu dessen Ärger vor die eigentliche Bezeichnung gesetzt, da der Gitarrist als musikalisches Aushängeschild dient, auch wenn Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassmann John McVie („Mac“) die eigentlichen Namensgeber sind. Es ist Green, welcher der Band den Namen verliehen hat – in der Absicht, für seine beiden Kumpels eine zukunftsträchtige Basis zu schaffen; für sich selbst sieht er Fleetwood Mac nur als Zwischenstation. Ohne Unterstützung durch eine Single erreicht die auf ganzer Linie überzeugende Blues-Platte Platz vier der Charts im Vereinigten Königreich, kann auf dem wichtigen US-Markt jedoch nicht punkten.

Alles scheint also bestens zu laufen, doch England ist in dieser Zeit voller Talente: Bei einem Gig der Band Boilerhouse fällt Drummer Mick Fleetwood deren erst 17-jähriger Gitarrist Danny Kirwan auf. In Mick keimt die Idee auf, den vielversprechenden Nachwuchs in seine eigene Band zu holen – obwohl sich dort mit Peter Green und Jeremy Spencer bereits zwei Gitarristen verdingen. Dem scheuen Green kommt dies sehr entgegen, da er die Aufmerksamkeit des Publikums noch mehr von sich weglenken will und außerdem von Spencers Kompositionstalent nicht überzeugt ist. Auch wenn der Rest der Truppe nicht gerade vor Begeisterung überschäumt, haben Fleetwood Mac ab August 1968 tatsächlich drei Gitarristen.

Hinter den Kulissen sieht es nicht so rosig aus. Green ist psychedelischen Drogen alles andere als abgeneigt und hat psychische Probleme. Auch in dieser Beziehung eifert ihm Spencer nach. Kirwan dagegen fasst schnell Fuß innerhalb der Band und spielt bereits auf der im November erscheinenden instrumentalen Hitsingle „Albatross“ (Bsp. 5) mit, während Green seinen bisherigen Gitarrenpartner Spencer übergeht und die Slide-Parts kurzerhand selbst einspielt – live darf Spencer immerhin noch ran.

Fleetwood Mac Peter Green Guitar Workshop

Fluch Nummer 1: LSD mit Uschi und Rainer

Mit seinem wachsenden Drogenkonsum versteigt er sich mehr und mehr in religiöse Ideen und läuft nun in eine Kutte gehüllt herum. Darüber hinaus kommt er mit seinem Erfolg immer weniger klar und gewinnt durch einen Traum die Überzeugung, weltlichen Dingen und vor allem dem schnöden Mammon abschwören zu müssen: „Ich habe geglaubt, dass ich einfach zu viel Geld hatte, um glücklich und normal zu sein.“ Folgerichtig spendet Green den größten Teil seiner Einkünfte und verlangt selbiges auch vom Rest der Band. Für seine Kollegen hört an diesem Punkt jedoch der Spaß auf. Im März 1970 ist es so weit: Fleetwood Mac gastieren in München, und Green macht Bekanntschaft mit der bayerischen Alternativszene.

Die Vorzeigekommunarden Rainer Langhans und Uschi Obermaier, die ein bayerisches Woodstock im vernebelten Kopf haben und über Green Kontakt zu Mick Taylor knüpfen wollen, um über diesen wiederum an die Rolling Stones heranzukommen, schleppen ihn auf eine Party in der Nähe der niederbayerischen Bezirkshauptstadt Landshut, auf der LSD gereicht wird. Green hat bis dahin bereits etliche Trips geschmissen, doch dieser verändert ihn laut eigenen Worten nachhaltig: „Ich bin da auf einen Trip gegangen und nie zurückgekommen.“ Green bringt die Tour noch zu Ende und steigt anschließend aus.

Für den Rest der Band bricht eine Welt zusammen, aber man beschließt, trotzdem weiterzumachen. Wie Mick Fleetwood später feststellen wird, hätten Fleetwood Mac mit Peter Green eine ähnliche Karriere als Rockband wie Led Zeppelin hinlegen können...

Auf der Suche nach neuer Inspiration und zur Stärkung des Teamgeistes zieht sich die Band – wie bereits Led Zeppelin für ihr drittes Album – aufs Land zurück. Bei den Aufnahmen zur eher mäßig gelungenen vierten Platte Kiln House (September 1970) rückt der zuvor in den Hintergrund gedrängte Jeremy Spencer für Green nach. Er glänzt nun mit musikalischen Parodien seiner 50er-Jahre-Idole. Außerdem taucht auf der Scheibe eine Musikerin auf, die den Sound der Band nachhaltig beeinflussen wird: Der eher unauffällige Bassist der Gruppe, John McVie, hat mittlerweile die Keyboarderin/Sängerin der erfolgreichen Bluesrock-Band Chicken Shack geheiratet – Christine Perfect, die seinen Nachnamen annimmt. Sie sitzt – wie bereits bei den beiden Vorgängeralben – bei Kiln House an den Tasten, steuert Backing-Vocals bei und wird nun offizielles Bandmitglied. Bis 1998 wird sie neben ihrem Ehemann und Mick Fleetwood die dritte Konstante in der Band bleiben.

Fluch Nummer 2: Ab in die Sekte

Jeremy Spencer übertreibt es mittlerweile völlig mit den Drogen und fühlt sich nicht in der Lage, den übergroßen Green zu ersetzen: „Ich könnte nicht das Material liefern, das die Leute jetzt von uns erwarten.“ Als die Band die neue Platte im Whiskey a Go Go in der kalifornischen Hauptstadt Los Angeles vorstellen soll, macht sich Spencer plötzlich vom Acker. Auf der Straße wird er von Sektenmitgliedern der „Children of God“ angesprochen und folgt ihnen einfach. Die 1968 von David Berg in Kalifornien gegründete Sekte, die sich später „The Family“ nennt, rekrutiert viele ihrer sinnsuchenden Anhänger aus dem Umfeld der Hippies – und bekommt mit Spencer ein werbewirksames Aushängeschild. Als die Polizei Spencer nach Tagen endlich aufspürt, versucht dessen Manager Clifford Davis ihn zur Rückkehr zu bewegen, doch hat der Gitarrist, der sich jetzt „Jonathan“ nennt, nicht nur eine Kopfrasur, sondern offenbar auch eine Gehirnwäsche hinter sich. Spencer ist bis heute Sektenmitglied, macht aber immerhin seit 1975 wieder Musik – solo und mit Bands, die aus „Kindern Gottes“ bestehen.

Fluch Nummer drei: Wut und Obdachlosigkeit

Da der gerade einmal 21 Jahre alte Danny Kirwan mit seiner Gitarre urplötzlich alleine dasteht, wendet sich der verzweifelte Mick Fleetwood hilfesuchend ausgerechnet an Peter Green. Dieser lässt sich tatsächlich breitschlagen, in die Bresche zu springen – aber zu seinen Konditionen: Spontane Jams und ewig lange Soli soll die Band spielen, denn Songs interessieren ihn nicht mehr. Kein Wunder, dass das nicht lange gut geht. Green absolviert mit seiner Ex-Band den Rest der laufenden US-Tour unter dem originellen Pseudonym Peter Blue, verabschiedet sich dann wieder, verschenkt seine Gitarre an Gary Moore und kehrt dem Musikbusiness schließlich den Rücken.

Immerhin lässt Ersatz nicht lange auf sich warten: Mit Bob Welch kommt der erste US-Amerikaner in die britische Band. Welch bringt durch seinen jazzigen Ansatz eine neue Facette in den Sound und spielt zusammen mit Kirwan die Gitarren der beiden folgenden Alben ein:  das eher unterdurchschnittlichen Future Games (September 1971) und das überzeugenden Bare Trees (März 1972).

Das Verhältnis der beiden Gitarristen zueinander ist von Beginn an angespannt, denn Kirwan ist mit der neuen Pop-Attitüde ganz und gar nicht einverstanden und spart nicht mit Kritik an seinem hinzugekommenen Sideman.

Weitere Probleme u.a. mit einer Ersatzband sowie weitere Wechsel sollten folgen. Den ausführlichen ersten Teil findet ihr in der guitar-Ausgabe 7/2018. In Ausgabe 8/2018 verraten wir euch dann, wie die Geschichte der Band ausgeht.

Text: Jürgen Ehneß

Joe Bonamassa

Joe Bonamassa im Live-Stream-Konzert (guitar news)

Am 20. September wird Joe Bonamassa ein spezielles Live-Stream-Konzert im legendären Ryman Auditorium in Nashville spielen. Anlässlich dieses Streaming-Konzerts kündigt Joe an, schon vor dem offiziellen Release seines neuen Albums Royal Tea seinen Fans neue Songs zu präsentieren.

Foto: Jim Herrington

Zusätzlich wird Joe an dem Abend anlässlich des 20. Jubiläums seines Albums New Day Now auch Songs von diesem Album spielen. Die Live-Stream-Tickets für „Joe Bonamassa Live in Concert Worldwide“ sind hier erhältlich!

Das Konzert findet am 20. September ab 22:00 Uhr deutscher Zeit statt. Dieses Konzert wird von Bonamassas gemeinnütziger Organisation „Keeping the Blues Alive Foundation“ (KTBA) präsentiert. Für jedes verkaufte Ticket fließt jeweils ein Dollar an Joes „Fuelling Musicians Program", welches bis heute bereits 295.000 Dollar gesammelt hat und mehr als 160 Musiker unterstützt, die aufgrund der Covid-19-Pandemie in Not sind.


 

 

 

Gary Moore live on stage

Gary Moore – „Over The Hills And Far Away“ (Solo-Legends)

Dieser Song ist mittlerweile ein echter Rockklassiker geworden. Zurecht, denn die Komposition wartet gleich mit zwei Refrains auf. Zum einen mit dem gesungenen Chorus – aber eben auch mit dem Ohrwurm-artigen Instrumental-Thema ...

Gary Moore live on stage
Rob Verhorst/Redferns via Getty Images

In dieser Melodie aus dem Solo steckt im Prinzip auch schon das ganze Konzept des 1987 erschienen Albums Wild Frontier, auf dem sich auch „Over The Hills“ befindet: Celtic Rock heißt die Devise. Der gesamte Longplayer ist eine Hommage an die Heimat, des 1952 in Belfast geborenen und in Dublin musikalisch aufgewachsenen Ausnahmegitarristen. Und zugleich ist es auch ein Tribute an seinen im Januar 1986 verstorbenen Freund Phil Lynott.

Der Thin-Lizzy-Bandleader sollte urprünglich sogar den Gesang auf dem Titellied des Albums übernehmen. Traurigerweise kam es dazu allerdings nicht mehr – im Lied ‚Johnny Boy‘ gedenkt Gary Moore seines ehemaligen Bandkollegen, auf sehr anrührende Art und Weise. Mit dem legendären Black-Rose-Album von Thin Lizzy betraten die beiden schon 1979 den Pfad des Keltenrocks – das Titellied dieser Scheibe ist mein Hörtipp zum Tage für euch. Die musikalische Verwandtschaft zu „Over The Hills And Far Away“ ist deutlich erkennbar.

Patentrezept

Und ich muss ehrlich gestehen: mir gefällt das alles richtig gut! Genau genommen ist Wild Frontier sogar mein Lieblingsalbum von Gary Moore und ich bedaure es sehr, dass er auf den folgenden Veröffentlichungen nicht weiter in diese Richtung gegangen ist. Ich nehme im Übrigen stark an, dass die hier angerührte Rezeptur, bestehend
aus harten Riffs und irisch-folkig angehauchten Instrumentalthemen einige Bands stark inspiriert hat, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Man höre sich nur einmal die Nightwish-Coverversion unseres Titels an, hier wurde sogar das Solo gecovert. Die Damen und Herren haben recht genau hingehört, was prinzipiell ja immer löblich ist ... Das Solo ist aber auch eines dieser Soli, die man gar nicht viel anders spielen kann, darf oder will als im Original. Ich nenne das gerne das „Hotel California“-Syndrom – bei dem Song will auch niemand eine andere, und sei es eine noch so innovative, Herangehensweise an das Solo hören.

Leads am Fließband

Gary Moore produzierte in seiner Karriere solche Signature-Lead-Parts am Fließband. „Parisienne Walkways“, „Empty Rooms“, „The Loner“ oder „Still Got The Blues“ um mal nur einige zu nennen. Er tat das immer mit seinem unglaublich schönen Ton und einem erstklassigen Gefühl für schöne Melodien. Damit gestaltete er zweifelsohne auch den Lead-Part zu „Over The Hills“. Wir haben für euch ein Live- Solo von Gary Moore zu dem Titel aufbereitet, auch um zu zeigen, wie man ein bestehendes Solo um einige Licks erweitern kann, ohne dabei die Erwartungen der Zuhörer zu enttäuschen.

Ganz im Gegenteil: dieser Freiraum macht die Sache für Spieler und Zuhörer spannend. Etwas das Mr. Moore übrigens immer gemacht hat: er hat seine Soli immer ein bisschen anders gespielt und nie schlechter. Ich habe den Herrn einmal live erlebt – bei Monsters of Rock in der Corridors-Of-Power-Phase, also auf dem Höhepunkt seiner Hardrock-Zeit, und ich war total beeindruckt. Jedes Solo war besser (und natürlich länger und lauter) als auf Platte – der Ire war ein echtes Live- und Bühnentier.

Unser Legends-Solo ist in E-Moll gehalten und startet mit einer Variation des Instrumental-Choruses. Vielleicht lohnt sich an dieser Stelle ein kurzer analytischer Blick auf diesen Teil. Warum klingt der keltisch? Sollte das etwa sein, weil der Gitarrist sich eine „Erkeltung“ zugezogen hat? Natürlich nicht.

Einfache Antwort: wegen der None, in unserem Fall also das Fis. Der Ton wird durch das Stilmittel des Trillers jeweils hervorgehoben, wenn er auftaucht – bitte schaut euch die Noten hier einmal genauer an. Und hört bewusst auf die Wirkung der None – die klingt sowas von irisch, da hört man das Guiness schon fast aus dem Zapfhahn strömen. Merke: Moll-Pentatonik plus None, mit der Tonleiter haben die Kelten alle ihre Songs geschrieben – vermutlich.

Die Rhythmik des Tracks ist komplett triolisch, Achteltriolen bei Tempo 126 sollten machbar sein, bitte wie immer bei langsameren Tempi zum Metronom üben. Der eigentliche Leadpart beginnt mit einer Whammy-Bar-Attacke. Der Hebel wird im Triolenfeel nach unten gedrückt, dieses Stilmittel hat Gary Moore wohl aus seiner Hardrock-Phase mitgenommen.

Gitarren-Beruhigung

Genauso wie seine beiden Charvel-Gitarren mit EMG-Humbuckern und Floyd-Rose-Tremolo, die er nach eigenen Angaben hier benutzt hat. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Gary Moore der damalige Besitzer der legendären Les Paul von Peter Green war. Aber irgendwie auch beruhigend, dass er in dieses Edelstück kein Tremolosystem reingefräst hat, um seine Whammy-Tricks zu bewerkstelligen. Sein alter 1971er 100-Watt-Marshall durfte allerdings bei der Produktion dabei sein, angefeuert von einem Ibanez TubeScreamer. Es folgt nach einer abwärts gespielten E-Moll-Phrase ein wiederum recht folkloristisch klingendes D-Dur-Arpeggio.

Der Show-Off-Moment sind dann die Sextolenhammerings unter Miteinbeziehung der leeren G-Saite. Dieses Gimmick taucht auf der Scheibe öfter auf, sieht schwerer aus als es ist. Übungstipp: Spielt die ganze G-Dur- (= E-Moll-)Tonleiter mit den Hammerings auf der G-Saite und macht das auch mit G-Dur- und E-Moll-Arpeggien (Akkordtönen). Für den abschließenden Climax braucht ihr dann lediglich eine schnelle rechte Hand für die Tremolos und eine Gitarre mit 22 Bundstäben! Das sollte doch alles im Bereich des Möglichen sein, hoffe ich, und wünsche viel Spaß beim Üben und Spielen.

Immer mit ein wenig Melancholie, bei mir ist das jedenfalls so, denn ich hätte den Mann gerne nochmals live erlebt. Aber heute folgen wir ihm noch einmal „Over The Hills And Far Away“, gerne auch bis hinter die Wild Frontier. Das ganze Album ist nämlich äusserst hörenswert!

Text: Hermann Skibbe
Foto: Rob Verhorst/Redferns via Getty Images


Den kompletten Workshop samt Noten sowie Soundfiles auf CD könnt ihr in guitar 7/20 nachlesen - ganz bequem bei uns online im Shop bestellen!

Lindsay Ell

Neues Album: Lindsay Ell – Heart Theory (guitar news)

Die kanadische Country-Musikerin Lindsay Ell hat mit Heart Theory ein neues Studioalbum veröffentlicht. Mit dem Vorgänger-Album The Continuum Project von 2018 widmete sich Lindsay Ell Gitarrenheld John Mayer und seinem 2006 veröffentlichtem Album Continuum. Mit ihrem neuen Album Heart Theory greift Lindsay Ell in Zusammenarbeit mit Produzent Dan Huff wieder selber zur Songwriter-Feder.



Zu ihrer Single „wAnt me back“ haben Sound Of Nashville ein exklusives „Behind The Song“-Videoveröffentlicht.

Mehr Infos zu dem neuen Album Heart Theory und Lindsay Ell findet hier:

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