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Im Test: Baroni Jeval

Monster im Kompaktformat

Mit dem AFK-150 haben Baroni vor einiger Zeit einen kompakten Hybridamp im Pedalformat gebracht. Das ist ein gutes Teil, das auch bei uns (Ausgabe 12/22) gut wegkam, aber für die Metalfraktion ist dieses Dadrock-Gerät nicht geeignet. Das sah man auch bei Baroni ein und entwickelte den Jeval.

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Die Vorteile von solchen Verstärkern sind offensichtlich. So ein Rectifier, VH-4 oder Fireball passen ziemlich schlecht in einen Opel Corsa und vom ÖPNV wollen wir gar nicht anfangen. Andererseits sind digitale Lösungen, so gut sie sein mögen, doch immer irgendwie ein bisschen unsexy und um sie ordentlich zu bedienen, muss man so viel nachdenken –­ und nachdenken ist nicht Rock‘n‘Roll. Was gibt‘s da besseres als einen Verstärker, der nicht mal so groß ist wie ein alter Memory Man und zumindest in der Vorstufen trotzdem Röhren hat. Dabei hat der Jeval genau die Knöpfe, die man auch von einem zweikanaligen Topteil erwarten würde. Zwei Kanalzüge gibt es, jeweils mit Volume Gain und Dreibandequalizer. Dazu noch eine Mastersektion mit Mastervolume, die als Wattleistung angegeben wird und folglich auch den Lineout-Level nicht beeinflusst, und Presence. Zwischen den beiden Kanälen sind noch drei Kippschalter angebracht, einer der zwischen parallelem und seriellem Effektloop wählen lässt und zwei deren Funktion nur in Bezug auf den Lineout-Ausgang eine Bewandtnis hat: Ground/Lift und Cabsim an/aus. Wer Zugriff auf ein Cabinet hat, kann den Jeval auch daran anschließen, ob vier, acht oder 16 Ohm, das ist der Class-D-Endstufe völlig egal. Nur zwei Ohm, also zwei Vier-Ohm-Boxen mag der Jeval nicht. Neben Input, Effektloop und verschiedenen Outputs hat der Jeval auch noch einen Anschluss für einen externen Fußschalter. Das kann praktisch sein um nicht in die Gefahr zu kommen mit ungeschickten Füßen die Regler zu verstellen oder aber um das Gerät vor allzu vielen rauen Tritten zu schonen. Aber keine Bange, das Gerät wirkt stabil genug um auch selbst einiges an ungelenker oder schwergewichtiger Fußschaltarbeit zu ertragen.

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Calma

Der Jeval hat keinen Einschalter. Sobald man das Gerät einsteckt geht die Hintergrundbeleuchtung an. Einen Standby gibt es aber und wenn der aktiviert ist, ist auch nur die Hintergrundbeleuchtung an. Ansonsten zeigen die drei transparenten Minipotis der Equalizer an, in welchem Kanal wir uns befinden. Beim Cleankanal, der beim Jeval „calm“ heißt, ist dieses Equalizer-Licht hellblau, beim Gainkanal, oder „rage“, orange.

Der Calme gibt in der Tat ein sehr calmes Frequenzbild ab, das so neutral und ungefärbt ist, dass es fast in Richtung DI-Sounds geht, also nicht weit weg von japanischen Transistorenverstärkern mit eingebautem Modulationseffekt, die auch von Keyboardern gerne verwendet werden. Speist man in diesen Kanal einen Humbucker ein, der dem Metalimage des Pedals einigermaßen entspricht, zum Beispiel einen Seymour Duncan Full Shred, kratzt das Ganze ein bisschen, wie das auch von den Cleankanälen mancher Amps kennt, die für Van Halen entwickelt und von den modernen Metalgeneration verwendet wurden. Der Gainregler tut übrigens wenig um diesen Zustand zu lindern oder verschärfen. Mit leicht zurückgedrehtem Gitarrenvolume oder in einer Zwischenposition erhält man hingegen einen kristallklaren Sound ohne die geringste Verzerrung. Da funktioniert der Gainregler dann wie ein leichter Kompressionsregler.

Der Equalizer wirkt effektiv, ist wirklich flat, wenn er flat eingestellt ist und eignet sich prima um für ein bisschen mehr HiFi-Feeling die Mitten rauszuscoopen. Dann kommt man bei einem etwas leblosen aber klinisch sauberen Cleansound an, der sich perfekt eignet um einen möglichst großen Kontrast zu „rage“ zu haben.

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Rage

So clean der Cleankanal, so wütend ist der Ragekanal. Hier geht es klanglich eher nach modernem amerikanischem Vorbild zu, mit scharfen Hochmitten und ordentlich Druck im unteren Frequenzbereich. Die Gainreserven in diesem Kanal sind geradezu grenzenlos: Schon auf zwölf Uhr hat man genug, um klassischen Metal zu spielen, weiter mit der Uhr geht es fast ins Endlose. Dabei vermeidet der Kanal, auch ohne vorgeschalteten Booster, effektiv jede Matschbildung in den tieferen Frequenzen. Der Equalizer bietet sich hier nicht dazu an um noch mehr zu scoopen, stattdessen kann man sich entscheiden, ob man das Ganze noch ein bisschen schärfer oder ein bisschen fetter haben will. Wahnsinng weitreichende Änderungen des Sounds muss man hier aber nicht erwarten. Wer noch mehr Schärfe in seinem Frequenzbild haben will, der kann auch noch am Presenceregler nachhelfen. Ich mag‘s ja scharf, Kollege Hildebrand hingegen ist bekanntlich eher der ründliche Typ – also äh, vom Sound her. 

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Was noch zu sagen wäre

In der Hauptsache wurde der Jeval über den Boxenausgang getestet, es ergibt sich aber auch über den Cabsim-Ausgang ein ganz ähnliches Bild. Die Class-D-Endstufe soll schließlich sowieso möglichst wenig zur Klangformung beitragen. Die Cabsim funktioniert ganz traditionell über eine Frequenzanpassung, eine IR ist hier nicht verbaut. IRs kann man aber natürlich verwenden, wenn man das ungefilterte Lineout-Signal des Jevals nimmt. Aber auch die eingebaut Cabsim ist so gut, dass sie zumindest für den Live-Einsatz durchaus taugt – im Gewölbekeller vom JuZ in Wiesloch hört da niemand den Unterscheid zur IR raus.

Die stylischen Holzseitenleisten, die auch der AFK-150 schon hatte, sind übrigens zwar im Lieferumfang enthalten, aber nicht ab Werk montiert. Gut so, denn auch wenn einem der geänderte Winkel und die Optik gefallen, auf das Pedalboard passt der Jeval besser ohne.

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Das bleibt hängen

Für relativ schmales Geld haben Baroni einen Pedalamp auf den Markt gebracht, der genau das bringt was viele moderne Metalgitarristen suchen: Einen Cleansound, der wirklich sehr clean ist und einen modernen amerikanischen Highgainsound der nicht matscht. Dazu eine Endstufe die mit 150 Watt für alle Anwendungen ausreichend sein sollte und eine ein Lineout, dessen Boxensimulation gut brauchbar ist. Man wundert sich vielleicht ein bisschen wieso die Grafik auf der Oberseite des Pedals nicht hochauflösender gedruckt wurde, aber abseits von solcher Pedanterie zum Selbstzweck kriegt man hier für knappe 600 Euro sehr viel geboten.

Robin Ehrlich

 

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Baroni Jeval

Herkunft       China

Regler            Calm: Gain, Volume, Bass, Middle, Treble

            Rage: Gain, Volume, Bass, Middle, Treble

            Master, Presence

Schalter        Clean/Drive, Standby, Ground Lift,

            Cab-Sim/Direct, Seriell/Parallel

Anschlüsse   In, Out, Remote Channel Switch, FX Send, FX Return,

            Mains In Speaker Out (4/8/16 Ohm),

            Parallel Out (8/16 Ohm)

Besonderheit          ECC82 (Preamp)

Abmessungen         22 x 3,5 x 13 cm (B x H x T)

VK-Preis        599,- €

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