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Tube WorkShop TWS 2864-S Combo und Topteil TESTBERICHT

Frischer Wind für Pedal-Fans

Das Thema der Pedalplattform-Amps ist derzeit in aller Munde. Besonders begehrt sind Amps mit hohem Headroom und niedriger Wattzahl. Dass das kein Widerspruch sein muss und vor allem, dass ein wiederbelebtes, uraltes Verstärkerdesign diesbezüglich überragende Eigenschaften bereithält, beweist der neue Hersteller Tube WorkShop aus Heilbronn mit seinem Modell 2864-S. Vorhang auf für den Tube WorkShop TWS 2864-S

 2864 s top silver front schräg

Der Markt an Verstärkern hat die vergangenen Jahre eine ziemliche Metamorphose durchgemacht. Hatten vor gut 15 Jahren die ersten Lunchbox-Amps viele der alten Boliden von den Bühnen dieser Welt verdrängt, sind es vor allem ausgefuchste Pedalboard-Setups, die einen neuen evolutionären Schritt heraufbeschworen: Pedal-Plattform-Amps.

Einen ganz neuen Weg geht hier Mario Gebhardt mit seiner neu gegründeten Firma Tube WorkShop. Der studierte Elektro-Ingenieur, der seit gut zwanzig Jahren in einer Pink-Floyd-Tribute-Band spielt und fast ebenso lange bei einer renommierten deutschen Kopfhörerfirma tätig war, stellte vor wenigen Wochen einen wirklich interessanten Amp vor. Denn, wie es bei uns Gitarristen paradoxerweise immer der Fall ist, finden wir Neuheiten immer besonders spannend, wenn sie ein bisschen oldschool sind und einen Geschichts-Bezug zur „guten alten“ Zeit aufweisen. Genau in diese Kerbe schlägt der Tube WorkShop 2864-S, der auf einem alten Hifi-Amp der Marke Philips basiert. Diesen 14-Watt starken Amp hatte Gebhardt eingehend studiert und in eine heute reproduzierbare Variante umgesetzt. Natürlich bietet TWS auch einen 1:1-Nachbau des Philips 2864 an, doch dieser basiert leider auf einer EEP-1-Vorstufenröhre. Diese ist, gelinde gesagt, äußerst selten zu bekommen. Wer eine ausfindig macht, kann sich aber gerne bei TWS melden und einen Original-Amp in Auftrag geben, so heißt es. Die Frontplatte des Tube WorkShop TWS 2864-S, den wir als Topteil- und Combo-Variante hier haben, zieren lediglich vier Regler: Preamp, Bass, Treble und Master. Nein Moment, das Master heißt hier WonderVol – doch dazu später mehr. Den Abschluss machen noch zwei Kippschalter mit den Funktionen Standby/Hot/Warm und On/Off. Auf der Rückseite finden sich lediglich der Netzteil-Anschluss, Sicherungszugang, ein Impendanzwahlschalter und zwei Lautsprecherausgänge. 

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Klarer Bass

Das echte Staunen kommt aber beim Blick in den Amp. Die sauberst ausgeführten Löt-Arbeiten mit extrem kurzen Signalwegen sowie edelsten Caps, Elkos und Röhren bietet eine Augenweide für jeden Point-to-Point-Wired-Fan. Das Verstärkerkonzept basiert auf einer EF86-Vorstufenröhre sowie einer 12AX7 als Phaseninverter, einer GZ34-Gleichrichter-Röhre und zwei 6V6-Endstufenröhren. Auch ist zu erkennen, dass der Treble-Regler an der Endstufe angeschlossen ist und der Bass-Regler eine Art Drei-Positionen-Schalter ist. Damit weist der Amp kein klassisches Tone-Stack auf, bei dem man automatisch immer mit Pegeleinbrüchen rechnen müsste, sodass man das Signal anschließend wieder nachverstärken müsste. Das heißt mehr Röhrenstufen, mehr Nebengeräusche die man bändigen muss, mehr Phasendrehungen die das Signal durchläuft und so weiter. Das umschiffen TWS hier gekonnt!

Wie wir also schon ahnen ist der Tube WorkShop TWS 2864-S kaum mit einem gängigen Design der etablierten Hersteller zu vergleichen. Und dieser Eindruck bestätigt sich auch klanglich. Denn bereits der Charakter der milde ausfallenden Gain-Struktur ist wirklich einzigartig. Generell klingt der Amp nämlich recht pfundig und man hat schon ein bisschen Angst, dass die Bass-Wiedergabe durch vorgeschaltene Overdrive- oder Distortion-Pedale ins Taumeln kommen könnte. Dem ist nicht so! Warum das so ist erfährt man, wenn man genau beobachtet, wo das Gain im Grundsound des Amps entsteht – in den Hochmitten! Der Bassbereich nämlich zeigt sich gänzlich unbeeindruckt von Clippings und tönt gemächlich und geduldig weiter. Auch das für die Saitentrennung so wichtige Höhenspektrum bleibt zu jeder Zeit klar und harmonisch. Das haben wir so noch selten erlebt. Ein bisschen Gain oder eher Kompression durch Aufdrehen des Preamps kommt dem Gitarrenspiel auf eine dezente und schmeichelnde Weise zu Gute, lässt aber stets Platz für den Charakter der Gitarre und natürlich auch etwaiger Pedale.

Wie gesagt, der kleiner 14-Watter tönt von Haus aus recht satt. Doch hier haben sich TWS etwas einfallen lassen: Über den dreistufigen Bass-Schalter kann man den Amp mühelos an 1x12, 2x12 oder 4x12-Boxen anpassen. Das soll aber nicht Gesetz sein – jeder soll selbst entscheiden, welche Schalterstellung für sein Setup am besten klingt. Daher wurden die anfänglich mit den entsprechenden Lautsprecherbestückungen betitelten Reglerstellungen nun schlicht nur 1, 2 und 3 genannt. Der Treble-Regler ähnelt in der Funktionsweise einem Cut-Regler, wie man ihn von altehrwürdigen britischen Verstärkerdesigns kennt – nur umgekehrt und etwas besser abgestimmt. So lassen sich feinfühlig durch höhrere Gainsettings erzeugte Überbetonungen in den Höhen abmildern – oder, umgekehrt, der volle Twang einer Tele hörbar machen.

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Sensationell: WonderVol

Besonders begeistert uns das Verhalten des WonderVol. Denn hier ist TWS ein echter Geniestreich gelungen, bei dem es völlig okay ist, dass man sich in diesem Punkt über das klassische Konzept des 2864 hinweg gesetzt hat. Das WonderVol lässt den Amp-Sound nahezu unverändert in der Lautstärke regulieren – bei Reglerstellung 10 ist es außerdem ganz aus dem Signalweg. Wie eine Loudness-Schaltung bei alten HiFi-Anlagen werden hier Bässe und Höhen addiert, je leiser man den Amp dreht. Das hat den ganz einfachen Grund, dass unser Gehör bei niedrigen Pegeln den mittleren Frequenzbereich überbetont wahr nimmt. Das Resultat ist verblüffend. Natürlich ist der Tube WorkShop TWS 2864-S durch seinen Aufbau ohne Feedback-Loop prädestiniert für eine solche Vorrichtung, aber das WonderVol könnte auch in vielen anderen Amp-Designs für großes Staunen sorgen. Wir hoffen, dass TWS dieses Bauteil bald auch als separates Produkt anbieten werden.

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Box & Combo

Wir testeten sowohl das Topteil an der mitgelieferten 1x12 mit G12M-Greenbacks, sowie an einer 4x12, die mit G12C-Greenbacks bestückt ist. Bei letzterer mussten wir den Bass-Level tatsächlich anpassen und auch die Pedale etwas anders einstellen, um den Sound vergleichbar zu halten.
In beiden Fällen waren wir jedoch beeindruckt von der Klarheit und dem Punch im Sound. Wer es sich im Attack etwas schmeichelnder wünscht kann den Amp aber auch einfach in den Warm-Modus schalten, dann werden die Endstufenröhren etwas weniger heiß angefahren. Und wie gesagt, der Preamp-Regler kann jederzeit etwas angenehme Kompression in den Hochmitten spendieren dank derer sich der Amp leicht spielen lässt. 

Auch der Combo weiß mit seinen kompakten Abmessungen zu entzücken. Erstäunlicherweise klingt der Greenback-Lautsprecher auch in dieser halboffenen Bauweise recht satt – wer es rockiger mag ist aber mit 1x12-Box besser bedient. In Sachen Look wirkt der 2468S-Combo extrem schick und wertig. Er könnte auf so manchen Bühnen für Aufsehen oder Aufhorchen sorgen. Da TWS seinen Kunden nicht nur Greenbacks vorsetzen möchte kann man die Combos wie auch die Boxen gegen Aufpreis auch mit Lautsprechern wie dem Jensen Tornado Stealth, Fane Ascension A60 oder Celestion Alnico Gold ausstatten lassen.

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Das bleibt hängen

Der Tube WorkShop TWS 2864-S ist für verschiedenste Stilistiken geeignet. Er bietet die berauschende Eigenschaft lediglich in den Hochmitten zu verzerren, was dem Spiel ja durchaus als Wohlfühlfaktor entgegenkommt, und in den Bass-Frequenzen sowie in den Höhen bei jeder Lautstärke vollkommen klar und verortbar zu bleiben. Noch dazu ist das WonderVol das wahrscheinlich spannendste PPIMV-Konzept der vergangenen Jahre. Die hier gebotene Qualität hat zwar ihren Preis, ist aber für einen Boutique-Amp aus Deutschland absolut in Ordnung. Wir können es kaum erwarten auch den SingleSix-Combo aus dem Haus TWS zu testen.

Philipp Opitz

 

TWS 2864-S & 2864-S-Combo

Herkunft Deutschland

Leistung 14 Watt (Hot Mode) / 7 Watt (Warm Mode)

Kanäle 1

Röhren 1x EF-86, 1x 12AX7, 1x GZ34, 2x 6V6

Regler Preamp, Bass, Treble, Master/WonderVol

Schalter Hot/Warm/Standby, On/Off, Impendanz

Anschlüsse Input; Rückseite: 2x Lautsprecher

Maße Topteil: 46,4 x 21,0 x 21,5 cm (B x H x T)

Box: 46,4 x 42,0 x 25,0 cm (B x H x T)

Combo: 61,0 x 50,8 x 22,6 cm (B x H x T)

Gewicht 9,8 kg  (Topteil), 11,9 kg (Box), 18,2 kg (Combo)

Internet www.tube-workshop.de

Preis 2599,- E (Topteil), 749,-s (Box), 2899,-s (Combo)

 

Mehr News und neue Tests findet ihr unter https://guitar.de/test-technik

Weitere Infos zu Tube WorkShop unter https://www.tube-workshop.de/2864-s

 

Das und noch viel mehr findet ihr in guitar 11/22 

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