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Tests - Gitarre & Zubehör

Technik: Tests & Erfahrungsberichte

guitar testet Gitarren, Amps und Gitarrenzubehör. Alle Tests lest ihr in unseren Magazin-Ausgaben oder hier auf guitar.de. Ausführliche Testberichte von unserer guitar-Redaktion.

Im Test: La Mancha Arce

Flammen aus der Thermoskanne

La Mancha präsentieren mit der neuen Arce aus rECOtimber-Hölzern eine attraktive Klassikgitarre, die zu einem fairen Kurs eine ganze Menge Klang anbietet.


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Klassikgitarren des unteren bis mittleren Preissegments fristen leider allzu oft ihr Dasein abgestempelt als Anfängergitarren. Woran das liegen mag, darüber kann man nur mutmaßen. Dass diverse Discounter komplette Nylonstring-Sets pünktlich zu Weihnachten für 50 Euro raushauen, dürfte diesem Umstand jedoch zuträglich sein. Dabei kommt es gerade bei Gitarren, die für Anfänger und etwas fortgeschrittenere Gitarristen konzipiert sind, auf eine tadellose Verarbeitung an. Schließlich soll man (und Frau) Spaß am Instrument haben.

Eine der Marken, die sich in diesem Bereich stets vorbildlich präsentieren und dafür auch von der EGTA (European Guitar Teachers Association) regelmäßig empfohlen wird, ist La Mancha.

Auch unser vorliegendes Testmodell, die La Mancha Arce, macht hier keine Ausnahme, sondern ist eher als vorbildlich zu betrachten. Sie hat nicht nur eine attraktive Optik mit thermobehandelten Hölzern zu bieten (Boden & Zargen aus toll gemasertem Ahorn, Decke aus massiver, deutscher Fichte), auch ihre Verarbeitung und die Bespielbarkeit bieten keinen Anlass zum Tadel. Der Hals wird aus thermobehandeltem Kirsch-Holz gefertigt, das Griffbrett aus Eukalyptus. Dem Hals hat man eine Carbon-Verstärkung im Innern spendiert, was äußerst effektiv gegen Verwindungen hilft.

Der Hals wurde in spanischer Bauweise angesetzt. Dabei werden die gebogenen Zargen in passende Schlitze am Halsfuß eingepasst, erst danach werden Boden und Decke angebracht. Diese Methode geht auf Antonio De Torres zurück und gilt nach wie vor als die hochwertigste Methode im Klassikgitarrenbau, was die Verbindung von Hals und Korpus angeht. Vorteil dabei ist, dass die Holzfasern im Hals bis zum Ende durchgehen, hier also kein unterbrochener Faserverlauf der Schwingung in irgendeiner Weise im Weg stehen könnte.

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Das Griffbrett aus Eukalyptus beherbergt 19 Bundstäbchen, eine Griffbrettwölbung ist Klassikgitarren-typisch nicht vorhanden, das Griffbrett also flach. Die Bundstäbchen sind allesamt akkurat verarbeitet, die Bundfüße wurden ausgeklinkt, ein dunkel abgetöntes Ahorn-Binding umschließt das Griffbrett – dezent, aber stimmig! Als einziges Schmuckelement ist eine schicke Schalllochrosette eingelassen. Das Eukalyptusholz des Griffbretts findet sich am Steg wieder, hier allerdings deutlich dunkler. Besagter Steg trägt eine Stegeinlage aus Knochen, der Sattel besteht ebenfalls aus Knochen. Die Saiten werden am Steg mithilfe einer Doppellochbohrung fixiert, an der Kopfplatte halten namenlose vergoldete Klassik-Mechaniken mit schwarzen Kunststoff-Flügeln die Saiten. Die Mechaniken an sich funktionieren tadellos, wenngleich auch ein wenig schwergängiger als andere Vertreter, alles aber noch im Rahmen, das passt. So lässt sich in jedem Fall präzise stimmen, auch ein versehentliches Verdrehen der Knöpfe ist so eher nicht zu befürchten.

Nachdem die Arce also flugs und präzise in Stimmung gebracht ist, darf man die volle Aufmerksamkeit auf Klang und Bespielbarkeit richten. Das Grund-Timbre ist von kräftiger Natur, die Höhen präsentieren sich schlank und durchsetzungsfähig, ein breit aufgestellter Mittenbereich legt ein kraftvolles Fundament. Komplettiert wird das Frequenz-Ensemble durch Bässe, die zwar knackig sind, aber nicht zu dominant auftreten. Selbstredend lässt sich der Klang durch Anschlagsdynamik, Anschlagsposition und die Wahl zwischen Kuppen- und Nagelanschlag in jeder Weise variieren. Auch das Spiel mit dem Plektrum darf man der Arce durchaus einmal antun, wenngleich sie tatsächlich eher die „echten“ Klassikgitarristen aller Könnensstufen im Blick hat. Gerade im Vergleich zu modern designten und sowohl Bühne als auch Studio im Blick habenden neuen Entwürfe à la Cordoba oder Ortega, ist die Arce doch deutlich traditioneller aufgestellt.

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Das bleibt hängen

La Mancha bleiben ihrem guten Ruf treu und so bietet auch die Arce aus der rECOtimber-Serie eine ganze Menge Gitarre für einen attraktiven Preis. Ja, sie ist eine Ecke teurer als die Discounter-Geige im Doppelpack für 50 Euro, dafür ist sie aber auch ein ernstzunehmendes Instrument, das Spielspaß und Vergnügen bietet und so dem aufstrebenden Gitarristen ein ideales Werkzeug an die Hand gibt. Übrigens ist sie nebenbei eine tolle Erweiterung des Stahlsaiten- und E-Gitarrenarsenals. Ausprobieren!

Siggi Harringer

Fakten:
Herkunft                     China

Boden/Zargen            Flamed Maple, gesperrt, thermobehandelt

Hals                            Kirsche mit Karbonverstärkung, thermobehandelt

Halsprofil                    C/D-Profil, kräftig

Griffbrett                    Eukalyptus, thermobehandelt

Griffbrettradius          0“

Sattelbreite                52 mm

Bünde                         19 Medium

Mensur                       25,59“/650 mm

Steg                             Eukalyptus, thermobehandelt

Linkshändermodell    nein

Internet                      www.lamanchaguitars.com

Empf. VK-Preis           519,- €

Preis-Leistung             4,5/5

Tech-Talk: David Karon von KHDK Electronics

Wir haben mit David Karon, dem „DK“ in KHDK Electronics über die Anfänge und Herausforderungen seiner Firma gesprochen. 

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David Karon (Foto: KHDK Electronics)

Wie hat es mit KHDK angefangen?

Ich habe mein ganzes Leben mit Musik zu tun gehabt. Als Teenager habe ich mehrere Bands in meinem Keller gestartet – sehr zur Freude meiner Eltern. Ich habe Bass gespielt, Schlagzeugunterricht gegeben und hatte eine Vorliebe für Horror-Punk. Was soll man da noch sagen?
In meinen frühen 20ern bin ich zu US Music gekommen und habe dort mit ein paar der größten Künstler arbeiten können und durfte deren Instrumente designen. Ich habe angefangen, den kreativen Prozess zu lieben und habe an meiner Fähigkeit gearbeitet, die Vision des Künstlers in klare Vorgaben an die Produktentwicklung zu übertragen.

Aber es ist natürlich etwas anderes sein eigenes Ding zu machen, statt für eine große Firma zu arbeiten. Ich wusste, dass es früher oder später dazu kommen würde und so ist dann unweigerlich KHDK entstanden.
Die Idee war folgende: Alle Macht dem Künstler! Ich wollte den Künstlern eine Spielwiese bieten, auf der sie die Pedale ihrer Träume kreieren können, der Kreativität sollten dabei keine Grenzen gesetzt werden.
Das heißt sie sollen den Sound, den sie wollen, das Design, das sie wollen und das verrückte Artwork, das sie wollen bekommen. Keine Limits!

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Was ist die größte Schwierigkeit, wenn man ein Signature-Pedal von Grund auf designt?

Ich gebe dir ein Beispiel: Kürzlich habe ich einem Künstler einen Prototypen zur finalen Absegnung gebracht. Wir mussten es dem Künstler persönlich vorbeibringen, da dieser gerade auf Tour war, was zum einen sehr teuer war und wir hatten auch nur ein sehr schmales Zeitfenster. Der Künstler schließt den Prototypen an – und er funktioniert nicht. Zu allem Überfluss war der Künstler auch mit dem Finish nicht zufrieden.

Für uns hat das bedeutet, das wir das ganze Projekt – Monate der Entwicklung – verwerfen und alles neu machen.
Ich hätte mir die Haare raufen und schlaflose Nächte verbringen können, wie das in der Anfangsphase war, aber inzwischen sehe ich so etwas als Teil des Prozesses.

Um deine Frage zu beantworten: Man kann entweder alles als „schwierig“ wahrnehmen oder mit Gelassenheit damit umgehen. In diesem Fall haben wir die Veröffentlichung des Pedals ein paar Monate nach hinten verschoben. Bevor wir etwas überstürzen und ein Produkt rausbringen, das der Künstler nicht zu 100 Prozent liebt, investieren wir die nötige Zeit und das nötige Geld um es perfekt zu machen.
Am Ende zahlt sich das aus.

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Wie „übersetzt“ man Klangvorstellungen in Schaltkreise?

Hier kommt die geheime Sprache ins Spiel. Seit meiner Tage im Bandkeller hatte ich die Fähigkeit, mit verschiedenen Instrumentalisten zu kommunizieren und mich mit ihnen auf einen Sound zu verständigen.
Pedale zu designen ist da nicht anders. Ich höre mir den Künstler an und verstehe dessen Vision. Dabei geht es nicht um mich oder was mir gefällt, sondern zu hören, wonach der Musiker sucht.
Anschließend bespreche ich mich mit Antonin Salva, meinem Kumpel und Entwicklungs-Partner seit dem Anfang. Wir haben eine eigene Sprache gefunden, die natürlich ganz anders ist als die Sprache der Künstler. Sie ist technischer und präziser.
Selbstverständlich muss der Künstler den Prototypen absegnen, um sicher zu gehen, dass wir seine klanglichen Ideen verstanden haben, aber in den meisten Fällen schaffen wir das beim erste oder zweiten Versuch.

Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Künstlern aus dem modernen Metal-Bereich mit der Arbeit mit eher traditionell oreintierten Musikern?

Ich sehe keinen Unterschied zwischen Generationen. Jeder Mensch ist einzigartig. Ich suche mir Leute aus, die sich auf der gleichen Wellenlänge befinden wie ich. Das macht es für alle spaßiger.
Ich hatte noch nie „Diva“-Erfahrungen. Die Künstler mit denen ich zu tun habe, sind alle hart arbeitende Profis, denen ihr Schaffen wirklich am Herzen liegt.

Welche Funktionen und Charakteristika braucht ein Pedal, damit es für dich perfekt ist?

Nach Jahren in diesem Business kann ich dir sagen, dass für mich das Wichtigste die Geschichte ist.
Ich mache Pedale, die unglaublich gut klingen und aussehen. Auch das Äußere muss ein Stück Kunst sein, wenn das KHDK-Label darauf kommen soll.

Aber das ist nicht alles.

Die Perfektion liegt im „Warum?“. Der Grund warum sich ein Künstler dafür entschieden hat, dieses Pedal mit KHDK zu machen. Vielleicht ist es ein Sound aus der Anfangszeit ihrer Karriere, den sie rekreieren oder dem sie Tribut zollen wollen. Für andere ist es ein Sound, den sie schon immer erzeugen wollten, aber dazu ohne jede Menge teurem Equipment nicht in der Lage waren.
Das Pedal wird Teil ihres künstlerischen Vermächtnisses, ihrer Lebensgeschichte und für mich ist das, wo die Schönheit und die Perfektion steckt.

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Inwieweit waren Matt und Corey in der Entwicklung des In-Waves-Pedals involviert?

Die beiden waren dabei unglaublich aktiv. Ab dem ersten Prototyp haben sie uns jede Menge Input gegeben. Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass wir sie mit unserer Ausführung ihrer Idee wirklich umhauen konnten.
Sie haben uns auch Ideen für das Design gegeben und mit unserem Creative Director an der endgültigen Optik gearbeitet.
Matt und Corey sind Musterbeispiele für Künstler, die auf alles was sie herausbringen stolz sein möchten und wirklich jede Zusammenarbeit auf die nächste Stufe bringen. Wir haben bereits Ideen für die nächsten Produkte mit ihnen.

Macht mit bei unserer Verlosung und gewinnt das limitierte KHDK In Waves!

 

Tech-Talk: Projekt Wormhole

Kolja Bannasch findet alte Gitarrenteile in einem verlassenen Haus in Franken – und startet daraufhin ein internationales Gitarrenbau-Projekt. Hier verrät er uns, was es mit „Projekt Wormhole“ auf sich hat.

 

Wie bist du auf die Idee zum Projekt Wormhole gekommen?

Über Beziehungen erhielt ich Zugang zu einem verlassenen, einsturzgefährdeten Haus eines alten Gitarrenbauers in Franken, in dem Rohlinge alter Gitarren-Bodies und -Hälse lagerten, eher herumlagen. Ich habe nach langen Recherchen den Bruder des Gitarrenbauers ausgemacht. Nach seinen Informationen kaufte dieser das Haus, das 1606 erstmals urkundlich erwähnt wurde, in den 1950er-Jahren. Als Mitarbeiter der Firma Höfner ließ er sich einen Teil seines Lohnes in Gitarrenteilen ausbezahlen. Mit den Rohlingen wollte er zum einen eigene Instrumente bauen und zum anderen in dem verlassenen Haus ein Museum, das dem goldenen Zeitalter des deutschen Instrumentenbaus gewidmet ist, gründen.

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(v.l.: Uwe Schmidt, Stefan Görgen, Michael Zerrath, Mick Skehan/Michael Hill)

Dazu kam es jedoch nicht, der Gitarrenbauer starb vorher. Umso schöner ist es, dass Projekt Wormhole sein Erbe vollendet. Die Teile waren in einem schlechten Zustand, vermutlich waren sie Ausschuss aus der Produktion von Rohlingen durch die vielen Heimwerker, die die deutsche Instrumentenbau-Industrie belieferten. Zudem waren die Rohlinge durch die jahrzehntelange Lagerung vom Holzwurm befallen. Dennoch waren sie zu schade, um sie wegzuwerfen. Aus diesem Grund habe ich circa 50 Rohlinge geborgen und in einer Facebook-Gruppe für (Hobby-) Gitarrenbauer gegen eine Spende für karitative Zwecke angeboten.

Was war, beziehungsweise ist die Zielsetzung von Projekt Wormhole?

Mit denjenigen, die die Bodies erhielten, habe ich das Projekt Wormhole initiiert. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres aus dem „Ausschuss“, funktionsfähige Instrumente zu bauen. Einerseits um die Gitarrenteile vor dem Untergang zu retten, da das Haus eingerissen wird. Andererseits um Nachhaltigkeit zu demonstrieren und den Heimwerkern der deutschen Instrumentenbau-Industrie wie Höfner und Framus von einst ein gewisses Denkmal zu setzen. Schließlich sind die Projektteilnehmer selbst ebenfalls Heimwerker, ob nun zum Gelderwerb oder mehrheitlich als Hobby.

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(Mete Cem Kuzu)

Was kannst du uns zu den gefundenen Bodies erzählen?

Soweit unsere Recherchen richtig sind, handelt es sich um Bodies des Höfner-Gitarrenmodells 4572, das von der Form her an die berühmte Gibson ES angelehnt ist. Es könnte allerdings auch Ausschuss aus der Produktion von Bodies des Ovation-Modells „Tornado“ sein. Höfner hatte die Bodies Ende der 1960er Jahre zunächst ausschließlich für die amerikanische Firma Ovation hergestellt und dann im Anschluss ein eigens Modell daraus gemacht. In einem Body habe ich einen Datumsstempel gefunden, der auf den Dezember 1967 datiert. Die Bodies sind also bereits 56 Jahre alt.

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(v.l.: Michael Gorissen/Chris Weißenfels/Eva Gau (Artwork), Markus Erdmann/Lukas Sältzer (Foto), Mario Sparagna, Jan Hilbert)

Wer hat am Projekt teilgenommen?

Die Projektteilnehmer sind weltweit verteilt. Der Professionalisierungsgrad geht dabei vom „Ersttäter“ bis zum Profi, der mit dem Gitarrenbau Geld verdient. 

Die Organisation läuft dabei über eine Facebook-Gruppe, oder?

In der Gruppe haben die Projektteilnehmer ihre Arbeitsfortschritte, aber auch ihre Rückschritte in Wort und Bild dokumentiert. Die rund 1.250 Gruppenmitglieder stammen aus verschiedenen Interessensgruppen auf Facebook, ob rund ums Thema Gitarrenbauen oder Höfner- beziehungsweise Vintage-Gitarren-Fanseiten. Die Gruppe ist sehr international: Die USA sind vergleichsweise stark vertreten, gefolgt von Großbritannien, Australien und Kanada. Wir haben aber auch Mitglieder aus Afrika, Singapur und den Philippinen.

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(Holger Beutling)

Kannst du uns Anekdoten zum Projekt erzählen?

Es hat sich gezeigt, dass ein globales Projekt ganz unterschiedliche Herausforderungen mit sich bringt. Stefan Görgen aus Deutschland hatte beispielsweise das Pech, einen durch Schimmel praktisch unbrauchbaren Body zu erhalten. Er hat jedoch nicht aufgegeben und lediglich die Decke des Bodys verwendet. Die musste er mit Epoxy fixieren und den Rest hat er aus einem Holzrohling aus dem Vollen gefräst. 

Michael Hill hatte große Probleme, in der Hitze des australischen Sommers das Öl-Finish aufzubringen. Er hat einfach den Herbst abgewartet. Dan Nork aus den USA hingegen löste das Holzwurm-Problem auf seine Weise: Er setzte den Body-Rohling einfach der Kälte des grimmigen Winters in Wisconsin aus. 

Aksel à Botny von den Faröer-Inseln behalf sich in Ermangelung von Bäumen bei der Suche nach einer Halskantel mit der Planke eines Schiffswracks.

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(v.l.: Christoph Brandenburg, Hermann Hüls-Mellmann, Carsten Haack, Christian Leupold)

Was ist bisher alles entstanden?

Bislang sind etwa 40 Instrumente entstanden. Nachdem die Body-Form vorgegeben ist, hatten die Gitarrenbauer bei der weiteren Gestaltung freie Hand, einzige Bedingung: Es muss in Form des einheitlichen Logos ein Bezug zum Projekt Wormhole erkennbar sein. 

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(Werner Wende)

Viele entschieden sich in Hommage an die Höfner 4572 für ein sehr am Original angelegtes Instrument. Es gibt jedoch auch Projektteilnehmer, die das Thema sehr künstlerisch angegangen sind und den Body bemalt, mit aufwändigen Intarsienarbeiten versehen oder komplett neu furniert haben. Die meisten Instrumente sind 6-Saiter-E-Gitarren. Aber wir haben auch eine 7-saitige Djent-Wormhole, mehrere Bässe und Baritons sowie eine 12-Saiter-Gitarre. Und Mete Cem Kuzu baut derzeit ein Wormhole-Mandocello. Ich bin gespannt, wie das klingt.

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(Christian Hackl)

Wie geht es weiter?

Das Projekt wird sich diversifizieren. Zum einen sind noch zirka 20 Gitarren auf Basis des Höfner-4572-Bodys im Entstehen. Zum anderen startet Christian Hackl zusammen mit Grafiker und Illustrator Max Voormann, dem Sohn des „fünften Beatle“ Klaus Voormann, ein Special-Art-Project. Christian baut die Gitarren beziehungsweise Bässe, deren Decken Max künstlerisch gestaltet. Dann haben zwei der „Wormhole-Brothers“ erst kürzlich einen weiteren Schatz gehoben, mit dem das Projekt in eine weitere Runde geht. Dazu kann ich noch nichts verraten. Es gibt noch viele Hinterhof-Schreinereien in Franken … wer weiß, was da noch so rumliegt, kann niemand sagen...

Wenn ihr mehr über das Projekt Wormhole erfahren wollt, könnt ihr ganz einfach der Facebook-Gruppe beitreten unter: www.facebook.com/groups/projworm

Dieses Interview und viele weitere spannende Themen rund um die Gitarre findet ihr in guitar 05/23

 

Test: Cordial ECOHEMP Series

Alles im grünen Bereich

Ein Cannabis-Kabel von Cordial? Diese Neuigkeit brachte die guitar-Redaktion zunächst doch ein wenig zum Schmunzeln. Dabei ist die ECOHEMP-Serie alles andere als ein schlichter Marketing-Gag, um Stoner-Rock- und Reggae-Bands zu ködern. Hinter dem Hanfblatt-Logo verspricht die ECOHEMP-Serie Innovation und Nachhaltigkeit. Dabei findet die größte Neuerung bei der Herstellung der neuen Kabel abseits des Gewebemantels aus Hanf statt.

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Bisher wurden Instrumentenkabel in der Regel mit einem Kern aus Kupfer für die Signalübertragung und einer Ummantelung aus PVC außen hergestellt, die den Kern schützt und das Kabel dennoch flexibel belässt. Das Poly-Vinyl-Chlorid, das für die Ummantelung von Kabeln verwendet wird, enthält jedoch bestimmte Weichmacher und Zusatzstoffe, die schädlich für die Umwelt und schlecht recyclebar sind. Aus diesem Grund setzt die für die Ecohemp-Kabel verwendete Ecocord-Meterware auf ein alternatives Mantelmaterial namens TPE-V. Ein solches Thermoplastisches Elastomer-Vulkanisat (puh…) hat den Ruf, äußerst robust, hitzebeständig, flexibel und dabei im Gegensatz zu PVC recyclingfähig zu sein. Darüber hinaus soll der Energieverbrauch bei der Herstellung deutlich geringer als bei herkömmlichen PVC-Materialien sein. 

Die Ecohemp-Serie ist die erste Reihe an Kabeln, die auf das neue Kabelmaterial setzt und geht deswegen auch mit dem äußeren Gewebemantel „ins Grüne“. Die Kabel sind vollständig mit einem robusten Geflecht aus khaki-farbenen Hanf-Fasern (aus nachhaltigem Anbau) umwickelt. 

Hinzu kommt, dass die Produktion der Kabel komplett in Europa stattfindet, was ausufernd lange Lieferketten verhindert und dass für jedes gekaufte Kabel ein Baum von einer Non-Profit-Organisation namens „Trees For The Future“ gepflanzt werden soll. 

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Die Kabel an sich sehen ziemlich schick aus, fühlen sich ein wenig rauer an, als andere Kabel mit Textilummantelung und machen einen durchaus stabilen Eindruck. Als Musiker lernt man recht schnell, dass man bei Kabeln auf gar keinen Fall sparen sollte und lieber ein paar Euro mehr in die Hand nimmt, um etwas Hochwertiges zu kaufen. Bei den Ecohemp-Kabeln lässt sich nach einigen Einsätzen im Proberaum gewohnt hohe Cordial-Qualität feststellen, der Sound kommt klar und direkt von der Gitarre in den Amp und besonders die Option mit den Silent-PLUG-Steckern von Neutrik ist noch immer noch unglaublich praktisch. 

 

Das bleibt hängen

Die Ecohemp-Kabel von Cordial verfolgen einen absolut lobenswerten Ansatz und ziehen diesen bis hin zur recycelten Graupappe der Verpackung durch. Bei aller Rücksicht muss man in Sachen Klangqualität keinerlei Abstriche machen. Als Kritikpunkt könnte man die etwas hoch angesetzten Preise nennen – diese sind jedoch in Anbetracht des gebotenen (ganz zu schweigen vom reinen Gewissen) durchaus fair und im Sinne der Nachhaltigkeit gilt immer noch: Lieber einmal ein hochwertiges Produkt kaufen als dreimal ein billiges. 

Bruno Wolf

 

Mehr Infos: https://www.cordial-cables.com/de/ecohemp

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 Diesen und viele weitere Testberichte findet ihr in guitar 04/23!

 

Guild Surfliner (Foto: Guild Guitars)

Test: Guild Surfliner

Ein Wellenreiter in der Carnaby Street

Die Guild Surfliner sieht aus wie ein Klassiker aus den 60ern, ist aber ein ganz frisches Modell der stilsicheren Guild-Designer. Unter ihrer Haube schlummern dank der H-S-S-Bestückung, die mit drei Pickup-Switches aktiviert werden, nicht weniger als sieben individuelle Sounds.

Als die Guild Surfliner zum Test eintrifft, lädt sie zu einer genauen Betrachtung in Sachen Design ein. Die Solidbody ist eine geschmackvolle Symbiose aus vielen bekannten Guild-Instrumenten der gesamten Firmengeschichte. Angefangen bei der von der Guild Jetstar bekannten Kopfplatte bis zum unteren Ende des Offset-Korpuses gibt es eine Menge zu entdecken.

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Dieser ist ein ergonomisch gehaltener Mix aus Jetstar und frischen ergonomischen Elementen. Insgesamt fühlt man sich bei der Guild Surfliner sofort zuhause und erwischt sich des Öfteren bei der Frage, ob dieses 2022er Modell nicht doch aus einer Zeitmaschine gefallen ist. Der geschraubte, matt lackierte Ahornhals mit abgewinkelter Kopfplatte besteht aus zwei Teilen und einem aufgesetzten Ahorngriffbrett, unter dem der Halsstab eingelassen ist. Die Haptik ist griffig. Für eine Gitarre um 450 Euro sind die 23 Narrow-Jumbo-Bundstäbchen sehr sauber abgerichtet.

Pfiffiger Ansatz

Beim Korpus setzt sich der gute Eindruck fort. Der aus fünf Teilen zusammengesetzte Pappelbody ist schön gemasert. Man erkennt auf der Decke und am Boden nur bei genauerem Hinsehen, dass es sich um mehr als zwei Pappelelemente handelt. An den Zargen fallen die unterschiedlichen Holzstücke zwar etwas auf, aber für den aufgerufenen Kurs ist die Optik spitze. Verbunden werden Hals und Korpus übrigens mit einer sehr stylischen, mit ausgestanzten Guild-Signet versehenen Halsplatte.

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In Sachen Hardware und Elektronik wird der pfiffige Ansatz der Formgebung fortgesetzt. Die Guild Vintage Style Inline Tuner sehen zwar aus wie aus längst vergangenen Zeiten, arbeiten jedoch sehr präzise und sind sehr stimmstabil. Bei der Lieferung war die aus indonesischer Fertigung stammende fabrikneue Surfliner nur minimal von einer perfekten Stimmung entfernt und hätte ohne Weiteres so gespielt werden können. Die Tune-O-Matic-Brücke ist ab Werk bundrein und auf eine angenehme Höhe eingestellt. Wer eine flachere oder höhere Saitenlage bevorzugt, kann diese ohne große Mühe mittels eines handelsüblichen Schlitzschraubenzieher einstellen – einfacher geht‘s nicht.

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Das Herzstück

Die Tonabnehmer sind bekanntlich für den Großteil des Klangs verantwortlich. Hier punktet die Surfliner auf ganzer Linie, denn in dem Trio aus zwei DeArmond Aerosonic Single Coil Pickups in der Hals- und Mittelposition und dem Guild LB-1 Bridge Pickup an der Brücke schlummern Sounds von der kalifornischen Pazifikküste bis zum Swinging London der 60er Jahre.

Ermöglicht wird diese Bandbreite nicht nur von der Ein- und Doppelspulerkombination sondern auch maßgeblich von der ausgefuchsten Schaltung der drei RockerOn/Off Pickup Switches, die wir im folgenden vorstellen:

Position 1 - erster Schalter auf „on“: Guild LB-1 Bridge Pickup

Position 2 - erster und zweiter Schalter auf „on“: Guild LB-1 Bridge & DeArmond Aerosonic Single Coil (Mitte)

Position 3 - zweiter Schalter auf „on“: DeArmond Aerosonic Single Coil (Mitte)

Position 4 - zweiter und dritter Schalter auf „on“: DeArmond Aerosonic Single Coil (Mitte + Hals)

Position 5 - erster Schalter auf „on“: DeArmond Aerosonic Single Coil (Hals)

Position 6 - erster und dritter Schalter auf „on“: Guild LB-1 Bridge Pickup und DeArmond Aerosonic Single Coil (Hals)

Position 7 - alle drei Schalter auf „on“: Guild LB-1 Bridge Pickup und DeArmond Aerosonic Single Coil (Mitte + Hals)

Diese sieben Optionen liefern Vintage-Klänge von Surf Rock über knackigem Country Twang und Stones-Vibes bis hin zu dreckigem Rock der Marke The Who. Bei jedem der exemplarischen Stilistiken (inklusive passender Peripherie) reagiert die Surfliner sehr direkt und liefert in allen Bereichen von zartem bis hartem Anschlag ein dynamische Signal.

Das bleibt hängen

Die Guild Surfliner ist zwar ein Kind des neuen Jahrtausends, muss sich aber vor der legendären Modellen aus den 50ern und 60ern nicht verstecken. Für ihren äußerst geringen Verkaufspreis von 459 Euro ist sie tadellos gefertigt, ab Werk gut eingestellt und klanglich ein Schweizer Taschenmesser für Vintage-Fans. Im Lieferumfang gibt es sogar noch ein Jutesäckchen mit Halsstab-Inbus, zwei Guild-Stickern und Plektren plus eine Bedienungsanleitung. Ein Koffer ist bei diesem Kurs verständlicherweise nur separat erhältlich. 

Autor: Chris Franzkowiak

Alle Infos: GUILD GUITARS

 

Das und noch viel mehr findet ihr in der aktuellen guitar 01/23

guitar 01/23

 

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Baroni AFK150

Baroni AFK150 Hybrid - Test

Analoge Kampfansage

Wer behauptet, dass leistungsfähige Amps grundsätzlich groß, schwer und unhandlich sind, der wird spätestens mit Baroni AFK150 eines Besseren belehrt. Zumindest wenn man Willens ist, die Scheuklappen abzulegen. Wir zumindest würden dies empfehlen.

Letzte Ausgabe hatten wir ein ähnliches Amp-Konzept aus dem Hause Blackstar auf dem Tisch, Baroni gehen allerdings in Sachen Sound noch eine Ecke weiter. Wo der Blackstar Amped-1 klar als Pedal-Plattform und Recording-Lösung inklusiver Cab-Rig-Software antrat, versteht sich der Baroni meiner Wahrnehmung nach mehr als „Amp“ denn alles andere. Dafür spricht zuerst der Einsatz einer ECC81-Vorstufenröhre und die satten 150 Watt, die er an eine Box mit vier Ohm abliefern kann.

Bei einer Impedanz von acht Ohm liefert er noch 75 Watt, bei 16 Ohm noch 40 Watt. Unsere Testbox, eine 1x12“ bestückt mit einem Celestion Vintage 30 mit acht Ohm, ist mit 60 Watt Belastbarkeit etwas unter den 75 Watt angesiedelt, da wir den Baroni aber nicht bis Anschlag aufreißen, dürfte das kein Problem sein. Der Aufbau des AFK150 ist recht geradlinig gehalten, was zu großen Teilen am Aufbau als striktem Zweikanal-Amp liegt – alles erfreulich übersichtlich.

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Praktischer Aufbau

Der Clean-Kanal ist klassisch aufgebaut: Volume, Bass, Middle, Treble und Gain dienen der Kontrolle über den Sound. Die Potis der EQ-Sektion sind Mini-Trimpotis, was auf den ersten Blick etwas unpraktisch erscheint. Bevor man mosert, sollte man den Einsatzzweck bedenken. Im Studio oder zuhause hat man meist genügend Licht, Übersicht und Zeit, um an seinem Sound zu feilen. In Live-Situationen hingegen ist es eher zu spät, um am Sound zu feilen. Selbiges Regler-Layout gilt ebenso für den Overdrive-Kanal, in der Master-Sektion, die sich beide Kanäle teilen, finden sich ein Mastervolume und ein Presence-Regler. Zwischen beiden Kanälen kann per Fußschalter umgeschaltet werden.

In der Mitte des AFK150, quasi zwischen den EQ-Sektionen der Kanäle wurden drei Mini-Toggles platziert. Von links nach rechts handelt es sich dabei um einen Ground Lift, einen Cab-Sim/Direct-Schalter und im Falle des letzten Toggles die Möglichkeit, den Effektweg parallel oder seriell zu fahren. Sämtliche Anschlüsse des Baroni AFK150 sind stirnseitig platziert, dank der beiden Holz-Elemente steht der Amp leicht geneigt auf dem Tisch oder auf der Box, alle Kabel lassen sich bequem nach hinten oder unter ihm durch legen. Das sorgt für Ordnung und Übersicht – so mögen wir das!


Als Anschlussmöglichkeiten stehen neben Send und Return des bereits erwähnten Effekt-Loops die Anschlüsse für das handelsübliche Kaltgerätekabel, einen Anschluss für eine externen Fußschalter zur Kanalwahl und die beiden Lautsprecheranschlüssen Main Speaker Output (4/8/16 Ohm) und Parallel Output (8/16 Ohm). Weiterhin finden sich dort der Line Out, der mit einem direkten Signal oder einer Cab-Simulation (2x12“ Celestion Vintage 30 + Shure SM56) angespielt wird, anwählbar via bereits erwähntem Mini-Toggle auf der Frontseite. Send und Return sowie die obligtorische Inputbuchse für unser Instrument stehen dort ebenfalls zur Verfügung. Kleine Randnotiz: Als Standby-Schalter fungiert der stirnseitig neben dem Stromanschluss untergebrachte rote Schalter, einen separaten On/Off-Schalter gibt es nicht. Beim Einstecken des Netzkabels aktiviert man den AFK150 respektive man muss dieses abziehen, um ihn zur Gänze auszuschalten.

Die Verkabelung in Live-Situationen geht direkt und unkompliziert vonstatten, ebenso die Montage auf dem Pedalboard. Die Holzelemente an den Seiten können entfernt werden, der AFK150 kann dann etwa mit Klett wie ein Standard-Pedal auf einem Board montiert werden. Dank der kompakten Abmessungen von 22 x 12 x 3 Zentimetern (B x T x H) sollte sich Platz dafür finden lassen.

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Der Sound

Ganz grundsätzlich hat man mit dem AFK150 einen echten Amp vor sich, der sich im Cleankanal an alte Fender-Blackface-Amps anlehnt, der Overdrive-Kanal beruht auf dem Gurus Doubledecker MkII (Gurus und Baroni gehören beide zur Foxgear-Gruppe). Der Doubledecker MkII bildet klassische britische Röhrenamp-Sounds nach – Marshall, Orange, Vox und Co., ick hör euch trapsen!
Damit dürfte man eine Common-Sense-Kombination gefunden haben, die vielleicht nicht allen Gitarristen passt, einem Großteil der Blues- und Rock-affinen Saitenfreunde aber direkt in die „Soundkarten“ spielen dürfte. Dies übrigens ist durchaus wörtlich zu nehmen, dank des Line-Outs mit Cab-Simulation. Aber zurück zu unserem Standard-Setup: Booster – Overdrive – Baroni – Delay und Reverb im Loop – 1x12“ Celestion Vintage 30. Tja, die Überraschung ist in der Tat größer, der Sound erfrischend deutlich besser, als ich mir das eingestehen wollte.

Es sei dem Verfasser verziehen, aber die Mythen, dass ein guter Sound nur – und ich meine ausschließlich – durch explodierende Röhrenendstufen zu erzeugen sind, die sind doch seit langem widerlegt. Zahlreiche Künstler bringen ihre Sounds mit einem Kemper, AxeFx oder Line 6 Helix auf die Bühne, schlicht und ergreifend weil kontrollierbarer und im Sound konstanter. Als Erleichterung im Live-Betrieb kommt hinzu, dass aufwendige Mikrofonierungen entfallen, diese werden mittels entsprechender Simulationen realisiert. Wer auf Röhrensounds steht, der wahrt mitunter eine gewisse Distanz zu diesen Produkten, der digitale Ansatz verträgt sich nur bedingt mit dem Wunsch nach analogen Oldschool-Sounds. Baronis AFK150 setzt zur Soundformung daher auf eine ECC81 in der Vorstufe, der Wunsch nach einer Röhre wird also zumindest in der Vorstufe realisiert.

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Plug & Play

Die Sounds des Baroni klingen durch die Bank knackig und „echt“, die Referenzen an alte Fender- respektive alte Marshallsounds sind allgegenwärtig, aber eben lebhaft und mit ordentlich Dampf realisiert. So kann der Baroni sowohl als Pedalboard-Amp, Standalone-Lösung auf der Box oder als Recording-Tool genutzt werden. Dank einer erfreulich schlicht strukturierten Bedienoberfläche ist der Plug’n’Play-kompatibel und deckt – in Kombination mit dem Overdrive/Booster der persönlichen Wahl – alles von zartem Clean bis zu deftiger Verzerrung ab. Dabei reagiert der Baroni milde, um nicht zu sagen dankbar auf Pedale, egal ob es nun ein Tubescreamer, ein SD-1 oder ein Big Muff ist – der AFK150 frisst sie alle!

Das bleibt hängen

Endlich, möchte man sagen! Endlich gibt es einen Amp, der auf das Pedalboard passt, aber auch ganz ohne funktioniert. Der AFK150 von Baroni harmoniert hervorragend mit Pedalen, egal ob davorgeschaltet oder im FX-Loop, und ist eine ernstzunehmende Alternative für alle Traditionalisten, die mitunter mit leichtem Gepäck aufspielen möchten. Im Vergleich zu Kollegen wie dem Amped-1 von Blackstar fährt der AFK150 nicht mit derart vielen Schaltoptionen auf, dafür bietet er eine größere Bandbreite an Zerrsounds. Schönet Ding!


Stephan Hildebrand

Alle Infos: FOXGEAR/BARONI

test baroni afk 150 facts

Saitenkraft Nazgul 7 White Wolf

TEST: Saitenkraft Nazgul 7 White Wolf

Aus dem Saitenkraft-Labor im schweizerischen Bremgarten kommt die Nazgul 7, ein Multiscale-Bolide aus heimischen Hölzern. Gefertigt mit höchster Detailverliebtheit, handwerklicher Meisterleistung und einer Menge Attitüde. 

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Der Mann hinter Saitenkraft heißt Urs und ist ein überaus sympathischer Zeitgenosse, der stets ein offenes Ohr für Kundenwünsche hat, Custom eben. An dieser Stelle sei dringend der Blick auf die Homepage empfohlen, um einen groben Eindruck über sein Schaffen zu erhalten. Frisch aus dem Koffer überwältigt das harmonische, an eine Tele angelehnte Offset-Design mit moderner Formsprache und einer makellosen, weißen Lackierung der Front. Zargen, Rückseite und Hals wurden transparent belassen. In schlichter Eleganz präsentieren sich die goldene Hardware wie die ABM-Einzelreiter und die überaus praktischen Planet-Waves-Auto-Trim-Tuner in Gold und Schwarz, wobei diese schwarzen Details bei den Polepieces der selbstgewickelten Humbucker wieder aufgegriffen werden. 

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Ebenso perfekt reiht sich das torrefizierte Ahorngriffbrett in das Gesamtbild ein, hier prangt dann auch der namensgebende „White Wolf“, welcher sich über mehrere Bünde erstreckt. Der durchdringende Blick aus Räuchereiche steht im harten Kontrast zum restlichen Inlay aus Epoxidharz und ist makellos ausgearbeitet.

Edle Hölzer 

Und das Thema Räuchereiche, eines von Urs Lieblingshölzern, findet sich in vielen weiteren, liebevollen Details. So trägt der gekammerte Esche-Korpus ein Trennfurnier aus eben diesem Holz unter seiner Esche-Decke, der modern minimalistische Armrest präsentiert dieses Detail auch nach vorne hin. Die Kopfplatte ist analog gefertigt, wunderbar auch die fluoreszierenden Sidedots, ebenfalls hauchfein von Räuchereiche umfasst, während sich ab der dritten Lage ein zarter Furnier-streifen Richtung Korpus zieht. Sexy und funktional zugleich, da hat sich jemand Gedanken gemacht. Der extrem steife Hals ist primär aus Ahorn gefertigt, der Mittelstreifen aus wunderschön gemasertem Riegelahorn ist mit zarten Furnieren aus Räuchereiche gesperrt.

Smartes Design 

Während viele Gitarren mit verlängerten Mensuren ordentlich Platz in Anspruch nehmen, ist die Konstruktion und Formgebung bei der Nazgul perfekt auf den Punkt gebracht. Der ausladende Cutaway ermöglicht ungehinderten Zugang in die höchsten Lagen während sich die Bridge organisch im Bereich der Anschlagshand wiederfindet. Der zierliche Armrest wurde perfekt gewählt, und die Wege für die Greifhand sind gut überschaubar, alles wirkt kompakt und schreit geradezu danach, gespielt zu werden. Und dann dieser Hals... 

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Mit seinem C-Profil schmiegt er sich bestens in die Greifhand, die makellose Bundbearbeitung so- wie der perfekt gearbeitete Sattel machen das Spiel zu einer wahren Freude. Der Scheitelpunkt der Fächerbundierung liegt in der achten Lage und dürfte somit den meisten Spielern entgegenkommen, ein dramatisches Verdrehen des Handgelenks in den tiefen Lagen ist nicht nötig. Sollten bis hier noch Fra- gen offen sein: grandioses Handwerk, hervorragende Werkseinstellung, tolles Sustain, präzise Saitentrennung und bestes Handling, einfach Spielspaß pur. 

Wie wird’s laut? 

Hier kommen zwei Eigenkreationen, ganz nach den persönlichen Vorlieben des Erbauers, zum Einsatz. Die Spulenkörper wurden aus Ahorn gefertigt und in Farbe der Decke lackiert, da sind die Kanten mit Sicherheit etwas anfällig für Plektrumangriffe. Die Neodyn-Humbucker sitzen schräg im Gehäuse, sind jedoch nicht „slanted“ konstruiert. Optisch liegen damit die Polepieces nicht direkt unter den Saiten, praktisch tut das aber keinem weh und Urs wählt diesen Ansatz völlig bewusst, um dem Nutzer den eventuellen Tausch der Tonabnehmer so einfach wie möglich zu machen, ohne auf Spezialkonstruktionen zurückgreifen zu müssen. 

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Auf eine klassische Tonblende wird verzichtet, es kommt ein Basscut-Regler zum Einsatz, der im anvisierten Genre meiner Meinung nach wesentlich mehr Sinn ergibt, ein Dreiwege- Kippschalter und ein Volume-Poti mit Push-Push- Funktion zum Abgriff des Coil-Splits komplettieren das Angebot. Bleibt noch die kunstvolle Lötarbeit unter dem magnetisch gehaltenen E-Fach-Deckel zu erwähnen, der bei beherztem Druck an richtiger Stelle aufklappt. 

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Auch der Klang überzeugt auf ganzer Linie. Beide Humbucker liefern die volle Breitseite Mitten, wobei der Kollege am Hals ein deutlich breiteres, angenehm federndes Spielgefühl in den Bässen transportiert und der Stegabnehmer schlank und präzise auf Angriff getrimmt wurde. Die Kompression ist generell zurückhaltend, feine Nuancen werden präzise abgebildet. So kommt es, dass von modern-technischem High-Gain-Sound bis hin zur rauchigen Blue-Scale alles drin ist. Der Basscut bietet die Möglichkeit die Bässe ordentlich aufzuräumen und das äußerst praktikable Push-Push-Poti bietet schnellen Zugriff auf großartig nagelnde Singlecoil-Sounds mit einer gehö- rigen Portion Selbstbewusstsein – das ist schon der Hammer! 

Das bleibt hängen 

Was wir haben: perfekte Handwerkskunst, detailreich und praktikabel, exzellente Konstruktion und Werkseinstellung, enorme Soundvielfalt mit klarer Attitüde und ganz besonders viel Spielspaß und Inspiration. Was wir nicht haben: ausreichend Platz um diesem Meisterstück von Saitenkraft in Worten gerecht zu werden. 

Text: Markus Kaffka

Fotos: Phil Zeppenfeld

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Headrush MX5

TEST: Headrush MX5

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Headrush MX5

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Klein aber fein!

Headrush werfen mit dem MX5 einen Modeller der Kompaktklasse in den Ring, der sich anschickt, die Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Dann wollen wir doch mal sehen, wie sich die kleine Wundermaschine, die man locker in einem guten Gigbag mit zur Show nehmen könnte so schlägt.

Zum Testzeitpukt standen noch keine Updates zur Verfügung, getreu der Firmenphilosophie darf aber mit regelmäßigen Erweiterungen und Optimierungen gerechnet werden. Die Nutzung der Headrush-Cloud zum Austausch von Rigs wird selbstverständlich auch möglich sein. Zu Anfang fällt der 4“-Touchscreen ins Auge, der den ersten Eindruck dominiert, sonst herrscht hier eine klare Struktur. Drei Fußtaster mit farblich wählbarer Beleuchtung, ein Mini-Expression-Pedal, ein Main-Output-Regler und dazu ein gerasterter Endlos-Encoder mit Push-Funktion, das war es schon.

Roadtauglich

All das ist in einem sehr stabil wirkenden Gehäuse untergebracht, die Metall-Schale, welche alle Anschlüsse und Regelelemente trägt ist mit der ebenfalls sehr stabil wirkenden Kunststoffwanne verschraubt. Neben dem On/Off-Taster am Rand des Anschlussfeldes findet sich der Anschluss für das externe Netzteil, auf eine mechanische Zugentlastung verzichtet, was zumindest dem Autor in Live-Situationen immer ein paar Schweißperlen auf die Stirn treibt. Klar, Tape kann viele Probleme lösen, aber ein kleiner Kunststoffhaken oder eine Kabelrinne im Gehäuseboden wären eleganter, gerade in Anbetracht von rund 15 Sekunden die es braucht, bis das MX5 hochgefahren ist.

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Bedienung

Dann aber strahlt einen der Touchscreen bestens ablesbar an. Also erst mal ohne Blick in die wirklich gut gemachte Schnellstart-Anleitung, die 18 Seiten umfasst (!) und in Druckform vorliegt (!!) die Zugänglichkeit zum User-Interface (UI) zu checken.
Jeder, der das Konzept eines Modellers kennt und ein Smartphone sein Eigen nennt sollte hier auf Anhieb zurechtkommen. Schaltet man sich nun interessehalber einfach mal so durch die verschiedenen Rigs (Presets) um einen ersten Eindruck zu gewinnen hat sich das UI eigentlich schon nahezu selbst erklärt und nach wenigen Minuten ist man souverän in der Lage, komplett eigene Rigs zu erstellen, Parameter zu variieren und einfach einen Haufen Spaß zu haben. So soll das sein, da hat man sich viele Gedanken gemacht und diese dann in höchstem Maße nutzerfreundlich umgesetzt.
Jetzt kommt aber natürlich dennoch die eingangs erwähnte Kurzanleitung zum Zug, die Vollversion steht auf der Homepage zur Verfügung. Für viele unter uns mögen drei verfügbare Fußtaster reichlich limitiert wirken, aber auch hier wurde eine gut durchdachte Lösung gefunden. Grundlegend ist es möglich, Setlisten zu erstellen die ausgewählte Rigs beinhalten, alles übrigrens per Fuß steuerbar.

Die Modi

Im Stomp-Modus arbeitet das MX5 wie ein Pedalboard, die Module (Amp/Box/Effekt) können den Tastern und dem Expression-Pedal zugewiesen werden. Der Rig-Modus bietet pro Bank drei schaltbare Rigs, der Bank-Wechsel erfolgt durch simultanes Drücken von Taster 1 und 2 respektive 2 und 3. Im Hybrid-Modus aktiviert Taster 1 einen Schaltvorgang analog zum Stomp-Mode, während Taster 2 und 3 die Rigs wechseln.
Die jeweilige Funktion der Taster ist auf dem unteren Bildschirmrand ablesbar. Zusätzlich können Szenen erstellt werden, man darf sich das wie ein Switching-Systems vorstellen, um einen Stepptanz zu umgehen. Dazu hat das integrierte Expressionpedal über den Zehenschalter mit deutlichem Druckpunkt zusätzlich zwei Betriebsmodi und so weiter...
Da ist eigentlich an alles gedacht und der eigenen Organisation kaum Grenzen gesetzt, wer aber dennoch mit drei Tastern nicht leben will oder kann, darf gerne eine zusätzliche Steuerung via MIDI anstreben, die entsprechenden Adapter auf 3,5mm Klinke liegen bei, beim Test funktioniert die Implementierung problemlos.

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Und sonst?

Die Erstellung eigener Rigs erfolgt simpel via Dropdown-Menüs, übersichtlich unterteilt in Typ, Modell und Preset. Bis zu elf verschiedene Modelle/Effekte können hier zusammengeführt werden. Es stehen drei Signalketten zur Verfügung (seriell, 2x parallel), eine völlig freie Aufteilung des Signalflusses ist nicht möglich und natürlich ist eine Spill-over-Funktion mit an Bord.
Am Input liegt ein regelbares Gate an, der Output bietet Zugriff auf die Lautstärke des Rigs und dessen Stereobreite. Der Effektloop kann mit Bodentretern und 19“-Equipment umgehen und lässt sich simpel in ein Rig integrieren.
Bleibt noch zu erwähnen, dass sich die Taster und Potis wertig anfühlen. Das kleine Expressionpedal sorgte anfangs für leichtes Schmunzeln, lässt sich aber aufgrund des hohen Bewegungswiderstandes recht präzise steuern, wer mehr braucht kann auch ein externes Pedal anschließen. Ein Tuner ist natürlich auch noch mit an Bord, er arbeitet ruhig und zügig und auch der Kopfhörerausgang verrichtet souverän seinen Dienst.

Noch mehr!

Zusätzlich wäre da noch ein Looper, der 20 Minuten Aufnahmezeit bei 50 Layers bereitstellt, dazu noch Bearbeitungsmöglichkeiten wie Reverse, Double-Time etc. Auch hier funktioniert im Test alles problemlos. Und natürlich kann das MX5 auch als USB-Recording-Interface benutzt werden. Bevor wir uns jetzt endlich auf die Soundqualität stürzen sei noch der globale EQ erwähnt, mit dessen vier parametrischen Bändern der Sound schnell an den jeweiligen Raum angepasst werden kann.
Sounds
Zu Versuchszwecken wird erst mal ein Rig mit allem vollgeladen was Speicher braucht, es bilden sich keine relevanten Fragmente oder Latenzen, lediglich das Tracking der Pitch-Shifting-Sektion ist nicht besonders präzise und blubbert häufig ungewollt vor sich hin, das wohlgemerkt aber auch im Solo-Betrieb.
Das MX5 soll und will eine einfache Lösung sein und bietet selbstverständlich nicht die Editiertiefe eines Kempers oder gar eines Axe-FX, dennoch lässt sich mit allerhand Möglichkeiten massiv Einfluss auf die Sounds nehmen.

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Zum Wunschsound

Die Amp-, und Boxenmodelle sind deutlich voneinander zu unterscheiden, die Routing-, und Effektmöglichkeiten bieten eigentlich alles, was man so braucht, um zum Wunschsound zu kommen. Und wenn es nicht klappen will dürfen gerne IRs von extern genutzt werden.
Cleansounds setzen sich wirklich schön durch, High-Gain Sounds moderner Ausrichtung sind schnell und einfach erstellt. Problembehaftet sind ja gerne Crunch-Sounds und pumpende Rock-Sounds, besonders wenn der Nutzer das Volume-Poti seiner Gitarre einer gewissen Nutzung zuführt. Das funktioniert hier erstaunlich gut, das Spielgefühl lässt aber das letzte Quäntchen Interaktion vermissen, die Töne federn einfach nicht so wie bei einer guten Röhre oder einem Modeller/Profiler der Oberliga. Aber ausgehend vom aufgerufenen Preis wird hier richtig was geboten und man darf davon ausgehen, das kommende Updates den Funktionsumfang und die Soundvielfalt nochmals deutlich steigern werden. So verfängt man sich schnell in träumerischen Loop-Layers und immer neuen Soundideen, die sich tatsächlich bestens umsetzen lassen.
Die häufig in diesen Preisregionen zu beobachtende harsch-krisseligen Höhen bei hoher Verzerrung ist nur sehr hintergründig und bei genauem Hinhören festzustellen, im Rahmen einer Live-Veranstaltung dürfte das kaum ins Gewicht fallen. Die Vielfalt an Effekten bietet ebenfalls gute Qualität, so dass hier doch jeder etwas finden dürfte um sich kreativ auszutoben.

Das bleibt hängen

Leider ist der Platz hier limitiert, denn man könnte noch deutlich mehr in die Tiefe gehen, etwas Zeit zum Anspielen sollte man also durchaus einplanen. Denn es ist alles da, was man so braucht. Das Headrush MX5 besticht durch seine simple, selbsterklärende Funktionalität und Soundauswahl bei geringer Editiertiefe und guter Qualität von Modellen und Effekten, so das wirklich jeder schnell in den Genuss brauchbarer Sounds kommt. Beide Daumen hoch!
Markus Kaffka

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Darkglass ADAM

Darkglass ADAM – Das Herz der Finsternis (guitar Test)

Die finnische Firma Darkglass ist seit geraumer Zeit ein Garant für unverschämt gute Bodentreter für Bassisten und haut nun den nächsten Klopper raus. „Aggressively Distorting Advanced Machine“, kurz „ADAM“ heisst die grüne Kiste – und sie ist dermaßen vollgestopft mit Features, dass es nur so kracht. Kein Wunder, schließlich hat Bass-Monster Adam „Nolly“ Getgood bei der Entwicklung seine Finger im Spiel gehabt. Kann das Pedal die damit verbundene Erwartungshaltung erfüllen?

Spoileralarm: Ja, kann es! „Nolly“, der den allermeisten durch seine Mitgliedschaft bei den Frickel-Metalcorlern Periphery bis 2017 bestens bekannt sein dürfte, hat es sich und Darkglass zur Aufgabe gemacht, quasi sein gesamtes Studio-Setup in ein Pedal zu quetschen. Herausgekommen ist dabei der stylisch grüne ADAM, der für die Fülle an Funktionen eine erstaunlich handliche Größe beibehalten hat.

Auf der Oberseite befinden sich die allermeisten Bedienelemente und Anzeigen, die mit zahlreichen bunten Lämpchen ausgestattet sind, was dafür sorgt, dass man selbst auf der finstersten Bühne im dunkelsten Club der Welt den kompletten Überblick über die Einstellungen behält – vorbildlich! In der obersten Reihe finden wir fünf Potis, die allesamt selbsterklärend sind. „Compression“ regelt den Input-Gain des Kompressors und ermittelt dann automatisch die daraus resultierenden weiteren Parameter, „Drive“ die Stärke der Verzerrung, „Charakter“ steuert den Höhenanteil der Distortion, „Blend“ bestimmt das Verhältnis des cleanen Basssignals zum verzerrten und „Level“ dient als Master-Volume.

Direkt darunter befindet sich der Sechs-Band-EQ, der mittels berührungsempfindlicher Schieberegler bedient wird. Als letztes sehen wir noch drei Fußtaster, die einerseits zwischen den drei voreingestellten Presets wechseln, aber auch als Drehregler fungieren, mit denen man die Art der Verzerrung, die Ratio der Kompression und verschiedene Cab-Sims auswählen kann.

Rückseitiges Glück

Auf der Rückseite befinden sich die Buchsen für Input und Aux-In, sowie der Kopfhörerausgang mit eigenem Lautstärkeregler, sowie zwei Klinken-Outputs (rechts und links für Stereo-Betrieb), natürlich die Buchse für das 9V-Netzteil (Batteriebetrieb ist aus Gründen des Umweltschutzes nicht möglich) und der USB-Anschluss, für den Betrieb als Interface am Rechner und natürlich zur Verbindung mit der Darkglass Suite, um die internen Speicherplätze bei Bedarf mit weiteren IRs und dergleichen zu beladen.

An der linken Gehäuseseite liegt noch der symmetrische XLR-Ausgang mit Ground-Lift-Schalter – Holy Guacamole, hier wurde definitiv geklotzt und nicht bloß gekleckert.

Getrennte Wege

Nach dem Input läuft das Signal in den Kompressor und wird danach gesplittet. Während der eine Pfad den Multiband-Kompressor durchläuft, nimmt der andere den Weg durch die Distortion und die Cab-Simulation. Am Blend-Regler laufen die beiden Signalwege wieder zusammen und werden so anteilig gemischt, wie man es eben gerne hätte. Anschließend geht es für diesen Mix dann weiter in den EQ und danach zum Output.

Das klingt erstmal kompliziert, ist in der Praxis jedoch unerwartet intuitiv zu handhaben, da in der Entwicklung allerhand Gehirnschmalz in den Aufbau investiert wurde.

Natürlich lassen sich Kompressor, Distortion und Cab-Sim jeweils auch bypassen. Bedient man die Taster A und B gleichzeitig, werden alle Ausgänge stumm geschaltet und zu guter Letzt hat man ADAM natürlich auch noch ein Stimmgerät gegönnt, welches durch simultanes Treten auf B und C aktiviert wird. Klanglich liefert der Bursche amtlich ab. Das cleane Signal fährt mit ultrasattem Bassbereich ohne nerviges Dröhnen auf, während sich die Zerre dank der reichlichen Auswahlmöglichkeiten perfekt dem eigenen Geschmack und dem Band-Mix anpassen lässt. Alle Regler lassen sich angenehm bedienen und haben bei sämtlichen Parametern eine schöne Response. Die Anordnung ist logisch und übersichtlich und nach kurzer Eingewöhnung macht es einfach wahnsinnig viel Spaß, krasse Sounds zu entwickeln.

Das bleibt hängen

Die Vielseitigkeit ist annähernd grenzenlos, die Einsatzgebiete ebenso. Ob als Recording-Interface oder für den Live-Betrieb; ADAM macht eine hervorragende Figur. Die bereits installierten Presets klingen direkt hervorragend und lassen sich mit wenigen Handgriffen den eigenen Vorlieben anpassen. Die Beleuchtungselemente sehen nicht nur bockstark aus, sondern erleichtern die Übersicht signifikant.

Der Sound ist monsterfett und ADAM seine gut 570 Euro definitiv wert, so viel in einem kleinen Kasten, der ja auch Platz spart  sucht seines Gleichen. Wer auf der Suche nach einer Allroundlösung in Sachen Bass-Sound ist, sollte den ADAM dringend antesten.      

Ben Liepelt

Den kompletten Test könnt ihr auch in guitar 4/21 nachlesen – direkt hier bequem nach Hause bestellen!

Test: Boss RC-5 Loop Station

Test: Boss RC-5 Loop Station

Können kommt vom Handwerk

Looper – eine tolle Möglichkeit sich als Solo-Künstler selber zu begleiten oder auch um einfach Songs zu schreiben und mal auszuprobieren, wie zwei Songideen zueinander passen. guitar hat die neue Boss RC-5 Loop Station getestet.

Wie ein Hydrant in seinem roten Gehäuse ist der RC-5 nicht zu übersehen. Wie immer ist die neue Kreation in das gewohnte Druckguss-Gehäuse von Boss mit großformatigem Bypass-Schalter gepackt. Dieser Schalter erfüllt Looper-typisch diverse Funktionen – dazu später mehr. Im Kopfbereich des Pedals finden wir ein LC-Display, das je nach Modus (Aufnahme, Wiedergabe, Overdub-Aufnahme) in verschiedenen Farben anzeigt was gerade passiert.
Unter dem Display sind vier Knöpfe verbaut, die bei Benutzung ebenfalls leuchten. Die ersten beiden Knöpfe sind unter der Kategorie „Rhythm“ zu einer Gruppe zusammengefasst. Ein Knopf schaltet einen Rhythmus-Track zum Mitspielen ein, der andere gibt die Möglichkeit das Tempo zu ändern. Die anderen beiden Knöpfe sind in der Kategorie „Write“ gruppiert und erlauben Zugang zum Speicher und Setup – mit der Write-Gruppe werden also die aufgenommenen Loops benannt, ausgewählt oder gelöscht. Ein großer Navigations-Endlos-Knopf neben dem Display erlaubt in den zuvor angewählten Menüs per Knopfdruck sowie Rechts-und Links-Drehbewegung, eine genaue und weiterführende Navigation. 

Anschlüsse 
Die rechte Gehäuseseite bietet drei Eingänge: Mono- und Stereo-Input sowie einen Expression-Pedal-Eingang. Die linke Seite die entsprechenden zwei Mono- und Stereo-Ausgänge. Stirnseitig sind der Netzteil-Anschluss sowie ein Midi-in und -out Anschluss für 3,5-Millimeter-Klinkenstecker verbaut. Darüber hinaus ist ein USB-Port geboten, mit dem der Looper an den heimischen Rechner angeschlossen werden kann, um aufgenommene Loops zu exportieren oder Backingtracks auf das Pedal zu laden. 

Des Treters Seele
Die Loops sind in einer Gesamtlänge bis zu 13 Stunden speicherbar, 99 Speicherplätze sorgen also dafür, dass man Loops bis zum Abwinken recorden kann. Alle Loops können über die genannten Menüoptionen einzeln benannt werden – wer die Übersicht verliert, hat dieses Funktion nicht genutzt. Es stehen 57 voreingestellten Rhythmus-Pattern mit sieben verschiedenen Drumkit-Styles zur Auswahl, Loops lassen sich mit diesen Drum-Pattern abspeichern. Boss stellen für die Verbindung über den USB-Anschluss die „Boss Tone Studio“-Software zur Verfügung. Über diese Software können auch Software-Updates für das Pedal geladen werden.

Angetreten
Bevor die Spezifikationen oder die beiliegende Kurzanleitung zu Rate gezogen wurden, ist das Pedal natürlich erst einmal angeschlossen und ausprobiert worden – wir sind ja auch nur Spielkinder. Intuitiv wird zum Aufnehmen einmal auf den Hauptschalter getreten, um die Aufnahme zu stoppen und damit den Loop zu erzeugen reicht ein zweiter Tritt – kennt man so von allen gängigen Loopern. Dank der aufgedruckten Funktionsanleitung „Stop: Press Twice“ ist auch schnell klar, wie die Tonausgabe pausiert wird und damit auch intuitiv verständlich, dass ein anhaltender Druck auf den Hauptschalter eine Aufnahme wieder löscht. 
Der visuelle Klick, der bei Aufnahme und Wiedergabe auf dem Display abläuft, ist ein wahrer Segen – das Auge hört eben mit und macht das Tracken und Overdubben zu einem Kinderspiel. Die Rhythmus-Tracks sind ebenfalls schnell aktiviert und durchsucht, allerdings muss man sagen, dass diese maximal als erste Stützräder fungieren können. Authentisch klingen sie nicht, vermitteln aber eine solide Idee von perkussiver Begleitung – für ernsthaftere Anliegen der Art haben wir aber ja die Möglichkeit eigene Backingtracks auf dem Looper zu speichern – ergo: cool gelöst und zufriedenstellend. Ein wirklich cooles, kleines Extra ist die Reverse-Funktion. Aufgenommene Loops können in bester Modulations-Manier rückwärts abgespielt werden, was für den kreativen-Prozess eines jeden Pedal- und Gitarren-Afficionados eine Adrenalin-Spritze sein sollte. Ein tolle Dreingabe, die zeigt, dass die Entwickler von Boss selber Mucker sind und wissen, was für Spielereien Sinn ergeben.

Das bleibt hängen
Die Benutzerfreundlichkeit, die durch Bauweise und Konzeption mit dem RC-5 vorgelegt wird, ist so Boss-typisch wie es nur eben geht. Egal ob man nur Boutique-Treter oder analoge True-Bypass-Pedale spielt, an Boss kommt man einfach nicht vorbei. Logische Lösungen, die – seien es Delays, Reverb-Pedale, Overdrive-Pedale –, oder eben Looper, einen tollen Überblick über die jeweilige Sparte des Pedal-Typs geben. Darüber hinaus sind die Pedale schlicht und einfach gut zu gebrauchen und reichen im Regelfall für ihren Verwendungszweck vollkommen aus. So ist auch der kleine rote Looper-Kollege RC-5 eine tolle Universallösung mit allem was es braucht. Boss verstehen ihr Handwerk. Punkt.

Text: Phil Zeppenfeld
Fotos: Boss

Test: Suhr Classic JM

Test: Suhr Classic JM

Klassik & Perfektion

Suhr-Gitarren stehen für klassische E-Gitarren mit hochkarätigen Komponenten samt verlässlicher Features für den Gitarristen.

John Suhrs Gitarrenmarke existiert nun auch schon 35 Jahre. Das sollte man sich immer vor Augen führen, denn das macht Suhr unter den „neuen“ Gitarren-Meisterbauern im Grunde schon zu einem alten Hasen. Schon in den Achtzigern schraubte der junge John Suhr als Angestellter von Rudy’s Guitar Shop in New Jersey in New York so erfolgreich an Gitarren, dass er zusammen mit Chef Rudy Pensa alsbald eigene Custom-Gitarren unter dem Banner „Pensa-Suhr“ unter die Mucker der regionalen Szene brachte. Mark Knopfler wurde mit einer solchen des öfteren C Nicole Marek gesichtet. 1997 kam dann die persönliche Selbstverwirklichung mit eigener Firma unter dem Banner Suhr. Seitdem überzeugten die Gitarren aus dem Hause Suhr über die Jahre nicht nur Weltstars wie Mark Knopfler, Little Steven oder Peter Frampton, sondern auch eine neue Generation großartiger Gitarristen wie Mateus Asato, Pete Thorn, Ian Thornley oder Andy Wood. Der Rest ist Firmengeschichte …

Qualität ist König

…und die setzt sich auch mit dem aktuellen Modell der Classic JM fort. Firmengründer John hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, sich an den Klassikern zu orientieren, um dort dann an den neuralgischen Stellen gezielt an der Qualitäts-und Einzelteile-Schraube zu drehen. Für die Classic JM bedeutet das: ja wir haben es mit einer an den Jazzmaster angelehnte Studie aus dem Hause Suhr zu tun. Nein sie klingt nicht nur nach Jazzmaster – dazu aber später mehr. Der Aufbau der Suhr ist erst einmal klassisch wie bei ihrem Vorbild gehalten. Das bedeutet, sie besteht aus einem Ahornhals mit Sechzigerjahre-D-Profil, auf den ein Griffbrett aus indischem Palisander akkurat verarbeitet wurde. Der Hals mit seinen 22 Edelstahlbünden wurde ebenfalls klassisch durch eine Vierpunkt-Verschraubung mit dem Korpus aus Erle verbunden. Halsabrichtung (Bünde, Griffbrett, Mattlack auf dem Hals) und Lackverarbeitung wurden jeweils auf handwerklich höchstem Niveau ausgeführt. Bei den Pickups fiel die Wahl auf zwei schwarze SinglecoilS90 aus dem Hause Suhr, die jeweils in Steg- und Halsposition verbaut wurden. Ebenfalls im oberen Teil des Tortoise-Schlagbretts eingelassen ist der robuste Dreiweg-Toggleswitch aus Edelstahl sowie ein Volume- und zwei Tone-Potis. Gegenüber dem Vorbild gibt es deutliche Unterschiede. Der erste und quasi „spiel-entscheidende“ ist das Gotoh-510-Vibrato mit Einsteckarm. Das Zweipunkt-Tremolo hält die Saiten in Stimmung und ermöglicht eine gute Intonation. Für zusätzliche Stabilität sorgen die Locking- -Mechaniken von Suhr, die aufgrund ihres gestaggerten Schafts den Einsatz eines Saitenniederhalters auf der Kopfplatte zudem überflüssig machen. Für genügend Druck auf dem Sattel ist also gesorgt. Zudem wurde das Vibrato so eingestellt, dass man es sowohl hoch als auch runter bewegen kann. Dive-Bomb-Fetischisten sollten hier aber vorsichtig sein. Fans einer Tonformung á la Jeff Beck oder Adam Granduciel werden hier ob der Stimmstabilität frohlocken. Bei den Pickups hat man sich bei Suhr in diesem Fall viel eher am klassischen P90 als am Einspuler der Jazzmaster aus dem Hause Fender orientiert – aber der Reihe nach…

Sound & Understatement

Unverstärkt punktet die Classic JM durch einen straffen Akkordton und ein langes Ausschwingen. Sustain ist hier König. An dieser Stelle ein Lob an Suhr und den Vertrieb Musifacts, denn die JM ist aus dem Gigbag (!) heraus direkt spielbar, da sie gestimmt und extrem gut eingestellt ist. Respekt, das ist keine Selbstverständlichkeit. Das Halsprofil, das Suhr als „60’s C Vintage Standard“ deklarieren, macht seinem Ruf in Sachen Vintage-Flair alle Ehre und überzeugt gleichzeitig durch eine gute Spielbarkeit bis in die hohen Lagen. Bei cleanem Ton kommen die beiden S90-PUs ideal zum Zuge. Sie überzeugen direkt durch einen straffen und transparenten EinspulerTon. Diese Stärke spielen die beiden S90-PUs auch im Crunch-Kanal aus. Hierbei liefert der Steg-Pickup einen kräftigen und differenzierten Ton, der sowohl bei Akkordflächen als auch bei Riffs zu überzeugen vermag. Schaltet man den Toggle in die Mittelposition, kann man sich auf Twangund Funk-Optionen genauso freuen, wie auf „schmatzende“ Sounds in GainGefilden. Freunde der Vibrato-Tonformung á la Jeff Beck wird zudem die Nähe des Volume-Potis zum Vibrato-Hebel zu Gute kommen. Hier wird einmal mehr der praktische Unterschied zum JazzmasterOriginal deutlich, denn das Vibratosystem der Jazzmaster sah zwar immer stylisch aus, konnte aber nie mit der Zuverlässigkeit eines Zweipunkt-VibratoSystems konkurrieren. Vintage ist eben nicht immer gleich geil, beziehungsweise praxisorientiert – davon können Bigsby-Fans ein Liedchen singen. In ihrer schlichten Schönheit steht die Classic JM im weiteren Testlauf für pure Spielfreude. Bendings gehen gut von der Hand und auch mehr Gain und unter dem Einsatz von Fuzz-Sounds sorgen die S90-PUs von Suhr für gleichermaßen kreatives Spiel, wie Kontrolle über den eigene Sound. Feedbacks sind erwünscht, wobei die Einspuler brummfrei agieren. Klar, wenn man es mit dem Gain übertreibt, dann rauscht es irgendwann eh wie ein Wasserfall … Ein Metal-Biest wird die JM dennoch nicht werden, aber das muss sie auch nicht. Wer auf Delay-, Reverb-, Tremolo- und CrunchSounds steht, für den wird sie eine wahre Freude sein. Hierbei trumpfen die beiden S90 PUs mit Klangeigenschaften aus der Jazzmaster- und P90-Welt. Die JM lässt sich sowohl im Sitzen, als auch am Gurt mit ihrer Korpusform bequem spielen, was nicht zuletzt durch ihr angenehmes wie ausgewogenes Gewicht möglich ist.

Das bleibt hängen

Die Suhr JM ist mit ihren S90-Pickups nicht bloß eine hochqualitative Studie einer modernen Jazzmaster, sie ist (ganz im Selbsverständnis der Firmen-Philisophie von John Suhr) eine moderne Weiterentwicklung eines Klassikers. Das bedeutet, dass das Gotoh-510-Vibratosystem gemeinsam mit den Locking-Tunern für Stimmstabilität bei gleichzeitig traumhaften Schwingungsverhalten sorgen. Ein Volume- und zwei Tone-Regler sorgen bei den S90-PUs gemeinsam mit dem Dreiwege-Schalter für eine sortierte Tonauswahl. Zu viele Schaltmöglichkeiten gibt es hier nicht. Alles Weitere obliegt am Ende des Tages der Fantasie und den Fingern eines jeden selbst. Die Verarbeitung der JM läßt keine Wünsche offen. Hier treffen hochwertige Einzelteile auf handwerkliches Können bei einer schlichten und dennoch wunderschönen Optik wie Haptik. Der Straßenpreis von etwas unter Dreitausend Euro ist hier durchaus gerechtfertigt.

Text: Marcel Thenée

Fotos: Nicole Marek

 

Im Test: Baroni Jeval

Monster im Kompaktformat

Mit dem AFK-150 haben Baroni vor einiger Zeit einen kompakten Hybridamp im Pedalformat gebracht. Das ist ein gutes Teil, das auch bei uns (Ausgabe 12/22) gut wegkam, aber für die Metalfraktion ist dieses Dadrock-Gerät nicht geeignet. Das sah man auch bei Baroni ein und entwickelte den Jeval.

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Die Vorteile von solchen Verstärkern sind offensichtlich. So ein Rectifier, VH-4 oder Fireball passen ziemlich schlecht in einen Opel Corsa und vom ÖPNV wollen wir gar nicht anfangen. Andererseits sind digitale Lösungen, so gut sie sein mögen, doch immer irgendwie ein bisschen unsexy und um sie ordentlich zu bedienen, muss man so viel nachdenken –­ und nachdenken ist nicht Rock‘n‘Roll. Was gibt‘s da besseres als einen Verstärker, der nicht mal so groß ist wie ein alter Memory Man und zumindest in der Vorstufen trotzdem Röhren hat. Dabei hat der Jeval genau die Knöpfe, die man auch von einem zweikanaligen Topteil erwarten würde. Zwei Kanalzüge gibt es, jeweils mit Volume Gain und Dreibandequalizer. Dazu noch eine Mastersektion mit Mastervolume, die als Wattleistung angegeben wird und folglich auch den Lineout-Level nicht beeinflusst, und Presence. Zwischen den beiden Kanälen sind noch drei Kippschalter angebracht, einer der zwischen parallelem und seriellem Effektloop wählen lässt und zwei deren Funktion nur in Bezug auf den Lineout-Ausgang eine Bewandtnis hat: Ground/Lift und Cabsim an/aus. Wer Zugriff auf ein Cabinet hat, kann den Jeval auch daran anschließen, ob vier, acht oder 16 Ohm, das ist der Class-D-Endstufe völlig egal. Nur zwei Ohm, also zwei Vier-Ohm-Boxen mag der Jeval nicht. Neben Input, Effektloop und verschiedenen Outputs hat der Jeval auch noch einen Anschluss für einen externen Fußschalter. Das kann praktisch sein um nicht in die Gefahr zu kommen mit ungeschickten Füßen die Regler zu verstellen oder aber um das Gerät vor allzu vielen rauen Tritten zu schonen. Aber keine Bange, das Gerät wirkt stabil genug um auch selbst einiges an ungelenker oder schwergewichtiger Fußschaltarbeit zu ertragen.

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Calma

Der Jeval hat keinen Einschalter. Sobald man das Gerät einsteckt geht die Hintergrundbeleuchtung an. Einen Standby gibt es aber und wenn der aktiviert ist, ist auch nur die Hintergrundbeleuchtung an. Ansonsten zeigen die drei transparenten Minipotis der Equalizer an, in welchem Kanal wir uns befinden. Beim Cleankanal, der beim Jeval „calm“ heißt, ist dieses Equalizer-Licht hellblau, beim Gainkanal, oder „rage“, orange.

Der Calme gibt in der Tat ein sehr calmes Frequenzbild ab, das so neutral und ungefärbt ist, dass es fast in Richtung DI-Sounds geht, also nicht weit weg von japanischen Transistorenverstärkern mit eingebautem Modulationseffekt, die auch von Keyboardern gerne verwendet werden. Speist man in diesen Kanal einen Humbucker ein, der dem Metalimage des Pedals einigermaßen entspricht, zum Beispiel einen Seymour Duncan Full Shred, kratzt das Ganze ein bisschen, wie das auch von den Cleankanälen mancher Amps kennt, die für Van Halen entwickelt und von den modernen Metalgeneration verwendet wurden. Der Gainregler tut übrigens wenig um diesen Zustand zu lindern oder verschärfen. Mit leicht zurückgedrehtem Gitarrenvolume oder in einer Zwischenposition erhält man hingegen einen kristallklaren Sound ohne die geringste Verzerrung. Da funktioniert der Gainregler dann wie ein leichter Kompressionsregler.

Der Equalizer wirkt effektiv, ist wirklich flat, wenn er flat eingestellt ist und eignet sich prima um für ein bisschen mehr HiFi-Feeling die Mitten rauszuscoopen. Dann kommt man bei einem etwas leblosen aber klinisch sauberen Cleansound an, der sich perfekt eignet um einen möglichst großen Kontrast zu „rage“ zu haben.

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Rage

So clean der Cleankanal, so wütend ist der Ragekanal. Hier geht es klanglich eher nach modernem amerikanischem Vorbild zu, mit scharfen Hochmitten und ordentlich Druck im unteren Frequenzbereich. Die Gainreserven in diesem Kanal sind geradezu grenzenlos: Schon auf zwölf Uhr hat man genug, um klassischen Metal zu spielen, weiter mit der Uhr geht es fast ins Endlose. Dabei vermeidet der Kanal, auch ohne vorgeschalteten Booster, effektiv jede Matschbildung in den tieferen Frequenzen. Der Equalizer bietet sich hier nicht dazu an um noch mehr zu scoopen, stattdessen kann man sich entscheiden, ob man das Ganze noch ein bisschen schärfer oder ein bisschen fetter haben will. Wahnsinng weitreichende Änderungen des Sounds muss man hier aber nicht erwarten. Wer noch mehr Schärfe in seinem Frequenzbild haben will, der kann auch noch am Presenceregler nachhelfen. Ich mag‘s ja scharf, Kollege Hildebrand hingegen ist bekanntlich eher der ründliche Typ – also äh, vom Sound her. 

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Was noch zu sagen wäre

In der Hauptsache wurde der Jeval über den Boxenausgang getestet, es ergibt sich aber auch über den Cabsim-Ausgang ein ganz ähnliches Bild. Die Class-D-Endstufe soll schließlich sowieso möglichst wenig zur Klangformung beitragen. Die Cabsim funktioniert ganz traditionell über eine Frequenzanpassung, eine IR ist hier nicht verbaut. IRs kann man aber natürlich verwenden, wenn man das ungefilterte Lineout-Signal des Jevals nimmt. Aber auch die eingebaut Cabsim ist so gut, dass sie zumindest für den Live-Einsatz durchaus taugt – im Gewölbekeller vom JuZ in Wiesloch hört da niemand den Unterscheid zur IR raus.

Die stylischen Holzseitenleisten, die auch der AFK-150 schon hatte, sind übrigens zwar im Lieferumfang enthalten, aber nicht ab Werk montiert. Gut so, denn auch wenn einem der geänderte Winkel und die Optik gefallen, auf das Pedalboard passt der Jeval besser ohne.

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Das bleibt hängen

Für relativ schmales Geld haben Baroni einen Pedalamp auf den Markt gebracht, der genau das bringt was viele moderne Metalgitarristen suchen: Einen Cleansound, der wirklich sehr clean ist und einen modernen amerikanischen Highgainsound der nicht matscht. Dazu eine Endstufe die mit 150 Watt für alle Anwendungen ausreichend sein sollte und eine ein Lineout, dessen Boxensimulation gut brauchbar ist. Man wundert sich vielleicht ein bisschen wieso die Grafik auf der Oberseite des Pedals nicht hochauflösender gedruckt wurde, aber abseits von solcher Pedanterie zum Selbstzweck kriegt man hier für knappe 600 Euro sehr viel geboten.

Robin Ehrlich

 

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Baroni Jeval

Herkunft       China

Regler            Calm: Gain, Volume, Bass, Middle, Treble

            Rage: Gain, Volume, Bass, Middle, Treble

            Master, Presence

Schalter        Clean/Drive, Standby, Ground Lift,

            Cab-Sim/Direct, Seriell/Parallel

Anschlüsse   In, Out, Remote Channel Switch, FX Send, FX Return,

            Mains In Speaker Out (4/8/16 Ohm),

            Parallel Out (8/16 Ohm)

Besonderheit          ECC82 (Preamp)

Abmessungen         22 x 3,5 x 13 cm (B x H x T)

VK-Preis        599,- €

Im Test: Takamine Santa Fe Ltd 2023

Starker Pfeil im Köcher

Takamine bescheren der Gitarrenwelt zuverlässig alljährliche limitierte Sondermodelle, in diesem Jahr anlässlich des 30. Jubiläums des Santa-Fe-Modells ein ebensolches, das optisch und akustisch aufhorchen lässt.

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Im großen Rock’n’Roll-Zirkus gibt es Marken und Hersteller, die mit Mythen, Tradition oder einem Legendenstatus zuverlässig ihre Liebhaber und Käufer finden. Dann gibt es wiederum solche, die schlicht und ergreifend richtig zuverlässiges „Werkzeug“ herstellen. Instrumente also, die ihren Job mit Bravour erledigen, sei es auf der Bühne oder im Studio. Diese „Workhorses“ haben immer einen gewissen Charme, denn jeder weiß, dass ohne richtiges Werkzeug einfach nicht gut arbeiten ist. Und wenn schon Bruce „The Boss“ Springsteen oder Jon Bon Jovi oder auch der Herausgeber dieses Magazins, Kollege Marcel, Stein und Bein auf ihre Takamines schwören, dann ist das doch was.
Übrigens sind die Kollegen von Takamine hervorragend in der Lage, ihren Instrumenten abseits aller Funktionalität und handwerklicher Präzision, eine gute Portion Style einzuverleiben. Da reicht ein Blick auf das vorliegende Modell LTD2023 mit echten „Turquoise“-Inlays, also Einlagen aus echtem Türkis. Dieser Edelstein findet sich etwa auf Tutanchamuns Totenmaske, als Edelstein persischer Könige und eben auch bei den indigenen Völkern Süd- und Nordamerikas. Damit wäre dann auch klar, woher die Pfeil-Inlays rühren. Einmal findet sich ein zerbrochener Pfeil, ein Symbol des Friedens, am zwölften Bund finden sich zwei gekreuzte Pfeile, die Freundschaft symbolisieren. Beides Anregungen, die wir in diesen Zeiten tatsächlich gut gebrauchen können.
Aber zurück zur Gitarre, die Santa Fe LTD 2023 setzt bei den Hölzern für den Korpus in Takamine-eigener Nex-Form (schlankere Jumbo) auf „Silky Oak“, also Silbereiche (Grevillea robusta). Im Gitarrenbau kommt es für Zargen und Böden zur Anwendung, Takamine bleiben diesem Anwendungsmuster treu. Der Boden ist dabei massiv gehalten, die Zargen sind gesperrt ausgeführt. Für die Decke kommt massive Zeder zum Einsatz, die neben ihrem üblicherweise eher warmen, obertonreichen Klangverhalten nahezu keine Einspielzeit benötigt, also ganz im Gegensatz zu einer Fichtendecke, die sich durchaus noch tonal verändert im Lauf der Jahre.

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Für den Hals greift man zu Mahagoni, das Griffbrett besteht aus Ebenholz und trägt 21 akkurat verarbeitete Bundstäbchen, dank des Cutaways sind diese bis bequem bis zum 19. Bund bespielbar. Der Halsansatz erfolgt am 14. Bund, der Cutaway ist erfreulich tief ausgeschnitten. Wer also tendenziell eher virtuos und auch solistisch unterwegs ist, findet hier perfekte Voraussetzungen. Zumal Takamines mit CTF-2N-Preamp mit dem Klang des Brownie-FET die Gitarre auch über dem Pickup einiges hermacht. Damit lässt sich also auch dieses optisch opulentere Takamine-Modell schnell und sicher auf die Bühne bringen. Gut, dass man bei aller Prach und Feierlaune nicht den eigentlichen Zweck einer Gitarre vergisst – das Spielen damit, der Klang, der von ihr ausgeht.
Diesbezüglich muss sich die LTD2023 keinesfalls vor irgendwem verstecken, ihr Klangbild ist präsent und voll, mit warmen Höhen, die nie schrill werden, sondern von einem kompakten Mittenfundament gestützt werden. Die Bässe halten sich akustisch insoweit zurück, dass sie zwar gut wahrnehmbar sind, sich im Mix aber nicht zu dominant in den Vordergrund spielen. Damit macht sich diese Santa Fe ideal als Partnerin für die Gesangsbegleitung, aber eben auch im Kontext einer Band oder eines akustischen Ensembles findet sie ihre Frequenznische. Fingerstyler profitieren ebenfalls von den warmen Tiefmitten, diese unterstützen eine Spielweise, die dynamisch und spritzig daherkommt. Aber auch der Folk-Fingerpicker findet hier tolle Klänge, egal ob mit Fingerpicks oder den blanken Kuppen gespielt wird.
Die Sattelbreite ist mit 44 Millimetern bequem bespielbar, bietet aber genügend Platz, um folkige Zupfmuster mit dem einen oder anderen Schlenker des kleinen Fingers zu verzieren. Nur für die unter euch, die wirklich große Pranken haben, könnte es ein wenig eng werden. Die Mensur der LTD2023 Santa Fe beträgt übrigens 644 Millimeter, für die Zollfreunde 25,32“. Für die Elektriker unter uns: Damit bewegt sich die Takamine ganz knapp unterhalb der Tele- oder Strat-Mensur, die mit 25,5“ zu Buche schlägt.

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Im direkten Vergleich zwischen akustischem Sound und dem Klang, den der CTF-2N-Preamp an den Verstärker ausspielt, fällt auf, dass letzterer tendenziell knackiger ist, was einerseits der verstärkten Wiedergabe geschuldet ist, andererseits durch die entsprechende Einstellung am 2-Band-EQ (Bass, Treble) in die gewünschte Richtung justiert werden kann. Etwas Reverb oder Chorus dazu und man hat direkt das richtig große Akustik-Gitarren-Kino – das gefällt uns sehr!

Das bleibt hängen

Takamines Sondermodell LTD2023 Santa Fe ist eine tolle Gitarre, die die Bedürfnisse verschiedener Musiker bravourös befriedigt, dabei optisch die perfekte Balance zwischen Opulenz und Understatement wahrt. Dank Preamp ist sie ideal für die Bühne und schnelle Recording-Sessions geeignet, überzeugt mit ihrem warmen Zederklang aber eben auch auf dem heimischen Kanapee. Nur ans Lagerfeuer würde ich persönlich die Gute nicht mitnehmen, das aber allein aufgrund ihrer Limitiertheit. Der Kurs von 2.999 Euro geht für dieses Instrument und die exklusive Stückzahl von 60 Exemplaren in Deutschland (300 Stück weltweit) absolut in Ordnung. Schick!

                                                                                   

Stephan Hildebrand

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Fakten:

Modell Takamine LTD2023 Santa Fe

Herkunft                     Japan

Boden/Zargen             Silbereiche, Boden massiv

Decke                          Zeder, massiv

Hals                             Mahagoni

Halsprofil                    C-Profil, moderat

Griffbrett                    Ebenholz

Griffbrettradius          12“

Sattelbreite                 44 mm

Bünde                         21 Medium 

Mensur                       25,35"/644 mm

Hardware                    Takamine, verkapselt, vergoldet

Steg                             Richlite

Preamp                       Takamine CTF-2N-Preamp

Regler                         Low, High, Volume

Schalter                      Tuner, Notch, -6 dbv/-12 db

Linkshändermodell    nein

Internet                     www.takamineguitars.de

Empf. VK-Preis           2.999,- € inkl. Deluxe-Gigbag

Preis-Leistung             4/5 Gs

Q & A: Hagstrom Guitars 2023

Q & A: Hagstrom Guitars 2023

Anlässlich des Tests der beiden neuen Hagstrom-Varianten der Swede und der Super Swede steht uns Hagstrom-Spezialist Thomas Türling in unserem „Q&A Hagstrom 2023“ Rede und Antwort.

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Thomas, die Super Swede und die Swede wurden ja an einigen Stellen verändert. Edelstahlbünde, Pickups …Was habt ihr noch verändert?

TT: Man sagt ja nicht leichtfertig, dass sich nur wirklich kreative Köpfe an eine Neuinterpretation von Klassikern wagen, ohne sich dabei komplett zu vergaloppieren. Ziel war es die geliebten Eigenschaften, den unmissverständlichen Look etc. zu erhalten und um sinnvolle Innovationen zu ergänzen. Für Single-uts und speziell im Vergleich mit anderen Vertretern in diesem Segment, waren sowohl die Swede, als auch die Super Swede tonal schon immer etwas anders ausgerichtet und klangen seit jeher „offener und lebendiger“, als „nur volle Breitseite“, ein Begriff der gerne im Zusammenhang mit der Bauform verwendet wird.

Das betrifft die Pickups …

TT: Genau, um für die neuen Gitarren das Optimum herauszuholen, haben wir zusammen mit Pickup-Guru Johan Lundgren die Rezeptur im Laufe der Jahre immer weiter verfeinert, so dass die akustischen Qualitäten der beiden auch bestmöglich vom jetzt eingebauten und entssprechend kalibrierten
Humbucker-Paar übertragen werden – AlNiCo-2 Duo bei der Swede und die angepasste Kombi AlNiCo-2 am Hals und AlNiCo-5 am Steg für die Super Swede.

Neben den erwähnten Edelstahlbünden, galt ein besonderes Augenmerk speziell dem Hals, dem Hals-Korpus-Übergang und nicht zuletzt dem angewinkelten Hals-Kopfplattenübergang. Um diese neuralgische Stelle besonders zu schützen und für den professionellen Tour-Alltag zu rüsten, wurden neben der augenscheinlichen Volute, darüber hinaus interne Verstärkungen eingesetzt, um somit Brüchen vorzubeugen.

Ihr habt auch in Sachen Elektronik und Holz etwas verändert …

Kennern der Hagstrom-Historie wird aufgefallen sein, dass bei der Swede der Tone-Filter-Toggle-Schalter fehlt, sowie die reine Mahagoni-Bauweise, der Kombi aus Ahorn-Decke und Mahagoni-Korpus gewichen ist. Der Tonefilter war schon immer Geschmackssache und hat ehrlicherweise manchmal zu mehr Verwirrung, denn zur Erweiterung des Tonspektrums beigetragen. Dafür hat die Swede jetzt auch den individuellen Coil-Split der Super Swede, der für jeden Tonabnehmer separat per Push-Pull auf den Tone-Reglern angewählt werden kann und das Klangpotenzial deutlich erweitert.

Ein optisches Schmankerl ist die Verwendung des Hagstrom-Löwen, also des Familien-Wappens in Form der Griffbretteinlagen. Ein Tribut an die Familie Hagstrom und die großartigen Errungenschaften seit Gründung der Firma in 1925 und Einführung der ersten Gitarren in 1958. Abgerundet wird der Reigen der Neuerungen mit dem Einsatz der etwas höher (19:1) übersetzten Locking Mechaniken, die ein noch schnelleres und sichereres Saitenwechseln ermöglichen. Dass ein Formkoffer jetzt Teil des Angebotes für die Swede und Super Swede ist, soll nicht verschwiegen werden.

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Definitiv nicht. Lass uns über den ergonomischen Hals-Korpus-Übergang sprechen. Das ist kein „normaler“ eingeleimter Hals …

Hier bekommt Hagstroms langjährige und bewährte Long-Mortise -&-Tenon-Zapfenverbindung zum Einsatz. Meiner Meinung nach für eingeleimte Hälse ein Upgrade, dass es in sich hat. Bei dieser Konstruktion, die oftmals nur wesentlich teureren Custom-Shop-Instrumenten vorbehalten ist und bis unter den Hals-Tonabnehmer reicht, kann man kein kostengünstiges und in dieser Preisklasse eher übliches Drop-In Verfahren anwenden. Man muss jeden Hals manuell ein- und anpassen. Zusätzlich wird beim Nape Tenon die Skulpturierung, also die Verjüngung, auch von Hand gearbeitet. So geht man weder bei der Konstruktion noch bei der  komfortablen Erreichbarkeit der hohen Lagen Kompromisse ein.

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Das Resinator Wood ist keine Neuheit für Hagstrom-Kenner, erklär’ den Werkstoff aber nochmal genau für die, die damit zumindest begrifflich nichts anfangen können …

Die Triebfeder bei der Wiedereinführung der Marke in 2004 war es, die klanglichen Eigenschaften von Ebenholz mit einem wesentlich besseren Schutz vor Umwelteinflüssen, insbesondere Feuchtigkeit, zu verbinden. Ohne die genaue Formel zu nennen, es ist kein Material „von der Stange“ sondern auch hier das Ergebnis jahrelanger und stetig anhaltender Test. Dieser Verbundwerkstoff ist dennoch zum größten Teil Holz. Im Fall von Hagstrom Birkenholz was in großen Platten – wie Schindeln – querverleimt und dann unter Hinzugabe von geringen Mengen Tönung, Epoxy und Holzleim, drucklaminiert und erst dann auf die endgültige Form zugeschnitten wird. Das Ergebnis ist robust, klimastabil und hält klanglich jedem Vergleich Stand. Zusätzlich eliminiert es sogenannte Deadspots über die gesamte Länge des Griffbretts. Dass es mehr als die branchenüblich verwendeten Palisander-Griffbretter im Einkauf kostet, sei nur am Rande erwähnt.

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H-Expander, Zwei-Wege-Halsstab – das sind einzigartige respektive moderne Features. Ist es schwer, so etwas in traditionelle Designs zu integrieren?

Die Geschichte des H-Expanders ist besonders, geradezu bizarr, wenn man bedenkt, dass es sich bei dem namensgebenden Bauteil (ein Alu-Profil in H-Form), um einen Teil der Stellmechanik des legendären Saab-Draken-Kampfjet-Vorflügels handelt. Die  Hagstrom-Gitarrenbauer und -Ingenieure hatten sich seinerzeit als Ziel gesetzt, das in der ursprünglichen schwedischen Fabrik in Älvdalen verwendete Holz bei der Halsfertigung vor Verwindungzu schützen. Die trockenen klimatischen Bedingungen im Norden Schwedens sind gravierend anders, als die in Zentral-, geschweige Süd-Europa oder etwa den USA, wohin ein Gros der exportierten Gitarren verkauft wurde.

Als netten Nebeneffekt konnte man durch die Konstruktion das Halsprofil deutlich schlanker gestalten und so in den Fach-Magazinen damals den Begriff des „fastest playing neck of the industry“ einheimsen. Erst ein wenig später und nach positiven Rückmeldungen von weltweit tourenden Profimusikern, die höchst zufrieden mit der gleichmäßigen Performance waren, erkannte man wie viel der H-Expander klanglich zum Gesamtsound, Sustainverhalten und der Ansprache beiträgt.

Als Schutz vor klimatischen Auswirkungen bräuchte man ihn eigentlich nicht mehr, aber die klanglichen Vorteile und die Verwindungssteifigkeit sind klare Pro-Argumente, dass wir ihn weiter einsetzen. Kombiniert mit der 2-Wege-Ausführung des innen liegenden modernen Stabes, ist man bei den neuen Swede/Super Swede Gitarren  besser und schneller in der Lage unterschiedliche Saitenstärken oder Tunings auszuprobieren und die Halskrümmung entsprechend komfortabel anzupassen.

Den kompletten Test und natürlich mehr findet ihr in der aktuellen guitar 5/23

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Sterling StingRay RAY35HH: Der Mega-Rochen im Testbericht

Sterling StingRay RAY35HH: Der Mega-Rochen

Der StingRay hat den Sound aktiver Bässe quasi im Alleingang geprägt – mit dem RAY35HH haben wir es mit einer in jeder Hinsicht hochgezüchteten Version des klassischen Bassdesigns zu tun. 

Der Bass kommt in ein gut gepolstertes Gigbag gepackt und ist nach den in letzter Zeit sehr präsenten Short-Scale-Instrumenten (siehe guitar 10/22 und 03/23) eine willkommene Abwechslung. Mit seiner 34“-Mensur und der zusätzlichen Saite haben wir es mit einem entsprechend großen und schweren Bass zu tun – aber keine Sorge. Am Gurt hängt der StingRay angenehm und gut ausbalanciert. 

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Der neue Sterling StingRay RAY35HH (Bild: Bruno Wolf)

Gestocktes Holz

Optisch macht der in Indonesien gefertigte Bass einen sowohl ästhetisch als auch qualitativ sehr guten Eindruck. Das Finish unseres Testmodells nennt sich „Natural Burl Satin“, bei dem sich ein schwarzer Rand um eine Decke aus „Spalted Maple“ schließt. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine eigenständige Ahornsorte, sondern um eine Art der Verarbeitung, bei der das Holz kontrolliert von einer bestimmten Pilzsorte befallen wird, die die Maserung stärker hervorhebt. Das klingt erstmal seltsam, macht optisch aber definitiv einiges her und hat klanglich wohl eher keinen sonderlich großen Einfluss, da der eigentliche Korpus aus Nyatoh- (oder auch Nato-)Holz besteht. Bei den ebenfalls erhältlichen Farbvarianten Daphne Blue, Stealth Black und Pearl White besteht der Korpus dagegen aus Mahagoni. 

Das Design des Fünf-Saiters unterscheidet sich an einigen Stellen von der viersaitigen Version, so wirken etwa die Cutaways etwas konturierter und das Pickguard weicht von der klassischen „Ei“-Form ab und umschließt auch die Regler – es besteht jedoch zu keinem Zeitpunkt ein Zweifel daran, dass es sich auch hier um einen StingRay handelt. Besagtes Pickguard besteht bei der vorliegenden Finishvariante aus transparentem Kunststoff, was einerseits den Blick auf die Holzmaserung ermöglicht (und diese vor Kratzern schützt) und dem Bass gleichzeitig einen sehr modernen Look verpasst. 

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Sterling StingRay RAY35HH: Hier ist die Maserung der Spalted-Maple-Decke gut zu sehen (Bild: Bruno Wolf)

Halsinspektion

Der Hals des RAY35HH besteht genau wie beim RAY34 aus guitar 10/22 aus geröstetem Ahorn. Das Rösten beziehungsweise
Torrefizieren von Holz sorgt dafür, dass dieses quasi künstlich „altert“ und dadurch stabiler, leichter und auch resonanter werden soll. Ein schöner Neben-effekt dieses Prozesses ist die karamellfarbene Tönung die das Holz dadurch erhält. Der Hals ist matt lackiert und aufgrund der fünften Saite natürlich etwas breiter als bei Viersaiter-Bässen. Um dennoch eine gute Bespielbarkeit zu ermöglichen, liegen die Saiten etwas näher beieinander und das Halsprofil ist ein angenehm flaches C. Die Halskrümmung lässt sich wie bei Music Man und Sterling typisch mithilfe eines kleinen Rädchens am Hals-Korpus-Übergang und dem beigelegten Metallstäbchen sehr unkompliziert einstellen. Die Saiten führen über einen Sattel aus Kunststoff zur asymmetrischen Kopfplatte die statt der tyischen 3-zu-1-Aufteilung eine 4-zu-1-Aufteilung aufweist, wobei ein Saitenniederhalter die A- und D-Saite unten hält. Die Saiten klingen mit gleichmässigem Sustain, „Dead Spots“ lassen sich nicht feststellen. Auf der gegen-überliegenden Seite des Instruments findet sich eine wuchtig anmutende Bridge mit vier einzelnen Saitenreitern, die sowohl die Einstellung der Oktavreinheit, als auch der Saitenlage der einzelnen Saiten erlauben. 

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Eine typische 4+1-Kopfplatte ziert den Sterling StingRay RAY35HH (Bild: Bruno Wolf)

Herzstück

Das Herzstück eines jeden StingRay ist der charakteristische aktive Pickup – der RAY35HH hat gleich zwei davon. Die beiden AlNiCo-Humbucker mit den jeweils insgesamt zehn Pole-Pieces können mithilfe dreier Schrauben sowohl in der Höhe als auch in der Ausrichtung eingestellt werden. Wo die StingRay-Variante mit nur einem Pickup klanglich bereits enorm flexibel war, haben wir es hier mit dem reinsten Klang-Schlaraffenland zu tun. Mithilfe des Fünf-Wege-Schalters lassen sich folgende Pickup-Konfigurationen anwählen: 

Steg (Humbucker)

Steg + Hals (jeweils die äußere Spule)

Steg + Hals (Humbucker)

Steg + Hals (jeweils die innere Spule)

Hals (Humbucker)

Diese umfangreiche Klang-auswahl wird durch die aktive Drei-Band-Tonregelung komplettiert. Die drei Regler unterhalb des Volume-Potis rasten in der neutralen Position leicht ein und können anders als bei einer passiven Tonblende, die lediglich hohe Frequenzen filtert, Bass-, Mitten- und Höhen-Frequenzen entweder erhöhen oder verringern. 

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Sterling StingRay RAY35HH: Der Mega-Rochen (Bild: Bruno Wolf)

Praxistest

Auch wenn der Übergang von einem Viersaiter-Bass auch bei den bereits vertrauten Saiten aufgrund der geringeren Abstände zwischen den Saiten zunächst einer kurzen Umgewöhnungsphase bedarf, fühlt man sich auch dank der guten Werkseinstellung schnell wie Zuhause. Die Saitenlage hätte man bei der tiefen B-Saite eventuell etwas höher ansetzen können, der Tester hat allerdings auch einen recht groben Anschlag, was diese Kritik eher zur Geschmacksfrage macht. 

Am Verstärker angeschlossen, tönt es genauso mächtig aus den Speakern, wie es der äußere Anschein dieses Instruments suggeriert. Gehen wir also unsere Klangoptionen durch: In der ersten Position gibt es den typischen StingRay-Sound – knurrig, präsent, definiert und da die beiden Spulen des StingRay-Humbuckers nicht in Reihe (wie etwa bei typischen Gitarrenhumbuckern) sondern parallel geschaltet werden, bekommt der Klang seinen charakteristischen, leicht ausgehöhlten Sound. (Dies ist in der Theorie beispielsweise vergleichbar mit der Mittelposition bei einer Telecaster, doch nun genug mit den Gitarrenvergleichen, schließlich ist das hier ein Bass-Test!) Die Position 2 und 4 mit den beiden äußeren beziehungsweise inneren Spulen haben einen beinahe gläsernen, offeneren Charakter, der ein bisschen weniger druckvoll daherkommt, sich dafür aber umso schöner für filigrane Solo-Linien anbietet, wenn der Bass ein bisschen Luft im Mix hat. Der Unterschied zwischen den beiden Einstellungen ist subtiler Natur, Position 4 ist insgesamt präsenter und etwas mittenbetonter. Position 3 mit beiden Humbuckern nimmt den glasigen Charakter der beiden anderen Zwischenpositionen dreht dabei nochmal ordentlich auf, für einen wuchtigen, aber zugleich immer definierten und perkussiven Sound, der sehr modern daherkommt und sich von Pop bis Metal Zuhause fühlen dürfte. Der Bridge-Humbucker alleine rundet das Klangpaket dann mit einem knurrigen, definiert-dumpfen Sound ab, der besonders dann praktisch wird, wenn zumindest Vintage-orientierte Klänge von Nöten sind. 

Mit Hinzunahme des 3-Band-EQs lassen sich die einzelnen Positionen nochmal auf den eigenen Geschmack und musikalische Umgebung anpassen. Besonders spannend ist hierbei auch das Zusammenspiel von EQ und dem Zerrgrad des Verstärkers. Wenn man beispielsweise die Mitten boostet, kann aus einem vorher noch fast cleanen Sound ein gefährliches Knurren werden – ganz ohne Effektpedale. 

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Der aktive Sterling StingRay RAY35HH wird mit einer gut zugänglichen 9-Volt-Batterie befeuert. (Bild: Bruno Wolf)

Das bleibt hängen

Der Sterling by Music Man Sting Ray RAY35HH ist ein auf jeder Ebene ernst zu nehmendes Instrument, das sich hervorragend bespielen lässt, gut verarbeitet ist und eine Fülle an Klangvariationen bietet, die Bassistinnen und Bassisten in den unterschiedlichsten Genres ansprechen dürften. Mit einer Straßenpreis von einem guten Stück unter 2000 Euro ist das in Anbetracht des Gebotenen ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Bruno Wolf

Weitere Informationen findet Ihr unter https://intl.sterlingbymusicman.com

Mehr Testberichte findet Ihr unter: https://guitar.de/test-technik

Firmenporträt Pyramid Saiten

Firmenporträt Pyramid Saiten: Made in Germany seit 1850

Firmenporträt Pyramid Saiten

Vielfalt und Tradition

„Wir sind nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen, wir wissen, was wir tun und schon lange“ – mit diesen ebenso selbstbewussten wie auch typisch fränkischen Worten beginnt Max Junger die Geschichte von Pyramid zu erzählen. Wir sitzen zusammen im altehrwürdigen Büro der Dynastie Junger, die bereits seit 170 Jahren Saiten fertigt. An der Wand hängen zahlreiche Porträts von Max’ Vorfahren und auch ein Stammbaum, der bis ins Jahr 1600 zurückreicht. „Die Daten davor sind leider in einem Brand verschollen gegangen“, erläutert Max zu diesem Stammbaum.

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Firmenporträt Pyramid Saiten - Fotos: Opitz

Man kann spüren, dass es Max interessieren würde, wie weit die Geschichte seiner Familie in der Musikwelt wirklich zurückreicht. Doch schnell ist er wieder bei der Sache. Wir haben schließlich eine Werksführung vor uns durch die Pyramid Stimmpfeifen- und Saitenfabrik in Bubenreuth nahe Nürnberg. Dort wickeln etwa 30 Mitarbeiter hunderte verschiedene Saitensätze für E- und Akustik-Gitarren, Ukulelen, Banjos, Geigen, Celli, Zithern, Bouzoukis, Ouds und viele, viele weitere Instrumente, die in die ganze Welt exportiert werden. „Der arabische Markt hat uns durch die Lockdowns gerettet“, erläutert Junger mit Blick auf einen Geschäftszweig, den sein Vater viele Jahrzehnte aufgebaut hat, während wir eine illustre Sammlung orientalischer Zupfinstrumente passieren, die auf dem Gang hängt. In der arabischen Welt hat sich Pyramid durch eigens kreierte, lange erprobte und vielseitig aufgestellte Saitensätze als Platzhirsch etabliert. Doch auch bei den Gitarrensaiten spielt Pyramid eine Ausnahmerolle – es gibt keinen anderen Hersteller weltweit der dem breiten Portfolio des fränkischen Traditionsunternehmens das Wasser reichen kann. Ganze 168 E-Gitarren-Sätze bietet man hier an – das Bass-Portfolio liegt mit 150 Sätzen knapp dahinter.

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Firmenporträt Pyramid Saiten - Fotos: Opitz

Wir betreten die Werkshallen in denen teils historische Maschinen nach wie vor in perfekt intaktem Zustand ihren Dienst vollrichten. Mit gewieftem Blick justieren und warten sie die Mitarbeiterinnen, die teils schon jahrzehntelang im Unternehmen beschäftigt sind. „In den Achtziger Jahren haben sich die Saiten-Hersteller immer mehr angeglichen und mit neuen Werkstoffen und Maschinen einen besonders knalligen Sound forciert. Wir hatten aber noch ein paar Rezepturen in der Schublade und als in den Neunziger Jahren sowohl die Retro-Welle als auch eine gewisse Differenzierung mit den Custom Shops aufkam, konnten wir wieder so richtig loslegen“, erklärt Max Junger. Heute könne man schnell reagieren und auch mal innerhalb von zwei Tagen einen neuen Saitensatz für einen renommierten Hersteller aus der Akustikgitarrenbranche entwickeln, so Junger.

Und so betreten wir das Lager, in dem sich eine penibel sortierte Auswahl verschiedenster Saitenarten offenbart.  Das Spannende bei Pyramid ist hierbei, dass man sowohl die exakten Saitensätze, welche die Beatles bei ihrem Rooftop-Konzert im Jahr 1969 spielten, als auch neuartige Kreationen, wie ungeschliffene Flatwound-Saiten – sogenannte Fusion Flats – anbietet. Diese Fusion Flats etwa wurden zusammen mit Dean Farley, einem der bekanntesten und einflussreichsten amerikanischen Gitarrensaiten-Designer, erst kürzlich entwickelt. Darüber hinaus fertigt die Firma auch Kleinstauflagen nach absolut individuellen Spezifikationen, die man einfach über die Website konfigurieren und bestellen kann. 

Auch Sätze, die mit Gold beschichtet sind und in eleganten Verpackungen mit Konterfeits ägyptischer Pharaonen daherkommen, stehen im illustren Angebot der Firma. „Wir bekommen ständig spannende Anfragen. Neulich wollte jemand eine Saite für die Türklingel seines Weinkellers“, erklärt Max.

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Firmenporträt Pyramid Saiten - Fotos: Opitz/Pyramid

Weiter geht es in einem Gang, den große Poster der Endorser zieren, darunter der Virtuose Alex Beyrodt, Rod Gonzales von den Ärzten, Axel Ritt von Grave Digger, Frank Haunschild, Roger McGuinn, sowie Hermann Frank von Accept beziehungsweise Victory. Bei den Anzeigen und den Logos kommt jede Menge Retro-Charme auf, den die Firma auch bewusst pflegt. Allein die Verpackungen der Saiten sind so liebevoll designt, dass man sie allein schon als Designstück gerne auf dem Tisch liegen hat.

Max erläutert in seiner sympathischen und offenen Art weiter: „Wir kommen manchmal vielleicht etwas hölzern daher, etwa vom Design unserer Website oder der Verpackungen, aber wir fertigen mit vielen langjährigen Partnern und haben eine Firmengröße, bei der wir uns wohlfühlen und nicht so anfällig für Markt-Turbulenzen sind“. So würden die Papierhüllen nach wie vor bei Bamberger Druck hergestellt und einige Zulieferteile in Heimarbeit in umliegenden Ortschaften gefertigt. 

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Firmenporträt Pyramid Saiten - Fotos: Pyramid

„Homeoffice gibt es bei uns schon seit gut 100 Jahren“, meint Max – schließlich gab und gibt es stets Saitenwickler, die bestimmte Fertigungsschritte zuhause erledigten. „Drahtzieherei ist ein typischer Beruf mit einer langen Tradition in der Gegend hier“, erklärt er, während wir aus dem Fenster auf den Ort Bubenreuth blicken. Das Fabrikgebäude liegt unmittelbar am Ende des Wohngebiets der Sudetenstraße. Die Region um Nürnberg weise zahlreiche lang bestehende Betriebe für Drahtziehen, Rotguss oder auch das Schmiedehandwerk auf, berichtet Junger. Etwa der Schwabacher Goldschläger, eine Statue unweit Nürnbergs, belege dies. Man hat nach dem Krieg auch bewusst Arbeitskräfte aus dem sogenannten sächsisch-böhmischen Musikwinkel, der eine seit dem 17. Jahrhundert zurückdatierbare Geschichte des Zupf- und Streichinstrumentenbaus aufweist, hier angesiedelt. Dadurch wird die Ecke Bubenreuths, in der Pyramid ansässig ist, auch Geigenbauersiedlung genannt. 

Realistisch agieren

Max erklärt: „Ich würde sagen, wir sind auf eine anständige Weise gewachsen, seit wir seit 1949 in der Geigenbauersiedlung fertigen. Es gab ja immer wieder alle möglichen Pläne für Erweiterungen und Expansion, von denen wir immer nur Sinnvolles umgesetzt haben. Das Haus hier hat einen Spirit – ich meine durch diese Räume hier ist schon mein Großvater gewandelt“. Doch Junger lebt keinesfalls in der Vergangenheit und das wird einem schnell vor Augen geführt, wenn man mit Max das Rohstofflager der Firma betritt. Hier lagern rollenweise Metalle, die zum Saitenbau wichtig sind. Mit circa sieben bis zehn Tonnen gönne man sich ein großes Lager, um keine Lieferengpässe zu haben. Hinter UV-Licht-undurchlässigen Fenstern lagern hier geschützt Sterling Silber, Stainless Steel, Messing und verschiedene Legierungen – etwa für die besagten Spezialsaiten. Zwischen 0,05 Millimetern, was dem Durchmesser eines menschlichen Haars entspricht, bis zu 0,9 Millimeter sind diese Roh-Wickeldrahte weiter. Etwa für Flatwound-Saiten – nach wie vor eines der Schmankerl des Betriebs – werden die Drähte dann aber nochmal gewalzt und geschliffen, wodurch sich die Abmessungen nochmal ändern. Man sei eine kleine Branche und helfe einander aus. So beliefert Pyramid andere Saiten-Hersteller in England und kauft auch bei Saiten-Produzenten, die in den USA Drahtwerke betreiben, Rohstoffe ein.

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Firmenporträt Pyramid Saiten - Fotos: Pyramid

Wie bereits erwähnt hat Pyramid nicht nur den typischen westlichen Gitarristen zum Kunden, sondern beliefert auch viele Musiker in Saudi-Arabien, Israel und dem Libanon, für die auch immer wieder neue Produkte entwickelt werden. Denn egal wie exotisch ein Instrument anlauten würde, in irgendeiner Schublade findet Max die richtigen Unterlagen, um den passenden Satz Saiten wickeln zu lassen.  „Ob jemand fünf Sätze bei uns bestellt oder 500 – wir nehmen alle Aufträge an“, fasst der Pyramid-Firmenchef zusammen. Mit diesem Ansatz und einer ständigen Neugier für den Input von Kunden bleibt die kleine, aber feine Firma in Franken weiter am Ball und trotzt selbst Giganten aus weit entfernten Hemnisphären.

Philipp Opitz

Weitere Informationen unter: www.pyramid-saiten.de sowie unter https://guitar.de/test-technik

Tube WorkShop TWS 2864-S Combo und Topteil TESTBERICHT

Tube WorkShop TWS 2864-S Combo und Topteil TESTBERICHT

Frischer Wind für Pedal-Fans

Das Thema der Pedalplattform-Amps ist derzeit in aller Munde. Besonders begehrt sind Amps mit hohem Headroom und niedriger Wattzahl. Dass das kein Widerspruch sein muss und vor allem, dass ein wiederbelebtes, uraltes Verstärkerdesign diesbezüglich überragende Eigenschaften bereithält, beweist der neue Hersteller Tube WorkShop aus Heilbronn mit seinem Modell 2864-S. Vorhang auf für den Tube WorkShop TWS 2864-S

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Der Markt an Verstärkern hat die vergangenen Jahre eine ziemliche Metamorphose durchgemacht. Hatten vor gut 15 Jahren die ersten Lunchbox-Amps viele der alten Boliden von den Bühnen dieser Welt verdrängt, sind es vor allem ausgefuchste Pedalboard-Setups, die einen neuen evolutionären Schritt heraufbeschworen: Pedal-Plattform-Amps.

Einen ganz neuen Weg geht hier Mario Gebhardt mit seiner neu gegründeten Firma Tube WorkShop. Der studierte Elektro-Ingenieur, der seit gut zwanzig Jahren in einer Pink-Floyd-Tribute-Band spielt und fast ebenso lange bei einer renommierten deutschen Kopfhörerfirma tätig war, stellte vor wenigen Wochen einen wirklich interessanten Amp vor. Denn, wie es bei uns Gitarristen paradoxerweise immer der Fall ist, finden wir Neuheiten immer besonders spannend, wenn sie ein bisschen oldschool sind und einen Geschichts-Bezug zur „guten alten“ Zeit aufweisen. Genau in diese Kerbe schlägt der Tube WorkShop 2864-S, der auf einem alten Hifi-Amp der Marke Philips basiert. Diesen 14-Watt starken Amp hatte Gebhardt eingehend studiert und in eine heute reproduzierbare Variante umgesetzt. Natürlich bietet TWS auch einen 1:1-Nachbau des Philips 2864 an, doch dieser basiert leider auf einer EEP-1-Vorstufenröhre. Diese ist, gelinde gesagt, äußerst selten zu bekommen. Wer eine ausfindig macht, kann sich aber gerne bei TWS melden und einen Original-Amp in Auftrag geben, so heißt es. Die Frontplatte des Tube WorkShop TWS 2864-S, den wir als Topteil- und Combo-Variante hier haben, zieren lediglich vier Regler: Preamp, Bass, Treble und Master. Nein Moment, das Master heißt hier WonderVol – doch dazu später mehr. Den Abschluss machen noch zwei Kippschalter mit den Funktionen Standby/Hot/Warm und On/Off. Auf der Rückseite finden sich lediglich der Netzteil-Anschluss, Sicherungszugang, ein Impendanzwahlschalter und zwei Lautsprecherausgänge. 

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Klarer Bass

Das echte Staunen kommt aber beim Blick in den Amp. Die sauberst ausgeführten Löt-Arbeiten mit extrem kurzen Signalwegen sowie edelsten Caps, Elkos und Röhren bietet eine Augenweide für jeden Point-to-Point-Wired-Fan. Das Verstärkerkonzept basiert auf einer EF86-Vorstufenröhre sowie einer 12AX7 als Phaseninverter, einer GZ34-Gleichrichter-Röhre und zwei 6V6-Endstufenröhren. Auch ist zu erkennen, dass der Treble-Regler an der Endstufe angeschlossen ist und der Bass-Regler eine Art Drei-Positionen-Schalter ist. Damit weist der Amp kein klassisches Tone-Stack auf, bei dem man automatisch immer mit Pegeleinbrüchen rechnen müsste, sodass man das Signal anschließend wieder nachverstärken müsste. Das heißt mehr Röhrenstufen, mehr Nebengeräusche die man bändigen muss, mehr Phasendrehungen die das Signal durchläuft und so weiter. Das umschiffen TWS hier gekonnt!

Wie wir also schon ahnen ist der Tube WorkShop TWS 2864-S kaum mit einem gängigen Design der etablierten Hersteller zu vergleichen. Und dieser Eindruck bestätigt sich auch klanglich. Denn bereits der Charakter der milde ausfallenden Gain-Struktur ist wirklich einzigartig. Generell klingt der Amp nämlich recht pfundig und man hat schon ein bisschen Angst, dass die Bass-Wiedergabe durch vorgeschaltene Overdrive- oder Distortion-Pedale ins Taumeln kommen könnte. Dem ist nicht so! Warum das so ist erfährt man, wenn man genau beobachtet, wo das Gain im Grundsound des Amps entsteht – in den Hochmitten! Der Bassbereich nämlich zeigt sich gänzlich unbeeindruckt von Clippings und tönt gemächlich und geduldig weiter. Auch das für die Saitentrennung so wichtige Höhenspektrum bleibt zu jeder Zeit klar und harmonisch. Das haben wir so noch selten erlebt. Ein bisschen Gain oder eher Kompression durch Aufdrehen des Preamps kommt dem Gitarrenspiel auf eine dezente und schmeichelnde Weise zu Gute, lässt aber stets Platz für den Charakter der Gitarre und natürlich auch etwaiger Pedale.

Wie gesagt, der kleiner 14-Watter tönt von Haus aus recht satt. Doch hier haben sich TWS etwas einfallen lassen: Über den dreistufigen Bass-Schalter kann man den Amp mühelos an 1x12, 2x12 oder 4x12-Boxen anpassen. Das soll aber nicht Gesetz sein – jeder soll selbst entscheiden, welche Schalterstellung für sein Setup am besten klingt. Daher wurden die anfänglich mit den entsprechenden Lautsprecherbestückungen betitelten Reglerstellungen nun schlicht nur 1, 2 und 3 genannt. Der Treble-Regler ähnelt in der Funktionsweise einem Cut-Regler, wie man ihn von altehrwürdigen britischen Verstärkerdesigns kennt – nur umgekehrt und etwas besser abgestimmt. So lassen sich feinfühlig durch höhrere Gainsettings erzeugte Überbetonungen in den Höhen abmildern – oder, umgekehrt, der volle Twang einer Tele hörbar machen.

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Sensationell: WonderVol

Besonders begeistert uns das Verhalten des WonderVol. Denn hier ist TWS ein echter Geniestreich gelungen, bei dem es völlig okay ist, dass man sich in diesem Punkt über das klassische Konzept des 2864 hinweg gesetzt hat. Das WonderVol lässt den Amp-Sound nahezu unverändert in der Lautstärke regulieren – bei Reglerstellung 10 ist es außerdem ganz aus dem Signalweg. Wie eine Loudness-Schaltung bei alten HiFi-Anlagen werden hier Bässe und Höhen addiert, je leiser man den Amp dreht. Das hat den ganz einfachen Grund, dass unser Gehör bei niedrigen Pegeln den mittleren Frequenzbereich überbetont wahr nimmt. Das Resultat ist verblüffend. Natürlich ist der Tube WorkShop TWS 2864-S durch seinen Aufbau ohne Feedback-Loop prädestiniert für eine solche Vorrichtung, aber das WonderVol könnte auch in vielen anderen Amp-Designs für großes Staunen sorgen. Wir hoffen, dass TWS dieses Bauteil bald auch als separates Produkt anbieten werden.

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Box & Combo

Wir testeten sowohl das Topteil an der mitgelieferten 1x12 mit G12M-Greenbacks, sowie an einer 4x12, die mit G12C-Greenbacks bestückt ist. Bei letzterer mussten wir den Bass-Level tatsächlich anpassen und auch die Pedale etwas anders einstellen, um den Sound vergleichbar zu halten.
In beiden Fällen waren wir jedoch beeindruckt von der Klarheit und dem Punch im Sound. Wer es sich im Attack etwas schmeichelnder wünscht kann den Amp aber auch einfach in den Warm-Modus schalten, dann werden die Endstufenröhren etwas weniger heiß angefahren. Und wie gesagt, der Preamp-Regler kann jederzeit etwas angenehme Kompression in den Hochmitten spendieren dank derer sich der Amp leicht spielen lässt. 

Auch der Combo weiß mit seinen kompakten Abmessungen zu entzücken. Erstäunlicherweise klingt der Greenback-Lautsprecher auch in dieser halboffenen Bauweise recht satt – wer es rockiger mag ist aber mit 1x12-Box besser bedient. In Sachen Look wirkt der 2468S-Combo extrem schick und wertig. Er könnte auf so manchen Bühnen für Aufsehen oder Aufhorchen sorgen. Da TWS seinen Kunden nicht nur Greenbacks vorsetzen möchte kann man die Combos wie auch die Boxen gegen Aufpreis auch mit Lautsprechern wie dem Jensen Tornado Stealth, Fane Ascension A60 oder Celestion Alnico Gold ausstatten lassen.

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Das bleibt hängen

Der Tube WorkShop TWS 2864-S ist für verschiedenste Stilistiken geeignet. Er bietet die berauschende Eigenschaft lediglich in den Hochmitten zu verzerren, was dem Spiel ja durchaus als Wohlfühlfaktor entgegenkommt, und in den Bass-Frequenzen sowie in den Höhen bei jeder Lautstärke vollkommen klar und verortbar zu bleiben. Noch dazu ist das WonderVol das wahrscheinlich spannendste PPIMV-Konzept der vergangenen Jahre. Die hier gebotene Qualität hat zwar ihren Preis, ist aber für einen Boutique-Amp aus Deutschland absolut in Ordnung. Wir können es kaum erwarten auch den SingleSix-Combo aus dem Haus TWS zu testen.

Philipp Opitz

 

TWS 2864-S & 2864-S-Combo

Herkunft Deutschland

Leistung 14 Watt (Hot Mode) / 7 Watt (Warm Mode)

Kanäle 1

Röhren 1x EF-86, 1x 12AX7, 1x GZ34, 2x 6V6

Regler Preamp, Bass, Treble, Master/WonderVol

Schalter Hot/Warm/Standby, On/Off, Impendanz

Anschlüsse Input; Rückseite: 2x Lautsprecher

Maße Topteil: 46,4 x 21,0 x 21,5 cm (B x H x T)

Box: 46,4 x 42,0 x 25,0 cm (B x H x T)

Combo: 61,0 x 50,8 x 22,6 cm (B x H x T)

Gewicht 9,8 kg  (Topteil), 11,9 kg (Box), 18,2 kg (Combo)

Internet www.tube-workshop.de

Preis 2599,- E (Topteil), 749,-s (Box), 2899,-s (Combo)

 

Mehr News und neue Tests findet ihr unter https://guitar.de/test-technik

Weitere Infos zu Tube WorkShop unter https://www.tube-workshop.de/2864-s

 

Das und noch viel mehr findet ihr in guitar 11/22 

guitar 11/22

 

Zoom B6 Multieffektprozessor für Bass

NEWS: Neuer Zoom-Multieffekt für Bass

Zoom stellt mit dem B6 einen neuen Multieffekt-Prozessor für Bass vor. Das Gerät kommt im Pedalboard-Format mit 9 Fußschaltern und beinhaltet neben Effekten auch Funktionen wie Amp-Modeling und DI-Box-Modeling. Effektketten mit bis zu sechs Effekten, Verstärker-Emulation und eigene Impulsantworten zur Lautsprecher-Simulation lassen sich über einen 4,3-Zoll-Touchscreen nach Belieben einstellen. Das Gerät verfügt über zwei Eingänge, sodass sich mithilfe eines A/B-Umschalters zwei elektrische oder akustische Bässe gleichzeitig anschließen lassen. Darüber hinaus bietet der B6 einen Looper mit bis zu zwei Stunden Aufnahmezeit, 68 Rhythmus-Patterns zur Begleitung und lässt sich als USB-Audiointerface verwenden.

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Preislich liegt der B6 laut Hersteller bei 535,00 Euro.

Mehr Infos: www.zoomcorp.com

Schwarz Custom Cardinal Dot

TEST: Schwarz Custom Cardinal Dot - Gitarre

Schwarz Custom Cardinal Dot

High-Class in Ahorn - Custom Cardinal Dot Gitarre

Gerhard Schwarz ist ein Meister seines Fachs. Eindrucksvoll demonstriert wird das von vorliegender semiakustischer Cardinal Dot, die Expertise und Vintage-Liebe ausstrahlt.

Gute Gitarrenbauer gibt es viele, wenn es um erstklassige geht, wird die Luft mitunter dünner. Einer, dem man dieses Attribut definitiv zuweisen kann, ist Gerhard Schwarz. Die Akribie und Detailverliebtheit mit denen der Oberpfälzer altehrwürdigen Designs neues Leben einhaucht, die sind schlicht sensationell. Ein Paradebeispiel dafür ist vorliegende Cardinal Dot, die als Vorbild klar die ES-335 aus dem Hause Gibson hat. Und warum nicht, die ist schließlich ein echter Klassiker. Schwarz nimmt sich dieser legendären Semi-Akustik mit dem Fokus auf kompromissloser Qualität und besten Zutaten an. Das beginnt beim Nitrozellulose-Finish, bei erstklassiger Hardware von Kiss My Strings, den luftigen Pickups von Ox4 und endet irgendwo bei perfekter Verarbeitung und tierischen Sounds.

Boden und Zargen der in klassischem Cherry Red gehaltenen Cardinal bestehen klassisch aus gesperrtem Ahorn, auch für die Decke kommt dieses Holz zur Anwendung. Die charakteristische Wölbung von Boden und Decke wird beim Verleimen der Holzschichten mittels einer Presse eingebracht. Ein Sustainblock verbindet Decke und Boden, was für Stabilität sorgt und die Feedback-Anfälligkeit deutlich minimiert. Der massive Ahorn-Blick trägt überdies die Tonabnehmer und die Brückenkonstruktion – alles sehr solide und ein Blick durch eines der beiden
F-Löcher zeigt auch im Inneren eine erstklassige Verarbeitung. Letztlich muss über diesen Aspekt eines Instruments im Falle der Cardinal kein weiteres Wort verloren werden, das ist absolute Meisterklasse!

schwarz custom cardinal Gitarre

 

Ein wenig mehr!

Ahorn für den Korpus ist eine traditionelle Auswahl, ebenso freut sich der geneigte Gitarrist über einen Hals aus Honduras-Mahagoni und ein Griffbrett aus – Obacht! – Dalbergia nigra, besser bekannt als Rio-Palisander. Dieses streng geschützte Holz darf nicht mehr gehandelt werden, es sei denn, es werden sämtliche Bestimmungen eingehalten. Daher liegt der Cardinal eine entsprechende Bescheinung der EU bei, die bestätigt, dass das verwendete Rio-Palisander im ausstellenden Mitgliedsstaat vor Inkrafftreten der Handelsregularien eworben oder in diesen eingeführt worden ist. Dokumentiert wird per Fotonachweis, dass es sich bei besagtem Instrument um unsere Cardinal handelt, dieses Dokument samt Fotos also sicher verwahren. Ohne diese Dokumentation kann die Cardinal nicht weiterverkauft werden. Kann aber auch wiederbeschafft werden, die Dokumentation, keine Sorge. In diesem Rio-Griffbrett sitzen 22 Jumbo-Bünder der Firma Wagner, penibelst verarbeitet, verrundet und poliert – ein perfekter Fretjob!

schwarz custom cardinal 2

Bendings, Slides und auch weite Lagenwechsel sind komfortabel machbar, Gerhard hat hier das Optimum geschaffen. Dieser Blick für Präzision ist auch beim dezent gealterten Binding spürbar, das mit seiner creme-farbenen Tönung und dem vergilbten Touch den Hauch jahrelanger Club-Gigs versprüht. Passend dazu ist das hochglanz-Nitro-Finish künstlich gealter, die Pickupkappen ebenfalls, ebenso der Toggle-Switch-Knopf. Knochen als Sattelmaterial ist der Tonentfaltung förderlich, die Gotoh-SD-90-Mechaniken erlauben präzises Stimmen. In Sachen Hardware hat sich Gerhard für die High-Class-Tune-o-matic von Kiss My Strings entschieden, was definitiv die richtige Entscheidung war. Der Verfasser hatte bereits das Flow-Trem und die Wraparound aus dem Hause KMS unter den Fingern. Kompromisloss gut, lautet dort die Devise.

schwarz custom cardinal E-Gitarre

Klar, das kostet mitunter einen Taler mehr, die Cardinal hat aber nicht weniger verdient. Das dezent geagte, wahnsinnig leichte Alu-Stoptailpiece und die TOM tragen zur luftigen und transparenten Tonentfaltung einen gehörigen Teil bei, soviel ist sicher.
Die elektrischen Komponenten stammen von CTS und Switchcraft, die Pickups von Ox4 aus England – und die sind der Hammer! Gerhard weiß, was geht, daher wird er in Zukunft vorrangig die Spulen von Amber und Kloppmann verbauen. Der Grund ist schlicht und ergreifend, dass man hier einfach Wert auf heimische Fertigung legt – ein guter Gedanke!

Gitarrenbauer Schwarz baut eine custom cardinal Gitarre

Genug geredet!

Gitarren sind zum Spielen da – und leck mich am A…h, ist das ein Instrument! Herrlich glockig und klar artikulierend schraubt sich der Steg-Ox ins Gehör, die Höhen brillant und die Bässe knackig, so muss das sein. Der Hals-Kollege setzt dem deutlich mehr Bauch entgegen, das Timbre wird weicher und weniger knackig – ein Traum für smarte Blues-Lines!

Nennt mich durchschaubar, aber ich liebe die Mittelposition, gerade bei cleanen Sounds und in dieser Qualität. So viel Glocke, so viel Ton, der sich transparent und klar auflöst, das hört man selten. Ähnlich verhält sich das dann auch, wenn man den Amp ein wenig ins Schwitzen bringt. Dank erstklassiger Saitentrennung erscheinen Akkorde als Summe ihrer Einzeltöne, allesamt klar im Gesamtgeschehen verortbar, aber eben ein in sich stimmiges Gebilde. Dass sich dieses Wiedergabeverhalten mit einem vorbildlichen Dynamikverhalten paart, war quasi erwartbar und ist deshalb nicht weniger erfreulich!

Gitarre von Schwarz: custom cardinal

Gerade an einem einbrechenden Amp mit weniger Leistung, in unserem Fall etwa ein Vox AC15 mit Greenback-Bestückung, zeigt sich die ganze Klasse der Cardinal – die Potis reagieren feinfühlig und lassen einen die eigenen Soundvorlieben präzise justieren, in Kombination mit dynamischem Anschlag lassen sich so unzählige Abstufungen und Klangvarianten abrufen.

Das bleibt hängen

Tja, die Schwarz Cardinal Dot ist ein Hammerinstrument, das kann man anders kaum formulieren. Hier stimmt alles: Verarbeitung, Holz, Hardware und Ton. Die Cardinal Dot geht dann auch für 5.400 Euro über den Tresen, was nicht wenig ist, keine Frage. Wer das Geld hat, der bekommt hier das Maximum an Gitarre. Hut ab, Gerhard, mehr geht kaum!
Stephan Hildebrand

schwarz custom cardinal facts

 

Suhr Modern Satin Flame Island Burst Limited Edition

Suhr Modern Satin Flame Island Burst Limited Edition (guitar Test)

Suhr sind für Traumgitarren aus dem höherpreisigen Segment Made in USA bekannt. Dass die amerikanische Gitarrenschmiede jedoch nicht nur Träume von der Stange wahr werden lässt, sondern immer noch einen draufsetzen kann, beweisen Suhr mit ihrer limitierten Edition „Modern Satin Flame“.

Sandstrand im Gitarrengewand



Als Testgitarre haben wir das Finish „Island Burst“ und die Erwartungen bei uns sind hoch. Die erste positive Überraschung kommt frühzeitig, denn bereits beim Öffnen des Koffers strömt uns ein wahnsinnig leckerer Schreinereigeruch entgegen. Den Koffer komplett geöffnet und da liegt er, der heiß ersehnte Inselschatz. Je nach Lichteinfall wirkt die Farbe der Gitarre ein wenig anders, und ihre wahre Pracht entfaltet die überwältigende Lackierung im Studiolicht. Einmal mit der Hand über den Gitarrenkorpus gestrichen und das Satin-Finish hat sein Soll erfüllt – ich bin gefesselt.

Selten hat sich mir eine Gitarre in der linken Hand als auch am rechten Arm so weich und angenehm angeschmiegt. Den wahnsinnig leckeren Geruch dieser klasse Holzarbeit und das samtig weiche Gefühl können wir euch im Moment nicht näher bringen, aber falls ihr in Aktion erleben möchtet, was das Schmuckstück in Sound und Optik so draufhat, so solltet ihr nach dem Lesen dieses Artikels unseren YouTube-Kanal besuchen, und euch unser „25 Licks, die man einfach draufhaben muss”-Video zu Gemüte führen (www.youtube.com/guitarredaktion). Denn dort seht und hört ihr, was unser Test-Baby von Jimi Hendrix und SRV, über Santana bis hin zu Randy Rhoads im Tonstudio alles kann.

Taten folgen Worten

Die Gitarre verspricht viel. Die Hölzer sind klassisch, doch die Auswahl nur das Beste. Der Korpus ist aus „Genuine Mahogany“ also aus „echtem“ Mahagoni gefertigt, um der Gitarre ein sattes Fundament zu liefern. Auf dem Korpus ist eine geflammte Ahorndecke angebracht, die für die Island-Burst-Lackierung nicht schöner gewählt sein könnte. Die Farbe ist stilvoll und graziös umgesetzt, sie mit „von Ozeanblau übergehend in cremiges Beige“ zu beschreiben wäre dezent untertrieben. Führt euch für den Farbeindruck lieber unser hier abgedrucktes Bildmaterial zu Gemüte.



Schnelles Spiel

Als Hals- und Griffbrettholz wird wie bereits bei der Korpusdecke Roasted Maple verbaut, und abgerundet mit den Jumbo Bünden bedeutet das puren Spielspaß. Der Hals ist nicht zu dünn, jedoch einfach und blitzschnell zu bespielen. Dead Spots gibt es trotz der extrem niedrigen Saitenlage nicht einen. Vielmehr rast ihr aufgrund des Satin Finish bei Bedarf reibungslos durch alle Griffbrettlagen und die ergonomischen Cutaways ermöglichen euch müheloses Bespielen sogar am 22. Bund.

Was drin steckt

Die Elektronik ist simpel gehalten, erlaubt euch mithilfe des Fünf-Wege-Schalters, Master-Volume- und Master-Tone-Potis jedoch sämtliche Soundspielereien die ihr euch von einer HSH-Gitarre mit geschraubtem Hals in Strat-Form wünschen könntet. Alle Tonabnehmer sind hauseigen und liefern euch einen ausgewogenen und umfangreichen Klang. An der Stegposition findet ihr einen SSH+, am Hals einen SSV-Humbucker die sich mit ihrer Zebraoptik vorzüglich in die Insellackierung einfügen.

In Mittelposition befindet sich ein ML-Singlecoil, und dieser ist um die Zebraoptik nicht nur symmetrisch, sondern zudem abwechslungsreich zu gestalten in Schwarz gehalten. Alleine der Brückentonabnehmer berechtigt die Gitarre den „Modern“-Stempel zu tragen, denn er hat zwar die Charakteristik eines Vintage-PAF-Pickups, kann jedoch mit starken Mitten und einem aufgeräumten Bassbereich alleinstehend von Blues und Classic-Rock, bis hin zu Metal alles abdecken. In der Zwischenstellung wird der Bridge-Pickup mit dem Singlecoil in der Mitte gepaart.

Hier kommt sogar ein wenig Tele-Feeling auf. Der Singlecoil alleine klingt sehr mittenbetont und setzt sich zum Beispiel bei Blues-Soli problemlos durch, er kann jedoch ebenso eurem Cleansound mehr Biss verleihen. Der Halstonabnehmer ist im Herzen ein Vintage-Tonabnehmer, jedoch mit mehr Output. So bietet er euch einerseits vorbildliche Klarheit für einen Neck-Pickup, andererseits lässt er euch durch dynamisches Spiel den Zerrgrad eures Verstärkers super filigran beeinflussen. Egal ob dynamische Blues-Soli, butterweichen Jazz oder Metal-Shred-Etüden gefragt sind, das alles ist mit dieser Gitarre lockerflockig möglich.

Der Heilige Gral

Und jetzt kommts... der Heilige Gral des Cleansounds: die Zwischenstellung von Hals und Mittelpickup – wow. Je nach Verstärker besteht eine hohe Möglichkeit, dass ihr nun nach Hendrix oder SRV klingt.



Diese Position ist der drahtige Sound, den man sich von einer Strat wünscht. Modern? Kann man so sagen wenn man will, solange „modern“ bedeutet, dass die Strat gleichzeitig auch „klassisch“ kann. Mit Volume-und Tone-Poti den persönlichen Sound zu verfeinern ist problemlos möglich, aber ganz ehrlich, das ist ein grandioser Strat-Sound, den man ohne zu überlegen jederzeit nutzen und damit glänzen kann. Da macht ihr nichts falsch, sondern ganz im Gegenteil, ganz viel richtig.

Die Brücke ist ein stabiles aufliegendes Gotoh-510er-Vibrato in Chrom-Optik mit „massiven Sätteln und Tremolo-Block aus Stahl. Aufgrund der Suhr-Locking-Tuner ist somit nicht nur das Saitenwechseln ein Kinderspiel, sondern auch damit mittelstarke Whammy-Bar-Eskapaden können überdurchschnittlich stimmstabil bewältigt werden.

Das bleibt hängen

Was ein geiles Suhr(f)-Brett! Suhr haben mit der Modern Satin Flame Island Burst eine außergewöhnlich schöne Gitarre mit wahnsinnig vielseitigem und durchweg grandiosem Klang auf den Markt gebracht. Dem Bühnen- und Studiomusiker mag sie vielleicht auf den ersten Blick zu schade zum rannehmen erscheinen, das sollte sie jedoch keineswegs.

Die Gitarre ist eine nahezu perfekte Gitarre mit Powerstrat-Fähigkeiten und sollte deswegen bespielt und auf die Bühne gebracht werden. Überzeugt euch selbst von der Gitarre im Video zu unserem Workshop „25 Licks, die man einfach draufhaben muss” (siehe unten), denn dort setzen wir sie für euch ein.   

Text: Konst Fischer

Den kompletten Test könnt ihr auch in guitar 5/21 nachlesen – direkt hier bequem nach Hause bestellen ...

 

Test: Eastman SB55/v-SV

Test: Eastman SB55/v-SV

Rock'n'Roll-Maschine

Auf das Nötigste reduziert, das große Vorbild klar im Visier und mit ausgesuchten Komponenten bestückt – das klingt nach einem sinnvollen Ansatz. Nur im Falle einer Gitarre muss ja nicht der Ansatz klingen, sondern eben, naja, ihr wisst schon. Vorhang auf für die Eastman SB55/v-SB!

Ja, die schaut aus wie eine Junior. Klar, wie denn auch sonst? Der Gitarren-Designer bei Eastman Pepijn ’t Hart hat – bevor er überhaupt dran gedacht hat irgendwelche Eckpunkte einer eigenen Junior-Interpretation zu entwerfen –, sage und schreibe 20 alte Juniors aus den Jahren 1955 bis 1958 angespielt. Und da waren gute dabei, schlechte und durchschnittliche, aber eben auch sensationelle. Und damit hätte man dann auch eine Referenz gehabt. Wenn dann noch Faber-Hardware und Jason Lollar von Lollar Pickups mit ins Boot springen, kann kaum noch was schiefgehen. Die SB55 gibt es auch als Doublecut-Variante, die Zutatenlisten unterscheiden sich nicht voneinander. Die Eastman-Jungs weichen in bestimmten Details klar von der Vorlage des Originals ab, so kommt etwa Ebenholz für das Griffbrett anstelle Palisander zum Einsatz. Für den einteiligen (!) Korpus, übrigens mit Pepijns eigenem Design, basierend auf der SB59, und den einteiligen (!!) Hals kommt Okoume zum Einsatz. Dieses Holz aus der Familie der Balsambaumgewächse kennt man auch unter dem Namen Gabun-Mahagoni. Das liegt schlicht daran, dass dieses Holz einen Großteil der aus der Gabunischen Republik exportierten Hölzer ausmacht.

Jetzt aber zurück an die Arbeit, was dem Verfasser im Falle der SB55 nicht sonderlich schwerfällt. Die Singlecut ist beim ersten Rausnehmen aus dem dazugehörenden Koffer direkt ein echtes Leichtgewicht, das Antique-Varnish-Finish ist ein Klassiker bei Eastman, das Sunburst ein echter Hingucker. Das dezente Aging trägt einen guten Teil zum Wohlfühl-Faktor bei. Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll ist, neue Gitarren auf alt zu trimmen, anfühlen tut es sich, als hätte man die Geige Jahrzehnte durch die Gegend gezogen. Gleiches gilt für den Hals, ebenfalls aus Okoume, aber eben mit einem tiefschwarzen Ebenholzgriffbrett, was ich persönlich ja ziemlich geil finde. In besagtem Griffbrett sitzen 22 auf Hochglanz polierte und erstklassig verrundete Medium-Jumbo-Bundstäbchen, der Radius des Griffbretts beträgt 12 Zoll, die Mensur 62,8 cm oder 24,75 Zoll – alles ganz klassisch.

Faber-haft!

Der Hals wird natürlich eingeleimt, für den Sattel kommt Knochen zum Einsatz, die Sattelbreite beträgt 42,8 Millimeter, der Sattel ist perfekt gekerbt, da klemmt nicht mal die G-Saite. Und das will was heißen, die klemmt in der Tat gerne, einfach wegen des recht starken Abknickwinkels nach dem Sattel.

In Sachen Hardware greifen die Eastman-Jungs um Pepijn auf Faber zurück, die in Deutschland von Gottfried Fischer entwickelt wird und in Sachen Präzision ganz weit vorne mitspielt. Mal davon abgesehen, dass auch das Aging der Hardware tiptop ausschaut. Die Mechaniken sind Kluson-Typen, die anstelle der weißen Plastikknöpfe des Originals solche aus Metall bekommen haben, die Form ist gleich geblieben. Sie laufen rund und präzise, erledigen ihren Job und sehen klasse aus. Das reicht uns. Am anderen Ende der Saiten findet sich der Endgegner in Sachen Intonation (also, wenn man den Gitarristen aus der Gleichung nimmt) – die Wraparound. Diese simple Brückenkonstruktion hat viele Vorteile (keine mechanischen Teile, keine beweglichen Teile, viel Kontakt zum Korpus), die dem Ton förderlich sind, aber eben auch handfeste Nachteile, hauptsächlich die Justierung der Oktavreinheit. Diese einzustellen ist einfach nur in einem engen Rahmen möglich, die Wrap-around in ihrer Urform ist ja nix anderes als ein Stop-Tailpiece mit drübergeführten Saiten. Es gibt diverse Lösungsansätze, die von integrierten und verstellbaren einzelnen Saitenreitern bis hin zu klar vorgegebenen Auflagepunkten für die Saiten gehen. Der Ansatz der klar definierten Auflagepunkte bietet meiner Meinung nach den besten Kompromiss zwischen der klaren Kante in Sachen Sound und Tonentwicklung einerseits und der bestmöglichen Intonation andererseits. Und die Faber-Wraparound macht das fantastisch! (Checkt die KMS Whiiptail ein paar Seiten weiter hinten, die macht ebenfalls spitzenmäßig!) Anders kann man das nicht sagen. Klar eine TOM ist immer eine Spur präziser einstellbar, aber mehr Rock’n’Roll versprüht die Wraparound. Ist so, da lass ich nicht mit mir reden …

Der Sound

Es gibt Gitarren, mit denen muss man warm werden. Man erkennt vielleicht ihre Qualität auf Anhieb, bis daraus Zuneigung oder gar echte Liebe wird, das dauert mitunter, manchmal wird’s einfach auch gar nix. Die SB55 ist keine davon, die nimmt man (also in diesem Fall spreche ich nur für mich) aus dem Koffer, das Feeling ist gut, es riecht nach Gitarre, der Hals liegt smooth in der linken Hand, ein G-Dur angehauen, das Ding schwängt und der Tester ist begeistert. Wahrlich, Brüder und Schwestern, ich sage euch … Blödsinn, diese Gitarre ist schon ohne Amp so schwingfreudig und attackreich, sie fordert die nächste Note direkt ein und schon beim akustischen Spiel kann man sich grob ausrechnen, wie die SB55 mit einem Amp im Nacken klingt. Also, den AC15 angeschlossen und den Lollar-P-90, der übrigens eher als Medium-Output-Kollege durchgeht, auf den Normal-Kanal losgelassen – es ringt und klingt und perlt und twangt, da geht einem das Hös… ’tschuldigung, das Öhrchen auf. Als Regelmöglichkeiten gibt’s ein Volume- und ein Tone-Poti. letzteres ist ein No-Load-Poti. Das bedeutet, dass am Ende des Regelwegs, wenn das Poti voll aufgedreht ist, es dann quasi komplett aus dem Signalweg genommen wird. Das kann man sich ein wenig wie die 11 bei Spinal Tap vorstellen. Auf 9 ist alles ganz normal, wenn man einen Extra-Push braucht, dann dreht man auf 10 auf. Rein haptisch macht sich das durch einen kleinen Widerstand beim Drehen bemerkbar, was einem beinahe das Gefühl eines Boost-Schalters gibt. Dann brüllt einen die SB55 gerade in Verbindung mit einem Overdrive-Pedal an und knallt ein richtiges Brett raus. Kleinste Veränderungen der Anschlagsposition und der Poti-Stellungen lassen eine breite Palette an Sounds entstehen, über begrenzte Möglichkeiten kann man sich hier nur beklagen, wenn man nicht Willens ist, sich mit der SB55 zu beschäftigen. Am Hals angeschlagen, Tone-Poti auf 5 und es kommt einem aus dem Lollar-P-90 ein schmatzender Sound in Neck-Pickup-Manier entgegen. Zugegeben, eine solche Gitarre ist in vielerlei Hinsicht eine Gitarre, die Akzente setzen kann, die im Studio eine zusätzliche Farbe ist, aber wenn man sich hinsetzt und sich damit beschäftigt, dann kann sie so viel mehr. Ihr wollt noch einen Beweis absoluter Detailverliebtheit. Ok, das Pickguard ist nicht aus Plastik, sondern aus einem Material, das nahezu an das originale Bakelit (quasi der Vorgänger heutigen Plastiks) rankommt.

Das bleibt hängen

Die SB55v/SB ist ein Volltreffer. Die Verarbeitung ist spitzenmäßig, Hardware und Pickup sind erstklassig. Klangausbeute und Tonentfaltung sind so viel größer und vielseitiger, als es die simple Konstruktion vermuten lässt, der Verfasser kann an dieser Stelle nur empfehlen, einen Griff zu riskieren. Das Risiko sich zu verlieben ist hoch, sollte aber gewagt werden.

Text & Fotos: Stephan Hildebrand

Music Man Jason Richardson Artist Series Cutlass

Test: Music Man Jason Richardson Artist Series Cutlass

Siebensaiter liegen nach Jahren der Ungnade wieder im Trend. Wir haben für euch das neueste Signature-Modell von Gitarren-Wunderkind Jason Richardson angespielt und ausführlich getestet. Jason Richardson ist Freunden der härteren Sportgitarre schon länger ein Begriff. Als Mitglied von illustren Bands wie All That Remains, Chelsea Grin und Born Of Osiris hat der US-Amerikaner dem Metal- und Deathcore-Genre immer wieder seinen Stempel aufgedrückt und es mitgeprägt.

Music Man widmen ihm mit der Jason Richardson Artist Series Cutlass nun sein eigenes Signature-Modell, das auf der Cutlass-Modellreihe basiert, die ihren Ursprung in den Siebzigern hat und 2016 neu aufgelegt wurde. Bei der vorliegenden Test-Gitarre handelt es sich um das 7-Saiter-Modell mit Rorschach-Red-Finish und goldener Hardware, bei Bedarf gibt es die Gitarre auch als dezentere Ausführung mit Natural-Buckey-Burl-Finish und entsprechend angepasster schwarzer Hardware – beide Designs übrigens auch  mit sechs Saiten.

Ein Hingucker

Der Korpus mit Double-Cutaway-Body-Design ist aus Erle gefertigt und mit High-Gloss-Polyester in Rorschach Red lackiert. Ein besonderer Hingucker ist die Decke, die mit ihrer Farbauswahl und dem Whirl-Muster psychedelische Assoziationen aufkommen lässt und sich mit Sicherheit auch bei Anwendungen außerhalb des 120-bpm-Sektors pudelwohl fühlt. Auf ein Pickguard wird zugunsten der Optik gänzlich verzichtet, was angesichts der Decke auch nur passend ist. Auf der Rückseite befinden sich die Fächer für die Elektronik, das Tremolo sowie die Batterie – später dazu mehr.

Der Hals ist aus geflammten Ahorn gefertigt und wurde mit Schaftöl sowie einer von Hand aufgetragenen Spezial-Wachsmischung bearbeitet. An der Kombination aus geflammtem Ahorn und dem dunklen Ebenholzgriffbrett kann man sich wirklich nur schwer satt sehen. Auch haptisch ist es in der Tat ein Genuss, die Hand über den Hals und das Griffbrett mit seinen 24 Medium-Jumbo-Bünden gleiten zu lassen. Die Dot-Inlays im Griffbrett fügen sich hervorragend ins Gesamtbild ein und stechen wie die Bünde durch die Abwesenheit von unsauberen Abrichtungen hervor – top!

Das Hals-Profil lässt sich als flaches D einordnen, Sportgitarristen und Flitzefinger kommen hier definitiv auf ihre Kosten. Der durch die tiefe B-Saite bedingt, breitere Hals überzeugt durch seine hervorragende Haptik und Bespielbarkeit, gerade beim Übergang des fünffach geschraubten Halses in denn Korpus. Bei bewusst klassisch-gehaltenen Gitarren oftmals eine eher unbequeme Angelegenheit, haben Music Man hier beste Arbeit abgeliefert und ermöglichen ein müheloses Erreichen der hohen Lagen.

Hardware-Himmel

Auch aus Hardware-technischer Sicht geizen Music Man nicht und liefern die Jason Richardson Artist Series Cutlass werkseitig mit M6-IND-Locking-Mechaniken von Schaller in Music-Man-typischer 5-zu-2-Aufteilung aus. Durch die Locking-Mechaniken sind die Saiten in Windeseile gewechselt – einfach aufschrauben, Saiten reinklemmen, zuschrauben, stimmen und schon kann es weitergehen. Der gemeine (Live-)Gitarrist freut sich, die Bandkollegen sowieso. Über den Kunststoff-Sattel gehen die Saiten in das Custom-Siebensaiter-Music-Man-Floating-Tremolo (was für ein langes Wort), das bei der vorliegenden Test-Gitarre in Gold gehalten ist und in Kombination mit dem Korpus einen unglaublich edlen Kontrast liefert.

Der Tremolo-Hebel lässt sich Music-Man-typisch stecken und ist ohne lästiges Drehen sofort startklar. Durch die Konstruktion lässt sich das Tremolo in beide Richtungen betätigen, was noch einmal ein breiteres Vokabular an musikalischen Ausdrucksweisen ermöglicht. Wer keine Lust darauf hat, verstaut den Hebel einfach im mitgelieferten Koffer und erfreut sich weiterhin an seiner Gitarre. Abgenommen werden die Saiten von zwei hauseigenen pasiven Custom-Humbuckern mit Keramik-Magneten, die mächtig Zunder liefern und gleichzeitig durch flexible Klangmöglichkeiten überzeugen. Zwar erscheint die Kombination aus Dreiwegschalter mit Volume- und Tonepoti auf den ersten Blick etwas einengend, aber Music Man haben ein paar spannende Schmankerl verbaut.

Ist der Halspickup angewählt, spielt er seine Stärken als Humbucker aus. Betätigt man nun den Push-Push-Tonepoti wird der Humbucker als Singlecoil angesteuert. Ist der Pickup-Wahlschalter in der Mittelposition, werden der Hals- und Steg-Pickup je als Singlecoil parallel verwendet. Zu guter Letzt kann in der Stegposition der Humbucker als Doppelspuler oder mit „aktiviertem“ Tone-Poti als Singlecoil gespielt werden. Da der Preamp aktiv ist, lassen sich die Pickups zudem noch per Volume-Push-Poti um 20 dB boosten.

Sound: Top!

Aus dem Koffer heraus ist die Music Man bereits gestimmt, was schon ein erstes gutes Zeichen ist. Im Trockentest überzeugt sie bereits mit einem drahtigen Sound und auch an die zusätzliche tiefe B-Saite hat man sich schnell gewöhnt. Am High-Gain-Verstärker angeschlossen spielt sie ihre Stärken direkt aus. Die Riffs kommen knackig aus den Speakern, die Singlenotes sind schön definiert. Besonders Ausflüge in die tiefen Regionen sind eine wahre Freude – bei günstigeren Instrumenten kann es oft mal vorkommen, dass die Artikulation auf Grund minderwertigerer Bauweise und Materialien auf der Strecke bleibt – die vorliegende Music Man giert im Gegensatz geradezu nach Attacken auf der tiefen B-Saite. Als bekennender Nu-Metal-Fan bleibt dem Tester auch nichts anderes übrig, als die Stimmung um einen Ganzton tiefer zu legen und "KoRn"-Gedächtnisriffs zu zelebrieren. Und siehe da – riff it like it’s 1999!

Auch im cleanen Bereich gibt sich die Music Man keine Blöße und lacht den Autor immer wieder mit Djent-Riffs an, obwohl dieser doch gar keinen Djent hört. Als einziger Wermutstropfen gestalten sich allerdings die Mechaniken, die sich durch ihre abgewinkelte Form etwas unbequem anfühlen, wenn man sie im Eifer des Gefechts nicht richtig greift – jammern auf hohem Niveau? Ja, zugegeben. Diese Gitarre macht es einem wahrlich schwer, negative Kritikpunkte ausfindig zu machen.

Das bleibt hängen

Die Music Man Jason Richardson Artist Series Cutlass ist eine beeindruckende Gitarre. Auch wenn sie sich auf den ersten Blick an Anhänger der härteren Fraktion richtet, so deckt sie mit ihren spannenden Features wie der ausgeklügelten Schaltung und dem freischwebenden Tremolo ein weites Klangspektrum ab. Auch die Farbgebung und die Formwahl lassen deutlich Raum zum Atmen, so dass vielleicht der eine oder andere Jazzer (auch da freut man sich über die zusätzliche B-Saite) seine Freude mit der Gitarre haben kann – und das Sechssaiter-Modell gibt es ja auch noch. Modern und stimmig konzipiert, erstklassig verarbeitet und mit einer super-stabilen Stimmlage versehen – was will man mehr? Wer das nötige Kleingeld hat, dem sprechen wir eine klare Kaufempfehlung aus.          

Oliver Strosetzki

Im Test: Positive Grid Spark GO & CAB

In Sachen Plug-Ins sind Positive Grid schon länger einer der führenden Hersteller. Mit ihrem Spark haben sie zusätzlich einen Übungsverstärker auf den Markt gebracht, der mit seiner Bluetoothkompatiblität seiner Zeit voraus war und bis heute ein Verkaufsschlager ist. Was dessen kleinster Bruder kann, erfahrt ihr im Test.

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Der Spark GO hat anders als die anderen Verstärker der Reihe nur noch einen einzigen Drehregler, den für die Lautstärke der Gitarre. Ansonsten gibt es noch einen Druckknopf zum Einschalten des Geräts, einen um sich durch die vier Presets durchzuklicken und zwei um die Lautstärke einer über Bluetooth beigesteuerten Audioquelle zu regulieren. Über Bluetooth funktioniert auch die genauere Steuerung des Amps. Dazu haben Positive Grid eine App entwickelt, die für alle Spark-Verstärker kompatibel ist.

Die App

Die Spark-App ist sowohl für iOs als auch für Android erhältlich und funktioniert auch auf eher schwachbrüstigen Handys noch einwandfrei. Auf ihr kann man neben den vier auf dem Gerät ab Werk eingespeicherten Presets noch reichlich andere Rigs auswählen. Die Soundwelten Pop, Blues, Rock, Metal und Alternative bieten jeweils vier Rigs an, Acoustic und Bass je zwei, die man alle je nach Bedarf auf die vier Speicherplätze des Verstärkers verteilen kann. Zwar kann man die insgesamt 24 Rigs nicht umbauen, also etwa den Overdrive durch einen anderen ersetzen, aber immerhin die Knöpfe der vorhandenen Geräte drehen. Außerdem kann man sich, wenn man sich erstmal einen Account gemacht hat, kostenfrei etliche weitere Sounds downloaden. Darunter auch welche, die Zakk Wylde und Paul Gilbert gebaut haben. Nur eigene Rigs kann man nicht über die App erstellen. Dafür hat sie noch reichlich andere Features: So hat die App ein ausgiebiges Backingtrack-Tool. Über die Smart-Jam-Funktion kann man vier verschiedenen K.I.-Charakteren etwas vorspielen, worauf die dann, je nach ihrem „Musikgeschmack“, reagieren.

Wem das zu aufwendig ist, der kann sich auch über Quick Jam schon fertige Backingtracks verschiedener Stile aussuchen. In beiden Fällen zeigt einem die App auch die Akkorde an, über die man jammen kann. Die App hat außerdem einen eingebetteten YouTube-Player, bei dem man jedes beliebige Video als Backingtrack einspeisen kann. Auch hier zeigt einem die App die Akkorde an und analysiert das Video im Bedarfsfall extra dafür. Das kann zwar etwas dauern, ist aber nicht nur zum Mitspielen ein praktisches Feature, sondern auch eine große Stütze zum Heraushören. Gänzlich verlassen kann man sich darauf nicht, denn schließlich ordnet die Software nur die Frequenzen der Tonspur ein, egal ob Gesang, Triangel oder Gitarre. Als grobe Orientierung funktioniert es aber. So kann man mit der App zum Beispiel herausfinden, dass Kurt Dehns Klassiker des pfälzischen Heimatlieds „E queldi Grumbeer mit Blutworschd“, der unter Gitarristen aber nicht ganz so beliebt ist wie „Smoke On The Water“, in D-Dur ist, obwohl im Postchorus kurz G-Dur Tonikacharakter hat – ein wirklich tolles Feature für so eine App!

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Zu guter Letzt hat die App auch ein Videokamerafeature eingebaut, bei dem man entweder über Smart oder Quick Jams spielen kann oder über Musik, die man auf dem Gerät hat, auf dem die App läuft. Leider wird dann der Sound aber über das Mikrofon des Handys aufgenommen, statt direkt von der App im Stile eines Plug-Ins eingespeist zu werden.

Der GO

Der Verstärker, der die geballte Featurepower der App ausspielen soll, ist kaum größer als ein Kartenspiel. An seiner linken Seite ist eine Schraube an der man eine Schlaufe anbringen kann, sowohl eine schwarze Gummischlaufe, als auch ein rot-schwarze aus Leder sind im Lieferumfang enthalten. Ebenso ist auch ein zweiter Frontgrill im Lieferumfang, komplett in schwarz, falls einem der schwarz-goldene der ab Werk aufgezogen ist, nicht zusagt. Beim Wechseln dieses Teils erfährt man dann auch en passant, dass der GO tatsächlich nur einen Lautsprecher mit einer Membran hat, die auf gerade mal vier Zentimeter Durchmesser kommt. Ansonsten hat der GO neben den vier bereits erwähnten Druckknöpfen und dem Poti noch einen großen Klinkeneingang, der im Gitarrenlautstärke-Poti liegt und einen Mini-klinkenausgang um Kopfhörer anzuschließen oder eben das Spark Cab, auf das wir noch zu sprechen kommen. Geladen wird der akkubetriebene Spark Go über USB-C, ein entsprechendes Kabel ist ebenfalls im Lieferumfang. 

Ans Eingemachte

Den GO eingeschaltet und drauf losgespielt, beeindruckt das Gerät mit seiner Lautstärke. Klar, um im Bandgefüge durchzukommen reicht unser kleiner Handschmeichler nicht, aber wer für sich übend das Gerät ernsthaft weiter als zwei Drittel weit aufdrehen will, dem sei ein Besuch beim Ohrenarzt wärmstens anempfohlen. Die vier Sounds, die ab Werk auf dem GO eingespeichert sind, sind ein Cleansound im kalifornischen Stil, zwei Crunchsounds, einer in Tweed gehüllt, der andere mit englischer Sozialisation und ein Highgain-Sound der auf einem Amp beruht, der für Metalcore prägend war. Allesamt sind sie gut getroffen und durchaus auch am Sound erkennbar. Verbindet man nun die App, was anstandslos funktioniert, bekommt man auch einen grafischen Wink mit dem Zaunpfahl, um welche Verstärker und welche Pedale es sich handelt. Auch kann man jetzt die Presets anpassen, den Volume des grünen Overdrives vorm Metalcore-Amp auf 10 drehen, wie es sich gehört und ein paar Delays ausschalten, ganz wie man‘s braucht.

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Auch stellt sich nun heraus dass man den GO auch nur als Bluetoothspeaker verwenden kann der direkt über beispielsweise Spotify gesteuert wird. Das funktioniert sogar während man ihn gleichzeitig auch als Amp nutzt. Wer also, wie der Autor dieses Textes, von seiner Disposition eher ein nerviger Mensch ist und seine Lieben zusätzlich zum durchgehenden Gitarrengedudel auch noch damit erhellen will, dass er gleichzeitig beispielsweise die aktuelle Folge des guitar-Podcasters abspielt, der hat mit dem GO die Möglichkeit dazu. Nur wenn man über die Spark-App noch eine Musikquelle abspielt, also zum Beispiel eine Smart Jam startet, endet die Wiedergabe durch andere Apps. 

Die CAB

Obwohl das Spark GO authentisch klingt und für den Hausgebrauch laut genug ist, hat eine Vier-Zentimeter-Membran natürlich ihre physikalischen Grenzen. Deswegen haben sich Positive Grid entschieden eine FRFR-Box auf den Markt zu bringen. Ähnlich wie die App und GO fällt auch CAB mit durchdachten, modernen Features positiv auf. Neben dem Eingang für Miniklinke, den man mit den Kopfhörerausgängen der Spark-Verstärker verbinden kann, hat die CAB auch Stereo-XLR-Klinke-Kombi-Buchsen. Außerdem hat die CAB einen XLR-Ausgang und Stromausgängen, einmal als USB-C für Spark GO und Mini und als 19-Volt-Ausgang für den Spark 40. Ansonsten ist die CAB eher kompakt gebaut, liefert aber doch genug Schalldruck um sich auch im Bandgefüge durchzusetzen, wobei anzumerken ist, dass es für dieses Szenario auch einen Footswitch gibt über den man ebenfalls vier Presets festlegen kann.

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Lediglich auf einen richtigen Equalizer an der CAB hat man verzichtet, stattdessen gibt es einen Mitten-Scoop-Schalter, wobei man sagen muss, dass der Sound der CAB grundsätzlich schon etwas ins Gescoopte geht.

Das bleibt hängen

Mit dem Spark GO und der zugehörigen App haben Positive Grid ein beeindruckend gut durchdachtes und umgesetztes Konzept für Übungsverstärker auf den Markt gebracht. Zusätzlich ist der kleine GO dabei so günstig zu erstehen, dass er sich auch als reine  Bluetooth-Box nicht schämen bräuchte. Sicherlich könnten die Smart Jams noch etwas smarter werden, aber selbst ohne dieses Feature, wäre der Spark GO uneingeschränkt empfehlenswert. Wenn man es gar so weit treiben will, damit auf Bühnen zu gehen ist die CAB eine gelungene Ergänzung, die ebenfalls zu einem überaus fairen Kurs erhältlich ist.

Robin Ehrlich

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Driftwood Purple Nightmare Signature im Test

Deutschland ist ja bekannt für seine wattstarken, mehrkanaligen Monsterboliden von Röhrenverstärkern. Neben den (mittel-)großen Namen wie Diezel, Engl oder Hughes & Kettner gibt es aber auch noch zahlreiche kleinere Hersteller, die in aufwendiger Handarbeit ausgetüftelte Verstärker entwickeln mit komplexen und cleveren Schaltungsmöglichkeiten.

Einer dieser Verstärker ist der PurpleNightmare Signature von Driftwood aus Sachsen. Er basiert auf dem PurpleNightmare (ohne Signature), der bereits seit 8 Jahren auf dem Markt ist und damals gute Kritiken erhalten hat. Der Signature unterscheidet sich unter anderem durch einen zusätzlichen Bright-Schalter mit 2 Brightness-Optionen und eine zweite Sizzleoption vom normalen Modell. Der größte Unterschied ist aber, dass der Signature serienmäßig EL34-Röhren in der Endstufe hat statt der 6L6 des Standard-Nightmares. 

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Im Kern handelt es sich bei beiden PurpleNightmares um Zweikanaler, jeweils mit Volume, Gain und Dreiband-EQ, mit einem zuschaltbaren Boost/Overdrive-Schaltkreis, der den Namen T/S trägt. Es ist also durchaus dechiffrierbar, an welches Pedal bei diesem Design gedacht wurde. Zu diesem noch überschaubaren Grundaufbau kommen zahlreiche Optionen hinzu. 

Der Amp hat in der Mastersektion mit Rumble und Sharp noch mal einen Zweiband-Post-Gain-Equalizer und einen zweiten Mastervolume. Außerdem gibt es zu den bereits erwähnten Sizzle- und Brightschaltern auch noch einen Modeschalter für den Cleankanal und einen Hi- oder Lo-Gain Schalter für den Zerrkanal. 

Auf der Rückseite findet sich ein Nightswitch-Schalter, der die Ausgangsleistung auf 2 Watt drosselt. Das hilft schon enorm weiter, obwohl auch 2 Watt problemlos reichen, um sich in Mehrfamilienhäusern unbeliebt zu machen.

Daneben ist der Impendanzschaltern mit zwei Lautsprecherausgängen und den Optionen 4, 8 oder 16 Ohm Widerstand. Nix besonderes – ausnahmsweise. Ebenfalls auf der Rückseite befindet sich ein Midi-Anschluss, passend zum Fußschalter, der im Lieferumfang enthalten ist, und, für Leute denen Midi zu anstrengend ist, fünf (!!) Klinkeneingänge für A/B-Schalter, die die Optionen des mitgelieferten Fußschalters einzeln anbieten. Also: Kanalwechsel, Mastervolume, Effektloop, Stummschaltung und ein Schalter für den T/S-Boost. Außerdem bietet die Rückseite des Amps noch je fünf Optionen wo T/S und Effektloop zugeschaltet sein sollen. Nämlich immer, über den Fußschalter regelbar, zu Kanal 1, zu Kanal 2 oder zum zweiten Mastervolume. Als zusätzlichen Komfort bietet die Rückseite noch einen Tuner-Out inklusive einer 9-Volt-Stromversorgung (die man auch für den Effektloop anzapfen könnte) und die Möglichkeit den Bias der Endstufenröhren einzustellen, ohne das Chassis öffnen zu müssen.

Cleankanal

Kurz vorgewärmt und eingeschaltet überrascht einen der PurpleNightmare direkt mit seinem Cleankanal. Der ist nämlich, anders als man ob der Tatsache, dass Driftwood-Endorser vor allem modernen Metal spielen, meinen könnte, weit mehr als nur Kategorie „unter ferner liefen“.  Grundsätzlich ist der Kanal eher britisch angehaucht, lässt sich aber durch die zahlreichen Switches, mehr noch als durch den gemäßigt agierenden Dreiband-Equalizer, auch Sounds zu, die eher nach der neuen Welt klingen. Andererseits lässt sich der Verstärker durchaus auch ziemlich rund und stumpf einstellen, also genau richtig für Humbucker mit sehr hohem Output oder Effekte am Frontend. Dreht man Gain und Volume etwas weiter auf, kommt man bis zu australischen Hardrock-Sounds. Auch das leicht angezerrte kann der Cleankanal amerikanisch umsetzen. So ist dem Driftwood durchaus auch Twang zu entlocken, der sich natürlich mit dem T/S davor auch noch ein bisschen mehr sättigen und komprimieren lässt. Auch als Volumeboost kann man den T/S vor dem Cleankanal noch verwenden.

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Rein ins Vergnügen

Am Zerrkanal bringt der T/S vor allem mehr Kompression und räumt das Low-End ein bisschen auf. Vor allem natürlich, wenn man ihn, wie im Metal üblich, bei Volume voll und bei Gain überhaupt nicht aufdreht. Wer Metal spielen will, wird wahrscheinlich den Lo-Gain-Modus des Zerrkanals erstmal ausblenden. Zu unrecht, denn auch „Lo“ ist genug Gain um jedenfalls vom T/S angeheizt bis in den 80er-Jahre-Sound der frühen Slayer vorzustoßen. 80er ist ohnehin ein gutes Stichwort für den Lo-Gain-Modus, denn da bietet der Kanal alles, was das Herz begehrt. AOR, Pop-Rock, sogar Heavy Rock, wie Gary Moore ihn in der Dekade spielte. Und mit dem Boost davor eben NWOBH, Glam Metal oder früher Thrash. Dabei bleibt der Sound aber stets dezidiert britisch mit deutlichen Mitten und dem richtigen Maß an Rotz. Ein Transatlantiker wie sein cleaner Counterpart, ist der Zerrkanal nicht. 

Baby Got Bass

Schaltet man von Lo- auf Hi-Gain um, ändert sich vor allem erstmal das Frequenzspektrum. Die Mitten sind etwas dezenter, die Bässe auch ohne T/S schon straffer und im Highend brizzelt's ein bisschen aggressiver. Das ist immer noch zweifelsfrei britisch, aber eben ein bis zwei Generationen jünger. Imposant ist hier vor allem die Bassresonanz, die auch schon in Zimmerlautstärke bombastisch dröhnt. Da gilt es auch die ebenfalls von Driftwood gebaute Box zu loben. Sie ist mit unterschiedlichen Lautsprechern bestückt, nämlich einem Celestion Creamback und einem V30 in der TAD-Version. Während ersterer sich um die Ausgewogenheit und Wärme kümmern soll, spuckt der V30 vor allem Hass, Zorn, Galle und Hochmitten. Good Cop, Bad Cop funktioniert zumindest als Lautsprecher-Zusammenstellung sehr gut. Ansonsten ist die Box aus Birkenmultiplex geschlossen gebaut und hat einen abnehmbaren Frontgrill. Das heißt allerdings nicht dass die Lautsprechter frontloaded wären, sie sind regulär von hinten eingeschraubt worden. Driftwood geben außerdem an, dass die Box „slightly oversized“ sei. Wäre mir optisch gar nicht aufgefallen, aber da ich überhaupt nur ob der unfassbaren Bassesonanz zu diesem Boxenexkurs ausgeholt habe, muss ich sagen: Gut so!

Danger Zone

Der Hi-Modus des Zerrkanals jedenfalls – um mich selbst wieder einzufangen – kommt bei all dieser Wucht mit recht wenig Verzerrung zu Rande. Das ist gut, denn so bleibt das Klangbild klar und matschfrei. Will man, dann aber unter Zuhilfenahme des T/S, doch noch ein bisschen mehr komprimieren, lohnt es, sich nochmal ins Gedächtnis zu rufen, dass der Verstärker ja auch ein eingebautes Gate hat. Das unterbindet zuverlässig und, je nachdem wie weit aufgedreht, auch ziemlich invasiv jedes Rauschen. Wer also Totenstille zwischen den Chuggs auf der tiefen E-Saite haben will, ist bestens versorgt. Damit erklärt sich auch wieso das Noisegate statt nur on/off auch noch, über eine Toggleswitch auf der Rückseite des Amps, nur für Mastervolume 2 ausschaltbar ist.  So kann man sich die Riffs schön saubergaten, bekommt aber im Solo nicht direkt das Sustain abgesägt. 

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Auch die fünf Wahlmöglichkeiten für Loop und T/S sind, so übertrieben sie auf den ersten Blick wirken mögen, alle je nach Szenario nützlich. Will man den T/S als zusätzlichen Gainboost fürs Solo so setzt man ihn auf Master 2, braucht man ihn, um im Zerrkanal die Bässe aufzuräumen, dann ist er eigentlich nur auf Kanal 2 am besten aufgehoben. Hat man gar nicht vor unbedingt modernen Metal auf dem Driftwood zu spielen, muss aber aus dem Cleankanal sowohl crystal clean als auch British Invasion Blues kriegen, so setzt man den T/S nur auf Kanal 1. Ähnlich verhält es sich mit dem Looper, wenn nur der Cleansound Chorus haben soll, nur die Solos ein langes Delay und so weiter und so fort.

Es ergeben sich so als auch in der Praxis deutlich mehr Möglichkeiten als man bei einem Zweikanaler im ersten Moment denkt.

Das bleibt hängen

Der Driftwood PurpleNightmare Signature ist ein Monster, das einen auf multiple Arten erschlagen kann - mit seiner Größe, seinem Gewicht, seinem Preis, aber eben auch mit seinen Möglichkeiten und vor allem seinem Klang. Denn der Amp liefert sowohl clean als auch verzerrt bei jedem möglichen, und vielen im echten Leben eher unmöglichen, Lautstärkepegeln ein vielseitiges, aber immer stimmiges und grundsätzlich britisches Klangbild ab. Das Gleiche kann – bis auf die viele Schaltmöglichkeiten – über die Box ebenso sagen. Und auch wenn die Preise bei Driftwood eher happig sind, bietet der Hersteller dafür immerhin auch mannigfaltige Personalisierungsmöglichkeiten, nicht nur bei visuellen Fragen.

Robin Ehrlich

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Diesen und weitere Testberichte findet ihr in guitar 09/23! 

Hagstrom Swede & Super Swede 2023: Die neuen Schweden im Test

Die Hagstrom Swede & Super Swede haben ein Update spendiert bekommen. Pickups, Hölzer, Bünde – hier ist eine Menge passiert.

Zwei schmucke Koffer sind in der Redaktion eingetrudelt, darin die aktualisierten Varianten der Hagstrom Swede und der Super Swede. Beide sind die Singlecut-Varianten des schwedischen Herstellers, orientieren sich also optisch an Gibsons Les Paul, sind dabei aber so weit weg, dass man hier locker von einem eigenständigen Design sprechen kann. Zumal die stylische Kopfplatte mit den Art-Deco-Mechaniken und die Hagstrom-eigene Variante der Tune-o-matic-Brücke klare Akzente setzt, die man sonst nicht findet.

Ohnehin sind die Eigenschaften der beiden Swedes erst beim näheren Betrachten und vor allem Ergreifen in Gänze erfassbar. Beginnen wir ausnahmsweise mit den Unterschieden, die sich auf Mensur und Pickups beschränken, somit aber auch die Zielgruppe konkretisieren. Die Super Swede hat wie eh und je eine 25,5-Zoll-Mensur, bietet somit das straffere Spielgefühl einer Tele oder Strat, nur eben in Kombination mit Mahagoni, Ahorn und Humbuckern – das drückt ordentlich, soviel vorab! 

Die Hagstrom Swede

Ganz klassisch in Sunburst tritt die neue Hagstrom Swede zum Test an und allein die Grundlagen klingen vielversprechend. Ein Mahagoni-Korpus trifft hier auf eine Ahorndecke, die knapp zwei Zentimeter stark ist und von einem Riegelahorn-Furnier gekrönt wird. Die Optik entsteht also durch das Furnier, den Ahornanteil im Sound erzeugt man durch optisch potenziell nicht ganz so attraktives Ahorn – wir reden hier aber eben auch von Instrumenten, die weit abseits der Preisregionen agieren, in denen man derart massive Flamed-Maple-Tops erwarten darf. Der Hals besteht ganz klassisch ebenfalls aus Mahagoni und wurde eingeleimt.

Ebenfalls besitzt er den Hagstrom-H-Expander als Versteifung des Halses, einen Zwei-Wege-Halsstab (.008er oder ,013er, ihr könnt kommen), eine Volute am Übergang zur Kopfplatte verstärkt diese traditionell gefährdete Stelle. Den Hals-Korpus-Übergang haben die Gitarrenbauer bei Hagstrom wunderbar ergonomisch geformt, der Zugang zu den hohen Lagen ist absolut geschmeidig und bietet der linken Hand genügend Entfaltungsspielraum, um sich auch jenseits des 15. Bundes zu vergnügen. Bis hierher war die Holzauswahl eher konservativ, bewährt und wenig überraschend, das ändert sich dann spätestens beim Griffbrett. Zumindest wenn man mit dem Hagstrom-typischen Resinator-Wood nicht vertraut ist. Dieser Epoxy-Holzverbundstoff ist beinahe schwarz eingefärbt, äußerst homogen in der Zusammensetzung und von entsprechender Dichte – gute Voraussetzungen für ein Griffbrettholz.

Der Radius ist mit 14,4 Zoll relativ flach, eine typische Les Paul etwa hat 12 Zoll. Der flache Griffbrettradius begünstigt eine flache Saitenlage, auch weite Bendings in den hohen Lagen profitieren davon. Legato, Tapping und Slide sind meinem Empfinden nach ebenfalls „schneller“ und flüssiger machbar. Zum ohnehin schon angenehmen Spielgefühl kommen die Edelstahlbundstäbchen – ein echter Hochgenuss in Sachen Bespielbarkeit und nicht zuletzt in Sachen Verschleiß! Edelstahl ist schlicht und ergreifend deutlich widerstandsfähiger als die üblichen Varianten aus Neusilber. Die Kollegen hat man zudem tadellos abgerichtet, verrundet und auf Hochglanz poliert – hier stimmt es an allen Ecken und eben Enden. Selbige stehen nämlich nicht über die Griffbrettkante hinaus, schnelle Lagenwechsel sind ein Traum.

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Die Hagstrom Super Swede

Wir können uns an dieser Stelle tatsächlich erfreulich kurz fassen, denn die Super Swede verhält sich in Sachen Fakten und Verarbeitung exakt wie die Swede, lediglich ihre Mensur ist mit 25,5 Zoll ein gutes Stück länger als die der Swede, die über die „kurze“ Variante mit 24,75 Zoll verfügt. Dies äußerst sich in akustischer Weise erstmal durch ein drahtigeres Spielgefühl, alles fühlt sich etwas straffer und tighter an. Palm-Mutes auf den Basssaiten sind kompakter und aggressiver, die Swede fühlt sich dagegen beinahe ein wenig sloppy an. Ein weiterer Unterschied, der allerdings erst am Verstärker zum Tragen kommt, ist die Wahl der Tonabnehmer, die allesamt Lundgren-Design-Varianten sind.

Sowohl Swede als auch Super Swede setzen auf das tendenziell zahmere AlNiCo-2, zumindest der Steg-Kollege der Super Swede wurde aber deutlich heißer gewickelt. Um die akustische Rund-Tour zu komplettieren, sei festgehalten, dass die gekapselten Mechaniken im Art-Deco-Stil mit ihrer 19:1-Übersetzung geschmeidig arbeiten und die Stimmung sicher halten, der GraphTech-Tusq-Sattel trägt sein Scherflein ebenfalls bei. Als Brückenkonstruktion dient beiden eine TOM-Variante mitsamt dem Hagstrom-eigenen Sustain-Block-Tailpiece, das jedes Ballend in einem massiven Block aus Messing fixiert – stabil und vielversprechend in Sustain schaut das aus!

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Auf der Teststrecke

Hängen wir die beiden an unseren Testamp, ein Blackstar HT-Topteil mit 20 Watt, so wissen beide mit einer kräftigen und lebendigen Ansprache zu überzeugen, die Super Swede geht hier aufgrund des heißeren Pickups und der längeren Mensur eine Spur knackiger und straffer zu Werke, sie scheint auf den ersten Blick agiler zu tönen, dafür macht die Swede dies mit mehr Hang-Loose-Blues-Feeling wieder mehr als wett – ich persönlich kann hier kein Besser oder Schlechter erkennen, das scheint mir der typische Fall von persönlicher Präferenz zu sein.

Gibson-Jünger müssen sich bei der Swede nicht umstellen, Fender-Freunde bei der Super Swede nicht. Im Clean- und Crunchbereich weiß die Swede mit dynamischen Sounds und entsprechend abrufbaren Nuancen zu punkten, die Super Swede agiert hier ebenfalls vorbildlich, zumal der Splitmodus (Swede und Super Swede lassen sich jeweils über die Tone-Potis splitten) bei der langmensurigen Super Swede mit wirklich überzeugendem Snap daher kommt! Für eine Mahagoni-Ahorn-Singlecut mit Humbucker-Bestückung ist das in der Tat erfreulich und somit eine echte Alternative zu den klasse Sounds der Humbucker. 

Führt man die beiden Hagstroms im High-Gain-Sektor Gassi, dann schlenzt die Swede eher bluesig-hardrockig um die Ecke, die Super Swede liefert tightere und straffere Sounds, die auch die Metal-ecke abdecken. Freilich, für ein ultratiefes Drop-Tuning ist auch eine 25,5er-Mensur noch zu kurz, ein knackiges Dropped-C geht aber problemlos, um nicht zu sagen bravourös!

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Das bleibt hängen

Hagstrom machen mit den aktualisierten Varianten der Swede und Super Swede alles richtig – Edelstahlbünde, tolle Pickups, klasse Verarbeitung, das sitzt, passt, wackelt und hat Luft, wie man so schön sagt! Freunde eines strafferen Spielgefühls und mit dem Hang zu mehr Dampf greifen zur Super Swede, Oldschool-Rocker und Blues-Jünger eher zur Swede – oder andersherum, falsch macht man hier nichts. Einfach ausprobieren, die Teile sind eine tolle Alternative zu anderen Singlecut-Varianten am Markt! Well done, Hagstrom! 

Stephan Hildebrand

Weitere Informationen findet Ihr unter www.hagstromguitars.com

Mehr Testberichte findet Ihr unter: https://guitar.de/test-technik

 

SPECIAL: Der Bau des TWS-guitar-Edition-Amps

Doku: Der Bau des TWS-guitar-Edition-Amps

Das bekommt man nicht so oft angeboten – einen handverdrahteten Röhren-Amp mit dem guitar-Logo auf der Frontplatte!🎸🎛🎚

Hier könnt ihr bei der Verlosung teilnehmen:

https://guitar.de/zusatzverlosung

Dank Mario von Tube WorkShop gibt es in diesem Jahr aber genau das in unserer Sonderverlosung unserer alljährlichen Adventskalender-Aktion!🎄🎁🎅

Hier halten wir euch über den Aufbau des Amps auf dem Laufenden, direkt aus Marios Werkstatt.🔧💡🔩

Woche 1 ab 18.11.2022:
Und los geht es mit dem Tube WorkShop 2864-S der im Dezember 2022 im guitar-Magazin verlost wird.
Wir haben für Euch ein einzigartiges Front- und Backpanel Design entworfen mit allen Unterschriften der guitar-Redaktion.
Diesen Amp gibt es nur 1x! Alle Teile sind da und jetzt geht es los mit dem Aufbau des Amps...

Woche 1: Der Aufbau beginnt

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Woche 2 ab dem 25.11.2022:

Als Erstes wird das massive Amp-Chassis des „guitar Edition Amps“ mit allen mechanischen Komponenten wie Röhrensockel, Trafos, Potis, Schalter, etc. bestückt.
Am Ende haben wir den „rohen“ Amp mit einer Unzahl von bunten Trafo-Kabeln die darauf warten ihre Funktion aufzunehmen.
Im nächsten Schritt schalten wir dann also den Lötkolben an...

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Woche 3 ab dem 02.12.2022:

Ein optisch nicht ganz so spektakulärer Schritt beim Bau des Amps, aber technisch ein ungemein wichtiger! Wir verdrahten das Netzteil und die Heizleitungen. Hier wird die Basis gelegt, dass später alles korrekt und solide funktioniert. Keine Kompromisse! Und irgendwie sind wir auch stolz auf unsere Heizleitungen im Zebra-Look die sich mittlerweile ungeplant zum Trademark der Tube WorkShop Amps etabliert haben. Sieht einfach cool aus!

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Week 4 - 09.12.2022 – „Turret-Board: Das Herz des Amps wird eingesetzt“:

Wir bewegen uns auf die Zielgerade des 2864-S Guitar Edition. Die Peripherie ist bereits perfekt und nun geht es an das Herz des Amps. Das Turret-Board mit der eigentlichen Schaltung wird bestückt und in Betrieb genommen. „Reduced to the max“... allein der pure Ton steht im Mittelpunkt. Möglichst wenige Bauteile, diese aber klanglich in höchster Qualität und perfekt verarbeitet. Das ist die Philosophie hinter dem TWS 2864-S!

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Week 5 - 16.12.2022 – „It’s alive! & Health Check“:


Bald ist Weihnachten. Und Euer Amp ist fertig! Wird also Zeit dass sich der 2864-S Guitar Edition auf den Weg vom Tube WorkShop in die Guitar-Redaktion macht.
Aber halt: Nach dem ersten Einschalten muss der Amp noch ein intensives Testprogramm durchlaufen bei dem er zeigen muss was er kann. Und „er kann“. Es ist ein wirklich toller Amp geworden der sich bester Gesundheit erfreut... ;-)

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Redemption ABBA Star Guitar

Doku: Sechs Saiten für ABBA-Fans

Wer kennt sie nicht, die Stern-Gitarre, die ABBA für ihre Bühnenshows und Fernseh-Auftritte nutzten? Daniel Kuppels von Redemption Guitars hat im Kundenauftrag ein solches Instrument gebaut: Wir haben bei Daniel nachgefragt, wie das vonstatten ging

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Daniel, wie kam es zu diesem außergewöhnlichen Instrument?

Im April 2018 wurde ich erstmals von Steve Stevens, Inhaber der music-academy in Bonn beauftragt, eine „Showgitarre“ für seine  „A Tribute to ABBA“-Band eine Stern-Gitarre zu bauen. Diese Gitarre hat dann aber den Weg von der Intro-Showgitarre zu einem voll einsetzbaren Bühneninstrument gefunden. Bedingung war eine Lieferzeit von vier Wochen! Die zweite Stern-Gitarre wurde im Frühjahr 2022 von derlLegendären „ABBA Royal“-Band geordert, wo bei diese dann schon nach den speziellen Wünschen des aus Münster stammenden Gitarristen Rolf Schorfheide angefertigt wurde

Welches Korpusholz hast du genommen und aus welchen Gründen?

Bei der ersten Stern-Gitarre wurde der Korpus komplett aus Khaya gefertigt. für das zweite Exemplar wurde ein geringeres Gewicht verlangt, darum haben wir für die Spitzen des Sterns Cedro gewählt.

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Wie wird die Metallic-Flake-Lackierung umgesetzt?

Damit der Stern auf der Bühne richtig abgeht, im Sinne einer Discokugel, wurde kein gewöhnliches Sparkle verwendet. Stattdessen kamen riesige Flakes, cirac  zwei bis drei Millimeter groß, zum Einsatz. Damit wurden in den 1970ern für Lackierung von Autoscootern gemacht, wegen der Größe der Flakes mussten die von Hand aufgeklebt werden. 

Der Aufwand für die Lackierung wurde arbeitstechnisch völlig unterschätzt und entwickelte sich zu einem echten Albtraum in Sachen Zeitaufwand, Geduld, Dreck, und Materialaufwand. Eine Lackierung bereitet im Grunde nur an den Kannten und Innenkanten Schwierigkeiten, diese Gitarre besteht aber eben quasi nur aus Kanten.

Eine Lackierung besteht aus mehreren Schichten Lack welche zwischen den einzelnen Arbeitsgängen immer wieder angeschliffen werden, was zu dem Problem führte, dass die Flakes blind wurden und nicht mehr glitzerten. Das Problem wurde leider erst beim zweiten Stern völlig gelöst.

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Welche Wünsche hatte dein Kunde noch?

Wie gesagt, richtige Wünsche wurden erst für den 2. Stern geäußert.

  1. geringes Gewicht 2680g (cedro + alu hardware)
  2. Halsprofil und Größe der Bundstäbchen
  3. Brauchbaren Singlecoil Sound durch Splitt Funktion
  4. Weltfrieden und wahrscheinlich auch mehr Gage

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Wie lange hast du an dieser Gitarre gebaut? Planung und Vorbereitung mal mit eingerechnet, ist ja definitiv kein Standard-Projekt …

Das erste Projekt musste in vier Wochen für einen Auftritt fertig sein. Der Bau des zweiten Sterns zog sich dann doch über acht Monate hin. Das Ganze wäre deutlich einfacher gewesen, wenn ein Kollege oder Musiker einfach mal seinen Stern auf einem Stück Papier abgezeichnet hätte … Dies fand aber nie statt, Zitat „Man wolle den Wettbewerbsvorteil nicht verlieren“. Darum musste ich ungefähr eine Million Bilder im Internet recherchieren und aufgrund der bekannten Maße diverser Bauteile konnte ich dann eine eine maßstabsgetreue Zeichnung anfertigen.

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Welche Grenzen setzt die Physik in Sachen Korpusform?

Ich beziehe jetzt die Frage auf „unsinnige“ Korpusformen von Solidbody-E-Gitarren. Man könnte das Thema jetzt provokativ ausreizen. Zum Beispiel für den Laien: Um ein Instrument zu bauen was in Sachen Sound mit namhaften Instrumenten standhalten kann. nehme man ein Stück Khaya 30 bis 45 Millimeter stark, säge es lustig aus, egal wie, achte darauf, dass zwischen Halsaufnahme und Saitenhalter respektive Brücke genug Material vorhanden ist und verbaue einen oder zwei Häussel-Pickups. Schockierenderweise kommt da immer ein klingendes Instrument bei heraus. Aber das ist eben nur Physik und Physik kauft dir keiner ab.

Facts

Modell Redemption Guitars „ABBA“ Star Guitar
Herkunft
Korpus Khaya/Cedro
Hals Ahorn
Halsprofil V-Profil
Griffbrett Palisander
Griffbrettradius 12“
Bünde 2,2mm Nickel
Sattel Tusq
Sattelbreite 42,5 mm
Mensur 650
Tonabnehmer Häussel Vintage Humbucker
Regler 1 x Volumen 2 x Tone Push/Push mit Split-Funktion
Schalter 3 Wege
Hardware Gotoh Aluminium
Finish 2K
Linkshänder Ja
Internet Redemption-Guitars.de
VK-Preis 3490,- EUR incl. Koffer

Fotos: Redemption Guitars, Bruno Wolf 

Alle Infos: REDEMPTION GUITARS

Test: Line 6 CATALYST 200

Test: Line 6 CATALYST 200

Von der Line-6-Catalyst-Serie hat man viel Gutes gehört, die Freude war entsprechend groß, als der Karton dann endlich vor der Tür stand. Unser Testmodell ist die 200-Watt-Version als Combo mit 2x12er-Lautsprecherbestückung. Modelling-Amps sind ideal, wenn man sich für Gigs und den Proberaum etwas zulegen möchte, um schnell einen guten Sound in die PA zu bekommen.

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In einer stabilen Umverpackung wird der Amp geliefert, eine Kurzanleitung, Netzkabel und die üblichen Zertifikate und Unterlagen liegen bei. Die Bedienungsanleitung und die aktuelle Software findet man auf der Line-6-Webseite. Im Gehäuse sind das Amp-Chassis und die Lautsprecher des Typen Line-6 HC100, mit 100 Watt an 4 Ohm, optisch sehen sie aus wie Celestions, allerdings haben sie ein auf den Amp abgestimmtes Voicing. Das Tolex ist sauber verarbeitet und der Grill vorne ebenfalls. Optisch macht der Amp auf jeden Fall was her.Oben auf dem Amp befinden sich die üblichen Bedienelemente also die Amp-Vorwahl, die Ton-Regler, Lautstärke, Gain, Boost, Kanallautstärke, Effekt-Level, Reverb-Regler. Zusätzlich findet man hier noch den Schalter, um den Boost einzuschalten, das Tap Tempo für die zeitbasierten Effekte und das Stimmgerät. Einige der Schalter sind mit mehreren Funktionen belegt. Weiter geht es auf der Rückseite. Dort findet man den Leistungsschalter für den Ausgang. Den kann man einmal von Volle Leistung (200 Watt) auf die Hälfte reduzieren (100 Watt), zum anderen auf Wohnzimmerlautstärke (0,5 Watt) oder eben die Endstufe stumm schalten. Weiterhin befindet sich hier auch die DI-Out-Buchse, die einen Groundlift-Schalter hat. Sehr vorbildlich, vor allem, wenn man plant, den Amp direkt auf die PA zu routen. MIDI und einen USB-Anschluss gibt es ebenfalls

Der optionale Fußschalter ist für den Reverb und die Kanalumschaltung (A/B) gedacht. Die Funktion lässt sich über die Catalyst-Edit-Software anpassen.

Der Amp selbst ist nicht grade ein Leichtgewicht mit seinen fast 19 Kilogramm, aber mit dem breiten Griff lässt er sich gut transportieren. Das ist auch allein grade noch machbar.

Features

Den Combo gibt es in drei Leistungsstufen von Wohnzimmer bis Stadion. Es gibt den Catalyst in 60 Watt, 100 Watt und 200 Watt. Letzteren haben wir zum Testen mit zwei Custom-Voiced-12-Zoll-Speakern vorliegen.

Es gibt sechs Amp-Modelle mit auf den Amp zugeschnittene Booster. Desweitern gibt es vier Effektblöcke mit je sechs Effektvarianten. Da ist die gesamte Palette, vom Spring Reverb, über Chorus, Delay und Pitch/ Filter alles Gängige vertreten.

Die Amp-Modelle sind von Line 6 extra für diesen Amp modelliert worden. Sie lehnen sich zwar an große Vorbilder an, haben aber einen eigenständigen Charakter. Jedes Amp-Modell hat seinen „persönlichen“ Booster. Die sind von Gitarristen für Gitarristen mit handverlesenen Bits und Bytes ausgesucht worden. Spass beiseite. Die Boosts sind optimal auf die Amps angepasst, außer dem Boost-Level kann man da nichts einstellen. Ob das praxistauglich ist? Wir werden es hören.

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Die Effekte sind größtenteils Eigenkreationen von Line 6 in sehr hoher Qualität. Es gibt da allerdings auch Effekte, die grosse Namen haben: bei den Pitch-Effekten etwa den EBS Octa Bass. Bei den Modulationseffekten gibt es mehr Klassiker: den Arion ACH-Z-Chorus, das Shin-Ei Uni Vibe und ein MXR Phase 90, bei den Delays ist es das Maestro Echoplex EP-3. Die Reverbs sind ausschließlich Line-6-Algorithmen: Raum, Hall, Chamber, Plate, Hotspring und noch ein paar spezielle Hall-Effekte mit Shimmer und Modulation.

Was unbedingt hilfreich ist, ist die MIDI-Funktionalität. Damit kann man dann das Potenzial des Amps vollständig ausschöpfen, Bänke und Presets programmieren und hin- und herschalten. Für den Preis wird einem einiges geboten. Es gibt zudem die Möglichkeit ein MIDI-Board entsprechend anzuschließen und zu parametrieren. Die MIDI-Befehle sind in der Anleitung aufgelistet. man muss also nicht lange suchen.

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Die USB-Schnittstelle erfüllt diverse Funktionen. Zum einen können hier Firmwareupdates eingespielt werden, dann lässt sich der Amp als Audiointerface 4 IN/4 OUT direkt in eine DAW einbinden und zu guter Letzt ist die Schnittstelle dafür gedacht, den Amp mit der Software CATALYST Edit für die „In-Depth“-Bedienung zu verbinden. Dafür braucht man einen PC oder einen MAC mit einem aktuellen Betriebssystem, oder alternativ ein iPhone oder Android-Mobiltelefon mit dem entsprechenden Adapterkabel. Um mit dem Amp loslegen zu können braucht man das alles aber erst mal nicht zwingend. Die meisten praxistauglichen Parameter lassen sich mittels der Regler und Schalter am Amp entsprechend einstellen. Grundsätzlich lassen sich sechs Patches mit je zwei Presets anlegen.

Sound

Als Testgitarren haben wir am Start: Eine Selbstbau-Tele, eine Gibson Les Paul Classic und eine Fender Stratocaster 75th Anniversary – und los geht’s.

Wir schalten den Catalyst ein und fangen mit dem Clarity-Ampmodell an. Oh ja, der ist wirklich clean, und der Amp kann ganz schön laut. So im letzten Drittel des Gain-Regelwegs fängt aber auch der cleane Kanal mit der Les Paul an harmonisch zu zerren. Die Eigenheiten der Gitarren bleiben dabei stets erhalten. Der Sound gerät in keinster Weise zum Einheitsbrei. Der nächste verfügbare Modeling-Sound, der Aristocrat-Amp, der auf dem edlen Sound sogenannter Boutique-Amps basiert, bietet superschöne Obertöne und zerrt sehr musikalisch. Mit den Volume-Potis kann man hier sehr gut arbeiten, wie bei allen folgenden Amp-Varianten. Ein toller Klang, bei dem mir die Kombination mit der Strat am besten gefallen hat. 

Mit dem Carillon-Amp, der auf dem Fender Twin basiert, musste ich persönlich erstmal warm werde, dann jedoch kommt der echt gut. Mir hat der Amp besonders mit der Telecaster gefallen – von rotzig bis wundervoll ist da alles machbar.

Beim Voltage-Amp, der auf einem alten britischen Amp-Design basiert, ist der Name Programm – Paula davor, Gain und Volume aufgerissen und ab geht der Rock ’n’Roll-Train – da drückt es richtig, der richtige Amp zum Frisur föhnen und Hosenbeine flattern lassen.

Der Kinetic-Amp ist da wieder deutlich subtiler aufgrund seines Charakters, der auf einem eher clean bis crunchigen britischen Ampdesign basiert und somit mehr Headroom bietet. Harmonisches Zerren von sanft bis rockig gelingt hier sehr gut, gerade Humbucker machen hier eine super Figur.

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Jetzt noch der Oblivion – High Gain vom Feinsten! Kein Wunder, denn er basiert auf einem Mesa Boogie. Natürlich lässt sich auch hier das Volume-Poti der Gitarre gut zum Aussteuern des Zerrgrades verwenden. Ich bin dann tatsächlich noch mal in den Proberaum gefahren und habe meine RTG Prestige mit den Tesla-3-Humbuckern geholt. Heavy Riffs und singende Leadsounds sind kein Problem. Beim Booster hatte ich bei dem Amp zuerst Bedenken, die sich aber schnell zerstreut haben. Auch der Booster dieses Amps funktioniert einwandfrei, das haben die Line-6-Leute super hinbekommen.

Großes Kino

Bis jetzt habe ich den Amp so, wie er aus der Kiste gekommen ist verwendet und nichts weiter damit gemacht, außer mit der Klangregelung und den Lautstärken herumgespielt. Gut, bei den ersten drei Amp-Modellen hatte ich auch mal das Spring Reverb an. Beim Spring Reverb ist mir aufgefallen, dass die Werkseinstellung etwas grob arbeitet. Bis zum zweiten Strich auf der Skala hört man so gut wie nichts und kurz darüber ist es schon fast zu viel. Das kann man sicherlich über die Catalyst-Software optimieren. Beim Room Reverb war das dann nicht so krass. Es muss ja auch noch Luft nach oben geben, um die Werks-Presets anzupassen, da sehe ich jetzt erstmal kein Problem.

Die weiteren Effekte, die der Amp mitbringt, sind ganz großes Kino. Das ist die Qualität, die man von Line 6 gewohnt ist. Ich habe hauptsächlich die Modulations- und Delay-Effekte durchprobiert und mich lange damit befasst. Die Einstellhilfe, die ab Werk oben auf dem Amp liegt, macht die Sache recht einfach. Es lässt sich alles über die Schalter und Potis einstellen. Das ist eine kreative Lösung, leicht zu verstehen – sogar für einen Digital-Noob wie mich. Grundsätzlich lassen sich ohne Software und Midi zwei Kanäle programmieren mit allem Pipapo.

Lautstärke

Weitere Beobachtungen, die ich gemacht habe: Wenn man die Leistung reduziert, bleibt der Grundsound des Amps durchweg konstant. Lauter klingt hier also nicht automatisch besser, macht aber in jedem Fall mehr Spaß. Auch die anderen Anschlüse, wie der DI-Output, der Aux-In und der Phones-Output machen eine gute Figur. Hier gibt es für mich nichts auszusetzen. Wobei ich den Phones-Out persönlich eher selten nutzen würde. Die 0,5-Watt-Einstellung macht den Amp grade so laut, wie bei einem Gespräch.  

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Das bleibt hängen

Der Line 6 Catalyst macht seinen Job erstklassig! Klar geht es immer besser, detaillierter und in der Auflösung präziser – dann wird’s  aber meist auch deutlich teurer und eigentlich ist das schon Jammern auf extrem hohem Niveau. Die Sounds, die der Amp an Bord hat sind absolut praxisttauglich, damit kann man in den Proberaum und zu Gigs oder eben auch im Wohnzimmer üben. Die Amp-Modelle erfüllen die Erwartungen, mir haben es vor allem der Voltage- und der Kinetic-Amp angetan. Bei den Crunch-Sounds habe ich das Gefühl, dass man da noch etwas mehr mit Firmware-Updates und der Catalyst-Editor-Software herauskitzeln kann. 

Der Preis für den Amp ist fair, man bekommt definitiv einen korrekten Gegenwert für sein Geld. Dank der flexiblen Leistungswahl, zahlreicher Effektmöglichkeiten und den überzeugenden Amp-Modell-Varianten liefern Line 6 mit dem Catalyst einen Tausendsassa im Combo-Format, der garantiert den einen oder anderen Zweifler überzeugen wird.

Text: Henry Kresse

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Fortin Sigil TEST

TEST: Fortin Sigil

Na, von Fortin haben wir mittlerweile alle gehört, oder? Die kanadischen Amp-Designs von Mike Fortin, die ganz klar auf Freunde des modernen Hartwurst-Klanges fokussiert sind, sind in aller Munde. Kooperationen mit Kirk Hammet, Meshuggah oder auch Ola Englund haben dem Siegeszug sicherlich nicht geschadet. Mitte letzten Jahres war dann die Rede von einem neuen Modell, dem Fortin Sigil. Ran an den Speck!

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Sogenannte Lunchbox-Amps – der Begriff bezieht sich auf die gerine Abmessung solcher Amps – sind seit einigen Jahren im Kommen und als eine Antwort auf das Amp-Profiling und -Modelling zu vestehen. Röhrensound,  aber eben nicht 30 Kilo schwer und auch in einer Studentenbude unterzubringen. Während diese Amps meistens auch einen Direct-Out und geringe Wattzahlen wie ein oder zwei Watt ermöglichen, verbiegt sich der Sigil weniger. Abgesehen von der offen zugänglichen Bias-Regelung,  ist die Rückseite mit drei Boxen-Ausgängen für verschiedene Ohm-Widerstände (1x8 Ohm, 2 x 16 Ohm), einem FX-Loop und einem Eingang für den mitgelieferten Footswitch sehr traditionell aufgestellt. Das Front-Panel verlangt ebensowenig nach einem Benutzerhandbuch. Die zwei Kanäle werden über jeweils ein Master- und ein Gain-Poti eingepegelt respektive in ihrer Verzerrung geregelt, sie teilen sich die typische dreibandige EQ-Sektion, sowie einen Presence-Regler. Eine Besonderheit ist die Push/Pull-Funktion des Gain-Potis für den ersten Kanal, die aus dem eigentlichen Zweikanaler fast einen Dreikanaler macht. Während sich der On/Off-Schalter rückseitig, aber an leicht ertastbarer Stelle befindet (Danke dafür), findet sich rechtseitig des Frontpanels ein Dreiwege-Schalter, der den Amp in Mittelstellung im Standby ausruhen lässt. Nach oben gelegt, wird der Amp in den High-Mode (20 Watt) und nach unten gelegt in den Sechs-Watt, also Low-Mode, geschalten. Zwischen den beiden ganz Links auf dem Panel gelagerten Gain-Potis findet sich ein Mini-Schalter der, sollte man den Footswitch mal vergessen haben, das händische Schalten zwischen den beiden Kanälen erlaubt.

Das Auge...

...isst ja bekanntlich mit und wird hier wie in einer Edel-Bude mit dezenten Köstlichkeiten elegant zum genussvollen Höhepunkt verführt. Das pechschwarze Metall-Gehäuse mit dem feinen Front-Grill ist lediglich durch den weißen und in Weiß umrandeten Fortin-Amplification-Schriftzug unaufdringlich und nüchtern in Szene gesetzt – ebenso die gut leserliche Beschriftung der Regler. Die Kanal-Indikator-LEDs, leuchten links vom jeweiligen Gain-Poti nicht zu hell aber auch bei voller Raum-Beleuchtung und Sonnenlicht gut erkennbar. Das coolste Detail ist allerdings die Betriebsleuchte, die durch ein schickes, okkult anmutendes Symbol strahlt und fett mit „Sigil“ betitelt ist – eine kurze Nachfrage im fachkundigen Freundeskreis ergibt, dass es sich um das „Sigil of Lucifer“ handelt (Danke Fabi) – nix mit Blues hier!

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Jede Menge Understatement, das vermittelt, dass sich, für den Fall des Siegelbruches, mehr als genügend Kraft entfaltet! In Sachen Design hat man nichts dem Zufall überlassen.

 

Kanal-Wahl

Der erste Channel kann ganz zahm, lässt sich aber mittels der Push/Pull-Funktion in ernsthafte Gain-Gefilde hochkurbeln. Hier ist alles drin. Clean klingt der Amp absolut ausgeglichen, und netterweise nicht zu charakterstark in Richtung irgendeines Vorbildes. Als Pedalplattform eignet sich der Kanal damit ganz hervorragend. Ein kurzer Test von Semihollow auf E-Standard und zu C-Standard mit heißeren passiv-PUs, Metal-Axt auf Drop-A# und EMG 81 bis hin zur Düster-Doom-Bariton ergibt, dass der Sigil in jeder Lage ein äußerst klares und differenziertes Klangbild widergibt und den Charakter einer jeden Gitarre ungefiltert darstellt. Sobald man das Gain reindreht, fängt der Amp an, die Zähne zu zeigen, lässt sich dann aber, wenn gewünscht, mittels Volume-Poti der Gitarre gut zähmen. Selbiges erfahren wir mit gezogenem Gain-Poti. Nun geht es ganz schnell ans Eingemachte und Robert Johnson nimmt spätestens hier trotz Siegel-Zuspruch den Hut [Vorsicht, Herr Zeppenfeld, ich dulde keine Unverschämtheiten in dieser Richtung – der Chefred.]

„Gain“ wir weiter

Jetzt wollen wir es wissen, voll auf die Zwölf! Der zweite Kanal verlangt definitiv nach einem Noisegate. Das ist nicht ungewöhnlich und lediglich Zeugnis der Gain-Reserven, die der kleine Fortin-Block unter der Haube hat. Ab circa ein bis zwei Uhr wird nur noch gemäht, keine Gefangenen – und da sind wir erst halb durch mit dem Gain-Regelweg.

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Speziell der Mitten- und Presence-Regler werden nun bemüht und haben den größten Einfluss auf den Sound. Die Bässe wuchten wir testhalber mal auf fünf Uhr hoch (volle Pulle) und merken schnell: Das ist dann doch zuviel des Guten. Der Amp brüllt, dass es besser kaum geht – mehr Gain braucht wirklich kein Mensch.

Die EQ-Sektion, die beide Kanäle gleichermaßen bedient, reicht völlig aus und es ist kinderleicht eine universelle, gut klingende Einstellung für beide Kanäle zu finden. Eine Eigenschaft des Sigil ist da aber doch, die dem Autor nicht so ganz in die persönliche Präferenz-Schablone passen will. Schon ab einer geringen Prise Overdrive zerrt es in den Höhen ungemein bissig. Der Amp funktioniert tadellos, jedoch entspricht diese Gainstruktur nur bedingt meinem persönlichen Geschmack und Verständnis von High-Gain. Vielleicht wird man alt, oder es liegt schlicht an meiner Vorliebe für Oldschool-Metalsounds. Der Sigil erfreut sich nämlich absoluter Beliebtheit in eingangs genannten Kreisen. Und wenn man Charakter hat, dann eckt man eben auch mal an – eine Eigenschaft, die durchaus positiv zu bewerten ist.

Das bleibt hängen

Der Preis von rund 1.400 Euro macht den Sigil nicht zum günstigsten Vertreter seiner Art, auch angesichts der Überschaubarkeit der Features. Der Preis rechtfertigt sich dann aber eben dadurch, dass die Amps in UK in Handarbeit gefertigt werden. Was die schiere Laustärke anbelangt sind die sechs Watt in der Wohnung kaum auszuspielen, bei zwanzig Watt hält der Sigil locker in jeder Bandprobe mit. Dennoch knallt der Amp schon bei nur angeschubstem Master-Regler wirklich gut.

Der Sigil richtet sich, ohne nach rechts oder links zu schauen an eine Nische, die er mit Bravour bedient und dem geneigten Deathcore-Afficionado dennoch die Möglichkeit gibt vernünftige Cleansounds auszupacken und Pedale in den Reigen zu werfen. Ein forscher und eigenständiger Amp mit Fanbase.    

Phil Zeppenfeld

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Belz Elektromagie The Beast (guitar-Test)

Das Anti-One-Trick-Pony

Belz Elektromagie legen mit The Beast einen 50-Watt-Verstärker vor, der in Sachen Flexibilität und Heaviness das Potenzial hat, der Konkurrenz das Fürchten zu lehren. guitar hat den Verstärker mit dem zurückhaltenden Namen für euch getestet.



Wer sind Belz Elektromagie? Der Zwei-Mann-Betrieb hat seine Werkstatt in Runkel bei Limburg und wurde 2017 von Diplom-Ingenieur Ulrich Belz zusammen mit seinem Kollegen Philipp M. Bindarra mit dem Ziel gegründet, „traditionellen Produkten von Vintage bis Modern etwas Neues einzuhauchen“, wie Belz Elektromagie den eigenen Ansatz beschreiben.

Kollege Philipp M. Bindarra ist außerdem für die hauseigene Faustus-Gitarrenreihe verantwortlich, von der wir hoffentlich auch bald ein paar spannende Exemplare auf dem Test-Tisch liegen haben. 2018 stellten Belz-Elektromagie dann auch schon ihre ersten Exemplare auf der Musikmesse Frankfurt vor, seitdem geht es stetig bergauf. Bei den Verstärkern mit klingenden Namen wie Bastard oder 13 handelt es sich um echte Handarbeit mit, soweit möglich, deutschen Bauteilen. Dabei muss man aber auch je nach Bestelleingang mit einer Fertigungsdauer von etwa vier Wochen rechnen, aber sagen wir es mal so – mehr Custom geht dann wohl nicht.

Es muss drücken!

Mit The Beast veröffentlichen Belz Elektromagie nun einen 50-Watt-High-Gain-Verstärker, der, laut eigenen Aussagen, flexible Soundmöglichkeiten von Rock bis Metal liefert und dem zukünftigen Besitzer eine Menge an Klangoptionen bietet. Dies erreicht The Beast mit einer festen und zwei regelbaren Gainstufen und einer Vielzahl an Schaltmöglichkeiten, um so den Wunschsound zu erreichen. Das geht soweit, dass die Einstellungen des Bias der Endstufenröhren von außen vorgenommen werden - wer kann der kann. In Sachen Verarbeitung und Optik überzeugt The Beast von Anfang an auf ganzer Linie. Das Holzcase ist mit einer spannenden Rost-Farbe lackiert, die förmlich nach Steampunk schreit und sofort Assoziationen mit Heavy-Musik erzeugt.



Unter der Haube hat das Topteil in der Vorstufe zwei mit Gleichstrom beheizte ECC808-Röhren verbaut, die als besonders rauscharm gelten, sowie eine ECC81, die laut der übersichtlichen mitgelieferten Anleitung als Phasentreiber dient. In der Endstufe werkeln zwei 6550-Röhren, welche, wie alle im Verstärker verbauten Röhren, New-Old-Stock sind und von Röhrenkenner Ulrich Belz ausgewählt wurden. Die Vor- und Endstufe lassen sich nun gezielt mit einer Vielzahl an Reglern und Schaltern bedienen, deren Flexibiliät zu den Kernfeatures von The Beast gehören.

Mit Gain 1 lässt sich der globale Gain-Wert regeln, Gain 2 ist für die Sättigung zuständig und legt entsprechend nochmal Zunder ins Feuer. Am Gain-1-Regler ist zudem ein Push/Pull-Poti-Boost angebracht, mittels dem der Verstärker ein paar dB mehr ausgibt und die tiefen Frequenzen betont werden, wodurch der Klang noch etwas runder und weicher wird. Der Trim-Regler sorgt für eine genauere Regelung zwischen Gain und Sättigung, wodurch man punktgenau den Wunsch-Zerrgrad justieren kann.

Mehr Schlagkraft

Mit „Presence“ lassen sich die oberen Frequenzanteile der Endstufe direkt regeln und erzeugen je nach Bedarf einen eher offenen oder doch geschlosseneren Ton. Mit „Depth“ lassen sich die tiefen Frequenzen einstellen, wodurch The Beast bei Bedarf noch einmal mehr Schlagkraft bekommt.

Zusammen mit dem Drei-Band-Equalizer und dem Master-Regler hätte man damit eigentlich schon das ganze Besteck für einen tadellosen Verstärker, der rundum glücklich macht. Belz Elektromagie gehen jedoch die Extra-Meile und legen noch einige Stellrädchen zur individuellen Klangerzeugung obendrauf. So lassen sich mit den Reglern Bright 1 & 2 und den Optionen Neutral, + und ++ die oberen Frequenzen boosten – dabei ist der Effekt vom Grad der Zerre abhängig: Je niedriger der Gain-Wert, desto höher der Effekt.

Besonders spannend ist der „Distorsion“ (sic!)-Schalter, mit dem man das Diode-Clipping zwischen den Werten symmetrisch, asymetrisch und neutral schalten kann. Dies erzeugt eine zusätzliche Kompression und Sättigung des Ausgangsignals. Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass das Signal von der jeweiligen-Gain-Stellung abhängig ist.

Belz Guitar Amp Test

So empfiehlt die Anleitung, dass die Regler sich über der 12-Uhr-Marke bewegen. Zu guter Letzt haben Belz noch einen Tone-Schalter spendiert. Ist dieser aktiviert, wird der Drei-Band-EQ angesteuert, ist der Schalter auf Off gelegt, wird der EQ übersprungen und das Signal wird direkt zur Endstufe geleitet – der eine oder andere kennt diese Funktion sicherlich auch von der eigenen Stereoanlage, der Grundcharakter des Amps kommt hier hervorragend heraus.

Für die Nachbarn

Im Praxistest im Proberaum mit einer 4x12-Box ist die erste Assoziation des Testers: „Der klingt wie er ausschaut“ und das im besten Sinne! Beim Beast ist der Name Programm und eines vorweg, der Verstärker schiebt wie Sau – entschuldigt den Ausdruck, aber es geht nicht anders.

Von Hardrock-Brett über Metal bis hin zum Metalcore, The Beast liefert ab und lädt ein, mit seinen Einstellungen die Soundmöglichkeiten weiter auszuloten. Das ging sogar soweit, dass die mitgebrachten Zerr-Pedale alle links liegen gelassen wurden, denn bei The Beast besteht einfach kein Bedarf nachzuhelfen. Eine Gitarre und der Amp reichen vollkommen aus um das Trommelfell nachhaltig zum Klingeln zu bringen. Es lässt sich allerdings auch erahnen, dass Freunde von cleanen Sounds hier nur bedingt auf ihre Kosten kommen – die Qualitäten liegen ganz deutlich im Hard-&-Heavy-Bereich.

Das bleibt hängen

The Beast ist die Antithese zum One-Trick-Pony. Klar, auch Freunde von Set-And-Forget kommen hier auf ihre Kosten, wenn man seinen Sound gefunden hat, muss man ihn ja nicht zwangsläufig wieder ändern. Wer Lust und Muße hat, an seinem Klang zu tüfteln und eine Vielzahl an Soundspektren abdecken will, der sollte definitiv einen Blick bei Belz Elektromagie riskieren.

Dort wird Custom nämlich noch wirklich groß geschrieben und da es sich eh um Einzelanfertigungen handelt, ist der Kunde hier immer noch König. Der aufgerufene Preis von 1.950 bis 2.200 Euro, je nach Gehäuse und Röhrenbestückung ist für die Handarbeit auch überaus fair. Was für ein Biest!     

Oliver Strosetzki

www.belz-elektromagie.de

Victory V4 The Kraken

Victory V4 The Kraken

Victory veröffentlichen mit dem V4 The Kraken einen zweikanaligen Vollröhren-Preamp mit 180 Watt Ausgangsstärke bei nur 1,7 Kg. Neben den Reglern für Bässe, Mitten und Höhen verfügt der V4 Kraken zudem noch über zwei Master- und Gain-Regler.

Ausgestattet ist der V4 Kraken zudem noch mit einem On-Board-Reverb und der Two-Notes-Cab-Sim-Technologie, die über einen Auswahlschalter für die Simulations-Presets und den entsprechenden Level-Pegel angesteuert werden kann. Mit dem eingebauten 9V-DC-Power-Output lässt sich zudem noch ein externes Effektpedal bis zu 500mA betreiben. Der Victory V4 The Kraken ist für 919 Euro erhältlich.

Test: ESP USA M-I NTB TOM Cosmos

Test: ESP USA M-I NTB TOM Cosmos

Wenn der Redakteur die Worte ESP und USA in Verbindung bringt und freundlich zu einer Testanfrage formuliert, muss in der Regel nicht lange nachgedacht werden. Genau genommen wird dann mit der Antwort nicht mal bis zur Typenbezeichnung gewartet, schließlich kommt einem so ein Gerät nicht alle Tage unter die Finger. Auch der Paketbote scheint etwas erstaunt, so schnell wurde ihm die Tür wohl selten geöffnet.

Aus dem Karton schält sich der ESP-typische, rechteckige Form-Fit-Koffer mit aufgenieteter ESP-USA-Plakette. Das tiefblaue, plüschige Innenleben schmiegt sich perfekt an die Kontur der Gitarre an und im Deckel findt sich nochmals das ESP-USA-Logo, diesmal in gestickter Form. Neben dem eigentlichen Testobjekt findet sich im Koffer noch das Echtheitszertifikat, ein Mikrofasertuch, Einstellschlüssel, ein Aufkleber und das Datenblatt, sowie natürlich die passenden Gurtgegenstücke zu den verbauten Schaller Strap-Locks.

Jubiläum ...

Zum 45-jährigen Bestehen von ESP zaubert der Shop im Norden Hollywoods das sehr spezielle Cosmos-Finish auf ihre bekannten Modelle. Auf die durchgehend schwarze Lackierung werden von Hand feinste Metallic-Pigmente aufgebracht, so dass jede Gitarre ein Unikat darstellt. Mit den Farben Blau, Lila, Türkis, Gold-Orange und Silber geht es hier bunt zur Sache und aus etwas Distanz fühlt man sich an Bilder des Teleskops „Hubble“ erinnert. Understatement geht sicher anders, aber warum sollte zu einem Firmenjubiläum auch der nächste Schwarzton optimiert werden, man will zeigen was Sache ist. ESP USA bieten für ihre Gitarren diverse Optionen an, angefangen von Deckenhölzern über Farben, Hardware etc., bei Interesse empfehle ich einen Besuch auf der Website, es lohnt sich. Jetzt wollen wir aber mal sehen, womit wir es unter der glänzenden Oberfläche zu tun haben.

... mit besten Zutaten ...

Der durchgehende, dreistreifige Ahornhals bildet den Kern des Instruments und präsentiert sich äußerst verwindungssteif. Das Ebenholzgriffbrett und die Reverse-Kopfplatte sind mit einem einlagigen, weißen Kunststoff-Binding eingefasst und schärfen die ohnehin aggressive Silhouette nochmal zusätzlich. Im dunkelbraunen Griffbrett mit gleichmäßiger Maserung finden wir Offset-Block-Inlays, an der Griffbrettflanke sorgen schwarze Punkteinlagen zur Orientierung. Die 24 Extra-Jumbo-Edelstahlbünde sind auf Hochglanz poliert und an den Kanten perfekt verrundet. Für die Stimmung sorgen Sperzel-Trimlok-Tuner, deren Locking-Funktion über ein Daumenrad auf der Rückseite nutzbar ist. Dazu gesellt sich noch ein perfekt bearbeiteter Knochensattel. Am anderen Ende findet sich eine TonePros-T3BT-Brücke in bewährt hoher Qualität. Diese ist mit zwei kleinen Madenschrauben an ihren Haltebolzen fixiert, so dass nichts rappelt oder beim Saitenwechsel ein Eigenleben entwickeln könnte. Die Saiten werden von hinten durch den Korpus geführt, so ist sichergestellt, dass die Saiten auf der Brücke ordentlich Anpressdruck entwickeln.

... und doch so einfach

Die Tonwandlung übernimmt ein einzelner EMG 81X mit einer polierten Kappe in Schwarz-Chrom, ein Volume-Poti ist alles was man braucht. Einfach und schlicht ist ja oft ein guter Denkansatz, und wer sich mehr wünscht, wird erneut auf der Homepage fündig. Die X-Serie von EMG wurde laut Hersteller im Dynamikumfang ordentlich erweitert, ohne die klassischen Gene des etablierten EMG 81 zu verleugnen ... wir werden sehen und sind gespannt. Ihnen wird ja oft eine gewisse klinische Ausdruckslosigkeit nachgesagt, nun ja, wie immer im Bereich des künstlerischen Schaffens sind Geschmäcker und vor allem Anforderungen verschieden. Unzählige Alben mit EMGs verleiten die tobenden Massen zu heftigstem Kopfnicken, da hätte sich jetzt bei mir noch keiner über einen klinischen Sound beschwert.

Die Batterie kann über ein Flip-over-Batteriefach mit nur einem Druck geöffnet und sekundenschnell getauscht werden, eine absolut hochwertige Lösung ohne viel Gefummel und billigem Plastik. Zu guter Letzt finden wir, versenkt in der Zarge, die Klinkenbuchse im Strat-Blech. Ebenfalls eine elegante Lösung, so wird das Kabel im Winkel nach oben herausgeführt und kann zur Zugentlastung gut hinter den Gurt gelegt werden, während der Klinkenstecker weniger mechanischen Belastungen ausgesetzt ist. Ich sag nur „Power-Pose“, da kommt man sich beim klassischen Zargenblech schon mal in die Quere.

Perfektion?

Die Verarbeitungsqualität bewegt sich durchgehend auf höchstem Niveau, das pingelige Auge des Testers kann schlicht keinen Makel finden. Ganz weit vorne ist die Werkseinstellung. Hier zeigt sich, wie viel Zeit und Liebe zum Detail tatsächlich im Spiel war. Saitenlage und Spielgefühl sind schlicht über jeden Zweifel erhaben, die an den Tag gelegte Präzision ist wahrlich beeindruckend. Das schlanke Halsprofil schmiegt sich sportlich-mondän in die Greifhand, schnelle Lagenwechsel sind dank der makellosen Bearbeitung der Bundenden ein Leichtes. Die spiegelnd polierten Bündstäbchen machen Bendings zu einem Kinderspiel und die Korpuskonturen mit gewohnter Armauflage und Rippenspoiler schmiegen sich bestens austariert an den Spieler. Auch der auf Hochglanz polierte Hals wird nach längerem Spiel nicht unangenehm, haptisch passt hier einfach alles. Der akustische Klangeindruck besticht, der Mahagoni-Korpus sorgt im Verbund mit dem Ahornhals für ein feingliedrig aufgelöstes Klangbild mit bester Saitentrennung und glitzernden Höhen. Obwohl die Werksbesaitung mit einem .009 - .042er Satz recht dünn ausfällt, werden erstaunlich breite, aber ordentlich aufgeräumte Bässe präsentiert. Das Sustain ist über jeden Zweifel erhaben, die gesamte Konstruktion ist äußerst schwingfreudig und klingt gleichmäßig aus.

One-Trick-Pony?

Wie man der elektrischen Ausrichtung schon entnehmen kann, richtet sich die M-I nicht unbedingt an den Jazzer und Country-Picker, also wollen wir dem Amp doch gleich mal eine ordentliche Portion Zerre entlocken um einen gelungenen Einstieg zu schaffen. Einmal durch das Hard & Heavy-Portfolio geprügelt muss man einräumen: Ja, genau so, nicht anders. Hier verschmelzen alle Komponenten zu einem großen Ganzen und bieten Sound und Spielgefühl der Extraklasse. Schnelle, singende Linien über alle 24 Bünde werden ebenso perfekt in Szene gesetzt wie harte Rhythmusarbeit. Die vorherrschende Präzision in der Wiedergabe erzwingt sauberes Spiel und der EMG 81X fräst sich durch jeden Mix. Hier ist nichts klinisch oder flach, unterschiedliche Picking-Techniken werden mit hervorragender Dynamik in Szene gesetzt, die ganze Gitarre hängt an den Fingern und macht einfach Laune. Die Arbeit am Volume-Poti geht geschmeidig von der Hand und lässt diverse Sound-Optionen zu. Auch unverzerrt ändert sich nichts an der großartigen Darstellung, so bekommt man auch hier ein breites Feld an Möglichkeiten geboten.

Das bleibt hängen

Hier erlebt man Gitarrenbau auf höchstem Niveau. Die Selektion der Einzelkomponenten ergibt eine Gitarre der Extraklasse, wie man sie nur selten erlebt. Der Spaß ist natürlich nicht günstig, und gerade im High-End-Segment werden die Unterschiede immer geringer, aber mit viel Liebe zum Detail ist doch noch irgendwo ein Quäntchen mehr raus zu kitzeln. Absolutes Top-Niveau, schade das die nicht in meinem Wohnzimmer hängt.

Fotos: Phil Zeppenfeld

Bilder: Markus Kaffka

 

Fame AG 26A

Fame AG 26A

Mini-Houses, 1,3 Liter Hubraum mit 150 PS, Lunchbox-Amps – „Downsizing“ ist der Anglizismus, der Branchen-übergreifend Schule macht. Was das mit einem Akustik-Amp zu tun hat? Fame denken mit, praxisorientiert und immer günstig, ohne billig zu sein. Der AG 26A ist dafür ein Paradebeispiel.

Bei diesem Winzling von Akustikamp können Gitarre und Gesangsmikrofon simultan und ortsungebunden mit 25 Watt verstärkt werden. Hierzu stehen zwei 6,3-Millimeter-Klinken-Eingangsbuchsen zur Verfügung.

Sollte man den spontanen Jam am See mitschneiden wollen, bietet ein 3,5-Millimeter-Klinken-Ausgang die Möglichkeit, den Kreativschub festzuhalten. Das Design ist klassisch, die Verarbeitung solide: etwas Holz, Metall und eine Abdeckung für die Speaker in Rattan-Tweed-Optik. Das Control-Panel ist intuitiv aufgebaut. Eine graphische Aufteilung in drei Sektionen macht die Bedienung einfach. Die erste Sektion „Acoustic Guitar“ beherbergt vier Potis: Volume, Bass, Treble und Reverb.

Die zweite Sektion für den Mikrofon-Eingang hat einen Lautstärke- und einen Echo-Regler und die dritte Sektion enthält einen Kanal-übergreifenden Master-Regler und einen „BT“-Knopf, mittels dem ein Smartphone per Bluetooth mit dem Amp gekoppelt werden kann und zum Beispiel Backing-Tracks über die Box gespielt werden können, um diese mit der Gitarre zu begleiten. Eine LED neben dem „BT“-Schalter zeigt an, ob dieser eingeschaltet ist oder gerade verbindet. Eine weitere LED auf der Rückseite zeigt an, ob bei Einsatz des Ladegeräts geladen wird.

See-Beschallung

Natürlich kann die Box auch einfach als Beschallung für das Wohnzimmer oder beim Grillen am See verwendet werden. Betrieben wird das Gerät mit einem mitgelieferten 15-Volt-Netzteil oder eben über den Akku. Der Akku hat laut Herstellerangaben eine Ladedauer von drei Stunden und eine Laufzeit von fünf Stunden. Im Test können wir das bestätigen, kommen bei der Laufzeit aber sogar etwas über fünf Stunden hinaus.

Der Amp kommt mit einem Tragegurt, der ihn zur lautesten Handtasche der Welt macht. Abseits vom Gurt, der in Sachen Materialauswahl im Budget-Bereich angesiedelt ist, ist die Verarbeitung des kleinen Helfers wirklich fantastisch. Da klappert und kratzt nichts. Alle Teile sind astrein miteinander verbunden, angefangen beim Gurt-Pin über das Gehäuse bis zu den Poti-Knöpfen macht der AG A26 einen richtig guten Eindruck. Günstig muss eben nicht gleich billig sein.

Dennoch, ein Tausendsassa für 129 Euro, der den Nagel der Jamsession-Bedürfnisse und Freizeit-Freunde auf den Kopf trifft? Chapeau, Fame. Das haut nahezu komplett hin. Als Bluetooth-Box für passiven Musikgenuss hergenommen, wird das Teil auch richtig laut – eine WG-Party lässt sich so definitiv beschallen. In den Bässen ist sie etwas schwach und klingt, je mehr Leistung man dem 6,5‘‘-Speaker abverlangt, etwas dünn. Im Betrieb mit Gitarre und Mikrofon fällt das weniger auf. Im Gegenteil, da macht sich eher die Durchsetzungsfähigkeit des kleinen Speakers bemerkbar. Natürlich kann man die Klangqualität im Extrembereich bemängeln, dann wird es bei dem Preis aber irgendwann lächerlich.

Ein Allrounder für den Preis, der dem Straßenmusiker Autobatterie, Riesencombo und Hackenporsche erspart, muss kein Klangerlebnis der absoluten Spitzenklasse bringen. Davon abgesehen bringt der kleine Pragmatiker auf Zimmerlautstärke klanglich ein amtliches Ergebnis zu Stande. Wer hier noch meckert, ist einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden. Die Zwei-Band-Klangregelung reicht völlig aus und gibt dem Spieler in Verbindung mit dem Reverb eine ausreichende Klang-Regelmöglichkeit an die Hand. Der Reverb ist einfach in seiner Intensität regelbar. Wer mehr Effekte will oder braucht, kann das eigene Effektboard zwischenschalten, was aber gerade für einen Einsatz im Grünen das Konzept des Amps ad absurdum führt – dennoch, jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Der Mikrofon-Eingang verrichtet seine Aufgabe zufriedenstellend. Extreme Dynamikschwankungen (und damit ist das heftige Gescheppere eines Metal-Shouters gemeint) überfordern den 26-Watt-Zwerg dann schon etwas. [Kurze Frage, Phil: Du weißt schon, dass das keine Unplugged-Metal-PA für Manowar ist, oder ? – die Red.] Die Singer-Songwriter-Vokalisten werden allerdings zufrieden sein. Wenn Gitarre und Gesang gleichzeitig eingestöpselt sind, lässt sich mittels der kanaleigenen Volumen-Regler schnell ein passendes Lautstärke-Gleichgewicht finden. Die Spieldynamik der jeweils eingestöpselten Musikanten spielt dennoch eine Rolle – dem Speaker sind Grenzen gesetzt. Für eine mobile PA mit gerade mal dreieinhalb Kilo ist das aber auch völlig ok.

Das bleibt hängen

Die Firma Fame ist mit ihrer Produktpalette am Zahn der Zeit und scheint die Bedürfnisse des Markts zu verstehen. Das beweist die AG-Serie auf bestechende Art und Weise. Die Tatsache, dass die AG-26A-Box als Heim-Anlage genutzt werden kann, ist nicht nur ein netter Bonus, sondern ein klares Kauf-Argument. Die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen, der Preis von rund 130 Euro ist eine echte Ansage, die den AG 26A im Konkurrenz-Kampf mit harten Bandagen ausstattet. Ein Verstärker, der sich in jedem Rucksack transportieren lässt und im Rahmen seiner Möglichkeiten klanglich vollkommen überzeugt. Stark!     

Phil Zeppenfeld

Den kompletten Test könnt ihr auch in guitar 01/2020 nachlesen – direkt bei uns im PPV-Online-Shop bestellen!

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